Ausgabe 
24.2.1878 Erstes Blatt
 
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Versammlung von Gläubigern Egyptens hat Delegirte bezeichnet, welche der Conferenz der Mächte die Lage Egyptens darlegen sollen. Die Delegirten werden auf Rückkehr zum Regierungssystem der Kapitulationen dringen, falls die Gerichtsreform ferner noch unausgeführt bleiben sollte. Die europäischen Konsuln in Egypten haben bezüglich dieser Agitation ein günstiges Gutachten abgegeben.

Konstantinopel, 20. Februar. Die Ernennung Savset Paschas zum Minister des Aeußern ist amtlich veröffenlicht worden. Die Abreise Ramyk Paschas nach Petersburg ist verschoben. Heute fand ein großer Ministerrath in Betreff Oer Friedensverhandlungen und der Mission Onon's statt. Letzterer drängt bie Pforte, den Frieden schleunigst zum Abschluß zu bringen. Die aus- gewiesenen Deputirten verlaffen heute Konstantinopel.

Athen, 21. Februar. Die Nationalversammlung von Kreta hat die

Verhandlungen mit der Pforte abgebrochen und einen Appell an die Mächte beschlossen mit der Bitte, die Ereigniffe auf Kreta während der Jnsurrectionen

London, 22. Februar, früh. (Ausführlicherer Bericht über die Ober- haussttzung.) Auf eine Anfrage Granville's erklärte Derby: er habe in seiner Depesche vom 13. d. die ernste Hoffnung ausgesprochen, Rußland werde keine Truppenbewegungen gegen Gallipoli oder überhaupt irgend eine Operation machen, durch welche die Verbindungen, der britischen Flotte bedroht würden. In Folge des Gerüchtes von der Concentrirung der Ruffen auf den Linien von Bulair folgte am 15. d. ein Memorandum im gleichen Sinne. Die darauf am 18. d. empfangene Antwort constatire, daß Rußland sein Velsprechen, Galli­poli nicht zu besetzen und in die Linien von Bulair nicht einzurücken, aufrecht­erhalte. Gleichzeitig verlangte Rußland, daß keine britischen Truppen auf dem asiatischen oder europäischen Ufer der Dardanellen landen sollten.

Das britische Cabinet antwortete am 19. Februar: Es habe jene Ver­sicherung mit Genugthuung empfangen und sei bereit, derselben seinerseits durch die Verpflichtung zu entsprechen, keine Truppen auf dem europäischen Ufer der Dardanellen zu landen, mit dem Hinzufügen, daß es bereit sei, diese Verpflicht­ung auf das asiatische Ufer auszudehnen, wenn es die Versicherung erhalte, daß Rußland ebenfalls nicht beabsichtige, Truppen dahin zu senden. Rußland erwiderte am 21. d.: es beabsichtige nicht, das asiatische Ufer der Dardanellen zu besetzen, falls England gleichfalls von einer solchen Besetzung abstehe.

Die Depesche fährt fort, daß Rußland im Falle der Annahme der Be­dingung seitens Englands, weder Truppen an dem europäischen noch an dem asiatischen Ufer zu landen, Gallipoli nicht besetzen werde. Nach den neuesten Nachrichten befindet sich die britische Flotte in der Bay von Tuzla, welche von Konstantinopel entfernter als die Prinzeninseln, aber näher als Mudania ist; dies ist jedoch nicht auf die Ordre von London erfolgt. Lord Beaconsfield beantragte die zweite Lesung der Creditbill. Alle Mächte haben Vorsichtsmaß­regeln getroffen und allgemein angenommen, daß die Lösung der Orientfrage

Briefkasten.

«s .. u.nb *«* Ihren beidenEingesandt- steht der Aufnahme in unser B att nichts entgegen, wenn Ste die Gewogenheit hätten uns Ihrem werthen Namen mitzuthetlen. Überhaupt ist es doch selbstverständlich, daß wir auf anonyme fchv sendung, im Interesse unserer selbst, nicht eingehen können D Red

Handel und Verkehr.

. Ließen, 22. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. V'Öm4' ®änfee£et Stück - Ent-n-i-r, per Stück ? Say.' ?cr Stück 5-10 H Ermatt«, p. St. 3 Erbsen, 1 Liter 20 A, Linsen, 'Liter 24 H Tauben, das Paar 90 H, Hübner, per Stück M 1.60, Höhnen, per St. M. 170, Enten, per Stück Jt 3.20, Kartoffeln, 100 Kilo 7 m 60 A O-blen- Rindfleisch 50-56 Schweinefleisch 62 bis 64 Kalbfleisch 55 u. 60 Hammelfleisch 60 H

von 1821, 1841 und 1866 in Erwägung zu ziehen. Ferner wählte die Versammlung eine provisorische Regierung von 6 Mitgliedern, von denen 2 Türken sind.

