Samstag, den 21. September
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1878
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ließ sich die Absicht eines Attentats nicht feststellen nur wegen Namensfälschung zu einer kurzen Gefäng-
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stkfolgt von den beiden Flügeladjutanten Hofmarschall Oberst v. Westerweller und Major v. Herff, sowie dem Chef des Hofstalls, Major Frhr. v. Rabenau, begaben sich heute Vormittag von hier nach Schloß Wilhelmshöhe bet Kaffel, um den Manöver» des 11. Armee-Corps beizuwohnen. Die Rückkehr wird voraussichtlich am 24. d. M. stattfinden.
Jugenheim, 18. Septbr. Auf erhaltene Nachricht von dem gestern erfolgten Hinscheiden Sr. Durchlaucht des Prinzen Emil v. Wittgenstein find Se. Großherzogltche Hoheit der Prinz Alexander von Heffen heute Vormittag nach Tegernsee abgereist, um der Beisetzung betzuwohnen.
Gedern, 16. Septbr. Bet der gestern hier stattgehabten Vorbesprechung der Wahlmänner von Schotten, Laubach, Gedern und Umgegend wurde die Wahl des Herrn Hofgertchtsrath Becker zu Gießen in Vorschlag gebracht und ist dieselbe als gesichert zu betrachten. (Darmst. Ztg.)
Berlin. Für die deutschen Hüttenwerke dürfte folgende Bekanntmachung des russischen Handels - Departements von Jnterefie sein: Mit Bezug auf die im Jahre 1861 gestattete zollfreie Einfuhr von Metallen aus dem Auslande für Maschinenbau-Fabriken bringt das Handels- und Manufactur-Departement in Folge eines am 27. Juni d. I. Allerhöchst bestätigten Reichsraths-Gutachtens zur Kenntniß aller Besitzer von Maschinenbau-Fabriken in Rußland, daß vorläufig bis zum Erlaß neuer gesetzlicher Bestimmungen in dieser Beziehung denjenigen Fabrikanten, welche bis jetzt von obiger Vergünstigung keinen Gebrauch gemacht haben, die zollfreie Einfuhr von Eisen nicht gestattet, und denjenigen, welche von derselben Gebrauch gemacht haben, die bisherige Quantität des zollfrei eingeführten Metalls nicht vergrößert werden wird.
Berlin, 18. Septbr. Betreffs des vom Berliner Cabinet angeregt rn Schrittes der Mächte bei der Pforte behufs schnellerer Ausführung des Berliner Vertrags schreibt die „Norbd. Allg. Ztg." ; Die deutsche Regierung dürfte vorläufig die Angelegenheit nicht weiter verfolgen, umsomehr als die Sachlage durch die inzwischen geschehene Räumung Datums eine Aenderung erfahren hat. Ueberhaupt falle die deutsche Anregung in eine frühere Zeit, wo die Pforte um die Ausführung des Vertrages sich weniger zu bemühen schien.
*3ur allgemeinen politischen Lage.
Die Keime zu neuen Verwickelungen, welche der Berliner Friede in seinem Schoße barg, entwickeln sich immer stärker. Für Oesterreich sind die Schwierigkeiten, mit denen es bet der Occupation Bosniens zu kämpfen hat, so zahlreich geworden, daß es die Hoffnung, das Land noch vor Anbruch des Winters vollständig in seiner Gewalt zu sehen, schon aufgegeben und sogar einen Thetl des Hauptquartiers seiner Armee nach Brood zurückverlegt hat. Serbien und Montenegro rüsten mit aller Macht, um sich mit den Waffen in der Hand in den Besitz der ihnen zugesprochenen Dtstricte zu setzen. Die türkische Bevölkerung hat mittlerweile in Verbindung mit den Aufständischen aller Provinzen aus diesen Landesthetlen ein förmliches Kriegslager gemacht und ist entschlossen, ihr Land unter allen Umständen zu vertheidigen. Noch drohender treten die Alba« liefen allen weiteren Versuchen zur Losretßung türkischer Gebtetstheile entgegen. Die „albanesische Liga" besteht gegenwärtig aus drei Hauptgruppen, von denen die eine gegen Oesterreich und die kleineren Fürstenthümer, die andere gegen Griechenland zu kämpfen, die dritte den Aufstand im Rhodopegebtrge zu unterstützen bestimmt ist. Die türkische Regierung selbst schickt ununterbrochen Truppen nach dem Westen der Balkanhalbinsel unter dem Vorgeben, dort Ruhe und Ordnung herzustellen. Bei ihrer bisherigen zweideutigen Haltung ist es aber nur allzu wahrscheinlich, daß diese Truppen weniger zur Bekämpfung, als zur Unterstützung der Aufständischen bestimmt sind. Die Pforte verfolgt mit diesen Truppensendungen offenbar zugleich den Zweck, ihrer Abneigung gegen eine Grenzberichttgung Griechenland gegenüber Nachdruck zu verleihen.
