Ausgabe 
13.6.1878
 
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Politisch

Aeutschlaad.

Berlin, 10. Juni. Bulletin Morgen- 6</2 Uhr. Se. Maj. der Kaiser haben die ganze Nacht mit nur zwei Unterbrechungen ruhig geschlafen.

(Unterz.) v. Langenbeck.

Berlin, 10. Juni. Bulletin von 10*/, Uhr Vorm. Nach einer sehr ruhigen Nacht sind die Kräfte des Kaisers sichtlich gehoben. Ällerhöchstderselbe hat nach gewechseltem Verbände das Lager im Bett wiederum mit dem Sitze im Lehnstuhl vertauscht. Der Apetit ist noch mangelhaft.

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Berlin, 10. Juni, Abends. Bulletin 9y2 Uhr Abends. In dem Be­finden Sr. Maj. des Kaisers sind seit heute Morgen merkliche Fortschritte zur Besierung zu verzeichnen. Ällerhöchstderselbe hat gegen 8 Stunden im Lehn­stuhle sitzend zugebracht. KcästegesüHl wesentlich gehoben, auch Appetit regrr.

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Berlin, 10. Juni. Die Havarie-Commission in Kiel ist mit Samm­lung und Feststellung aller auf die Katastrophe desGroßen Kurfürst" bezüg­lichen Materialien beschäftigt. Erst wenn der Bericht dieser Commission vor­liegt, wird die Möglichkeit gegeben sein, ein Uctheil darüber abzugeben, ob Anlaß zu einer Untersuchung gegen Personen vorliegt. Bisher scheinen alle vorhandenen Vorlagen lediglich ein Mißverstehen des richtig gegebenen Commandos als Ursache des Unglücks zu ergeben. Die Geretteten rühmen allgemein die Disciplin und die Hingabe der Mannschaften. Daß bei dem Untergange des Großen Kurfürst" eine Kessel-Explosion stattgefunden, wird von competenter Seite in Abrede gestellt; es sei nur der Dampf aus den Ventilen geströmt. Der PanzerfregattePreußen", augenblicklich in Kiel, wird in der Ostsee ver­bleiben. Für die pecuniären Verluste der Geretteten resp. der Erben der Verunglückten sollen öffentliche Fonds und der Fiscus eintreten.

England.

London, 10. Juni. DieMorning Post" bestätigt das Gerücht, die Königin werde Lord Beaconsfield nach deffen Rückkehr vom Conzreffe den Her­zogsrang anbieten.- Der Herzog von Cambridge reist morgen nach Malta ab.Daily News" melden aus Konstantinopel (via Syca), daß dort Ge­rüchte von einem bevorstehenden Regierungswechsel verbreitet seien.

Außkaud.

Petersburg, 10. Juni. Die Kaiserin von Rußland, bekanntlich aus dem Hess. Regentenhause stammend, ist nicht unbedenklich an einer Rippenfell­entzündung erkrankt. Ein Bulletin von gestern Abend meldet: Die Kaiserin hat die letzte Nacht weniger unruhig als die vergangene Nacht zugebracht. Gegen Morgen war die Temperatur mehr als früher gesunken, der Athem weniger beklommen als seither. Botkin.

Fürst Gortschakoff ist in Begleitung der Herren von Jomini und Fre- derichs heute nach Berlin abgereist. Graf Schuwaloff und Herr v. Oubril sind bereits gestern dorthin abgereist. Der armenische Bischof Khoren Narbey geht demnächst nach Berlin.

Türket.

Konstantinopel, 9. Juni. Die türkischen Congreß-Bevollmächtigten haben gestern Abend die Hauptstadt verlaffen, waren aber in Folge eines hefti­gen Sturmes genöthigt, die Reise an der Mündung des Bosporus zu unter­brechen. Dieselben werden die Reise fortsetzen, sobald es das Wetter gestattet.

Konstantinopel, 10. Juni. Das in verschiedenen europäischen Journalen veröffentlichte Memorandum der Pforte über die Pression, welche die ruff. Bevoll­mächtigten seit den Verhandlungen über den Vertrag von San Stefano aus­geübt, wird von Setten der Regierung kategorisch für apogryph bezeichnet, mit dem Hinzufügen, daß die Pforte an Niemand jemals ein solches Schriftstück gerichtet habe. Osman Pascha ist unter Beibehaltung seines Commandos zum Palast-Marschall, Said Effendi zum Minister des Innern ernannt worden.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Berlin, 11. Juni, 4 Uhr 18 Min. Der Bundesrath hat so, eben einstimmig die Auflösung des Reichstages beschlossen.

Anläßlich der Eröffnung des Congreffes findet am Donnerstag Abend um 7 Uhr ein großes Galadiner im Weißen Saale des königlichen Schlosses statt, woran alle Mitglieder der königlichen Familie, die hier anwesenden Fürst­lichkeiten, die Congreß-Delegirten mit den ihnen attachirten Personen und alle activen Staatsminister theilnehmen werden.

