Wockenüber
Die Nachrichten über das Befinden unseres Kaiseres lauten fortdauernd erfreulich. Im Laufe dieses Monats gedenkt derselbe sich von Baden- Baden, wo er gegenwärtig weilt, zu einer Nachkur auf mehrere Wochen nach Wiesbaden zu begeben. Seine zu Mitte November bevorstehende Rückkehr nach Berlin hat der dortige Magistrat durch einen besonders festlichen Empfang zu feiern beschlossen, um der Freude der Bürgerschaft über die völlige Genesung des geliebten Landesherrn Ausdruck zu geben.
Das kronprtnzliche Paar geleitete seinen zweiten Sohn, den Prinzen Heinrich, am 7. d. auf die im Kieler Hafen befindliche Corvette „Prinz Adalbert", auf welcher der bekanntlich sich dem Seewesen widmende Prinz seine erste, auf zwei Jahre berechnete Seereise antreten soll. Das genannte Schiff hieß früher „Sedan", hat diesen Namen aber vor Kurzem in Folge einer kaiserlichen Cabinetsordre mit seinem jetzigen Namen vertauscht.
Die Einundzwanziger-Commission hat die zweite Lesung des Entwurfs zum Social ist enge setz beendet, auch schon den sehr eingehenden schriftlichen Bericht des Abg. v. Schwarze über ihre Berathungen entgegengenommen. Fürst Bismarck nahm zwar an den Commissions-Verhandlungen keinen persönlichen Ancheil, ließ indeß die Stellung der Regierung durch den Minister des Innern, Grafen Eulenburg, deutlich genug darlegen. Nachdem derselbe der von der Commissions-Mehrheit gewünschten Modification der Recursinstanz im Ganzen und Großen seine Zustimmung gegeben, beschränken sich die zwischen der Regierung und der Commission noch obwaltenden Differenzen im Wesentlichen auf die Definition der socialtsttschen Bestrebungen und die Dauer des Gesetzes. Nach dem Ergebniß der neuesten Frakttons-Berathungen zu urtheilen, scheint die Mehrheit des Reichstages schon bet der jetzigen zweiten Plenarberathung des Gesetzentwurfs zu einer definitiven Verständigung mit der Regierung gelangen zu sollen. Die Nachricht, daß der Kaiser sowohl wie Fürst Bismarck während ihres Aufenthalts in Gastein und später noch mit bösartigen Drohbriefen förmlich überschüttet worden sind, ist offenbar nicht ohne Eindruck aus die Abgeordneten geblieben.
Die Hoffnung, daß die vom Vattcan angeknüpften freundschaftlichen Unterhandlungen mit der preußischen Regierung zu einem Ausgleich zwischen Staat und Kirche führen würden, hat sich in letzter Zett wieder erheblich vermindert. Man beginnt nachträglich einzusehen, daß der Papst die Herstellung des „wahren, dauernden Friedens", den er in seinem Schreiben an den Cardinal- Staatssecretär Ntna als Ziel seiner Bestrebungen htnstellt, nicht sowohl durch einen Compromtß, d. h. vurch gegenseitige Nachgiebigkeit, als vielmehr durch eine vollständige Unterwerfung des Staates unter die Forderungen der Curie erreichen zu können meint. Die officiöse päpstliche Presse in Italien fordert nämlich neuestens in ungenirtester Weise die gänzliche Abschaffung der Matgesetze, und die ultramontanen Organe tn Deutschland blasen in dasselbe Horn, indem sie zugleich das Mißtrauen gegen die preußische Regierung schüren, mit der „Abnahme der preußischen Sympathien" drohen, die Nothwendigkeit, „das Pulver trocken zn halten", betonen und zu festem Ausharren in der bisherigen Opposttionsstellung mahnen, weil der Augenblick nicht mehr fern sei, wo „der Katholicismus den Sieg auf dem märkischen Sande gewonnen haben werde." Unter diesen Umständen sind die Versicherungen der ultramontanen Blätter, daß die Unterhandlungen an der Unvereinbarkeit des beiderseitigen Standpunktes scheitern würden oder gar schon gescheitert seien, keineswegs unglaubhaft.
