Mittwoch, den 16. Januar
1878
Wo. 13
Meßmer Wyciger
Aykize- md A»tsbl»tt fit in Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Asvaetwrrsbiersairr Gartenstraße B. 165. r Schulstraße B. 18.
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Deutschland.
Darmstadt, 12. Januar- Verhandlungen der zweiten Kammer der Stände. Bei der gestrigen Specialberathung des Gesetzes über die Besteuerung der Wanderlager wurde der von der Regierung vorgeschlagene Steuersatz für Darmstadt und Mainz mit 40, für die übrigen Städte 30, und die Landgemeinden mit 20 Mk. gebilligt, jedoch nur mit 22 gegen 21 Stimmen, da die Minderheit die Hälfte dieser Sätze für ausreichend hielt.
Ein Antrag des Abg. Schröder, ein Drittel dieser Abgabe den betr. Gemeinden zufließen zu lassen, fand Annahme, während die Bestimmung des Entwurfs, daß für jeden bei einem in Rede stehenden Geschäfte verwendeten Gehülsen die Hälfte obiger Sätze als Zuschlag weiter zu entrichten ist, abgelehnt wurde. Die Vorlage wird demnächst eine zweite Lesung zu passiren haben.
Bezüglich des nunmehr vollständig vereinbarten Gesetzes, die Gehalte der Volksschullehrer betr., erklärte das Ministerium, daß das Gesetz nicht vor dem Jahre 1879 in Wirksamkeit treten könne.
Heute wurde der Stephan'sche Antrag, den Religionsgemeinschaften zu gestatten, selbstständig den Modus auszustellen, wie ihre Bedürfnisse auszubringen seien, kurzer Hand abgelehnt.
Hierauf wurde der Defect in der Staatsschulden-Tilgungskasse besprochen. Der Finanzminister, sowie der heute als Regierungs-Commissär fungirende Abg. Welcker räumten offen ein, daß sowohl die Direction, wie der landständische Controleur sich Verfehlungen schuldig gemacht, indem sie zu vertrauensselig gewesen, daß die Unterschleife schon seit langen Jahren herrührten, allein die Eontrole keine genügende gewesen. An der Debatte beteiligte» sich Schröder, Kugler, Frank, Wolsskehl, Wadsack und Osann, welch letzterer mit ungewöhnlicher Schärfe gegen die Visitationsbeamten zu Werke ging. Sie betonten jämmtlich, daß die Eontrole eine nicht ausreichende gewesen, da man die einfachsten Grundsätze der Buchhaltung außer Acht gelassen, und bezeichneten es als den Hauptmtßstand, daß der Cassier Ches der ganzen Buchhaltung gewesen und dadurch Jahrzehnte lang fortgesetzt in der Lage gewesen, die Betrügereien zu verüben.
Allseitig wurde verlangt, sofortige Beseitigung der vorhandenen Mißstände und Vorkehrungen gegen deren Wiederkehr zu treffen, was auch bereilwilligst zugesagt wurde. — Ein Beschluß kann nach der Geschäftsordnung bei dieser Gelegenheit nicht gefaßt werden.
Berlin. Den verschiedenen Regierungs-Hauptkaffen sind jetzt sehr ansehnliche Summen in 50-Pfennigstücken zugegangen, welche dazu bestimmt sind, im Interesse der Durchführung der deutschen Münzresorm die Etnsechstel-Thaler (Fünsgroschen-) Stücke zu ersetzen. Die Regierungen haben von diesen Reichs- Silbermünzen den ihnen untergeordneten Kaffen entsprechende Beträge als zu erstattenden Vorschuß zu überweisen, um dieselben sofort bei allen Zahlungen in geeigneter Weise zu verwenden.
