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17.11.1878 Zweites Blatt
 
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ihrer slavtstischen Bestrebungen äußerte, für seine Politik zu gewinnen verstanden. war die Rede des Premierministers bei dem Lord-

Mayors'Feste das wichtigste Ereigniß der Woche. Wie gewöhnlich, scheint Lord Beaconsfield auch diesmal durch den würdigen, entschiedenen Ton!, mit dem er bei aller Friedfertigkeit vertrauensvoll an die Traditionen Alt-Englands zur Aufrechthaltung der Macht und Ehr- des Reiches appelltrte, den Beifall der Bevölkerung gesunden zu haben. .

Frankreich hat am 10. d. seine Ausstellung, durch welche es unbe. streitbar einen friedlichen Sieg errungen, definitiv geschloffen. Die Regierung äab erfreuliche Zeichen ihrer Thätigkeit, indem sie im Budget-Ausschuß der Devutirtenkammer sowohl ihre großartigen Bauprojecte vorlegte, wie bedeu­tende Summen (120 Mill. Franken) zu Gründung von Lyceen und Communai- Gymnasien forderte. Die Kammer selbst zeigt- durch di- wüsten Sc-n-n, welche der Bonapartist Paul Coffagnac zwei Tage hindurch aus Anlaß der Verhandlungen über die Ungültigkeit seiner Wahl Hervorri-f, wieder einmal wie weit diegroße Nation" davon entfernt ist, an der Spitze der Civilisation

Unser Kaiser hat sich am 9. d. Mts. von Coblenz nach Wiesbaden K-eben, um dort den übrigen Theil des Monats zuzubringen. Da seine Kräftigung in erfreulichster Weise fortichrettet, so ist jetzt mit Sicherheit daraus m rechnen, daß der Monarch nach seiner aus den 5. December festgesetzten Rückkehr nach Berlin die Regierungsgeschäste in vollem Umsange wieder über-

Der Kronprinz empfing am 5. d. zu seinem 25jährigen Maurerjubt- lävm Deputationen der Berliner Großlogen, sowie zahllose Glückwünsche von anderen Logen und wohnte am 7. d. der Enthüllung des Denkmals Friedrichs

Zweites Blatt Sonntag, den 17. November

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Wiesbaden, 13. November. Bei dem Empfang der städtischen Depu- tation äußerte sich der Kaiser höchst anerkennend über den freundlichen Empfang, der ihm bereitet worden sei. Er sei angenehm überrascht durch den wohlge- lungenen Fackelzug; besonders habe ihm der schöne Choral gefallen und >as was in der Rede gesagt worden sei, habe ihm Wohlgefallen. Er gedachte sodann der trüben Tage, die er in jüngster Zeit habe durchleben muffen. Er habe aber nicht sowohl ein Schmerzenslager, als ein Geduldslager überstan­den ; er habe sich in so guten Händen befunden, daß er nicht dankbar genug für die ihm geleistete ärztliche Hülfe sein könne. Am meisten habe es ihn ge­schmerzt, daß er aus seiner Thätigkeit herausgeriffen worden;. er hoffe aber, dieselbe bald wieder ausnehmen zu können. Zu bedauern wäre es, daß in unserem Volke solche Verirrungen hätten möglich sein können. Die allgemeine Theilnahme habe seinem Herzen wohlgethan. Aus allen Theilen Deutschlands und aus allen Weltgegenden, wo nur Deutsche wohnen,. seien ihm Beweise der Theilnahme zugekommen. Auf den hiesigen Aufenthalt übergehend, bemerkt der Kaiser, daß er auf Anrathen der A-rzt- nach Wiesbaden gekommen sei, um die mildere Luft zu genießen. (.Köln. Ztg.)

Amerika.

Washington, 13. November. Die Antwort Salisbury's auf di- Depesche Evarts', betr. die Fischereifrage, führt aus, daß die britische Regierung bereit sei, all- Vorstellungen in Erwägung zu ziehen, welch- Evarts machen würde, um zu einem befriedigenden Einvernehmen zu gelangen.

M Großen in Brieg bei. ,

Unsere Großh-rz-glich- Familie ist von schwerem Unglücke be- |altui. Nachdem erst die jüngeren Großherzoglichen Kinder an Dipht-ritis halft, wurde am Donnerstag Morgen unser Erbgroßherzog Ernst Ludwig, und am Abend unser Großherzog selbst von dieser Krankheit befallen. Gebe der allgütige Gott, daß diese Theuren baldigst wieder genesen mögen.

