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nftlich bedrängt. Zur Unterstützung der Polizei versuchte jetzt die durch ihre Alarmsignale zusammenberufene freiwillige Feuerwehr einzujchrerten, indem sie die Wasierstrahlen einiger herbetgeschaffcer Spritzen auf bie Menge richteten, «ür einen Augenblick schien dies roirfiam, bald aber kehrte die Masie in er­neuerter Wuth zurück und überschüttete die Feuerwehrleute mit einem wahren Hagel von Steinen, durch welchen auch mehrere Feuerwehrmänner ernstliche Verletzungen erhielten. Jetzt blieb nichts Anderes übrig, als das Mllitär etn- schreiten zu lasten. Leider war das in Hnburg garnisontrende Bataillon des 75. Regiments zu den Manöoern ausgerückt und hatte nur ein kleines Wacht- departement von 20 und einigen Mann zurückgelaffen, so daß nur ein Unter­offizier und 12 Mann zur Unterstützung der inzwischen arg in's Gedränge gerathenen Polizeimannschaft zur Verfügung waren. Die e Heine Anzahl ver­mochte dem durch stundenlange Straflosigkeit übermüthig gewordenen Pobelhauien nicht zu imponiren, vielmehr wurde das Militär gleichfalls mit Steinen über schüttel von denen mehrere Soldaten getroffen wurden. Eine darauf abgege­bene blinde Salve hatte keinen Erfolg, und sah das Militär sich gezwungen,

»u feuern, was denn endlich die Pöbelmaste auseinander trieb. Die Zahl der Verwundeten auf Seite be'c Tumultuanten beläuft sich auf circa 30, von denen einer in wenigen Minuten seinen Geist aufgab, während zwei seitdem verstorben sind. Einer der Tumultuanten wurde in dem Augenblicke niederge- schosten, als er, nachdem er unmittelbar vorher einen Polizeiofficianten durch einen Stetnwurf am Kopf schwer verletzt hatte, sich bückte, um nochmals einen Stein aufzuheben. Die auseinander gesprengte Pöbelmaste zerstreute sich zwar, durchzog aber noch längere Zeit in kleineren Schaaren die Stadt und die Auf- regung hielt fast die ganze Nacht an. Erst das am Sonntag Morgen 8 Uhr in Harburg wieder einrückende, von dem Vorgefallenen telegraphisch benachrich tigte Bataillon des 75. Regiments vermochte die Ruhe vollständig wiederherzu- stellen, nachdem mehrere Zusammenrottungen noch am Sonntag Morgen mit Kolbenstoßen hatten auseinandergetrieben werden muffen. Das Bataillon wurde in summarischer Weise einquartirt, wobei die bekannten hervorragenden Führer der welfischen Partei vorzugsweise bedacht wurden; zahlreiche Patrouillen mit scharf geladenen Gewehren durchzogen während des gestrigen Tages die Stadt und sicherten die wiederhergestellte Ruhe.

Oesterreich.

Wien. Nachdenkbar gräßlichstem" Kampfe haben die österreichischen Truppen am 19. d. Serajewo besetzt. Es sind dies die eigenen Worte des Obercommandirenden, die uns in einer Wiener Depesche übermittelt werden. Die Hauptstadt Bosniens hat sich nicht, wie in den letzten Tagen von Wiener Blättern angenommen wurde, dem österreichischen Feldherrn ohne Gegenwehr au Gnade oder Ungnade übergeben. Aus jedem Hause, jedem Fenster und jede Thürspalte wurden die österreichischen Truppen beschossen. Selbst Weiber und Verwundete nahmen an dem Kampfe Tyetl. Die Einnahme Serajewos hat wohl genügend Beweis abgelegt von dem Fanatismus der Mohamedaaer. und man wird in Wien nunmehr einsehen gelernt hchen, daß die Occupation Bos­niens sich nicht zu einer promenade militaire, sondern zu einem der erbittertsten Feldzüge, zu einem Religtonskampfe, entwickelt hat. So lange man gegen In­surgenten aus Profession zu kämpfen hatte, war der Widerstand, der den österreichisch-ungarischen Truppen entgegengesetzt wurde, leicht zu brechen; nun­mehr, da der religiöse Fanatismus der Muselmanen gegen dieEindringlinge" auf gestachelt ist, wird die Occupation mit aller Strenge und mit Ausschluß aller Schonung zu Ende geführt werden müssen. Es ist ein heißer Boden auf dem sich die österreichischen Truppen bewegen, und manch' tapfere Armee hat sich schon da verblutet; doch es herrscht kein Zweifel darüber, daß die Be­setzung Bosniens und der Herzegowina durch die österreichischen Soldaten auch vollständig durchgeführt werden wird. Keineswegs jedoch wird dies mit der zur Zeit dorlselbst befindlichen Truppenzahl vollbracht werden können. Man wird zur Mobilistrung einer gleich großen Truppenmafse schreiten müssen. (Es ist dies, soweit unsere Nachrichten reichen, bereits geschehen). Es war ein verhängnißvoller Jrrthum, zu glauben, daß mit der Einnahme der Hauptstadt die ganze Insurrektion erstickt wäre. Man hat sich in Oesterreich schon so oft verrechnet", daß man nun einmal hoffen durfte, die maßgebenden Persönlich­keiten würden der gegenwärtigen Sachlage volles Verständniß entgegenbringen. Es freut uns schließlich noch, nach einem Wiener Telegramm berichten zu kön­nen , daß sich der kaiserlich deutsche Consul Dr. Frommelt um die Sicherheit der österreichisch-ungarischen Colonte, gegenüber der fanatischen Wuth und den Drohungen der Mohamedaner in Serajewo, vor Einzug der österreichischen Truppen, erfolgreich bemüht hat.

