Dienstag, den 24 September
Nr. 222
187«.
logen.
Erscheint täglich mit Ausnahme bei Montag»
Verlagen nad) äljt»
Preis vierteljLhrlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlotzn.
Durch die Post bezogen vierteljährttch 2 Mart 50 Pf.
Atdaetton»virre<mr Gartenstraße B. 165.
Wrpedttt0«»vttrea«r Schulstraße B. 18.
^ung. alsbch wnite 134 LLK
Gießen, am 21. September 1878.V.^ Betr essend: Die im Deutschen Reiche angeordnete Untersuchung über den Tabakbau, dieZTabaksabrikation und den TabakhandeU
Das Großherzoqliche Kreisamt Gießens
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Nachdem Sie in Gemäßheit unseres Ausschreibens vom 5. I. M., Anzeiger Nr. 212, die nöthigen Vorarbeiten vollendet haben, sind Ihnen die For- mularien auf Grund Ihrer Berichte kurzer Hand zugesendet worden.
Wo es sich nur um die Formularien Nr- IV und V handelt, wollen Sie, beziehungsweise die ernannten Zählungs-Commissionen, zunächst auf Formular IV die Spalten 1, 2, 3, 4 und 6 entsprechend ausfüllen, also namentlich in Spalte 4 die Namen derjenigen, welche unter Anderem mit Tabak oder Tabaksfabrikaten handeln, einschreiben, und sodann auf Formular V in den Spalten 14—22 die Ziffer der Gesammtzahl der bezüglichen Geschäfte, sowie auch der etwa vorhandenen Makler, Agenten und Hausirer einschreiben. Beide Formularbogen sind, richtig ausgefüllt, binnen 24 Stunden an uns einzusendeu.
Wo aber auch Formularbogen Nr. I, II, III oder VI zu vollziehen sind, wollen Sie solche längstens binnen 3 Tagen nach der Austhetlung wieder abholen laffen, solche, soweit möglich, sofort prüfen und berichtigen lasten, und uns unverzügllch, längstens aber bis zum 28. I. M. Vorlage machen.
Sollten Sie noch wettere Exemplare von Formularien oder der von der Reichs-Commission für die Art dieser Erhebungen erlastenen ausführlichen „Bestimmungen" bedürfen (welche Sie da, wo es sich nur um Ausfüllung der Fragebogen IV und V handelt, nicht nöthig haben dürften), so wollen Sie solche bei uns schleunigst abholen lasten. Etwa gewünscht werdende wettere Instruction können Sie von uns mündlich erhalten.
Wir hoffen, daß Sie die angegebenen Termine pünktlich beobachten und uns zu Zwangsmaßregeln, insbesondere zur Veranlassung der Abholung der Fragebogen durch Wartboten auf Ihre Kosten, nicht nöthigen werden.
I. V.:
Dr. Hoffmann, Regierungsrath.
Delle» weg D. 49, tr Hof und @artm hende Verzütmz t dazu brauchban Sm. Möhl, )-BahnboWaßk.
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Lmkige- Mi AmiÄistt für den Kreis Gießen.
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Meten.
Berlin, 21. Septbr. Der „Berl. Börs.-Ztg." zufolge haben heute mter dem Vorsitz M Geh. Oberregierungsrathes Br'efeld die Conferenzen zwi
schen der Commission der Berlin-Stettiner Eisenbahnverwaltung und den Com- mistarien der Regierung begonnen.
— Der. Redacteur der „Berl. Fr. Pr.", Karl Emmerich, wurde wegen Majestätsbeleidigung heute Vormittag auf dem Redacttons-Bureau verhaftet.