Petersburg, 22. Februar. Amtliche Meldung vom 21. d.: Die Räumung von Erzerum hat gemäß den Waffenstillstandsbedingungen am 17. d. begonnen. Die erste Staffel der Garnison, 10 Bataillone und 6 Batterien stark (darunter 18 Feld- und 12 Gebirgsgeschützen), marschirte in westlicher Richtung ab. Am 17. d. wurde die Befestigung Keremetli, am 18. Medschidje, am 19. Azizie und Kowak geräumt; am 21. d. sollten die letzten türkischen Truppen Erzerum verlaffen. Eine Depesche desGolos" aus Giurgewo vom 21. meldet: Gestern rückten die Ruffen unter General Todtleben in Rustschuk ein, von der bulgarischen Bevölkerung enthusiastisch, von der türkischen zurückhaltend empfangen.

Loudon, 22. Februar. Die Admiralität hat noch ein weiteres für die türkische Marine gebautes Panzerschiff an gekauft. Das Kriegsamt vergibt im Submissionswege die Lieferung von 150,000 Martini-Henry-Gewehren.Morning- Post" undDaily-Telegraph" sprechen sich durchaus mißbilligend über das Abkommen bezüglich Gallipolis aus. Lord Ruffel ist ernstlich erkrankt.

Loudon, 22. Februar. Das Gerücht vom Rücktritte Derby's wird als vollständig unbegründet bezeichnet. In den Vorzimmern des Parlaments kursiren Gerüchte, daß die Türkei die Unterzeichnung des Friedens verweigere und Rußland die Auslieferung der türkischen Flotte verlange.

Gestorbene.

. * 5. Febr. Friedrich, 12 Tage alt, ein außereheliches Kind von auswärts (in der Entbindungsanstalt gestorben.) 16. Febr. Karl, 7 Monate 16 Tage alt, Sohn des Dienstknechts Philipp Deibel. Marie Meinhardt, geb. Graf, 64 Jahre 3 Monate 13 Tage alt, Wittwe des Flurschützen Wilhelm Meinhardt. 14. Febr. Metzaergesclle Ehristlan Steinbacher von Steinheim, Oberamt Marbach in Würtembera. 18. Febr. Taqlohner Friedrich Stohr, 45 Jahre alt. 20 Febr. Heinrich Friedrich Julius, Z Mo­nate 16 Tage alt, Sohn des Uhrmachers Hei rich Friedrich Reit- 18. Febr Ern außereheliches Kind weiblichen Geschlechts von auswärts (ohne Vornamen bald nach der Geburt gestorben.) 19. Febr. Bergmann Gottlieb Vollert, 50 Jahre alt, von Wetzlar (im academischen Hospital gestorben.) Eisenbahnarbeiter Andreas Schmidt, 24 Jahre alt, von Waldgirmes (im academischen Hospital gestorben.) 20. Febr. Der Diener des Gescllschaftsvereins Jacob Laudon, 39 Jahre alt

Literarisches.

Illuftrirte Iagdzeitung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. Her­ausgegeben vom k. Oberförster H.Nitzschc. 5. Jahrgang Nr. 10 enthält: Zur Schwarz­wildfrage von H. v- Elausewitz. Jagdbilder aus Siebenbürgen von M Maaner IV. mit Büffelbild. Exvreßbüchsm und Explosionskugeln mit Illustration rc^Als Änhaog dazu erfc6efnt: Bibttothck für.J-iger und J-gdfrcundc. Von rsahr°n n Waidmannern herausgegeben. 12 Hefte jährlich, pro anno 6 jl 1 Lieferuna' historische Rückblicke von vr. Fotchtinger. - 2. Lieferung: fiege unb ®efAuft etnei ^5^11 erpanbcö von C- E- o. Thüngen. Verlag von Schmidt & Günther in Leipzig. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen Bestellungen an. V Pi

Vermis ch f e S.

b8ftc ?ai!b bcr We".) Ein Kaufmann aus Boston, welcher die Ueber-

,, . - malpte, erzählt, baft er ftdb bnrf mit

etnem würdevoll °uss-hend-n deutschen Passagier in ein Ge p.äch dmüber ?inaelass7n was er über dimer fa denke. m wJ

Geborene.