Fürst Bismarck halte die Freude, die Hochzeit seiner Tochter feiern ui können, und wurde bei dieser Gelegenheit Seitens des Kaisers durch Ueber- seudung eines überaus gnädigen, ja herzlichen Handschreibens und einer bisher roch nicht verliehenen, speciell für ihn erdachten Ordensdecoration, Sei- tt»s des Kronprinzen durch deffeu persönliche Anwesenheit bei der Trauung aeibit. Nachdem er die uölhige Direclive für Landtags- und Reichstags-Vor- L,n geg.ben, reifte er am 12. d. nach Friedrichsruh MÜck. Aiißerordent- Iiches Interesse erregte allgemein das Erscheinen eines Buches von Dr. M. Busch, welches den Grafen Bismarck in feinem täglichen Verkehr wahrend des Krieges mit Frankreich - freilich oft etwas indiscret schildert, wie er leibt

6 I» Italien ist die Mnisterkrists, nachdem der Abg. Pesina das Mini­sterium für Ackerbau und Handel übernommen, definitiv beendigt. Der Minister des Innern, Zanardelli, gab in einer Rede vor seinen Wählern, denen er das Reaierunas-Proaramm darlegte, die Absicht kund, eine Vorlage über die Wahl­reform vorzubringen, durch welche die Wählerzahl von 600,000'auf /r MM- erhöht würde. Die öffentliche Meinung ist indeß, seitdem die Curie den Plan aefaßt, eine derartige Reform durch Betheiligun^ derKatholiken an den Wahlen für ihre Zwecke auszubeuten, über den Werth des angekundigren Ge­setzentwurfs einigermaßen nachdenklich geworden.

$ Frankreich, Belgien, Italien, die Schweiz und Griechenland haben am 5. d. in Paris einen Vertrag unterzeichnet, durch welchen die Münzeonven- tion von 1875 in einer den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechenden Weise modtficirt wird.

Z'mmkrUD? ^mber, Eellis^

!TOattg6r Oesterreich-Ungarn ist die @ntmkfelung der Dinge durch den Zusammentritt der Delegationen in ein neues otabium getreten- Nach den bisherigen Kundgebungen derselben zu urtheilen, scheint die.Regierung, alles Geschreis in dem österreichischen Reichsrath und dem ungari chen Reichstag un- aeacbtet, bei der Elite tiefer Körperschaften doch nachträglich die gewünschte Zustimmung für ihre Politik finden zu sollen. Der Kaiser selbst sprach bei Dem Empfang der Delegationen die vertrauensvolle Erwartung aus, daß sie s.Scht hinter der Größe des Augenblicks zurückbleiben, sondern ihre Bemühungen mit denen der Regierung vereinigen würden, um das begonnene Occupatlvns iv»erk zur Erhaltung des europäischens Friedens, sowie zum Wohle und Ruhme DtT Monarchie einem glücklichen Ende zuzuführen. Die Ungarn speciell hat er r lirch de» Tadel, den er gegen die Deputation des kroatischen Landtags wegen

Lokal-Notiz. m t x

Gießen, 16. November. (Sitzung der Stadtverordneten am "- November.) Bei Beginn der Sitzung wird den Stadtverordneten die Anzahl der Schüler, welche ftädt. Lehranstalten besuchen, bekannt gegeben. Es besuchen I. bit' Mädchenschule im Wintersemester und zwar:», die Fortbildungsklafse12 gegen 20 im Sommersemester; b. die 1. 61. 43; o. die 2. El. 53 ä. die

