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Deutschland.

Darmstadt, 14. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Beil Nr. 20) enthält:

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Verkehr znischen dem Großheizogthum Hesien und den angrenzenden Vereins­staaten mit steuerpflichtigen Getränken betreffend.

2. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Winterhalbjahre 1878/79 gehalten werden und am 4. November chren Anfang nehmen.

3. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 22. Juni dem evang. Pfarrer Bernhard Berck zu Heidel­bach tie evang. Pfarrstelle zu Romrod zu übertragen; am 29. Juni die Hetzer bei der Main-Neckar-Bahn Moritz Kötter, Karl Bangert und Adam Ahl zu

thut's nicht!

zugetheilt ist.

Offenbach, 12. August. Die hiesige Handelskammer hat, um Han­delsverbindungen nut China anzuknüpfen, im Jntereffe der hiesigen Industrie die chinesische Gesandtschaft zu Berlin zum Besuche unserer Stadt und zur Be­sichtigung ihrer Industrie-Erzeugnisse eingeladen. Der Gesandte nebst Gefolge trifft am 19. August d. I. hier ein und wird die größten Fabriken und eine Ausstellung der geeignetsten Artikel der verschiedenen Branchen besichtigen.

Aus Berlin wird derFranks. Ztg." berichtet: Aus wohlunterrichteter Quelle wird mir mitgetheilt, daß auf der Heidelberger Konferenz das Tabaks- Monopol mit Majorität abgelehnt worden, dagegen das Princip hoher indi- recter Steuern angenommen sei. Betreffs der Besteuerungsart des Tabaks habe die Conferenz der Enquete nicht vorgreifen wollen. Außerdem sei anerkannt worden, daß verschiedene Artikel, wie Petroleum, Bier, Branntwein u. s. w.,.

einem Gehalt von 900 J-L

7. Sterbefälle. Gestorben sind: am 1. April der Geh. Bergrath i. P. Georg Geyger zu Theodorshalle; am 19. April der Schullehrer i. P. Johann Georg Weis zu Ellenbach; am 18 Mai der Schullehrer Johannes Müller zu Trebur; um 19. Mai der Dtstrictsemnehmer t. P. Rendant Adam zu Darm­stadt; am 2. Juni der evang. Pfarrer Johannes Münch zu Bad Nauheim; am 5. Juni der Oberforstregistrator i. P. Forstrath Karl Mmmenäuer zu Darmstadt; am 8. Juni der evang. Pfarrer Wilhelm Weitzel zu Stockstadt; am 13. Juni der Hosmusiker i. P. Georg Frank zu Darmstadt; am 14.Junr der Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz Profeffor Tr. Ferdinand Beck; am 19. Juni der Distrtctsetnnehmer i. P. Rendant August Danzinger zu Wormö; am 4. Juli der evang. Pfarrer und Dekan; Ferdinand Friedrich Fertsch zu Kaichen; am 9. Juli der Geh. Obergertchtsrath i. P. Gottfried Uhler zu Mainz; am 12. Juli der Schullehrer Sigm. Jacob Krauß zu Groß-Umstadt; an deins. Tage der evang. Pfarrer Rudolph Ebel zu Beienheim.

Darmstadt, 14. August. Am 1. April 1879 tritt mit einem neuen Servistarff eine neue Klaffenetntheilung der Orte ein. Wir entnehmen dem R.-G.-Bl.", daß mit dem genannten Zeitpunkte Darmstadt mit Beffungen, Mainz mit Kastel, sowie Offenbach der I. Servisklasse, Gießen und Worms der II., Friedberg, Butzbach und Babenhausen der III., Erbach der IV. Klaffe

Lokomotivführern, die Hülfsheizer Johann Georg Julius Naumann aus Darm ftadt, Ludwig Vollhardt aus Langen, Georg Erle von Rodheim, Ludwig Schwank aus Darmstadt, Peter Lorenz von Darmstadt und Jacob Alt von Darmstadt zu Heizern, die Hülfswagenwärter Ludwig Petri von Weiterstadt und Theodor Sproß von Darmstadt zu Wagenwärtern bei obiger Eisenbahn, am 3. Julr den Profeffor Dr. Theodor Schäffer zum Director der technischen Hochschule für die Zeit vom 1. September 1878 biß zum 31. August 1879 auf Vorschlag des Lehrer-Collegiums zu ernennen. IW

