von den Türken bombardirt. Die Beschießung offener Städte gerade zu einer Zeit, in der um Waffenstillstand nachgesucht wird, macht einen um so mißlicheren Eindruck, als bisher solches nicht geschehen war.
Wien, 14. Januar. Das hiesige „Telegr.-Corrcsp.-Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 14. d.: Sicherem Lernehmen nach sind die türkischen Unterhändler heute in das russische Hauptquartier abgereist.
Turin, 14. Januar. Der hiesige Erzbischof erließ ein Hirtenschreiben, welches sich voll Bedauern über den Tod des Königs ausspricht und hervorhebt, daß dieser Verlust mit Recht allgemein als ein großes öffentliches Unglück beklagt werde; der Erzbischof richtet sodann an die Gläubigen bie Aufforderung , für das Seelenheil des verstorbenen Königs zu beten, wie auch für den Könlg Humbert, aus daß letzterer zum Wohle des Staates mit Gottes Hülse regiere. Es folgten darauf Instructionen für die Abhaltung von Seelenmessen in allen Kirchen.
Rom, 14. Januar. SämmtUche Erzbischöfe und Bischöfe Oberitaliens haben Requiems für den König Victor Emanuel angeordnet. Der Papst befahl, daß allen bezüglich der Leichenfeier etwa zu stellenden Anforderungen entsprochen werde und gestattete, daß die Geistlichkeit daran theilnehmen könne. — Die Präsidien des Senats und der Deputirtenkammer begaben sich nach dem Quirinal, um den Majestäten ihre Huldigung darzubrtngen.
London, 14. Januar. Dem „Bureau Reuter" wird aus Konstanti nopel vom 12. d. telegraphirt, bie Pforte habe keine weitere Depesche weber aus Lonbon, noch aus bem russischen Hauptquartier empfangen. Die Stimmung ber Bevölkerung ist sehr erregt gegen Englanb, welches man als moralisch verantwortlich für bas über bie Türkei gekommene Unglück ansehe. Man halte es für unmöglich, baß England je wieder den früheren Einfluß in Konstantinopel gewinnen werde.
München, 14. Januar. Der oberste Gerichtshof hat in dem Haid- hausener Kirchenvroceß bie erhobene Nichtigkeitsbeschwerde aus materiellen Gründen verworfen und demnach dem hiesigen Magistrat das Eigenthums- und Verfügungsrecht zugesprochen.
PnriS, 14. Januar. Der deutsche Botschafter, Fürst Hohenlohe, ist wieder hier eingetroffen; derselbe wird morgen mit dem Grafen Saint Ballier eine Besprechung haben. — Die Subcommission für Finanzen beantragt einen Nachlaß von 11 Mill- Frcs. bei der Steuer für gewöhnliches Eisenbahn-Fracht gut und von 4y2 Mill, bei der Seifensteuer. Hiernach würde der Ueberschuß im Budget sich immer noch aus 17 Mill, belaufen.
Konstantinopel, 14. Januar. Die in das russische Hauptquartier abgegangenen Delegirten sind Namyk (nicht Reuf) und Server Pascha. Aus Adrianopel langen fortwährend Flüchtlinge an.
— Die „Agence Havas" meldet: Da in Folge einer Entgleisung aus der Eisenbahnlinie Konstantinopel-Adrianopel der Zugverkehr eingestellt ist, so sind Server und Namyk Pascha noch nicht abgereist; man hofft, daß die Bahn noch heute frei werde, worauf die Abreise der Minister erfolgen würde.
Wien, 14. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad: Die Serben .besetzten den von den Türken geräumten Ort Kurschumlje und nahmen Vranja ein. 50 serbische Bataillone marschiren gegen Pristina. Gestern vereinigten sich serbische und rumänische Truppen bei Widdtn. Aus die Aufforderung zur Uebergabe verlangte der Festungscommandant von Widdin freien Abzug der Garnison mit Waffen.
Konstantinopel, 13. Januar. Nachrichten aus Adrianopel zufolge ist die telegraphische Verbindung zwischen Adrianopel und Tatar-Bazarpschick- Jamboli ungestört. Ueber das Gefecht bei Capudjir, den Rückzug Suleiman Paschas nach Philippopel und deffen weitere Bewegungen fehle jede amtliche Nachricht. — In der Adresse in der Deputirtenkammer an den Sultan findet sich folgender Paffus: die Lage würde weniger kritisch sein, wenn die militärischen und diplomatischen Operationen mit den Opfern der Bevölkerung auf einer Stufe gestanden hätten.