Berlin, 21. September. Die Commission für das Socialistengesetz nahm heute den gestern abgelehnten 8 6 der Vorlage mit 13 gegen 7 Stimmen (ein Mitglied der Centrums- partei fehlte) in folgender Fassung Lasker's an: Druckschriften, worin socialvemokratische, soci- altstische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnung gerichtete Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden oder die Eintracht der Bevölkerungs- Classen gefährdenden Weise zu Tage treten, sind zu verbieten. Bei periodischen Druckschriften kann zugleich mit dem zweiten auf Grund dieses Gesetzes ergehenden Verbot einer einzelnen Nummer — das Verbot ferneren Erscheinens erfolgen. Hierauf folgte die Annahme der 88 2 und 3, des letzteren in folgender Fassung: Auf Grund des Verbotes sind Vereinscassen, ferner alle für Vereinszwecke bestimmten Gegenstände durch die Polizeibehörde in Beschlag zu nehmen. Nachdem das Verbot endgültig geworden, ist das in Beschlag genommene Vereinsvermögen durch die Verwaltungsbehörde zu liquidtren und nach den gesetzlich zulässigen Verpflichtungen und Zwecken des Vereins zu verwenden. Gegen die Anordnungen der Behörde findet nur eine Beschwerde an die Aufsichtsbehörden statt mit dem Vorbehalt jedoch des Rechtsweges für vermögensrechtliche Ansprüche Dritter und der Vereinsmitglieder. 8 5 wird in folgender Faffung angenommen: Versammlungen, worin socialdemokratische, socialistische oder communistische, auf den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnung gerichtete Bestrebungen zu Tage treten, sind aufzulösen. Versammlungen, von denen auf Grund von Thatsachen anzunehmcn ist, daß sie zur Förderung obiger Bestrebungen bestimmt sind, sind zu verbieten. Versammlungen werden öffentliche Festlichkeiten und Aufzüge gleichgestellt. Zuständig für das Verbot und die Auflösung ist die Polizeibehörde. Die Beschwerde folgt dem landesgesetzlich vorgeschriebenen Jnstanzenzug gegen Polizeiverfügungen entsprechender Art. Hierauf folgte die Berathung des 8 4 (Recurs an den Bundesrath), die heute nicht abgeschlossen wurde. Gneist sprach für die Uebertragung des letzten Entscheides an den Reichskanzler, weil dadurch auch der Einfluß des Reichstages gewahrt bleibe. Lasker will das preußische Oberverwaltungsgericht als oberste Recursinstanz. Seitens des Bundesraths treten Sachsen und Bayern für die Bundesraths- Commisfion als letzte Instanz ein. Minister Eulenburg äußerte sich nicht.
Wilhelmshöhe, 21. Septbr. Bel dem gestrigen Parade-Diner hielt Se. Majestät der Kaiser folgende Ansprache: Ich freue Mich, dem ganzen Armee-Corps Meine Zufriedenheit aussprechen zu können, wie Ich es schon gegen den Commandirenden desselben gethan. Ich ergreife aber auch diese Gelegenheit, um den königlichen Hoheiten, den Prinzen und den Fürsten Meinen Dank dafür zu wiederholen, daß sie ihren Regimentern die Ehre erwiesen haben, sie vorbetzuführen. Ich trinke auf das Wohl des Armee-Corps.
Wilhelmshöhe, 21. Septbr. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wohnten heute dem Corpsmanöver bei. Der Kaiser, welcher trotz der rauhen Witterung im offenen Wagen fuhr, versammelte nach dem Manöver die Generale und Stabsoffictere zur Kritik. Bei der.Abfahrt waren am Bahnhofe Wabern die Bürgermeister und Landräthe aus den umliegenden Kreisen zur Verabschiedung anwesend. Das Aussehen des Kaisers war vortrefflich. Zur heutigen Hoftafel waren die Civilbehörden geladen. Morgen findet Kirchgang der Majestäten statt. Der Großherzog von Sachsen und der Herzog von Edinburgh sind heute früh abgereist.
Aus Westfalen, 20. Septbr. Nachdem die „Wittener Gußstahl- und Waffenfabrik" erst neulich die Zahl ihrer Arbeiter ganz bedeutend vermehrt, hat sie nun einen so bedeutenden Auftrag in Marine-Gewehren erhalten, daß sie circa 1100 neue Arbeiter einstellen kann, welche auf längere Zeit hinaus vollauf beschäftigt sein werden. Bet dem Darniederliegen der Eisenindustrie ist die Thaisache doppelt erfreulich. In der Waffenbranche scheint eben selbst in der sonst so flauen Zeit keine Flaue zu herrschen.