— Das neueste „Militär-Wochenblatt" enthält in seinem nichtamtlichen Theile einen Bericht über das Telephon im Vorpostendienste, woraus erhellt, daß die Nutzanwendung des Telephons speciell für militärische Zwecke in der Folge groß sein wird. Der von dem Hauptmann Körner (Compagniechef im Infanterie-Regiment Nr. 56) bei 3 Grad unter Null und heftigem Winde ge machte Versuch gelang, da das deutliche Hören nicht im Geringsten gehindert wurde. Zum Anruf, also zur Benachrichtigung, daß mittelst Telephons eine Meldung geschickt werde, wurde mit starker Stimme der Doppelvocal „ö" hin- eingerusen, worauf der Empfänger seine Anwesenheit zu erkennen gab. Ein fernerer Versuch, wo ein Doppelposten mittelst eines Fernsprechers verbunden war, gab dem Versuchenden den Beweis, daß der Posten „ebenso stramm" seine Meldung durch den Fernsprecher abstattete, als er dieselbe persönlich zu überbringen gewohnt ist. Andererseits jedoch bemerkt die Redactton des Fachblattes, daß der Hauptmann Buchholtz (der Verfasser des Buches „die Kriegstele- graphte") neuerdings die Absicht hat, einen tragbaren Feldtelegraphen auch mit Telephonen zu versehen, sobald diese soweit verbeffert worden sind, „daß eine Verständigung weniger fraglich, als bei den jetzt vorhandenen erscheint."
Arankreich.
Paris, 12. Januar. In der heutigen Sitzung der Kammer sprach Präsident Gt6vy seinen Dank aus für die neuen Beweise ihres Vertrauens und lobte das Verhalten der Kammer, die es verstanden habe, den Willen Frankreichs zur Geltung zu bringen und schwere Conflicte durch die Errichtung einer parlamentarischen Regierung auf friedlichem Wege zu lösen. Gr6vy gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Kammer auch in Zukunft diesen Geist der Klugheit bewahren und stets gemäßigt und versöhnlich sich zeigen möge, indem sie alle Interessen achte und als wachsame Hüterin der Republik sich angelegen sein laffe, die nöthige Eintracht unter den öffentlichen Gewalten aufrecht zu erhalten, die Eintracht, die allein im Stande sei, die Ruhe und Sicherheit der Arbeit zu gewährleisten, und daß sie so der Erwartung des Landes entsprechen und sein Vertrauen rechtfertigen möge. (Beifall.)
er H h ei f.
— Im Senate dankte Audiffret - Pasquier in einer kurzen Ansprache für eine Wahl, indem er sagte, er empfinde deren Werth mehr als jemals und werde die ihm durch dieselben auferlegten Obliegenheiten zu erfüllen bestrebt sein. — Die Discussion über die Interpellation Gavardie's ist aus nächsten Donnerstag verschoben. Die Wahl eines unabsetzbaren Senators an Stelle des verstorbenen Generals Aurelles de Paladines ist auf den 23. d. angesetzt. General Pelissier (Linke) wurde mit 111 Stimmen gegen General Espivent, welcher 109 Stimmen erhielt, zum Quästor gewählt. — In der Kammer legte der Minister der öffentlichen Arbeiten einen Gesetzentwurf, betr. den Ankauf von 2615 Kilometer Eisenbahn von den Compagnien der Secundärbahnen vor. Der Kaufpreis ist 500 Millionen Frcs. Die Dringlichkeit wird ausgesprochen. Der Entwurf wird auf Antrag von Paul Bethmont, der von Gam- betta unterstützt wird, an die Budget-Commission verwiesen.
Italien.
Rom, 13. Januar. „Popolo romano" dementirt die Nachricht der „Times" von einem Compromiß zwischen dem italienischen Gesandten in Konstantinopel, Grafen Curti, dem britischen Botschafter Layard und der Pforte in Betreff der mit Beschlag belegten italienischen Schiffe. Nachdem das Prisengericht noch nicht gesprochen, hat die Angelegenheit noch keine Lösung gefunden.
Rußland.