Konstantinopel, 13. Januar. Das Secretariat empfing eine aus Selwi datirte Antwort des Großfürsten Nikolaus, worin er sich bereit erklärt, die türkischen Delegirden zu Waffenstillstands-Verhandlungen zu empfangen. Ueber die Bedingungen für die Friedenspräliminarien sei ihm noch keine Mit- theilung aus Petersburg zugegangen.
Rom, 14. Januar. Gestern versammelten sich im Palais der deutschen Botschaft alle fremden Botschafter und Gesandten, um sich über das bei der Leichenfeier zu beobachtende Ceremoniell ins Einvernehmen zu fetzen. — Bei dem Empfange der Deputation der Deputirtenkammer war der König sehr gerührt; auf die Ansprache des Viceprästdenten Desanctis erwiederte er, daß ihm bei diesem unermeßlichen Verluste die vielfachen von allen Theilen zugehendeu Beileidsbezeugungen zu großem Tröste gereichten. Er werde den Traditionen seines Vaters folgen. Der König bestätigte sodann, daß die Leichenfeier in Rom statt- finden werde, und fügte hinzu, daß bezüglich des Orts der Beisetzung noch nichts Endgültiges bestimmt sei, er wünsche jedoch, daß die sterblichen Ueber» reste an einem geheiligten Orte ruhten. Die Königin sprach zu der Deputation mit tiefem Schmerze von den letzten Augenblicken Victor Emanuels und der Festigkeit, mit er starb. Der Fremdenzufluß ist sehr groß, so daß die Eisenbahnzüge verspätet eindreffen. Der König hat dem Marschall Canrobert Wohnung im Quirinal angeboten. Der Kaiser von Japan hat ein Bnleidstele- gramm gesendet.
Die „Agenzia Stefani" meldet: Das Gerücht von einem Besuch des Herzogs von Aosta beim Papste und dem angeblich von Sr. Heiligkeit gegenüber stattgehabten Gefühlsausdruck entbehrt jeder Begründung.
Konstantinopel, 13. Januar. Die „Agence Havas" meldet: Reuf Pascha und Server Pascha sind heute Abend in das Hauptquartier des Großfürsten Nikolaus abgereist. (Laut Meldung des „Wiener Telegr. Corr.-B." sind die türkischen Unterhändler, wie mrtgetheilt, erst am 14. abgereist.) In t.r russischen Antwort auf das türkische Waffenstillstandsgesuch wird keine Friedensgrundlage bezeichnet, sondern die türkische Regierung nur aufgefordert, Delegirte zur Verhandlung über die Friedenspräliminarien abzusenden. — Em Telegramm aus Philippopel vom 12. bestätigt, daß die Türken die Stadt Tatarbazardschik in Brand steckten und sich in großer Panik nach Philippopel zurückzogen.
Nom, 14. Januar. Der deutsche Kronprinz ist heute Abend hier eingetroffen; am Bahnhof waren zum Empfang anwesend: der Prinz von Carignan, d'e Minister, das Personal der deutschen Botschaft, Deputationen der Osficiere, sowie eine Ehrenwache mit Musik und Fahne. Der Kronprinz ist im deutschen Botschaftspalais abgestiegen. — Heute wurde die ausgestellte Leiche des Königs
von einer großen Volksmenge besucht. Fortdauernd treffen Fremde ein. Mar- chall Caurobert mit dem Sohne Mac Mahon's ist angekommen.______
Zum russisch türkischen Krieg.