rx ll. Febr. Hebwig Karoline Walburga Emilie, Tochter beS Großh. Professors vr. Karl Gareis. 14. Febr. Johanna Helene Margarethe Wilhelmine, Tochter des Taglohners Balthaser Wagner. 15. Febr. Elisabeth«: Dorothea, Tochter bes Locomo- tivHeizers an bcr Main-Weser Bahn Heinrich Amend. Georg, Sohn bes Taglöhners Georg Schäfer. 11. Febr. Wilhelmine Albertine Theodore Emma, ein außereheliches Äinb von hier. 15. Febr. Katharine Friederike, Tochter des Schuhmachers Mar Simon. 16. Febr. Arma Marie Friederike, Tochter des Heizers an der Cöln-Mindener Bahn Karl Wilhelm Groß. 12. Febr. Heinrich, Sohn de« Fuhrmanns Konrad Pfeiffer. 13. Febr. Elise Marie, Tochter des Fuhrmanns Heinrich Belloff II. 16. Febr. Robert Emil Karl, Sohn des Wagen-Revisors Robert Moritz Julius Hertwig. 18. Febr. Ein au6ere$eltdje8 Kind weiblichen Geschlechts (ohne Vornamen) von auswärts. 15. Febr Elisabethe Auguste Martha, Tochter des Diätars an der Main-Weser-Bahn Eduard Franz. Louis Adolph, Sohn des Rorbgerbers Karl Becker II. Willy, Sohn des Maklers Heinemann Steinfels. 19. Febr. Pauline Advlphine Johannette Marie, Tochter des Bauunternehmers Anton Petri. 16. Febr. Louise Käthchen Karoline Mar­garethe Paula, Tochter deS Bauunternehmers Heinrich Adami. 11. Febr. Bernhard dn außereheliches Kind von auswärts (in der Entbindungsanstalt geboren.) 17. Febr' Margarethe, ein außereheliches Kind von auSwärtS (in der Entbindungsanstalt geboren ) 20b Febr. Karoline, ein außereheliches Kind von auswärts (in der Entbindungsanstalt

Auszug a. d. Standessmtsregistern des Slsndcsamts Giekeit.

Vom 15. bis 22. Februar 1878.

Aufgebote.

,, .? Seb,r- Der Sergeant im II. Grvbherzaglich s-sstschm Jnsanterie-Regiment

**6- Johann M^hael Krebs von Lanzingei. mit Cbrtftine Elisabeth- Kleindenn von B -denk-pf. 21. Febr. Maurer Martin Melcher von Dorsgill mit Lina Rullmann von ycthba.

Eheschließungen.

20. Febr. Der Hilfsbremser an der MaiwWcser-Bahn Jacob WeibenhauS von Grüningen mit Elisabethe Schmidt von Frankenbach. Kaminfeger Franz Nebl von P atÄ"6 mit Friederike Emilie Neuling von Gießen. - Bäcker Heinrich Hoffmann von Niederjosse mit Emilie Weber von Gießen.

Wren, 22. Februar. Im Abgeordnetenhause brachten Grocholski und die Interessen aller Nationen berühre: es sei daher nicht unbillia h,»

Genossen, nachdem sie ihre Befriedigung über di- Politik der Regierung aus- auch Vorsichtsmaßregeln treffe. (Beifall.) Es b-stcbe ein allgemeines iÄe übl

gesprochen, folgende Interpellation ein : ob die Regierung über die Ermordung daß das Ende der Feindseligkeiten nahe, daß es jedoch indiscret wäre dem J>'

von Polen in der Türkei durch russische Militärcommandos etwas wiffe und falle Alles zu überlaffen. Er wünsche heroorzuheben daß es Enal and aelinae

ihre Stimme dagegen erhoben habe; und ferner: ob der Congreß auch die zu einem ehrenwerthen, dauernden Frieden beizutragen und Enaland Lage der polnischen Unterthanen Rußlands in Erwägung ziehen werde? dies auf's Herzlichste, sei es, daß jene Bemübunaen mifi-dnrf.n x o

P-t-rsburg, 22. Februar. DieAg-n-e Russe" meldet: Ramyk sich ausdehn-, sos!, es'in jedwedemFallVunzL