Am 27. Juni wurde der Schulamts-Aspirantin Anna Jäger aus Mainz die erste Mädchen-Schulstelle zu Kostheim, der Schulamts-Aspirantin Anna Marckwardt aus Mainz die zweite Mädchen-Schulstelle zu Kostheim übertragen; am 29. Juni wurde der von dem Herrn Frhrn. v. Leonhardi zu Beffuvgen auf die erledigte erste Gemeinde-Schulstrelle zu Groß-Karben präsentirte Schul­lehrer Friedlich Musch zu Romrod bestätigt; am 2. Juli wurde dem Lehrer an der zweiten Gemeinde-Schulstelle zu Dauernbeim, Johann Peter Jost, die erste Gemeinde-Schulstelle daselbst, tum Schulamts-Aspiranten Wilhelm Strack aus Haarhausen die Gemeinde-Schulstelle zu Rainrod, dem Schulamts-Aspiran­ten Wilhelm Zimmer aus Eschenrod die eiste Gemeinde-Schulstelle zu Mfa übertragen.

4. Charakterertheilungen.

5. Ruhestandsversetzungen. Am 26. Juli wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Neutsch Wilhelm Drentlau in den Ruhestand versetzt.

6. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Romrod mit einem Gehalt von 685 «M. 71 ; die Gemeinde-Schulstelle zu Leihgestern mit einem Gehalt von 685 c/fl 71 H ; die dritte Gemeinde-Schul- steüe zu Klein-Krotzenburg mit einem Gehalt von 716 Jl. 57 H; die dritte Gemeinde-Schulstelle zu Treieichenhain mit einem Gehalt von 900^.; die Gemeinde-Schulstelle zu Schönnen mit einem Gehalt von 685 Jl. 71 H. Tas PräsentattonSrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach zu; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Beffungen mit einem Anfangsgehalt von 1114 29 H; die mit

einem kath. Lehrer zu besetzende dritte Gemeinde-Schulstelle zu Ockenheim mit

i Parlamentarische Arbeit.

Das Schicksal der Gewerbeordnung liefert den besten Beweis, daß bei redlicher Bemühung, einer Uebereinftimmung der Regierungs- und Volksanfichten zu erzielen, immerhin recht brauchbare Gesetze geschaffen werden könnest. Würde \ ruan auch hierbei die volle Freiheit, wie sie das Manchesterthum proclamirt hat, , gelten lasten, so verkennen wir völlig die thatsächlichen Verhältnisse. Wir kommen ; tunn bei der Ansicht der extremen Volkswirthe an, daß Gemeinde und Staat, das Recht hätten, Greise, Kinder und Kranke verhungern zu lasten, wenn sich die freiwillige Mildthätigkeit ihrer nicht annehme. Gerade die Entwicklung der gewerblichen Ordnung beweist uns, daß die schrankenlose Freiheit, mit einem Male eingeführt, doch von fast allen Parteien gefürchtet wird. Die Gewerbe- oidnung entkleidete die alten Innungen des Ausschließungsrechtes, ließ sie sonst aber bestehen; sie gab Bestimmungen über die Bildung neuer Innungen und verwandte überhaupt auf die Organisation derselben 25 Paragraphen; auch enthält die Gewerbeordnung die wohlmeinendsten Vorschriften über die Pflichten von Meistern, Gesellen und Lehrlingen in ihrem Verhältmß zu einander.

