Ausgabe 
23.2.1878
 
Einzelbild herunterladen

dabei von der vollen Überzeugung, ja von der Begeisterung der ganzen Nation

Wien, 20. Februar. DerPolit. Corresp-" wird aus Konstantinopel

England nicht auf eigene Faust einen Krieg mit Rußland beginnen werde, nach tote vor hinlänglich begründet.

hofft die Regierung, daß die Berathungen der Mächte nicht zu einer einseitigen, sondern zu einer allseitig befriedigenden Lösung führen werden. Jedenfalls wird die Regierung gegenüber den ernsten Ereigniffen nach wie vor es als ihre Pflicht und ihre Aufgabe erkennen, die politischen und die materiellen Interessen und

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondeuz-Bureau.

Wien, 21. Februar. DiePolit. Corresp." bezeichnet die Aussichten der augenblicklich schwebenden englisch-russischen Verhandlungen über die Grenzen, welche der beiderseitigen Entfaltung militärischer Machtmittel vor Konstantino­pel zu setzen sind, als wieder kritischer gewordene. Englind sei wenig geneigt, seine Flotte aus den Dardanellen zurückzuziehen, wogegen die Intention Ruß­lands, Konstantinopel zu.besetzen, neuerlich in den Vordergrund trete., Aus Bukarest erfährt dieselbe Correspondenz, daß der energische Protest Rumäniens gegen die Uebernahme der Festung Wibdiu durch russische Truppen Berücksich- tigung gefunden habe; die Uebergabe Wibdins an die rumänische Armee solle beute stattfiuden.

München, 21. Februar. Sämmtliche 78 Mitglieder der klerikalen Kammerfractwn haben heute dem Papst ein Huldigungs-Telegramm übersandt.

Durch eine in der heutigen Abendsitzung der Abgeordnetenkammer ver­lesene königl. Botschaft wird der Landtag bis auf Weiteres vertagt.

London, 21. Februar. Im Unterhause erklärte Schrtzkanzler Rorth- cote auf eine Anfrage Hartington's: Das Ergebniß der Unterhandlungen mit Rußland besteht darin, daß letztere Macht sich verpflichtet, keinen Theil der Halbinsel Gallipoli oder Bulair zu besetzen, noch auch Truppen nach dec asia­tischen Seite der Dardanellen zu senden, während England seinerseits sich ver­pflichtet, keine Truppen auf der Halbinsel Gallipoli zu landen und ebensowenig die asiatische Seite der Dardanellen zu besetzen.

Berlin, 21. Februar. Die von über 500 Firmen besuchte General­versammlung des CentralverbcMes der deutschen Industriellen beschloß, eine Petition an den Bnndesrath und Reichstag zu richten betreffs Annahne eines von der Industrie aufgestellten autonomen Tarifes, und ferner den Bundesra h zu ersuchen, er möge über den Antrag Preußens hinaus nicht nur Hinsicht! ch der Eisen-Industrie, sondern hinsichtlich der gesammten Industrie eine Unter­suchung veranstalten.

Nom, 21. Februar. In einer heute früh gehaltenen Congregatlon kün­digte der Papst die Veröffentlichung einer Encyclica an die katholische Welt mit der Proklamirung der Wiederbesetzung des päpstlichen Stuhles an. Es wurde heute beschloffen, daß der Papst für jetzt den Vatikan nicht ver-

Deutschland.

Darmstadt, 19. Februar. Als Zeitpunkt der Aufhebung des Bezirks­gerichts Alzey, welches mit dem zu Mainz vereinigt wird, hat die Regierung den 1. Mai 1878 in Aussicht genommen.