Petersburg, 12. Januar. Tie „Agence Russe" hebt hervor, daß das langsame Vorschreiten der Waffenstillstands-Verhandlungen sich durch die große Entfernung erkläre, welche die von Petersburg nach den beiden russischen Hauptquartieren'in Bulgarien und Asien gesandten Instructionen zurückzulegen hätten. Bezüglich des Waffenstillstandes selbst wiederholt die „Agence Ruffe", Recht, Brauch und Billigkeit erheischten, daß dem den Frieden bezweckenden Waffenstillstände eine Convention zwischen den Kriegführenden vorangehe, wodurch die Basis der Friedenspräliminarien festgestellt werde. Andernfalls wäre der Waffenstillstand ein dem Besiegten dargebotenes Mittel, sich zu erholen, um neuen Widerstand vorzubereiten und neues Blutvergießen hervorzurufen.
— Der „Ruff. Invalide" veröffentlicht den Tagesbefehl des interimistischen Garde-Commandeurs Baron Bistrom, sowie, mit Genehmigung des Kaisers, einen Brief des preußischen Garde-Commandeurs Prinzen von Württemberg an den Kaiser, Glückwünsche zu den russischen Siegen enthaltend. Der russische Tagesbefehl lautet am Schluffe wörtlich: Die in dem Briefe des Prinzen von Württemberg ausgesprochene schmeichelhafte Aufmerksamkeit für unsere siegreichen Brüder wird nach meiner festen Ueberzeugung mit um so größerer Sympathie ausgenommen werden, als sie aus den Reihen des ruhmvollen und tapferen Gardecorps kommt, welches dem großen und mächtigen Lande angehört, auf dessen aufrichtige und erprobte Freundschaft unser theures Vaterland mit Recht stolz sein kann.
Petersburg, 13. Januar. Osficiell wird aus Selvi vom 11. d. gemeldet : Das Detachement unter General Karzow besetzte am 10. Jan. Sapot und Karlowo. — Ueber die zweitägigen Kämpfe des Generals Radetzky am 8. und 9. d. werden folgende Details gemeldet: Die Colonne des Fürsten Mirsky kämpfte am ersten Tage allein, nahm Schipka mit Sturm, machte 100 Gefangene, erbeutete zwei Geschütze und nächtigte auf dem eroberten Terrain. Verluste unbeträchtlich. General Dombrowsky und die Obersten Gromann und Khomenko wurden verwundet. Am Abend des 8. d. traf die Colonne des Generals Skobeleff ein. Am 9. d. war der Nebel so dicht, daß die 2. Brigade der 14. Division, welche in der Front angriff, vom Feinde nicht bemerkt wurde. Hiernach entbrannte ein erbitterter Kampf. Um 4 Uhr Nachmittags stellte der Feind sein Feuer ein. Gleich darauf traf eine Ordonnanz Skobeleff's ein, welche meldete, daß die türkische Armee sich ergeben habe. — Aus Gabrowa vom 12. d. wird gemeldet: Die Verluste der Colonne Skobeleff's bestehen in 6 Osficieren, 294 Soldaten tobt, 38 Osficiere und 1190 Soldaten verwundet. Die Colonne nahm 12 Feldgeschütze im Sturm und eroberte mehrere Fahnen. Bei Cheinon wüthete ein erbitterter Bajonnetkampf, welcher mehr als 10 Minuten dauerte. Das 1. und 2. Don'sche Kosaken-Regiment machte bei Verfolgung der Türken eine große Anzahl Gefangene. — General Semeka meldet aus Odeffa vom 12. d.: Das Bombardement Eupatorias durch türkische Panzerschiffe wurde Abends 6y2 Uhr eingestellt. Der Versuch der Panzerschiffe, zwei Kauffahrteischiffe zu nehmen, wurde durch die Strandbatterien vereitelt.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.
Malta, 13. Januar. Das Truppen-Transportschiff „Jumna", welches mit 1067 britischen Soldaten auf der Fahrt nach Indien war, sowie, der „Eu- phrates", welcher 1142 Mann dahin führen sollte, sind hier zurückgehalten worden.
Petersburg, 14. Januar. Außer Eupatoria wurde auch Feodosia