Osterode, 20. Septbr. Bei uns hat die Dittrichswalder Wundererscheinung ein sehr trauriges Ereigniß zur Folge gehabt. Ein hiesiger Schuhmacher, welcher vor einiger Zeit Dtttrichswalde besucht hat, erklärte bald
Anregung von dem allgewaltigen Frankreich aus und trotz der Autorität des Kongresses kam man zu keiner praktischen Lösung, hauptsächlich weil Frankreich bet der Doppelwährung beharren zu wollen erklärte. Diesmal ging die Anregung zu dem Congreß von Amerika aus. Die Absicht Amerikas war, wie bekannt, die Doppelwährung, die für Amerika beschloffen ist, dadurch haltbarer zu machen, daß man ihr Geltungsgebiet möglichst Über die ganze ctvilisirte Welt ausdehnte. Unser Vaterland hatte die Theilnahme an diesen Beratungen mit Recht abge- lchnt, wie auch Rußland. Die deutschen Zeitungen haben von dem Congreß daher wenig Notiz genommen und in der That ist denn auch das Jntereffanteste an der Conferenz, daß sie ganz ohne Resultat geblieben ist.
Es war von vornherein ein aussichtsloses Unternehmen. Was England dem damals so gefürchteten Napoleon nicht bewilligt hatte, nämlich seine in aller Welt angesehene Münzordnung zu ändern, das konnte es viel weniger den Vereinigten Staaten bewilligen, die in den letzten Jahren von innern Parteiungen verwirrt, durch ihre Finanz- und Währungspolitik den Eindruck machten, als herrsche die urtheilslose Maffe und nicht die Vernunft. Und ohne England konnte natürlich der Congreß von der Verbreitung der Doppelwährung über die Welt nicht im Ernst reden. Jntereffanter ist, daß auch die Staaten, welche mit Frankreich in Münzsachen verbündet sind und also Doppelwährung haben, keineswegs den amerikanischen Bestrebungen so einfach entgegenkamen. Was wir schon lange wußten, daß die Schweiz und Belgien entschieden die Goldwährung vorziehen, das hat sich auf dem neuen Augnst-Congreß wieder gezeigt. Kurz, die Sache der Doppelwährung ist nicht gekräftigt, sondern eher geschwächt und discreditirt. Natürlich wurden wieder die angeblichen Vorzüge derselben vorgetragm, aber sie sanden schleunige Widerlegung. Es lohnt sich nicht, diese Dinge zu wiedkrholen.
Bis jctzt ist keine Macht der Welt im Stande gewesen, zwischen Gold und Silber ein festes Werthverhältntß dauernd aufrecht zu halten, auch keine Verbindung von mehreren Mächten. Die Amerikaner hatten den Gedanken, das Unmögliche sei doch möglich, wenn noch mehr Mächte, wenn alle europäischen Staaten sich zu diesem Zwecke verbänden; und der Gedanke war nicht Übel, wie der große Apostel das Bimetallismus Cernuschi in Parts gezeigt hatte. Aber das fatale „Wenn" stand im Wege. So ist die Sache denn mißlungen. Uns Deutsche kann es schon recht sein. Dieselben Richtungen, die sich um Doppelwährung bemühten, hatten schon früher einmal schadenfroh verkündet, daß die deutsche Münzreform gescheitert sei. Jetzt zeigt es sich klar, daß wir zwar nicht am Ziele stehen, aber doch schon weiter sind, als unsere Nachbarn im Westen. Leider geht das Etnziehen unserer alten Thaler langsamer von Statten, als im vorigen Jahre; aber die Sache geht doch voran. Ueber Etnzelfragen läßt sich später noch reden, z. B. über Verringerung unserer Stlber- und Kupfermünzsvrten. Darin hat England auch manche Aenderung hinterher treffen muffen. Auch unser Banknoten- und Kassenschein-Wesen ist noch nicht vollkommen.. Aber die Hauptsache ist gethan und es ist erfreulich, daß wir den uenesten Münz-Conferenzen so ruhig haben zusehen können.
*Die Pariser Münz Conferenz im August d. I.
Wie die Pariser Weltausstellung von 1867, so sollte auch die von 1878 einem internationalen Münz-Congreß benutzt werden. Damals ging die
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