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Berlin, lieber das heutige Commiswesen wird geschrieben: „Wenn wir gegenwärtig den Jnseratentheil der Zeitungen durchsehen, finoea wir eine zahllose Reihe Stellengesuche von jungen Leuten die theilwetse seit längeren Jahren Commisposten tajie gehabt, theilwetse als Reisende bereits fungirt haben und jetzt anderweitige Besch Lfttaung suchen. Aber noch mehr ergibt sich, wie groß die Zahl der jungen Leute ^re Beschäftigung ist, wenn man die Unmasse von Offerten betrachtet, die auf eine Annonce einlaufen, durch welche ein junger Mann gesucht wird. Der Grund dafür ift gewiß zunächst die schlechte Geschäftslage. Betrachten wir die Sache aber etwas -mauer, so werden wir finden, daß in den guten Jahren verhältnitzmäßig viele junge xmle veranlaßt worden find, in den Kaufmannsftand zu treten. Immer mehr Lehr üngc wurden angenommen; wer nur eben schreiben und rechnen konnte, wurde engagirt- Die Zeit der Lehre ging zu Ende — mit ihr auch die guten Jahre. Der Herr Principal ist rr.it einem jungen Manne ganz zufrieden, bedauert aber sehr, auf ein weiteres Engagement nicht etngehen zu können, da die Zeiten zu schlecht seien, und wünscht zu fernerem Fortkommen Glück und Segen. Der junge Mann geht und sucht anderweitig Beschäftigung. Und was thut der Herr Principal? Er nimmt sich einen neuen Lehrling. Und so geht daS fort. Was ist die nothwendige Folge davon? Immer mehr vnge Leute, die drei bis vier Jahre umsonst treu gedient haben und nun hoffen, sich selbst den Unterhalt zu verdienen, werden stellenlos und gerathen in höchst bedrängte Lage. Gibt es nun da keine Abhülfe? Ich finde solche nur in einer Aendcrung unserer heutigen GeschäftSprtnctpien. Dadurch, daß immer neue Lehrlinge angenommen werden, muj eine Ueberzahl an jungen Geschäftsleuten etntreten. Dann aber sollten die Prtnci- AoU auch größere Vorsicht in der Wahl der Lehrlinge anwenden und nicht Jeden an nehmen, der nur gut schreiben und rechnen kann. Man sollte mehr und mehr nur olche junge Leute wählen, die sich durch den Besuch höherer Lehr-Anstalten eine Bildung verschafft haben, welche der Stellung eines späteren selbstständigen Geschäftsmannes angemessen ist. Auch würde eS nicht schaden wenn der Lehrling nach bestandener Lehret einer scharfen Prüfung unterzogen und ihm ein Zeugniß ausgestellt würde, woraus m ersehen wäre, daß er einer Commisstelle selbstständig vorstehen kann, während bisher so vielfach allgemein gehaltene Atteste gegeben werden, aus denen sich nichts entnehmen läßt. Auch würde die Gründung von kaufmännischen Vereinscassen ein Vortheil ein. Schreiber dieses besitzt eine tüchtige Realschulbtldung und hat eine vierjährige Geschäftspraxis hinter sich; aber trotz aller Anstrengung ist es ihm nicht möglich, Be- Mtigung zu erhallen, obschon er gute Zeugnisse aufzuweisen hat und nicht daS Geringste gegen ihn vorliegt. Grund seiner Entlassung war einfach der augenblickliche schlechte Geschäftsgang, bei welchem sein Principal lieber ein Lehrling nimmt, der ihn
nichts kostet, als daß er einem jungen Manne etwa 1OOO Selair bezahlt, der ihm drei Jahre umsonst gedient hat."
Bei Blankenburg waren im vorigen Monate in den Herzogl. Braunschweigischen Jagdrevieren über 300 Wildsauen in Saufängen eingefangen, um von den hohen Herrschaften nach mittelalterlichem Jagdgebrauch „abgefangen" zu werden. Leider wurde die Jagd durch Unwohlsein des Herzogs aufgehoben und die Sauen wieder aus ihrer Gefangenschaft befreit. Jetzt hat nun die Jägerei den Abschuß auf ihren Revieren zu besorgen und sind bereits seit acht Tagen tn den Blankenburger und Sßteurober Revieren über 100 Sauen und seit der Festzeit bisher 90 Stück Rothwild erlegt.
— Von einem seltsamen Reiseabenteuer erzählt die „R Fr. Pr.", daß einem Frankfurter älteren Bürger, der sich noch gern tn Thalta's Musentempeln aufhält, widerfahren ist. Derselbe konnte dem Drange seines Herzens, die Musentempel von Paris während der Ausstellung tn Augenschein zu nehmen, nicht widerstehen und dampfte gen Parts. Da er nicht französisch sprechen konnte, so schrieb er sich an der Straßenecke seiner Meinung nach den Namen der Straße, in der fein Hotel belegen war, auf, und wanderte wohlgemuth durch die Straßen von Parts seinem Ziele zu. Auf dem Rückwege sprach er verschiedene Leute an, hielt ihnen seinen Zettel hin und bat um Zurechtweisung. Die Angesprochenen lachten ihn jedoch aus und gingen weiter. Endlich kam unser biederer Landsmann an einen Deutschen, der sich vor Lachen bald ausschüttete, als ihm der Zettel hingehalten und er gefragt wurde, wo die Straße sei. Der Deutsche mußte sich erst von seinem Lachen erholen, um unferm Verehrer der Pariser Masentempel zu erwidern, daß das, was er sich ausgeschrieben habe, gleichbe deutend sei mit unfern hiesigen Polizei-Plakaten: „Dieser Ort darf nicht verunreinig." werden "
Hanau, 11. November. Demnächst werden Se. König!. Hoheit der Herr Landgraf von Hessen nebst hoher Familie und Gefolge Wtnteraufenthalt in Wiesbaden beziehen.
— Humor des Setzkastens. „Ein Gutsbesitzer beabsichtigt, wegen Kränklichkeit sein Rittergut zu versaufen (verkaufen)." — „Nur im Besatz (Besitz) der Geliebten kann Julius Glück und Ruhe finden." — „Mehrere Hundert Lumpen (Lampen) gaben dem Garten ein magisches Ansehens — „Oesterreich hat eine große Anzahl von Füssen (Flüssen), welche das Land nach allen Richtungen durchlaufen." — „Geschenk für artige Rinder" (Kinder) ein Titel einer Jugendschrtft.
Handel und Verkehr.
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