Leider sind die Mächte nicht einig darüber, wie die Türkei zur Ausführung der von ihr selbst unterzeichneten Vertragsbestimmungen gezwungen werden soll. England hat es sogar abgelehnt, sich den von Deutschland vorgeschlagenen gemeinsamen Vorstellungen der Mächte in Konstantinopel anzuschlteßen, indem es ßch darauf beruft, Rußland, welches bisher weder Erzerum noch seine Stellung in der unmittelbaren Nähe der türkischen Hauptstadt geräumt, verdiene eine Mahnung zur Vertragstreue mindestens ebenso sehr wie die Pforte. Daß letztere durch eine derartige Haltung Englands in ihrer Hartnäckigkeit nur be- ßärkt wird, versteht sich von selbst.
So nimmt denn die allgemeine politische Lage allmälig wieder denselben Sharacter an, den sie vor dem Ausbruch des Krieges auf der Conserenz von Konstantinopel hatte. Für den Augenblick scheint der politische Horizont sogar noch durch eine neue, bisher unbekannte Wolke in bedenklicher Weise verfinstert zu werden. Es ist dies die zwischen den Kanzlern der beiden nordischen Kaiser- mche herrschende Spannung, auf welche die kürzlich von der „Times" veröffentlichte Unterredung des Fürsten Bismarck mit ihrem Correspondenten ein iLenso unerwartetes wie grelles Schlaglicht geworfen hat. Was sollte aus dem Weltfrieden werden, wenn gar das Dreikatserbündntß, in welchem bisher die sihrrste Garantie für eine friedliche Entwickelung der orientalischen Frage lag, in die Brüche ginge?!
nißstrafe verurtheilt."
Deutschland.
Darmstadt, 19. Septbr. Seine Königliche Hoheit der Großherzo ’
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Bremen. Der „Wes.-Ztg." wurde unter dem 13. d. Mts. aus Berlin telegraphirt: „Gerüchte circuliren von einem angeblich entdeckten neuen (??) Complot gegen den Kaiser. Der Attentäter soll verhaftet sein." In Bezug hierauf schreiben nun die Officiösen: „Vor etwa 8 Tagen erregte in Gastein ein Herr die Aufmerksamkeit durch den Eifer, mit welchem er sich nach der Zeit, zu welcher der Kaiser seine Ausflüge zu machen pflegte, nach den Wegen, die er dabei etnschlage, nach der Art und Weise der Ausführung u. s. w. erkundigte. Er wurde verhaftet. Auf die Frage nach dem Namen, nannte er einen solchen; bez. seiner Subsistenzmittel befragt, gab er den Betrag seiner Habe auf 12 Gulden an. Als man ihn genau untersuchte, fand man Visitenkarten bet ihm, die auf einen anderen Namen — einen adeligen — lauteten, als er angegeben hatte, sowie die Summe von 200 Thalern in 5-Markstücken. Da man Zweifel hegte, ob der auf den Visitenkarten genannte Name der des Verhafteten sei, gab derselbe einen dritten an, welcher sich bald als der richtige erwies. Der Verhaftete ist ein geborener Hannoveraner, welcher sich später in Graz als Kaufmann ntedergelaffen und eine nicht sehr Vertrauen erweckende Vergangenheit hinter sich hat. Eine Haussuchung constatirte den Besitz soctalistt- scher Schriften. Jndeffen ...... ' " "
und der Verhaftete wurde
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Kesternich.