Bulletin von Vormittags 10y3 Uhr. Se. Maj. fühlen sich durch die Nachtruhe wiederum gekräftigt, haben nach beendigtem Verbände das Bett ver­laffen und wieder den Lehnseffel eingenommen. Die Wunden sind der Mehrzahl nach geheilt, nur der rechte Arm ist noch geschwollen, gegen die Berührung aber weniger empfindlich als bisher.

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Odessa, H. Juni. Gestern Abend sind hier auf der PachtJzzedin" die türkischen Congreß-Bevollmäcbtigten Karatheodori Effendi und Mehemed Ali eingetroffen und sofort nach Berlin weitergereist.

Wien, 11. Juni. Graf Andraffy und Baron Haymerle sind heute um 2y4 Uhr Nachmittags mittelst der Nordbahn nach Berlin abgeretst.

Stuttgart, 11. Juni. Die Stuttgarter Adreffe an Se. Maj. den Kaiser trägt ca. 5000 Unterschriften. Die ganze Bibliothek Ferdinand Freiligraths ist noch vor der auf nächste Woche angesetzten öffentlichen Ver­steigerung von einem Amerikaner erworben worden.

Wien, 11. Juni. DiePolit. Corresp." meldet aus Ragusa: Der montenegrinische Senator Mascha Vrbica hat sich nach Skutari zur Aus­gleichung der Differenzen mit der Türkei begeben. Die Montenegriner haben die Weisung erhalten, das Flüßchen Limnika nicht zu überschreiten. Der Fürst von Montenegro hat den türkischen Gouverneur von Skutari verständigt, daß er jeden Confliet vermeiden, aber den factischen Besitz energisch ver- theidrgen werde.

Dieselbe Correspondenz meldet aus Adrianopel: Das russische Haupt-

er HHeit.

quartier soll gegen etwa 90 Militär-Intendanten und Subintendanten die Anklage wegen Diebstahls und Unterschleifs erhoben haben.

Berlin, 11. Juni. Der Gefängnißarzt der Stadtvogtei Dr. Levin macht bekannt, daß die in den Zeitungen der letzten Tage über das Befinden Nobilings gemachten Mittheilungen irrthümlich sind; insbesondere seien ärzt­liche Gutachten über seinen Zustand nicht abgegeben worden.

Geh. Legationsrath Lothar Bucher ist zum Secretair archiviate des Congreffes designirt. DerNationalzeitung" zufolge wird Lord Beaconsfield dem Kaiser ein eigenhändiges Glückwunschschreiben der Königin Victoria überreichen.

Auf die von der Deputation der hiesigen Stadtbehörde am 9. d. an den Kronprinzen gehaltene Ansprache erwiderte derselbe: er wiffe den Ernst des Augenblicks in seiner ganzen Bedeutung zu würdigen und sei sich der Höhe seiner Verpflichtungen gegen das Land voll bewußt. Sein Glaube an den guten Geilt des Volkes sei aber nicht erschüttert und könne durch keine Macht zum Wanken gebracht werden. Er wiffe, daß die überwältigende Mehrheit der Nation, wie in Preußen treu zu ihrem König, so auch über die Grenzen des engeren Vaterlandes hinaus bis in die fernsten Reichsmarken treu zu ihrem Kaiser stehen. Er werde in dem festen Vertrauen zu dem gesunden Kern des Volkes Kraft und Muth zur Ausübung der ihm auferleaten Pflichten finden.

Wien, 11. Juni. DiePolit. Corr." meldet aus Bukarest: Das 11. russische Corps ist seit vorgestern auf dem Vormarsche auf Pijeschti bereits bis Titu und Golest vorgcdrnngen. Da die Ruffeu auch in einige seitens der Rumänen besetzte Ortschaften eindrangen, besorgt die Regierung einen blutigen Zusammenstoß. Um demselben vorzubeugen, erhielten die Rumänen gestern den Befehl, sich in der Richtung auf Piteschti, Curtea, Deargis und Tirgovesti zurückzuziehen. Durch die russische Bewegung wird die rumänische Armee factisch von Bukarest abgeschnitten. Die Regierung wird Rußland osficiell über den Zweck der Bewegung befragen und im Falle keiner oder einer ausweichenden Antwort einen feierlichen Protest gegen das aggressive Vor­gehen Rußlands an alle europäischen Mächte richten. Der Fürst und die Fürstin von Rumänien beziehen int Laufe der Woche das Sommerschloß Sinaja und werden daselbst die Beschlüsse des Congreffes abwarten.

Berlin, 11. Juni. Der französische Bevollmächtigte Waddington ist gestern Abend hier eingetroffen. Heute Nachmittag um 4 Uhr findet der feier- liche Empfang der französischen Congreßbevollmächtigten durch den Kronprinzen im königl. Schlöffe statt. Fürst Gortjchakoff, Graf Schuwaloff und v. Oubril werden heute Abend um 6 Ubr, die italienischen Delegirten um 9 Uhr, der österreichische Oelezirte morgen Mittag 1 Uhr erwartet. Sämmtliche Congreß- Delegirten werden vor ihren Wohnungen militärische Ehrenwachen erhalten.