Berlin, 16. Febr. In den deutschen Münzstätten sind bis zum 9. Febr. 1878 geprägt worden, an Goldmünzen: 1,166,728,580 <A Doppelkronen, 365,299,450 <A Kronen, 27,018,650 <A halbe Kronen; hiervon aus Privat­rechnung: 240,452,780 JL; an Silbermünzen: 71,653,095 <A 5-Markstücke, 97,810,892 A 2-Markstücke, 146.957,541 <A 1-Markstücke, 71,486,552 <A 50-Pfennigstücke, 35,717,922 JL 80 H 2O-Psennigstücke. Gesammt - Aus­prägung an Gold-Münzen: 1,559,046,680 an Silber - Münzen: 423,626 002 JL 80 H.

Aus Sachsen, 18. Februar. Die zweite Kammer berieth vorgestern und gestern den Cultus-Etat. Die Laudesunioersität gab zu einer längeren Discusston Anlaß, in welcher auf mancherlei Lücken dieses in so hoher Blüthe stehenden Institutes aufmerksam gemacht wurde. So bedarf namentlich die Bibliothek einer nicht unbeträchtlichen Ergänzung, soll dieselbe im Verhältniß mit dem WachSthum der Universität stehen. Allerdings steht den Studirenden die reichhaltige Stadtbibliothek, die Bibliothek der Commeniusstistung und ver­schiedene Privatbibliotheken zur Verfügung. Einen für die pädagogische Cen­tralbibliothek der Commeniusstistung erbetenen Zuschuß lehnte die Kammer übrigens ab. Geklagt wurde über die Strenge bei den juristischen Prüfungen, durch welche die jungen Leute entmuthigt würden. Der Cultusminister schloß sich diesen Klagen zwar nicht an, stellte aber eine neue Examinations-Ordnung für Juristen in Aussicht. Auch das Volksschulwesen veranlaßte Discussionen. Namentlich gelangten dabei wieder die Eifersüchteleien zwischen Geistlichen und Bezirks-Schulinspectoren zum Austrag. Die Regierung hatte in einer Mitthei­lung an die zweite Kammer die Erfolge hervorgehoben, welche mit der neuen Schulorganisation erzielt worden sind. Ober-Hofprediger Dr. Kohlschütter er­blickte darin eine abjprechende Kritik gegen die frühere Organisation, da noch die Jnspection Seitens der Geistlichen auögeübt wurde und legte dagegen feier- lichft Verwahrung ein. Den BezirkS-Schulinspectoren, denen die frommen Mit­glieder der Kammer nicht sehr grün sind, wurden noch einige Complimente über Taktlosigkeit und dergleichen gespendet. Namentlich glaubte Rittergutsbesitzer Meinhold aus Schweinsburg, die Kinder lernten unter der neuen Organisation weniger gut schreiben und lesen, insbesondere seien dieselben nicht mehr so katechismusfest.

lasten wird.

Paris, 21. Februar. DieAgence Havas" meldet aus Madrid vom Heutigen: Die englische Canalflotte ist von Gibraltar nach dem Orient abge- jegelt. In Bestätigung früherer Nachrichten wird gemeldet, daß die Führer der Aufständischen auf Cuba sich unterworfen haben.

Nom, 22. Februar. Die fremden Cardinäle reisen heute ab. Es herrscht überall vollständige Ordnung. Als der Papst sich der Menge zeigte, war der Beifall so groß, daß es eines Zeichens von ihm bedurfte, um Ruhe herzustellen.

London, 21. Februar Heute Vormittag wurde ein Ministerrath be­rufen und alsbald abgehalten. Der Lordkanzler, welcher gerade eine Prozeß- verhandlunz leitete, mußte dieselbe vertagen, um dem Ministerrathe bet* zuwohnen.

Abends. Im Oberhause theilte Derby auf Befragen von Seiten Granville's Folgendes mit: Die Schwierigkeit hinsichtlich des Conferenzortes sei beseitigt, indem man Baden-Baden gewählt habe. Oesterreich habe vorge­schlagen, daß die Conserenz Ende dec ersten Woche des März beginnen so ? Er (Derby) glaube, daß eine Regierung dies als eine zu kurze Frist betrachte^ Zwei Regierungen hätten die Beschickung der Conferenz durch die Minister t

Hesterreich.