Während übrigens der Papst Deutschland gegenüber noch den Friedfertigen und Versöhnlichen spielt, hat er tn Italien diese Maske ganz abgeworfen. Die offene Kundgebung der alten feindseligen Gesinnungen gegen das Königreich Italien, wie sie tn dem Schreiben an den Cardinal Nina hervortreten, hat aber auch nicht verfehlt, die Gefühle der italienischen Bevölkerung gegen ihren „heiligen Vater" merklich zu verbittern.
Oesterreich-Ungarn steckt aus Anlaß der durch die Occupation Bosniens und der Herzegowina verursachten finanziellen Schwierigkeiten tn einer allgemeinen Minifterknsis. Auf das Demisstonsgesuch des ungarischen Cabtnets ist Seitens der österreichischen Minister die erneuerte Bitte um definitive Entscheidung über das von ihnen schon im Monat Juli eingeretchte Entlaffungs- gesuch gefolgt. Der Kaiser hat zwar beide Gesuche genehmigt, die Minister indeß bis zur Bildung neuer Cabinete mit der Weiterführung der Geschäfte betraut. Offenbar geht die österreichische Politik jetzt endlich der längst erwarteten Wendung entgegen. Bet dem fortdauernden Widerstande der Aufständischen und der neuerdings geradezu feindseligen Haltung der Pforte kann der Kaiser gegenwärtig um so weniger daran denken, die Forderung der Ungarn betreffs Ststtrung des Pacificationswerks oder gar Rückberufunq der Occupa- ttons-Armee zu erfüllen, da er sich durch seine neueste Proclamation, tn welcher er eine neue Aera des Friedens und des Wohlstandes für die occuptrten Gebiete in Aussicht stellt, selbst die Hände gebunden hat.
England geht ganz in der afghanischen Frage auf. Unterstützt von der öffentlichen Meinung des Landes, setzt die Regierung ihre Vorbereitungen zu einem Feldzuge gegen den Emir von Kabul eifrig fort. Auf Cypern ist durch königl. Verordnung ein Obercommiffar an die Spitze der Verwaltung gestellt worden, welcher sich eines gesetzgebenden Rathes als Beistand bedienen soll.
In Kopenhagen wurde am 7. d. der Reichstag wieder eröffnet. Da die Wahlen zum dänischen Landsthing (1. Kammer) zu Gunsten der conserva- tiven Partei ausgefallen sind, so ist in dem Verhältniß der Parteien zu einan. der keine wesentliche Aenderung eingetreten.
Die französische Regierung zeigt sich neuerdings in Uebereinstimmung mit Gambetta's Wünschen mehr und mehr entschlossen, die bestehenden Gesetze auch der katholischen Gastlichkeit gegenüber zu strenger Anwendung zu bringen, sie gestattet jetzt z. B. bereitwilligst die Ersetzung der Schulbrüder durch Laten' Für die Stimmung der Bevölkerung ist die Thatsache charakteristisch, daß der Gemeinderath von Marseille sich geweigert hat, vor dem neuen Bischof zu erscheinen.
Auch in Belgien fährt die liberale Regierung in ihrer gegen die kleri. kalen Einflüsse gerichteten Thätigkeit fort: u. A. hat der Unternchtsministrr anqeordnet, daß die derzeit unter Leitung geistlicher Ordensschwestern stehenden Mädchenschulen in Communalanstalten umgewandelt werden sollen.
Das unglückliche Spanien scheint noch immer nicht zur Ruhe kommen zu sollen. Emer der verbannten Führer der republikanischen Partei. Ruiz Zo- rtlla, hat wenigstens kürzlich in Genf den bevorstehenden Triumph der Republik auf revolutionärem Wege verkündigt. Mittlerweile hat König Alfons eine militärische Rundreise durch verschiedene Provinzen angetreten.
Lokal-Rott z.
