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24.11.1878 Erstes Blatt
 
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Rr. L7S Erstes Blatt. Sonntag, den 24. November 1878.

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Amtlicher Töeit.

Gießen, den 22. November 1878.

Betreffend: Die Sterbfallszählkarten und Todeszeugniffe.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen

an die Großherzoglichen Standesämter Annerod, Beltershain, Beuern, Birklar, Climbach, Dorf Gill, Ettings­hausen, Hattenrod, Langsdorf, Lauter, Lich, Mainzlar, Nieder-Bessingen, Rödgen, Rüddingshausen, Ruttershausen, Saasen, Stockhausen, Trohe, Villingen, Weickartshain.

Wir erinnern Sie an alsbaldige Einsendung der Sterbfallszählkarten und Todeszeugniffe aus den Monaten September und October. Dr. Glasor.

Aotilisch

Deulschlaad.

Berlin, 21. November. Das Herrenhaus erledigte in der heutigen Sitzung zwei unerhebliche Gesetzentwürfe. Der Präsident machte Mitthetlung von dem gestern erfolgten Tode des Mitgliedes Ober-Ftnanzraths Elwanger, Präsidenten der Verwaltung des Reichs-Jnvaliden-Fonds; das Haus erhob sich zum Ehrengedächtniß des Verstorbenen. Nächste Sitzung unbestimmt.

Kesterretch.

Wien, 21. November. Der Kaiser hat die Adreffe des Abgeordneten­hauses entgegengenommen. Der Präsident des Abgeordnetenhauses und der Botschafter Robtlant wechselten anläßlich des Attentates verbindliche Schreiben.

Wien, 21. November. In beiden Delegationen wurden die bereits avisirten Vorlagen wegen des Occupattonscredits eingebracht. Die öster­reichische Delegation erledigte das Marine-Budget im Ordtnarium und Extra- Ordinarium nach den Anträgen des Ausschusses, nachdem der von Teuschel nach der Regierungs Vorlage wieder aufgenommene Antrag aus Bewilligung der ersten Rate von 300,000 ft für ein neues Citadell-Schiff abgelehnt worden war. In der ungarischen Delegation brachte der Delegirte Falk eine Interpellation ein, ob der Minister des Aeußeren Kenntniß habe, daß Rußland mit der nach dem Berliner Vertrage ihm obliegenden Räumung der Dobrudscha zögere und als Bedingung der Räumung von Rumänen den Abschluß eines Vertrages fordere, der Rußland über die vertragsmäßige Frist hinaus eine Durchzugs-Straße durch die Dobrudscha sichern würde? Hält der Minister eine Interpretation des Berliner Vertrages für annehmbar, die die Erfüllung desielben von einer nach­träglichen Bedingung abhängig macht und ist es zulässig, daß die Bestimmungen des Berliner Vertrages bezüglich der Räumung Rumäniens auf Umwegen eludirt werden?

England.

London, 19. November. Wie aus Italien und Frankreich, so ist jetzt auch aus England von verheerenden Ueberschwemmungen zu berichten. In Norwich ist die Noth am größten. Dort sind gegen 1300 Personen obdachlos geworden. Sie find einstweilen in den vorhandenen Schulen, in den Gefäng- nifien und in verfügbar gemachten Prtvatwohnungen untergebracht worden. Gestern noch waren in Norwich mehrere Straßen nur zu Kahn passtrbar. Auch in der Gegend von Malton in Dorkshtre ist das Waffer sehr hoch gestiegen. Es stehen dort Tausende von Morgen Ackerland und Weiden unter Master und es ist nicht wenig Vieh weggeschwemmt worden. Aus Notttnghamshire und Lincolnshtre werden gleichfalls Ueberflutungen berichtet und die Themse ist oberhalb London im Steigen begriffen. Aus dem Norden wird ferner über deftige Stürme berichtet. Das anhaltende Regenwetter der letzten Wochen ist den Landwirthen zur späteren Herbstbestellung wenig zu paß gekommen. Die Lage der Landwtrthe ist so wie so gegenwärtig ziemlich traurig, und es wird nahezu alle Woche über Aufgabe neuer Pachtungen berichtet.

London, 21. November, Abends.Standard" meldet: Der Gesandte der amerikanischen Union zahlte heute mittelst Check an die Regierung 5Vr Mill. Doll, als die England in der Ftjchereifrage zugesprochene Summe. Das Reuterssche Bureau" meldet aus Lahore vom 21. d.: Die von Quettah vor­rückenden Truppen sind in Kushlak, 10 Meilen von Quettah, cingetroffen. Es herrscht sehr strenge Kälte. Jedes Regiment hat ungefähr 100 Kranke. Der britische Agent in Beludschistan, Major Sandeman, theilte den Häuptlingen Beludschistans die Proclamation des Vicekönigs mit, worin erklärt wird, daß t-er Krieg nur gegen den Emir von Afghanistan geführt werde. General Stewart geht unverzüglich nach Quettah; seine ganze Division hat bereits Multan verlaßen.

Italien.

Rom, 21. November. Der Kriegsminister Borelli ist zum Senator er­nannt. Das JournalAvvenire di Sardegna" erinnert daran, daß Pasta- imante, als er vor zehn Jahren wegen Verbreitung revolutionärer Manifeste im Salerno verhaftet wurde, der Polizei gegenüber erklärte, er habe sich mit

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dem Erlernen der französischen Sprache beschäftigt, um nach Paris gehen zu können, wo er Napoleon III. tödten wolle.