lieber die Leiden oer Verthnoiger des Schipka Passes hecht es in einem Schreiben Berichte, welche nach 10 Tagcn von dort hier anlangten, liefern eine ergreifende Schilderung von den Leiden der unglücklichen Iruppen, welche den wichtigen Balkan Paß bewachen. Der Schneesturm hat dort so fürchterlich g.wüthet, daß sich kein menschliches Wesen in freier Luft aufhalten konnte. Die Vorposten wurden auf beiden Seiten zurückgezogen und in eigens dazu erbauten Schilde hauöcken unter Dach gestellt- Aber auch diese erwiesen sich als ungenügend, da de« Luststrom so stark war, daher mehrere olcher aus starken ißau nftämmen gebauten Hütten wegriß und die darin befindlichen Soldaten nur mit Roth dem Tode entgingen. Zwei Tage hindurch konnte inen wegen der Schneeweben nicht fünfzig Schritte wett sehen, noch eine menschliche Gestalt erkennen. Die äußerst festgebauten Baracken im russischen Lager erz tterten in ihren mehrere Fuß tiefen Fu idamenten, die Cornmunicttion mit G rbrowa wurde unterbrochen, man war von aller Welt abgefchnitten und inmitten der entfesselten Elemente auf einer Höhe von mehreren tausend Fuß auf sich allein angewiesen. Cfftcicrc, welche tn Sibirien und tm nördlichen Rußland den Winter zugebracht hatten, konnten sich nicht eines olchen grausigen Winterschauspiels erinnern. Sogar Feuer half nicht erwärmen, da der Wind durch die Wände drang und den Rauch durch die primitiven Schornsteine in das Innere der Baracken zurückblies, so daß es unmöglich wurde, eine nur noch dürftige Wärme za erhalten. Große Schneewirbel durchkreuzten das Thal, welches den eigentlichen Schipka-Paß bildet. Pferde, Ochsen und all-rler Lastthiere retteten sich instinctmäßig ins Lager und wurden oft von den Menschen unter dasselbe Obdach gebracht. Glücklich Diejenigen, welche mit einigen Thteren beisammen, durch die animalischen Ausdünstungen einen gewissen Grad von Wärm; gen ßrn konnten. Dazu gesellte ich noch fortwährend Unruhe wegen der Befürchtung, daß die Türken diese Lage benützen würden, um die Stellungen anzugreifen, da es auf dem südl'chen Abhange d-s Passes trotz der herrschenden Kalte doch noch möglich war, eine Ueberrumpelung auSzusühren. M'tten im größten Sturme schossen die türk schen Batterien zeitweilig auf die russischen Stellungen, freilich nur auf's Geradewohl. Durch die genaue Abmessung der Drstancen und weil sie durch einen mehrmonatlichen Geschützkampf ausgezeichnet eingeschossen waren, gelang rs den türkischen Kanonieren doch einige Treffer zu erzielen, welche bei ber Anhäufung der russischen Mannschaften hätten verderblich werden können. Zum Glücke platzte nur ein einziges türkisches Pcojectll, während den anderen nur einige Thiere zum Opfer fielen. Rach drei Tagen heiterte sich endlich das Wetter auf uib bet einer e.sigen Kälte trat die Sonne hervor, deren Strahlen sich tausendfach auf den Schneefeldern und an den Wäldern. F.lsen und Abgründen herabhängenden Eiszipfen brachen. Alles etlte aus den unter dem Schnee erdrückten Baracken hervor und bewunderte das magisch wirkende Schauspiel. Sogleich wurde mit Anwendung aller Kräfte an der Wiederherstellung der Verbindungen und der Vorpostenlinie bearbeitet.
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Gießen, 15. Jan. Wir lassen nachstehend die T age 8 Ordnung für die Stadt- verordneten-Sitzung am Donnerstag den 17. Januar 1878, dtachmittags 1 Uhr, im alten Realschulgebäude folgen:
1- Gesuch des Wilhelm Schäfer um Erlaubniß zur Herstellung einer Einfriedigung.