Gießen, 12. October. (Sitzung der Stadtverordneten am 10. October.) Dal HauS der Wittwe Jsterling am Reichensand fällt zum Theil noch tn die Straßm- Itntc. Aufgefordert, eine Tonneneinrichtunq an demselben anzulegen, offrritte dieselbe der Stadt ihr Besitzthum für 13,000 fl. Nach der Schätzung des Sta tbaumeisterS ist dasselbe 14 268 x werth. Ehe jedoch über Annahme der Offerte verhandelt wird soll nach dem Antrag der Bau-Deputation ein Situationsplan vorgelegt werden. — Wittwe Friedel lebnt das von Seiten der Stadt erlassene Gebot von 8000 x für ihr Haus ab, mit der Bemerkung, daß dasselbe zu 8000 fl. rentire. Die Bau-Deputatton dean- ttagt, nunmehr das Expropriationsverfahren etnzuleiten und beschließt die Versammlung demgemäß. — Nach längerer Debatte wird ein Tauschvertrag genehmigt, wonach Herr Fer d. Burk für seine Wiese an der Lahnspitze mrt einem Flächengehalt von 1203 iRtr. einen Theil der städt. Wiese vor seiner Mühle mit doppeltem Flächengehalt erhält. — Zur Erweiterung deS Friedhofs sollen vier Acker, den I. Kunz Erben, PH. Dechert Erben, Geschwister Ohr und Ea. Ebel gehörend, erworben werden. Die Besitzer verlangen 6 x pro % Iftr. mit Rücksicht darauf, daß viele und gute Obstdäume aus den Grundstückm sich oefinden. Die Bau-Deputation beantragt 4 x zu oieten und ist die Versammlung hiermit einverstanden. — Herr A. Montan us deoarf zur Erbauung eines Hauses an der Reichensand-Bahnhofstraße von der Stadt Gelände. Es wurden ihm früher 100 x pro lüKlftr. verlangt. Mit dieser Forderung damals nicht einverstanden, will er jetzt den Preis für das Gelände zahlen, worauf unmittelbar daS Wohnhaus zu stehen kommt, dagegen für Vorgarten rc. einen geringeren Preis. Die Bau-Deputatton beantragte, daß der projekttrle Bau an die Straße zu stellen sei und beschließt die Versammlung an Herrn Montanus nur das ganze tn Frage kommende Terrain und zwar zum Preise von 100 x pro lHKlftr. zu verkaufen. — Ein Pachte vertrag mit Herrn Bäcker Faß und Herrn Aug. Heß über städt. Gelände wird auf unbestimmte Zett verlängert. — In einem Berichte des Herrn Controleur Jost hebt derselbe die Bedeutung der hiesigen Viebmärkte hervor und betont, daß derselbe von ganz Mitteldeutschland besucht werde. Zur wetteren Hebung derselben set es jedoch angemessen, daß der Beginn der Märkte auf eine bestimmte Stunde festgesetzt werde, z. B. im Sommer um 5 Uhr und im Winter um 7 Uhr. Jetzt würde schon NachtS um 2 Uhr Vieh aufgetrieben und gehandelt und erscheine auch das städt- Jntereste durch eoent- Hinterziehung des Standgeldes beeinträchtigt. Nach den verlesenen Gutachten von Sachverständigen, sowie etngeholten Berichten von bedeutenderen Marktorten beschließt die Versammlung eS bei vem seitherigen Modus zu belassen, zumal die neue Marktordnung erst zwei Jahre bestehe und eine Neuerung jetzt schau nicht zweckdienlich set. — In den Schullokalttäten auf dem Asterweg, worin die Schule des Altcenoereinii für Frauenbildung und Erwerb sich befindet, fehlt ein Ofen und soll derselbe aus Kosten der Stadt angeschafft werden. — Die Bewohner des GartfeldS und Leihgefterner Wegs, sowie der oberen Ludwigstraße bitten um Beleuchtung eoent- um Fortsetzung der Gasleitung. Die Gasfabrik erklärte nicht tn der Lage zu sein eine Leitung tn besagte Straßen zu legen, wetl die Straßen nicht tm Bauplane liegen und die Kosten der Anlage zu bedeutend seien. Die Baudeputation beantragt die Angelegenheit aus- zusetzen bis daß man Erfahrungen über die Speisung der Laterne mit L'grotne, welch am Schtffenbergerweg ausgestellt wird, gemacht habe. Die Versammlung erklärt stck damit einverstanden. — Die Straße an dem neuen Justizqebäude soll nunmehr auch aufgefüllt werden und wird der Voranschlag von 900 x hierfür angenommen. — Zur Aufbesserung des Weges tm Altenfeld werden 132 x oerwtlligt. — Die Pflasterung der Trottoirs in der Bismarckstraße soll demnächst erfolgen. — Mehrere Kostendecreluren werden genehmigt. — Die Baugesuche der Herren Nolte, PH. Kreiling und Kraus grill finden Zustimmung der Versammlung. — Fü^ die Periode 1878—1881 sollen für die Stadtwaidungen die auch für dte Oberförsterct Lrchlffenberg geltenden Holzpret^ tartfe bestehen. — Die Firma E- W- Fernte beabsichtigt vom Braunstetnoerqwerk nach dem Bahnhof eine Drahtseilbahn anzulegen und müssen in Folge dessen drei Feldwege überbrückt werden. Diese Ueberbrückungen sollen 4 m hoch und 4 m breit sein. Die Versammlung genehmigt die Anlage, zumal das Feldrechl sich dahm ausiprach, oatz die piojekttrten Bauten solid und eine Verfahrung der Wege durch das schwere Fuhrwerk nicht mehr erfolge. Hiermit Schluß der öffentlichen Sitzung.