Pascha komme nicht nach Petersburg, da eine derartige Mission Angesichts der sich in tue Lage zu seßen, sein Wort geachtet ,u sehen (lauter Bei/all dem Großsürsten Rtkolaus erlheilten Vollmachten keinen Zweck habe und schließ- der Conservativen.) Er glaube, nachdem die Creditforderuna mit l'ch dazu führen werde, den durch die türkischen Bevollmächtigten veranlaßten Majorität im Unterhaus- angenommen sei, dieselbe nicht weiter emvseblen langsamen Fortgang der Friebensverhandlungen noch mehr zu hemmen. Die müssen.Aber mein Gefühl ist, daß, ob Enaland -u einer Eonkeren, \ t N-chrtch. de-Daily Telegraph" von diree.en Verhandlungen, die Jgnatieff in den Kr.eg z.eht, es höchst w.chstg 'st daß °S sich auf den EinflÄ em s in Koiistautinopel führe, sei unrichtig; Jgnatieff befinde sich im Hauptquartier, in sich einigen Reiches stütze." (Beifall.) Lord Granville zollt dem rub äen

Berlin, 22. Februar. Vom Stadtschwurgericht wurde Thürolf wegen und mäßigen Ton der Rede Beaconsfields Anerkennuna Obickwn er für bi, versuchten Raubmordes gegen den Briefträger Killmer zu 10 Jahren Zuchthaus Creditforderung nicht eingenommen sei, könne er nicht daaeaen stimmen X u-'d wegen vollendeten Raubmordes gegen Lud- zum Tode verurtheilt, dagegen bedauere die kriegerischen Reden der Minister während der Debatte im Ilnt,/ von der Anklage wegen des Sabatzky'schen Raubmordes sreigesprochen. Hause. Die Entsendung der Flotte sei ein Kriegsfall für Ruüland nnd di.'

Madrid, 22 Februar. Die Cortes haben einstimmig den Antrag Türkei gewesen und -r sei erfreut, aus Lord D-rbPs ErklLruna !rs-ben Ü angenommen, Papst Leo XIII. anläßlich seiner Erwählung zu beglückwünschen, können, daß ste nicht so angesehen worden wäre. Rach kurier Debatte nain.I.

Nom, 22. Februar. Der Papst nahm heut- di- Glückwünsche eines die Bill die zweite Lesung und di- Sitzung wurde vertaat *

weiteren Theiles des diplomatischen Corps entgegen. In allen Kirchen findet ' ----H--

heute anläßlich der Papstwahl Tedeum statt. Der Papst wird durch eine

Bulle von der Laterankirche Besitz ergreifen. Rücksichtlich der Ernennung neuer fahrt nach^Europaaus "einem ^euttchen Dampf"? kirchlicher Würdenträger ist noch nichts entschieden. ----u...

Wien, 22. Februar. DiePoltt. Corresp." meldet aus Belgrader über Amerika denke.Amerikas gtt jener Germäne^.isch"'^s be?chttLanb Rußland erklärt sich bereit, die Festung Nlsch den Serben zu Überlaffen; bezüg- i hob dort länger als zehn Johr g'lebt, hab' fünf Mal Bankerott g'mackt,

lich der übrigen von d-n Serben oc-uptrt-n G-bi-tsth-ile, insbesondere Hinsicht- ^"nicht ^nT^nt^effe^elnbet .

Uch Plrots, sind die Verhandlungen noch schwebend; der Fürst erhofft auch in von Warschau, Fürst Durdukoff Korrakoff, (n fita (inlit £am(n um braita'tlS' Bezug auf diese eine Verständigung mit Rußland. Aus Athen berichtet bie gegebenen türkischen Sympathien grünblich geheilt hat. Diese Damen fünf an bcr selbe Correspondenz : Nach erbittertem Kampfe gegen überlegene türkische Streit- ere,^ ° au?ih!em gefangene türkische

kiäste wurden die Aufständischen zur Räumung von Makrinizza gezwungen und Wein, Cigarren unb Budermerf 2c DedbeUt^nb überauASmi?^

Svgen Nch ins Gebirge zurück, um Verstärkungen abzuwarten. Vaterlandes gethan. Kaum war bies dem genannten Gouverneur aemdbct roorb^n

Paris, 22. Februar, Abends. Das JournalSoir" meldet: Eine $£.l°6t er bie türkenfreundlichen Damen festnehmen unb nach einer fünf Hierft von her ~ ' ---- ~ . Stabt entlegenen Irrenanstalt bringen, aus ber sie nach 3 Tagen entlassen wurden naeb-

dem sie dort voll Bestürzung bie Versicherung gegeben^"hatten^baß^^sie von ihrer Turk^ manie vollständig geheilt feien. Den Rückweg nach Kiew mußten sie noch zur Stiafe zu Fuß^machen. So wenigstens berichtet das ,,Wiener Fremdenblatt" (Wer to iR7nrtJr?hba f1 -r?lr deutschen Frauen und Jungfrauen, welche im Jahre

1870 mit den französischen Offizieren ebenso frech kokettirten?)