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1878

Dienstag, den 17. September

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Erscheint täglich mit Ausnahme bei Montag«.

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* gut allgemeinen politischen Lage.

Die Lage der Dinge auf der Baikanhalbinsel wird von Tag zu Tag ver­wickelter. In Bosnien fließt österreichisches Blut in Strömen und trotz aller Anstrengungen wird es für Oesterreich immer schwieriger, die türkische Provinz vollständig in seine Gewalt zu bringen. Die Ermordung Mehemed Ali's, der nach Albanien gegangen war, um dort einer friedlicheren Ausführung der Be- stimmungen des Berliner Friedens die Wege zu ebnen, bei diesem Geschäft aber als ein Opfer der Volkswuth fiel, zeigt zur Genüge, rote wenig die moha- medanische Bevölkerung geneigt ist, fick gutwillig unter die österreichische oder gar die montenegrinische und serbische Herrschaft zu beugen. Oesterreich wird durch diese Sachlage offenbar immer mehr auf die Sette der Feinde der Türkei gedrängt. Schon jetzt wird es wahrscheinlich, daß es mit seiner Action nicht an den Grenzen Bosniens stehen bleiben kann, sondern zum Schutz seiner Stellung über dieselben hinausgehen muß.

Merkwürdiger Weise bleibt die Pforte auch Griechenland gegenüber bet ihrer Weigerung, zu der in Berlin beschloffenen Grenzberichtigung mitzuwtrken. Nicht zufrieden mit der vollständigen inneren Zerrüttung ihres Staatswesens, zieht sie sich durch ihre Halsstarrigkeit also auch noch die Großmächte auf den Hals. Griechenland hat natürlich nicht gesäumt, letztere um ihre Vermittlung anzugehen und zugleich der Pforte erklärt, daß es aus die ihm vom Congreß zusprochenen Rechte nie Verzicht leisten werde. Schon verlautet denn auch von gemeinsamen ernsten Vorstellungen, welche die Großmächte aus den Vorschlag der deutschen Regierung in Konstantinopel machen würden, um die Ausführung

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ihrer Beschlüsse zu beschleunigen.

Leider ist es augenblicklich noch ungewiß, ob alle Mächte sich dem Vor­schläge Deutschlands anschließen werden. Mit den Verwicklungen auf der Balkan- Halbinsel hat sich nämlich auch die Spannung zwischen Rußland und England gesteigert. Hat letzteres die Besetzung Datums durch die Ruffen nicht hindern können, so sucht es nunmehr die der Türkei in Asien verbliebenen Provinzen, über welche es bekanntlich das Protectorat übernommen hat, durch Rückberusung des bekannten Ruffenseindes Midhat Pascha um so fester an die Pforte zu ketten, d. h. dem eigenen Einfluß zu unterwerfen. Die Stimmung zwischen beiden Regierungen wird zugleich durch die diplomatischen Erfolge Rußlands in Centralasien immer gereizter. Man fühlt es englischerseits insttncttv, daß man einem weiteren Vordringen der russischen Macht dort um jeden Preis ent­gegenarbeiten muß und hat sich daher zur Absendung einer außerordentlich Ge­sandtschaft nach Kabul entschloffen, deren Erfolg über die fernere Haltung Eng- lands Rußland gegenüber entscheiden wird.

Brennstoff ist also genug vorhanden. Unter den obwaltenden Verhältnissen wird es freilich noch einige Zeit dauern, bis sich klar übersehen läßt, welche Richtung die sich vorbereitende Wendung der Dinge nimmt. Bei der Wider­spenstigkeit der türkischen Regierung und dem Fanatismus der mohamedanischen Bevölkerung ist indeß das Schlimmste zu befürchten. Man kann daher nicht ohne Besorgntß in die Zukunft blicken. Trotzdem zweifeln wir nicht an der Erhaltung des europäischen Friedens. Das allgemeine Friedensbedürsniß hat soeben noch durch den Mund des französischen Finanzministers einen bedeutsamen Ausdruck gesunden. Die blutigen Opfer, welche Oesterreich gegenwärtig zur Herstellung der Ruhe und Ordnung im Orient bringt, können nur dazu bei­tragen, es noch enger als bisher mit Rußland zu verknüpfen. Vor allem aber gereicht es uns zur Beruhigung, daß Fürst Bismarck wieder die Führung der Mächte der Pforte gegenüber in die Hand genommen hat. Wie er es bisher meisterhaft verstanden, einen allgemeinen Weltbrand zu verhindern und noch jüngsthin dafür gesorgt hat, daß die guten Beziehungen zwischen Oesterreich und Italien durch die Agitationen der Italia irredenta nicht getrübt wurden, so wird er auch fernerhin seinen Einfluß mit Erfolg dahin geltend machen, daß die Ausführung des Berliner Friedens oder wenn die Pforte es in ihrer Verblendung nicht anders will die weitere Auflü.gng des osmanischen Reiches ohne Erschütterung des Weltfriedens vor stch ge' n wird. Hat er doch selbst neuerdings von Kissingen aus in seiner Antwort auf die Adresse der Berliner Kaufmannschaft sein Vertrauen auf die Erhaltung des Weltfriedens ausge­sprochen und zugleich versichert, daß er nicht ablassen werde, an der Befestigung desselben zu arbeiten!