Vermischte-.
— Echmucksachen, aus reinem Rtnderblut hergestelli, erregen neuerdings die Aufmerksam kett und Bewunderung der Damenwelt; dieselben sehen täuschend den aus Lava oder Hartgummi gefertigten ähnlich, übertreffen letztere aber noch durch die Pracht der schwarzen Färbung. Ueber die Methode der Herstellung jener Schmucksachen wird Folgendes mitgerheilt: Das Blut wtrfc zuerst durch ein einfaches Sieb getrieben und darauf getrocknet, bis es pulverisirt werden kann. Nach dem Pulverisiren wird das Blutpulver zur Erlangung einer ganz gleichmäßigen Feinheit nochmals gesiebt und alsdann in Formen gefüllt, die auf 100 bis 1500 C. erhitzt sind und hin 5 bis 10 Minuten lang einem starken Druck ausgesetzt. Nach dem Kühlen wird das geformt« Object abgerieben oder poltrt und ist dann zum Gebrauch fertig.
o Ti f
sicht.
Allgemeiner Anzeiger.
5238) Zur Saison halte mein Lager in allen Sorten Hüten bestens empfohlen. Besonders empfehle sehr feine, dauerhafte Herrenfilzhüte bester Qualität und neuester Form, sowie eine Partie retourgesetzter Herrenhüte zu 2,30 Mark per Stück.
Carl Schmidt, Hutmacher, Seltersweg.
Kinderhüte und Baron in reicher Auswahl.
TireimKois.
Tannen und Bucken - Brennholz liefert in Spalten, auch kurz geschnitten und kleingemacht, bei 10 Ctnr. frei an's Haus. 6184) Andreas Euler.
Neue Holl. Häringe,
Feinste marinirte Häringe, (6081
Sardellen, Ruff. Sardinen,
Sardines ä l’huile, in Originalpackung, sowie im Anbruch,
Berliner Rollmöpse, in pikanter Sauce, empfiehlt Cy. Hilft, II ehlith ,
Ahornhosi )U Laubssgrarbkiten Pferdedecken
empfiehlt (6040 in allen Größen und Qualitäten, empfiehl.
Wilh. Seibert. 6200) C. M. Aith am Markt.
Ikilgl
.0' in emP Dick;
um —r
Kt.-s-A "CoS
>507)___•!!
- Stric
«* Carl
i rttick 3
3 . 10 i; ’
1 , 6, in Kiste» en
mpfithlt
Ä
4nb zu verkaufen.
Aiinv
6194) Sä-nmtl I drin WkcufSvreil
dm W)^
in btr We M 3) in verkaufen durch
er:
Ges S’s
^rten ।
Reine s sPanis( ^alaga
6036) Prim iagenholz, Bl boßeit Efichlt
Emst Ba
5700) Frisch gel
Java- mchliche Qualitä -'.Ml ßresihWl ^^Zugthierk, letzt S*ctlon. MclM MMa schneidend, fltbaut von R « Catalog franco unh ^'ichs. p|| !^I_§aschinenfab)
“ allen
7* Pfund zu
£h. Pvl