Wien, 18. Septbr. Vom Commando des 4. Armee-Corps ist folgendes Telegramm eingelaufen: Von der 13. Truppen-Division hat die 26. Infanterie-Brigade am 16. d. Dubrava an der Tinja erreicht, während die 25. Brigade nach hartnäckigem, bis in die Nacht hinein währendem Gefechte Loncare und Krespic besetzte. Am 17. d. hatte die 13. Division sich zum Angriff auf Novi-Breka zu sormiren, und nur die 25. Brigade mit dem linken Flügel an der Save ä cheval der Straße von Samac entwickelt, während die 26. Brigade die Dtrection gegen die Südseite von Novi-Breka erhielt. Die Truppen rückten in hartnäckigem Feuergefechte vor und konnten anfänglich wegen gänzlichen Mangels an Aussichtspunkten von der Artillerie nur wenig unterstützt werden. Erst im weiteren Verlaus des Vorrückens war es möglich, 3 Batterien tn's Feuern zu setzen. Die Infanterie gelangte bis zur Visiere des Ortes, erstürmte zwei daselbst angelegte Verschanzungen, von denen eine mit 2 Geschützen armirt war und drang alsdann in den Ort ein, welcher sofort besetzt wurde. Der Widerstand war bis zum letzten Augenblicke äußerst hartnäckig. Das Gefecht endete erst gegen 8 Uhr Abends. Es wurden 2 Geschütze und 2 Fahnen erbeutet. Die Verluste waren bis zum Abgänge der Meldung Nicht ermittelt und bis dahin nur die Verwundung von 4 Officieren bekannt.
Wien, 18. Septbr. In Betreff der Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn versichert die „Buda-Pesth. Corr.", daß in der ganzen Angelegenheit während der letzten Zeit nichts geschehen sei. So lange, schreibt das hierbei augenscheinlich vom ungarischen Ministerium in- spirirte Organ, die österreichisch-ungarische Zollconferenz die diesbezüglichen Jn-
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Jndeß gerade der entscheidenden Bedeutung des Dreikatserverhältntffes degen ist eine Lösung deffelben nicht zu erwarten. In derselben Unterredung, in welcher Fürst Bismarck seinem Groll gegen den Fürsten Gortschakoff Luft machte, deutete er zum Schluß darauf hin, daß die Stellung der beiden Reiche zu einander wesentlich durch das gegenseitige persönliche Verhältniß ihrer Herrscher bedingt sei. Das Vertrauensverhältniß des Kaisers Alexander zu Kaiser Wilhelm ist aber so gesichert, daß Fürst Bismarck immerhin daraus hinarbeiten hn, die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Rußlands in die Hand eines andern Ministers gelegt zu sehen, ohne davon eine Trübung jener entscheidenden persönlichen Beziehungen befürchten zu muffen. Daß in dieser Beziehung Mag Wichtiges Hiner den Couliffeu vorgeht, unterliegt augenblicklich keinem Geisel mehr. Wahrscheinlich hat sich Graf Schuwaloff, der bisherige Bot- Ichaster Rußlands in London, nur deßhalb in Wien soeben dem Kaiser Franz Zoskph vorgestellt, um sich als zukünftiger Minister des Auswärtigen deffen vertrauen zu erwerben. Auf eine Schwenkung der österreichischen Politik scheint n nämlich nicht minder abgesehen, als auf einen Dekorationswechsel in Petersburg- Begreift man in Wien immer mehr, daß man sich zur Ueberwindung tttmx ytcuiiw- der Schwierigkeiten, die man sich mit der Occupation Bosniens auf den Hals
merben 2 ^aden, den Slaven gegenüber nicht länger unfreundlich stellen darf, wohl gar
gubwtN?> ; i 7 Serbien und Montenegro cooperiren und zu diesem Zweck dem slavensetnd- lchen Einfluß der Magyaren um jeden Preis ein Ende machen muß, so bahnt • Oesterreich ein bedeutsamer Frontwechsel an, durch welchen es
mit Rußland fernerhin noch weit mehr gemeinsame Sache zu machen gezwungen M wird als bisher. Gegen ein erneuertes und gar befestigtes Dretkaiser- imdniß käme aber weder der Widerstand der Pforte noch der Englands ernst- !ch in Betracht. Die Auflösung der Türkei würde sich vielmehr unter dem Meinschaftlichen Druck der von allen Seiten aus sie anstürmenden Feinde mit Mr gewiffen Naturnothwendigkeit vollziehen, Angesichts welcher England sich lazließlich auch seinerseits zu einer Betheiligung an der wetteren Zerstückelung des Omanischen Reiches entschließen müßte.
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