Die russische, sowie die englische Congreß-Gesanotschrft sind neben ver entsprechenden Anzahl von Secretären auch noch mit der entsprechenden Anzahl von Ofsicieren für die betr. Frchfragen ausgerüstet.

Petersburg, 11. Juni. Ein heute veröffentlichtes von gestern datirtes Bulletin über den Verlauf der Krankheit der Kaiserin meldet: Der F-eberzu- stand hat abgenom nen und die Anhäufung des Exsudats in der Pleura hat sich nicht vermehrt. Oie Nacht war weniger unruhig, aber die Schwäche hat zuzenommen. In der Isaak-Kathedrale findet heute ein Fürbittegottesdienst für die Kaiserin statt.

Brüssel, 11. Juni. Der hiesige türkische Gesandte erhielt Befehl, sich zur Theilnahme an den Arbeiten des Congreffes den türkischen Congreß-Bevoll­mächtigten zuzugesellen. Der Gesandte begibt sich sofort nach Berlin.

London, H. Juni. Salisbury ist in Begleitung seines ältesten Soh­nes gestern Abend nach Berlin abzereist. Mac Gahan, der Special-Corre- spondent derDaily News" in Konstantinopel, ist daselbst am Flecksieber gestorben.

Privat-Depesche deS Gießener Anzeigers.

Berlin, 12. Juni. Nach Kaiferl. Verordnung vom 11. Juni sollen die Wahlen zum Neichstage am 30. Juli stattfinden.

Loka l » N o t i z.

Gießen, l2.Juni. Die am verflossenen Samstag Seitens de« Vorstandes de« Vereins Nr nationalen und liberalen Partei in Wenzels Saalbau berufene außerordentliche General­versammlung war von den Mitgliedern wie noch nie besucht. Indem wir auf den ausführlichen Bericht in folgender Nummer verweisen, wollen wir heute nur der Freude Ausdruck geben, daß, gleichwie die zahlreiche Unterzeichnung der '21 »reff; an unseren Kaiser Zeugntß von den Gesinnungen der Bürgerschaft Gießens ablegte, die General­versammlung constatirte, daß der Kern von Gießen mit den Ausführungen der beiden geschätzten Redner vollkommen und einstimmig einverstanden war.

Gießen, 12. Juni. Wie unsere Leser im Jnseratentheile ersehen werden, ist die Kapelle der früherenWetzlarer Jäger- auf einer Kunstretse in die alte Hetmath begriffen und wird hier am Freitag etn Concert in Wenzels Gurten geben. Den lieben alten früheren Nachbarn von Wetzlar zu Liebe, welche jetzt das Ohr der Bewohner von Zabern im Elsaß erfreuen, wollen wir unsere geschätzten Leserinnen und Leser noch besonders auf den Genuß aufmerksam machen, der ihnen von der .Blechmusik' der jetzigenZaberner Jäger* geboten wird.

--Am 1. Feiertage wurde von einer schnell fahrenden Ehatse am Viadukt vor dem Neustädter Thor ein Kind überfahren. Die Folge davon soll ein Sch-nkel- bruch sein.

Gießen, 12. Juni. Am ersten Pfingstfeiertag vollzog sich in dem benachbarten Wieseck eine stille aber seltene Feier.

Philipp Ihm aus Wieseck hat in der Tabaksfabrik Georg Philipp Gail in Gießen seit Pfingsten 1828 bis jetzt unausgesetzt treu und fleißig gearbeitet und allezeit seine Obliegenheiten nach besten Kräften erfüllt.

Der jetzige Chef des HauseS Herr Commerztenrath Georg Carl Gail und seine Familienglieder besuchten den Jubilar in seiner Wohnung, sorachen demselben für seine Leistungen und treue Anhängllchkett an das HauS und die Familie, während der abgelaufenen fünfzig Jahre, ihre Anerkennung und Dank auS und beschenkten ihn mit einer Gedenktafel, einem Lehnstuhl, einer für diesen Zweck besonders gemachten Ehren- pfeife und der Zusicherung seine« unverkürzten Lohnes, auch dann wenn er nicht mehr arbeiten könne oder wolle, bis an sein Lebensende. Wir können nicht umhin bei dieser Gelegenheit rühmend das Verhältntß heroorzuheben, welches zwischen dem Hause Gail und deren Arbeitern herrscht. Ein solches Fest ehrt Beide. Möge dieses Beispiel zur Nachahmung auffordern!

V erm i s ch t e S.

Allertshausen, 11. Juni. Heute Nachmittag 3 Uhr brach dahier ein größerer Brand aus, der mehrere Hofroithen in Asche legte.___

Br i e fk a st e rn

Herrn O. D., Gießen. Anonyme Zusendungen finden niemals Aufnahme, abge­sehen von dem Inhalte ihrer Kritik, zu oer Sie nicht berechtigt erscheinen.

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