Berlin, 13. Septbr. Ein Berichterstatter derNat.-Ztg." willaus erster Quelle" über die letzten Augenblicke des Meuchelmörders Nobiling Fol­gendes erfahren haben: Nobiling starb bewußtlos. Seine Mutter, Majorin v. Gauvain und der Untersuchungsrichter, Stadtgerichtsrath Johl, verließen den mit dem Tode Kämpfenden etwa 10 Minuten vor seinem wirklichen Ende. Gne Lähmung des Gehirns, der ein Gehtrnschlag schließlich htnzutrat, ist die unmittelbare Todesursache gewesen. Bei dem wirklichen Tode war nur der

Preis visrtchährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

October ab folgende Aenderungen ein:

Eine Auszahlung von Postvorschüssen gleich bei der Einlieferung der zugehörigen Sendungen findet nicht statt; fürPostvorschuß" wird die BezeichnungNachnahme" eingeführt.

Nachnahmesendungen müssen in der Aufschrift mit dem Vermerke von Mark.....Pfg. (Marksumme in Zahlen und Buchstaben,

Psennigsumme nur in Zahlen) versehen sein, und unmittelbar darunter die genaue Bezeichnung der einltesernden Behörde oder Firma, bezw. den Namen, Stand und Wohnort in größeren Städten auch die Wohnung des Absenders in deutlichen Schriftzügen enthalten. Bei Packeten müssen vorstehende Vermerke sowohl auf der Sen­dung selbst, als auf der zugehörigen Packetadresse an­gebracht sein.

Dem Auflieferer einer Nachnahmesendung wird über den Betrag eine Bescheinigung erthetlt, welche, wenn über die Sendung ohnehin ein Einlieferungsschein zu verabfolgen ist (bei Etnschreib- und Werthsen­dungen), in jenen mit ausgenommen, sonst aber besonders ausgestellt wird. Denjenigen Versendern, welche sich eines Post-Einlieserungs- Buches bedienen, können jene Bescheinigungen in diesem mit erthetlt werden; auch wird solchen Behörden und Geschäftstreibenden, welche fortgesetzt Nachnahmesendungen in größerer Zahl einliesern, der Ge­brauch besonderer von der Post unentgeltlich zu liefernder Nachnahme­bücher gestattet.

i Eingelöste Nachnahmebeträge werden den Absendern von der Bestim­mungs-Postanstalt mittelst Postanweisung ohne Abzug und portofrei übermittelt. Aus dem zugehörigen Abschnitte, welcher vom Empfänger losgetrennt und zurückbehalten werden kann, wird postseitig Name und Wohnort des Empfängers der Nachnahmesendung, sowie Ort und Tag der Einlieferung der letzteren, vermerkt. Für die Abtragung der Post­anweisungen, bezw. der zugehörigen Beträge wird das gewöhnliche Bestellgeld erhoben.

) Im Uebrtgen bleiben bezüglich der Nachnahme die seitherigen Bestim­mungen über Postvorschüffe in Kraft.

Deutschland.

Berlin. Wie sehr durch die Auflösung des Reichstages und das Er- gebniß der Wahlen sich der Partikularismus gekräftigt glaubt, beweist folgender Umstand: Von einigen Einzelregierungen sind Zweifel erhoben worden, ob der Kronprinz des deutschen Reiches berechtigt sei, den Reichstag im Namen der hohen verbündeten Regierungen zu eröffnen. In Folge dieser Zweifel ist die Eröffnung dem Stellvertreter des Reichskanzlers übertragen worden. Hoffent­lich befaßt sich der Reichstag mit der Frage, um zu verhüten, daß solche par- tikulartstischen Gelüste, welche immer mehr sich breit zu machen versuchen, ein'n erneren Einfluß üben. Wenn der Kronprinz den.Retchstag berufen kann, dann kann er ihn auch eröffnen.

' - Für die Wahlbewegung find von der socialdemokratischen Partei (nach einer Berechnung desVorwärts") im Ganzen 150,000 Mk. aufgebracht worden.

An den Rändern beschnittene Zwanzigmarkstücke curstren gegenwärtig. Dieser Tage hatte ein Berliner Steuererheber ein solches in Zahlung bekom­men. Bei der Kassencontrole des Magistrats wurde die Beschädigung des Goldstückes entdeckt und stellte sich ein Deficit von 80 Pfg. heraus. Ein Blick, ob die Schrift am Rande vorhanden, genügt zur Untersuchung der Voll­gültigkeit.

Berlin, 14. Septbr. In dem Verfahren mit Postvorschüssen treten

Rebftdtottltatrtcmt Tartenstraße B. 165.

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Gießen, am 14. September 1878.

Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen. , ,

Die Größtmögliche Kreis-Schul-Coimmffwn Gießen

an die Schulvorstande des Kreises.

Unter Verweisung auf unser Ausschreiben, Anzeiger Nr. 202, erinnern wir Sie an sofortige Einsendung der noch rückständigen Verzeichnisse über Namen und Alter der Fortbildungsschüler.

I. V.:

Dr. H osfmann, Regierungsrath.