Rom, 20. November. Aus Anlaß der Wiederaufnahme der Regie- rungsgeschäfte durch den Kaiser Wilhelm wird, wie aus vattcanischen Kreisen verlautet, der Papst ein Beglückwünschungs-Schreiben an ihn richten, in dem wahrscheinlich auch die obschwebenden kirchlichen Verhandlungen zur Sprache kommen. Cardinal Nina, der seit lange Verwalter des Peterspfennigs ist, will dieser Einnahmequelle eine ganz neue Einrichtung geben und sie zu einer Art von regelrechter Steuer umgestalten. Die Bischöfe sollen daran erinnert werben, daß der Papst, seiner zeitlichen Macht beraubt, von allen Gläubigen der Beweise ihrer treuen Anhänglichkeit bedarf. Im Verein damit soll eine besondc'e Centralbehörde für die Erhebung des Peterspfennigs gebildet werden.

Rom, 21. November. In der heutigen Sitzung der Kammer machte Minister Zanardelli Mittheilung von dem Attentate und constattrte den allge­meinen Abscheu über dasselbe und die ungemeffene Freude über die Rettung des Königs. Der Minister erklärte ferner, so fest die Regierung den Prtncipten der Freiheit ergeben sei, so könne sie doch mit Mördern absolut nicht tranfigtren. Die Regierung sei den die Gesellschaft bedrohenden Gefahren gegenüber uner­bittlich und werde es bleiben. Sie zweifele nicht, daß sie hierin die Unterstützung der ehrlichen Leute aller Parteien finde. Die Rede des Ministers wurde sehr beifällig ausgenommen. Der Präsident verlas hierauf die an den König und den Ministerpräsidenten Cairolt gesandten Depeschen und die darauf etngegangenen Antworten. Die Antwortdepesche des Königs wurde von der ganzen Kammer und den Zuhörertribünen mit stürmischem Beifall ausgenommen. Auf den An­trag des Präsidenten beschloß die Kammer unter lauten Beifallrufen den Erlaß einer Adresse an den König und daß das Präsidium des Hauses sich nach Neapel begebe und den König nach Rom geleite. Der Senat, wo Zanardelli eine gleiche Erklärung abgab, beschloß gleichfalls eine Adresse an den König zu richten.

Spanien.

Madrid, 21. November, Abends. DieCorrespondencia" bringt fol­gende (anderweitig nicht bestätigte) Meldung: Mchrere Cabinete hätten die Regierung der Schweiz benachrichtigt, sie würden ihre Vertreter von Bern abberufen, wenn die Schweiz fortfahre, die Anarchisten aus allen Ländern bei sich aufzunehmen.

Telegraphische Pepeschen.

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Darmstadt, 22. November. Das neueste von derDarmst. Zeitung" veröffentlichte Bullertn meldet: Das Befinden des Großherzogs ist nach guter Nachtruhe befriedigend. Auch das Allgemeinbefinden des Erbgroßherzogs ist ein gutes. Prinzessin Irene ist in fortschreitender Besserung.

Darmstadt, 22. November. Laut neuestem Bulletin ist das Befinden der Großh. Herrschaften ein solches, daß zunächst täglich nur ein Bulletin Vormittags ausgegeben wird.

Darmstadt, 22. November. Der Landtag wurde heute um 11 Uhr Vormittags vom Ministerpräsidenten Freiherrn v. Starck eröffnet. Die Thronrede gedenkt der betrübenden Heim­suchung des Großherzoglichen Hauses. Heute dürfe man hoffen, daß das Leben des Groß­herzogs und des Erbgroßherzogs unversehrt aus der Gefahr hervorgehen werde. Unter den Aufgaben des Landtags werden die Gesetzentwürfe wegen der Ausführung der Neichs-Justizgesetze, die Entwürfe einer Bauordnung, eines Straßengesetzes, der Verlegung des Beginns der Finanz- pcriode auf den 1. April und wegen der Stellung der Rechnungskammer aufgezählt. Wiederholt vorgelegt werden: die Entwürfe zur Errichtung einer Landescultur-Rentenkaffe und der Ver­einigung der Schuldentilgungskaffe mit der Hauptstaatskasse. Das Bestreben, durch engere Ver­bindung von Behörden für Geschäftszweige, welche eine gleichartige Vorbildung voraussetzen, raschere Action mit Ersparniß von Arbeitskraft, Zeit und Kosten herbeizuführen, hat zu der Absicht geführt, die Organisation -u verändern. Das Ergebniß der Arbeiten der dieserhalb ein­gesetzten Commission wird Ihnen mitgethetlt werden. Hiernach mußte als unthunlich erkannt werden, die obere Leitung der Staatsverwaltung in der Hand eines Ministers zu vereinigen. Das Finanzministerium soll einem besonderen Vorstande unterstellt bleiben, der jedoch an die politischen Grundsätze der vom Staatsminister vertretenen Regierung gebunden ist. Beabsichtigt ist, das Justizministerium mit dem Ministerium des Innern unter einen Vorstand zu verbinden. Sollten wider Erwarten dadurch die Jntereffen der Gerechtigkeitspflege Noth leiden, so muß es vorbehalten bleiben, das Justizministerium einem besonderen Vorstande unterzustellen. Die Ober­forst- und Domänen- und die Obersteuer-Direction sollen aufgehoben und deren Geschäfte von Ministerialabtheilungen besorgt werden. Die Thronrede schließt: Die laufenden Einnahmen