2. Offerte desselben wegen Abtretung von Straßengelände.
3. Straßenanlagen in der Schwarzlach.
4. Anlagen auf der Schoor zwischen Wallthor und Neustadt.
5. Die Anlegung einer fahrbaren Straße zwischen Afterweg und Gartfeld.
6. Nioellirungsplan für die Straße zwischen Marktstraße und Reichensand.
7. Gesuch des Kupferschmieds Zimmer um Herstellung der Straße vor seinem Hause.
8. Die Reichensand Bahnhofsstraße.
9. Gesuch wegen Verbesserung des Mühlwegs.
10. Die Erbauung eines Schlachthauses betreffend.
11. Gesuch wegen Pflasterung des rechtsseitigen Trottoirs auf der Grünberger Chaussee.
12. Die Herstellung einer Brücke von der Schoor nach der Entbindungsanstalt.
13. Reparaturarbeiten an der Turnhalle.
14. Der Weg von der neuen Anlage bis zum Steg Über die Wieseck.
15. Baugesuch des Maurermeisters Balthasar Strauch.
16. Desgleichen des Metzgermeisters Friedrich Möhl.
17. Desgleichen des Christian Malkomesius.
18. Gesuch des Gastwirths Lauterbach um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.
19. Gesuch der Actienbrauerei Gießen um Erlaubniß zur Erbauung eines Eis- Hauses.
20. Gesuch des Fabrikanten Ackermann um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung.
21. Anlegung von Quai Straßen längs der Wieseck.
22. Regelung des Rechnungswesens für die Realschule.
23. Definitive Besetzung einer Lehrerstelle an bet Vorschule zur Realschule.
24. Kostendecreturen.
Gießen, 15. Jan. Eine interessante Scene spielte sich gestern Nachmittag vom Marktplatz bis zum Kirchenplatz ab Ein Kaufmann von hier kaufte von einem Pferoe- händler von Lang-Gons um einen bestimmten Preis ein Pferb ab. Im Besitz der edlen Rosstnante bäuchte ihm der angelegte Preis zu hoch und tbeilte er dieses den Verkäufer mit. Doch dieser, nicht gewillt um einen billigeren Preis als der abgemachte zu verkaufen, kam gestern mit noch einem Gehilfen hier an um das P^ecd wieder in Empfang zu nehmen. Jetzt war nun bie Reihe des Nicht-Wollens auf der Seite des Käufers und das Resultat dieses Wollens und NichtwollenS war folgende Scene: Vier Personen zogen an dem edlen Thiere und jeder wollte eS nicht loS lassen: Schläge bekam es auch und sogar ein Sohn Israels hing sich an den Schwanz des Thieres. Dieses, ein solches Betragen doch nicht gewohnt, schleuderte den hinten haltenden in den Erker des Hofconditors Lind am Kirchenplatz, wo derselbe zwischen Drag4 u. Süßigkeiten sich wunderlich genug mag ausgenommen haben. —So wurde uns berichtet und müssen wir die Ricktiakeit desselben unseren Referenten überlassen.
V e rm i s ch t e S.
— (Eifersucht ) Bei der Gattin des Finanzbeamten H. in Pest erschien vor Kurzem mit geheimnißooller Miene eine unbekannte Frau und machte ber Beamtengattin bie Anzeige, baß ihr Gatte — ihr untreu sei. Wenn sie sich hiervon überzeugen wolle, möge sie ihr folgen. Die eifersüchtige Frau H. gerieth ob dieser Mittheilung so sehr außer Fassung, daß sie in ber Eile im Zimmer Alles unoersperrt ließ, blos dteKüchen- thür verschloß unb lammt ihrem Dienstmädchen ber Denunziantin folgte. Diese führte Frau H. in eine entlegene Gasse ber Vorstadt unb hieß sie vor einem Hause warten, bis sie im geeigneten Momente sie rufen werde. Hierauf verschwand bie Unbekannte in dem besagten Hause. Frau H. wartete länger als eine Stunbe, doch sie würbe nickt gerufen. Sie machte sich daher, nachdenklich über bie mysteröse Geschichte, auf den Heimweg, wo ihr Alles klar ward. $n ihrer Abwesenheit war' die Küchenthür erbrochen unb waren alle tm Zimmer befindlichen Gold- und Silbergegenstände gestohlen worden. Da ber Gatte ber Frau H. in Kinern Zorne über bie Eifersucht feiner Frau es unterließ, von bem Diebstahle bie polizeiliche Anzeige zu machen, so übernahm es ,,Magyar Hirado", diese Geschichte zur Warnung für alle zur Eifersucht geneigte Frau n der Oeffentlicbkeit preismgeben.
— (Zettungs Styl.) Der „Jüdische Telegraph" ein ernsthaftes „politisches" Blatt, das in jüdischen Lettern und in jüdisch deutschem Jargon in Bukarest erscheint, schreibt Folgendes über bie Einnahme von Etropol: „Man hat jetzt gewahr geworden die Ursache, vor was die Russen haben vor einigen Wochen bei die Terken die wichtige Position ^Etropol" eingenommen, gar ohne MÜh! Die ganze Welt hat sich damals gewundert, wie eso bie Terken fennen von Etropol e weggegangen un Haden es gar nicht vertheibigt Jetzunb weiß man, as das Kriegsministerium in Konstantinopel is an bem schuldig, ntscht der Commandant un bas Militär nun Etropol Der Com- manbant vun Etropol hat telegraphirt nach Konstantinopel, man soll ihm schicken Martini Patronen, weil sein Milstär hat gehabt Gewehre vun bem System Martine Zum Sof (Schluß) hat man ihm geschickt Winchester-Patronen unb er hat sie nischt gefennt benützen, weil se haben nischt eingepaßt in be Büchsen — bas Militär von Etropol
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