Wien. DieWiener Abendpost" schreibt: Die Diplomaten werden bei der Conferenz keine leichte Arbeit haben, denn auch auf die Interessen der Nachbarstaaten muß Rücksicht genommen werden. Die zu Ibtlbenben Staaten sollen Garantie gegen revolutionäre 'Umtriebe gewähren. Schwer bürste es sein, für Bulgarien eine geeignete Persönlichkeit zu finben, welche unter tür­kischer Oberhoheit bie Regierung übernehmen würbe. DasJourn. bes De bals" macht eine Anspielung auf den k. k. österreich. General ber Kavallerie, Prinzen Alexanber von Heffen, welcher kürzlich in Berlin war. Der Prinz kam von St. Petersburg, wo er ein Vierteljahr bei seiner Schwester, ber Kai­serin, verweilt hatte, nach Berlin, wo er kaum einen Tag verweilte, um sobann nach Dresden zu reifen. Wir können aus verläßlicher Quelle ver­sichern, daß es dem Prinzen Alexander nicht im Entferntesten einfallen würbe,

eine bulgarische Dornenkrone anzunehmen.

Wien, 19. Febr., Nachm. Abgeorbnetenhaus. In Erwiderung auf die von Giskra über die orientalische Angelegenheit eingebrachte Interpellation gab der Ministerpräsident folgende Erklärung ab:Die Regierung ist von den Friedensbasen, auf Grund deren der Waffenstillstand zwischen Rußland und der Türkei abgeschloffen worden, in Kenntniß gesetzt. Dieselben entsprechen im Ganzen den aus Petersburger Blättern darüber in bie Oeffentlichkeit gelangten Mittheilungen. Von ber Existenz anberer Abmachungen hat die Regierung keine Kenntniß. Die Regierung hat den erwähnten Friedensbasen gegenüber ihren principiellen Standpunkt mit aller Offenheit gekennzeichnet, indem sie er­klärte, daß sie Abmachungen der Kriegführenden, soweit sie durch dieselben Jn- tereffen der Monarchie ober Rechte ber Signatarmächte berührt erscheinen, für sich als nicht rechtsverbindlich erkennt, in so lange dieselben nicht mit den Sig-

Amerika.

Washington, 19. Februar. Das Finanz -Cvmit6 des Repräsentan­tenhauses empfiehlt eine Bill, welche an Stelle der Noten der Nationalbauken eine neue Gattung von Schatznoten setzt, bie für Zölle und andere Forderungen, auch für solche an die Regierung, in Zahlung gegeben werden können, ausge­nommen nur, wo das Gesetz die Zahlung in klingender Münze vorschreibt und für 4procentige al pari einzulösende Bonds.

Paschalik Nisch dem neuen Fürstentum Bulgarien einverleiben wolle. Obeist Leschjanin ist in besonderer Mission nach Adrianopel abgegangen, um gegen die bevorstehende Besetzung des Paschalik Nisch durch 6000 Ruffen Vorstellungen zu erheben. Die Serben bringen schon jetzt alle Geschütze von Nisch nach Alexinatz.