Das alte Prüfungswesen war zum Schein geworden, der Geselle und selbst der Lehrling waren dem Hause des Meisters entfremdet. Nicht das Gesetz hatte daö Handwerk aufgelöst, sondern das Eingreifen der Maschinen, das Ent- suhen der Fabrikation im Großen, die Bildung neuer Gewerbe, der Betrieb auf Grund neuer Erfindungen und Entdeckungen und vermehrter Capitalkräfte. Solche Wandlungen in der Production kann kein Staat hemmen. Andererseits darf man aber in solchen Entwicklungsstadien keine zügellose Freiheit proclamiren, keinen offenen Kampf um das Dasein, wie die Manchestermänner, es gilt dann die Ursachen der Veränderung zu studiren und neue Gesetze aus Grund ernsten wirthschaftlichen Studiums und nach Anhörung der vielgeschmähten Practiker zu schaffen. Es finden dann Enquöten statt, besonders aber hat das Parlament die Pflicht, Fühlung mit dem Volke zu halten und seine Bedürfnisse zu studiren. Der Abgeordnete hat nicht nur seine hohe politische Weisheit überall auszu­kramen, er soll auch, sich selbst fortbildend, sich genau nach Allem umsehen, was er von der Ansicht des Volkes lernen kann. Denn die Summe der Volksan- f chauung, der common - sense, der Volksinstinct, die Volksstimmung, das Volks­bewußtsein oder wie man es neunen mag, sie bleiben für alle.Zeit und waren immer mehr Werth, als die erleuchtetste Ansicht eines Einzelnen.

Unsere sociale Statistik steckt noch in den ersten Anfängen. Wir wiffen verhä'.tmßmäßig wenig über den Bau und die Structur des gesellschaftlichen Körpers, bekanntlich pfuscht jeher,Ar,t tn« Blaue hinein, ^r nicht vorher über den Sitz der Krankheit sich genau i^rmirt und die Lebensfähigkeit des Patienten erforscht hat. Gewiß fuib auch bei uns schon die dankenswerthen Anfänge einer industriellen Statistik gemacht; dieOnquöten über Lehrlingswe en, über Frauen- und Kinderarbeit, die Berichte der Fabrikinfpectoren, die Volks- Mlung mit ihrer Gewerbestatistik haben viele Aufschlüffe geliefert und werden sie noch liefern, die an sich ebenso willkommen geheißen treten, wie die Erg<b- niffe neuer Enqueten über Tabak, Eisen, Leinen, Baumwolle u. s. w. Aber alle diese Arbeiien sind nichts weniger als erschöpfend und laffen sich noch lange richt weder an Qualität noch an Quantität mit den englischen Arbeiten auf gleichem Gebiete vergleichen. Der Deutsche liebt es, großartige Recon- ftructioi^pläne der menschlichen Gesellschaft zu entwickeln, die besten Falls geist­reiche ab'r nur in der Luft schwebende Phantasien sind. Die Principienreiteret nnd die Systemsucht unterstützen die Großmannssucht Einzelner. Es sollte aber gerade in der Jetztzeit unsere Aufgabe sein, bescheiden zu lernen, nicht hofmeister­lich abzusprechen. Bis sitzt kann Niemand sagen: Bis hierher geht die sociale Reform und nicht weiter! Es kann das deutsche Volk, welches daran geht, seine sehr bedenkllchen wirthschaftlichen Zustände zu studiren, nichts Schlimmeres treffen als daß es sein Ohr leiht den Quacksalbern, welche ihm Heilung ver­sprechen, wenn sich nur ihnen daö gesammte Volk anschlöffe. Die Auflösungen alter Ordnung haben den Uebergang zu einer neuen Zeit im Gefolge gehabt. Diese Zeit will erst begriffen und erfaßt sein, xhe man vollständig den richtigen Weg den sie einschlägt, erkennen kann. Dazu bedarf es im Volke ernster Arbeit, ebenso im Parlament, wie bei der Regierung. Das Wort allein

noch sehr ertragsfähig seien.

Berlin, 13. August. Der körperliche Gesundheitszustand des Meuchel­mörders Nobiling macht wesentliche Fortschritte zur Besserung. Seine letzte sich in selbstmörderischer Absicht beigebrachte Verwundung an der Pulsader hat gar keine Folgen binterlaffen, sein Appetit ist groß zu nennen. Ueber feinen vereitelten Selbstmordversuch läßt sich der Verbrecher gar nicht aus. Sein geistiger Zustand scheint jedoch ein umuachteter bleiben zu wollen, denn feine Antworten sind selbst auf gleichgültige Frage konfuse zu nennen. Allerdings wird es bei diesem Verbrecher Aufgabe der Wiffenschaft bleiben, zu conftatitin, ob derselbe durch seine erhaltenen Schädel» und Gehirn-Verletzungen blödsinnig oder ein Simulant ist.