Atalicn.

Nom, 21. August. Wie hier versichert wird, soll der jetzige Stand­punkt der Verhandlungen zwischen Rom und Berlin folgender sein. Die Kurte gestattete, daß die in Folge der Maigesetze Bestraften um Amnestie einkommen sollten. Bismarck zog die versprochene freiwillige Amnestie wegen des Wider standes der öffentlichen Meinung zurück. Die Kurie ermächtigt die Bischöfe zur Anmeldung der neuen Pfarrer, mit dem stillen Vorbehalt, daß von Seiten der Beamten keine Schwierigkeiten erhoben werden. Bestätigung dieser Ver­sicherungen bleibt freilich abzuwarten.

Rußland.

Petersburg, 17. August, lieber den an dem General-Adjutanten Mesenzow verübten Mord melden heute die hiesigen Blätter: Mesenzow pflegte jeden Morgen mit dem ihm befreundeten Oberstlieutenant Makarow einen Spaziergang zu machen. Gestern Vormittag kurz vor 9 Uhr befanden sich Beide gerade an der Straßenecke des Mickaelplatzes und der großen Jtaljans kaja, dicht vor den Fenstern der dortigen Conditorei, als ihnen zwei höchst an» ständig gekleidete Männer im Alter von 25 bis 30 Jahren entgegenkamen. Der eine derselben, der einen grauen Paletot trug, stieß dem General einen Dolch in die linke Brust, hart unter dem Herzen, der andere feuerte auf Maka- row's Kopf einen Revolverschuß ab, der aber sein Ziel verfehlte. Darauf sprangen beide Mörder in die neben dem Trottoir bereit stehende Equipage, die mit einem schönen, in Silber geschirrten Pferde bespannt war, und fuhren eiligst davon. E'N Soldat, der gerade vorüberging, rannte dem Fuhrwerk bis zum Katharinen-Denkmal nach, stürzte dort aber erschöpft nieder, so daß die Spur der Verbrecher verloren ging. Des Nachmittags um 5 Uhr starb

Mesenzow an der erlittenen Wunde. Er hatte erst vor Kurzem sein 50. Lebens- ahr vollendet. Gerade vor 23 Jahren, am 4. August 1855, war er in dec Schlacht an der Tschernaja (Krim) verwundet worden.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. Torrefp»ndeuz-D«rea».

New-Orleans, 22. August. Das gelbe Fieber hat sich bis in das untere Mississippi-Thal verbreitet und die Sterblichkeit abermals zuzenommen. Auch viele Neger wurden von der Epidemie ergriffen.

Belgrad, 22. August. Die Beschlüsse des Congreffes bezüglich Ser­biens wurden heute officiell publicirt. Eine Proclamation des Fürsten kündigt ofstciell die Wiederherstellung des Friedens an. Das Land feiert heute das Fest seiner Unabhängigkeit.

Wien, 22. August. DiePolit. Corresp." meldet aus Serajewo vom 2t. d.: Sämmtliche fremde Confuln befinden sich wohl und erschienen bei dem Armee-Commandaten Philippovic zur Aufwartung. Dasselbe Blatt meldet Konstantinopel: Der Abmarsch der russiichen Garde beginnt erst am 27. d. Mehemed Ali Pascha erhielt auch die Mission, die Grenzregulirungs-Sch vieriz- (eiten zwischen der Pforte, Serbien und Montenegro auszugleichen. Der vom Sultan ratificirte Berliner Vertrag ist vorgestern nach Berlin abgesendet.

London, 22. August.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel Derwisch Pascha theilte den Einwohnern von Datum mit, daß die Russen am 27. d. in die Stadt einziehen würden. Die Behörde von Datum macht be­kannt, daß Schiffe ankommen würden, um diejenigen Einwohner wegzuführen, welche nicht in der Stadt bleiben wollten.

New-Aork, 21. August. Das gelbe Fieber in Louisiana nimmt zu. Bis jetzt si id in New-Orleans 1400 Eckcankungsfälle vorgekommen, idojoh 435 mit dem Tode endigten. Von den 195 Einwohnern, welche in G enada blieben, sind 135 gestorben.

Kiel, 22 August. Der schleswig-holsteinische Provinzial-Landtag Hal ein Gesuch um Belassung des Ober-Präsidiums in Kiel an den Kaiser gerichtei.