natarmächten vereinbart sind. Die Regierung hat gleichzeitig die Initiative zur Einberufung einer europäischen Conferenz ergriffen. Sowohl ber principielle Standpunct ber Regierung als ihr Antrag auf Abhaltung einer Conferenz wurde von sämmtlichen Kabinetten angenommen; nur bas russische Cabinet regte bezüglich der Form den Gedanken an, nicht eine Conferenz, sondern einen Congreß einzuberufen, und drückte zugleich den Wunsch aus, daß letzterer nicht in der Hauptstadt irgend eines Signatarstaates abgehalten werde. Die Ver­handlungen hierüber sind dem Abschluffe nahe; man glaubt dem baldigen Zu­sammentritte des Congreffes entgegensehen zu dürfen. Mit Rücksicht hieraus ist die Regierung nicht in ber Lage, in eine betaiQirte Darlegung ihres srand- punctes bezüglich ber Friebensbasen einzugehen, sie kann jedoch nicht umhin, im Allgemeinen zu erklären, daß sie einige der Stipulationen, wie sie heute vor­liegen, als den Jntereffen der Monarchie entsprechend nicht anzuerkennen ver­mag. Diese Reserve bezieht sich jedoch nicht auf jene Puncte, welche die Ver­besserung ber Lage ber Christen im Orient bezwecken, sonbern aus solche Be­stimmungen, welche eine Verschiebung ber Machtverhältmffe im Orient zu Un- guusten ber Monarchie nach sich ziehen könnten. Die Regierung hat bie zuver­sichtliche Hoffnung, daß es der europäischen Berathung gelingen werde, zu einer Verständigung zu führen, ba alle beteiligten Mächte wünschen müßten, baß aus ber Krise kein momentaner, sondern ein dauernder Friede hervorgede. So

getragen werde.

Die Mittheilungen, welche bie Minister Fürst Auersperg unb Ttsza an demselben Tage in Wien unb Pesth gemacht haben, tragen einen ähnlichen Charakter, wie die des Fürsten Bismarck. Sie gaben zwar zu. daß sich unter den Bestimmungen der Friedenspräliminarien, wie sie heute vorlägen, einige befänden, welche die Regierung als den Jntereffen der Monarchie entsprechend nicht anzuerkennen vermöge, weil sie eine Verschiebung der Machtverhältniffe zu Ungunsten Oesterreich-Ungarns nach sich ziehen könnten. Aber auch sie gaben zugleich ber zuversichtlichen Hoffnung Ausbruck, daß es ben Mächten aus ber Conferenz gelingen werbe, zu einer allseitig befriebigenben Verstänbigung zu gelangen, ba alle Mächte wünschen müßten, daß auS ber gegenwärtigen Krisis ein bauernber griebe heroorgehe.

Bei dieser Sachlage kann unseres Erachtens höchstens Englands Stellung zu ben vorliegenden Fragen als den Frieden gefährdend erscheinen. Jenseits des Kanals ist die Stimmung ber Regierung wie der Bevölkerung gegenwärtig allerdings der Art, daß sie wenig geneigt scheint, Rußland wichtige Concessio- mrt zu machen, sie ist um so gereizter, da man sich darüber nicht verhehlen kann, daß man sich durch eigenmächtigen Bruch des Pariser Vertrags gegen Rußland in's Unrecht gesetzt hat. Aber in England wird man sich gerade durch die Aeußervngen des sten Bismarck ohne Zweifel wieder mehr auf Friedensgedanken bringen lafiui. Bezeichnet er doch die Versicherung des Kai­sers Alexander, daß Rußland Konstantinopel auf keinen Fall dauernd behalten werde, als etwas, woran man nicht zweifeln dürfe, wollte auch der Frage der , ....

Meerengen, zumal ba beren Besitz gegenwärtig nicht in Frage stehe, nicht bie bas Ansehen ber Monarchie nach jeder Richtung hm zur Geltung zu bringen " Bedeutung beigelegt wiffen, bie man ihr gewöhnlich betmefie. Von ber deut-

icherseits in Aussicht gestellten Vermittlungsthätlgkeit ist daher bei dem freund- vom 19. d. gemeldet: Der Minister des Aeußern, Server Pascha, hat seine schaftlichen Verhältnisse, in welchem die englische Regierung zur deutschen stehl, Demission gegeben, die vom Sultan angenommen worden ist. Ein Nachfolger d.:s Beste zu erwarten, und bleibt die Hoffnung, daß das ijolirt dastehende lst noch nicht ernannt. DiePolit. Corresp." meldet aus Belgrad: Ristic Enaland nicht auf eigene Faust einen Krieg mit Rußland beginnen werde, nach bereitet ein Memorandum an ben Kaiser von Rußlanb vor, ba Rußlanb bas