3» Cl. 40 gegen 39; e. die Sb. 30 gegen 29; f. die 4. Cl. 70, g. die 5. 76, die b 58 gegen 59; 1. die 7. 73 und k. die 8. Cl. 74 gegen 75 im Sommersnnester. Summa 537 Schüler im Wintersemester gegen 537 im Sommersemester. II. Stadtmädchen- schule. Es besuchen Claffe 1 55 Schülerinnen; El. 2a 53; Cl. 2b 72, 61. 3 76, Cl 4 77; Cl. 5 66 gegen 68 im Sommer und Cl. 6 105 gegen 106 im Sommer- semefter. Summa 504 gegen 507. in. Stadtknabenschule. Es besuchen Cl. 1 41 Schüler; Cl. 2 61 gegen 60; Cl. 3a 44 gegen 42; Cl. 3b 67; 61. 4a 63 gegen 64 und Cl. 4b 70 Schüler. Summa 346 gegen 344. Im Ganzen ^WnUren im Wintersemester obige drei Schulen 1377 Schüler gegen 1388Hm Sommersmrester. Der Rechenschaftsbericht des Großh. Bürgermeister« sammt Rechnung der Stadt pro 1877 wird, wie üblich, der betr. Commission zur Prüfung überwiesen. Die Fichten­zapfen-Ernte im Stadtwalde wird einem Einwohner von Dieburg für 40«x übeuaffen- - Die Anwohner des sog. Schipka-Paffes bitten um Herstellung diestS Weges, da derselbe momentan fast nicht zu Yassiren fei. Entgegen der Ansicht des Stadtbaumeisters, welcher den Weg, weil derselbe im Winter nicht «epflafter.StnlmTft wissen wollte, beschließt die Versammlung dem Antrag der Bau-Deputation gemäß, einen Fußpfad gehörig Herrichten zu lassen. Gleicherweise wird den Bewohnern der

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D-r unermüdliche Generalpost-Director Tr. Stephan hat einen nenen I Afinüiaen Vertrag über den telegraphischen Verkehr mit England zu Stande i ibrachi. In Stettin fand der Stapellauf der neuen Panzercorvette Wurtiern- bera" des Schwesterfchiffs der CorvetteBayern" undSachsen', in Gegen- . wart des Chefs der Admiralität, Generals v. Stosch, statt.

Die Ausführung des S o c i a l i st e n g e f e tz e s wurde mU solcher Energie 1 fortgesetzt, daß die offene Agitation der socialdemokratischen Parte schon M E vollfländlg lahm gelegt ist. Auf Handelspolittfch-m Gebiete erfolgte durch l ein Rundschreiben des Reichskanzlers an die Bundes-Regierungen, worin die \ Nothwendigkeit einer Revision des Zolltarifs dargelegt und die Einsetzung einer Reichscommissivn zur Prüfung der Tarisftagen vorgeschlagen wird, eine bedeut- iame Kundgebung. Der gleichzeitige Zusammentritt der verschiedenen, für die Tabaks-, Eisen-, Leinen- und Baumwollen-Jndustrie gebildeten Enquete-Com- missione» zeugt von dem erfreulichen Eifer, mit dem die betreffenden Fragen ichand^tewerden. A^^ihe von 60 Mill. Mk. wurde fast in dem dop­pelten Betrage gezeichnet, die Wahl v. Forckenbeck's zuw> Bürgermeister von Berlin unter Beilegung des TitelsOberbürgermeister bestätig .

Auf den Stand der Dinge zwischen Rom und Berlin ist durch einen j UMel derProv.-Corresp." überden kirchlichen Frieden und die Centrums- |i Partei" ein überraschendes Licht gefallen. Danach scheinen gegenwärtig ernstliche ? Verhandlungen zur Herstellung des kirchlichen Friedens über die Köpfe der ss-ntrumsvartei hinweggeführt zu werden es soll sogar schon ein erster | Schritt zur Verständigung erfolgt sein! Mit Recht hebt indeß das offta6fe Organ hervor, daß es der Regierung nur dann gelingen könne, ihr Ziel zu erreichen wenn durchdie berufenen kirchlichen Autoritäten , also in letzter Man, den Papst, und zugleich aus der katholischen Bevölkerung heraus dem ierroirrenben Treiben der Centrumspartei ein Ziel gesetzt werde. Leider laßt dl- fortdauernde Doppelzüngigkeit der römischen Curie, welch- durch ihre Press die staatsfeindliche Haltung der Centrumssraction vollkommen billigt, wahrend ! »er Papst persönlich die Rolle des Friedliebenden spielt, wenig auf eine Aende- iun« in der Haltung der Cenlrumspartei hoffen. So lange es aber dieser | Partei gestattet bleibt, durch ihre Tagespreffe die katholische Bevölkerung gegen ! die Gesetze und die gefammte Regierung des Staates aufzuhetzen, so lange ist J auch kein Umschwung in der Stellung dieser Bevölkerung zu ihren Führern zu

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Meßmer Mmciger

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