Brüssel, 22. August. Anläßlich der Silbernen Hochzeit des Könige paares fand heute ein feierliches Tedeum statt, welchem alle belgischen Bischöfe beiwohnten. Im Palais großer Empfang. Die auswärtigen Mächte sind durch außerordentliche Abgesandte vertreten. Die Stadt trägt festlichen Schmuck. Am Abend allgemeine Illumination.

London, 22. August. Auf einem gestern in Liverpool stattgefundenen Banket sprach der Minister des Innern, Croß, die Hoffnung aus, daß der nunmehr gesicherte Friede ein dauernder fein werde und erklärte, es sei jetzt b;t erste Pflicht der britischen Regierung, die Staatsausgaben fe viel als möztrch einzuschränken. DieTimes" meldet aus Belgrad: Fürst Milan habe eine Proclamation erlassen, welche die Unabhängigkeit Serbiens und die Versetzung der Armee auf den Friedensfuß verkündigt.

Wien, 22. August. Feldmarsch ill-Lieutenant Baron Jovanovic melde! aus dem Lager bei Stolac, daß am 21. d. die Stellung der Insurgenten bei Stolac nach mehrstündigem heftigen Gefechte durch die 3. und einen Theil btt 2. Gebirgs-Brigade genommen worden sind und die Verbindung mit der In Stolac eingeschloffen gewesenen Besatzung hergestellt wurde. Die bisher cou statirten Verluste belaufen sich auf 10 Todte und 32 Verwundete. Der Verlust des Gegners ist sehr groß. Mehrere Chefs der Insurgenten, darunter Hassan, Rismaen und Rrgooic, sind gefallen. Nach den aus Serajewo eingetroffeie: Nachrichten fielen den kaiserlichen Truppen bei der Einnahme Serajewos unter den erbeuteten Trophäen 27 Kanonen, darunter auch mehrere Krupp'sch- Hinterlader, viele Waffen, Fahnen und große Quantitäten Munition in bit Hände.

Berlin, 22. August. DerReichs anzeiger" meldet: Der Äronpm hat gestern die Hauptcadeltenanstalt Lichterfelde besichtigt und an die Offlum Lehrer und Cadetten folgende Ansprache gerichtet: Mein erster Ging nai soeben erfolgter Rückkehr gilt der Begrüßung der Officiere, Lehrer und Cadetuc in den vor wenig Tagen bezogenen Räumen der Hauptcadettenanstalt, währeit die eigentliche Feier ihrer Einweihung erst nach der völligen Wiederherstellin: 2r. Majestät erfolgen wird. Möge der Geist, welcher von Alters her die bur-i meine Vorfahren gegründete und stets mit besonderer Vorliebe gepflegte Pflanz stätte ihrer Officiere auszeichnete, in der richtigen Eckenntniß der Anforderungr: unserer Zeit zu reichster Entfaltung gelangen! Und wie ehedem in den kürzlich verlassenen Räumen der Ersatz der preußischen Armee sich heranbildete, so mcg! hier fortan für das deutsche Herr die Saat entstehen, welche fern v> aller Engherzigkeit und den Sinn auf das Ganze gerichtet, eine wahre Sich für Kaiser und Reich immer bereit ist, dem Vaterlande zu dienen.

Havre, 22. August. Königin Christine ist gestorben.

Paris, 22. August. Die Veranstalter des Arbeiter-Congresses hak: beschlossen, den Congreß trotz des Verbotes abzuhalten. Derselbe soll 2. oder 12. September stattfinden.

Wien, 22. August. Das Armee-Verordnungsblatt veröffentlicht die fr nennung des F.-Z.-M. Philippovic zum Commandanten der 2. Armee unc Verleihung des Großkreuzes des Leopold-Ordens mit der Kriegs-Decoratici ferner die Ernennung des Herzogs von Württemberg zum Feldzeugmeister; w Letzteren, sowie der F-M.-Lts. v. Ramberg, Graf Szapary und Bienerthr: Commandanten deS 13., 5., 3. und resp. 4. Armee-Corps. Fünf Genen- sind zu Truppen-Divisionären ernannt.

London, 22. August. Dem Vernehmen nach begibt sich der erste der Admiralität, Smith, demnächst nach Cypern zur Jnspection.

Teplitz, 22. August. Kaiser Wilhelm hat an den Bürgermeister Uhr folgendes Handschreiben erlassen: Nach der schweren mir von dem Allmächti-'' auferlegten Prüfung war es mir wohlthuend, daß zur Wiederherstellung mein' Gesundheit das mir schon seit meiner Jugend so liebe Teplitz auserwählt wurtt Hier angelangt, ist mir vor Allem in Erinnerung meines unvergeßlichen, j Gott ruhenden Königs und Herrn Vaters, dessen Gedächtniß auf eine meines Herzen unendlich wohlthuenden Weise bewahrt wird, schon beim Empfange u: während meines ganzen Aufenthaltes, namentlich auch durch die persönliche sorge einec großen Anzahl hiesiger Einwohner aller Stände so viel Freundlich' fett und Theilnahme gezeigt worden, daß es ein Herzensbedürfniß für ist, allen Denen, die mir diese Gesinnungen entgegengetragen haben, bn> Scheiden von Teplitz meinen tiefgefühlten Dank hiermit auszusprechen, welchi-

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