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Regierung dem Kongresse entgegen. Andererseits kann die Regierung eines an den Ereignissen so nahe betheiilgten Reiches nicht aus die Hoffnung allein alle ihre Berechnungen bauen. Wir behielten uns die Einflußnahme für den Mo- ment des Friedensschluffes vor, für welchen die ganze Kraft der Monarchie auf­gespart werden mußte.

Die Regierung wendet sich an die Volksvertretung in dem Pflichtgefühle, die Jntereffen des Reiches gegen jede Ueberraschung sicherzustellen und sich nicht in dem Momente, wo jeder betheiligte Staat in voller Rüstung erscheint, nur auf das Gewicht der politischen Argumente zu verlaffen. Wir beanspruchen feine Mobilisirung, sondern nur die Möglichkeit im Falle der Nothwendigkeit das Geeignete vorzukehren. Dies ist keine Feindseligkeit gegen irgend eine Macht, noch eine leere Demonstration, sondern eine Vorsichtsmaßregel gegen­über allen Eventualitäten, die Illustration zu der wiederholt betonten Aufgabe der Regierung, die europäischen Rechte mit Europa, die eigenen Rechte auf eigene Faust zu schützen. Es ist kein Vertrauensvotum, welches die Regierung verlangt, kein Credtt für die gegenwärtigen Minister, aber ein Credit für jede Regierung, von welcher die Delegationen erwarten, daß sie unter den jetzigen Verhältniffen für die Wahrung der Jntereffen der Monarchie die Bürgschaft übernehmen könne. *

Wien, 10. März. DieMontags-Revue" schreibt: Der Kongreß, deffen Zustandekommen gesichert erscheint, ist das Aeqnivalent und Gegengewicht des Friedens von San Stefano. Soll sein Ergebniß den europäischen Erwar­tungen entsprechen, so wird es die Zurückdämmung einzelner Machtaussprüche Rußlands bezeichnen muffen. Die europäischen Cabinette werden dem Gewichte des russischen Vorgehens die nachdrückliche Geltendmachung der eigenen Jn­tereffen entgegensetzen. Sie werden den Erfolg ihres Einspruches nicht blos von der Logik der Argumente abhängig machen, sondern aus die gewichtige Logik der realen Machtverhältniffe stützen muffen. In diesem Sinne stellt Graf Andrassy die Creditforderung, durch deren Bewilligung die Chancen und Be­dingungen der Entscheidung auf der Conferenz sich gleichartiger gestalten werden.

Wien, 10. März. Die vereinigten Subcommissionen der ungarischen Delegation beriethen die 60- Millionen - Creditvorlage. Referent Falk setzte in längerer Rede auseinander, daß er mit den Wünschen der Regierung überein» stimme, nur wünsche er, gegenüber den Gerüchten von einer Occupation Bos- mens und der Herzegowina, Garantien dafür, daß es sich wirklich um eine ernste und große Action handle und bie Mitwirkung der constitutionellen Fac- toren unverzüglich in Anspruch genommen werde, wenn diese Action sich- als noihwendig erweisen würde. Schließlich unterbreitete Falk den Beschlußantrag, in diesem Sinne den Credit zu bewilligen. Nachdem Graf Andrassy noch meh- Teie Anfragen ausführlich beantwortet hatte, wurde die Berathung wegen der vorgeschrittenen Zeit unterbrochen und findet die Fortsetzung am Dienstag statt.

Spanien.

Madrid, 10. März. Der Minister für die Colonien erklärte im Senate, alle im Auslande befindlichen Spanier können nach Spanien zurück­kehren. Wenn sie im Auslande blieben, so thäten sie dies freiwillig. Die Amnestie sei eine allgemeine.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr» Eorrespondenz Bureau.

Berlin, 11. März Auf der Tagesordnung der heutigen ReichstagssitzunH stand zu­nächst die erste Berathung des Gesetzentwurfs betreffend bie Berwenvung der Ersparnisse aus den von Frankreich an die Occupationsarmee gezahlten Verpflegungsgeldcrn. Kriegsminister v. Kameke rechtfertigte den Gesetzentwurf an der Hand der Motive, in welchen sowohl die Entstehungsart der Ersparnisse wie die Zwecke des Entwurfs dargelegt seien. Der Minister wies darauf hin, daß die Ersparnisse wesentlich der Umsicht der Verwaltung der Occupationsarmee zu danken seien, welche solche zu erzielen vermochte trotz reichlichster Verpflegung der Truppen. Die vor geschlagene Verwendung rechtfertige sich sowohl durch die eigenthümliche Entstehungsart der Er­sparnisse wie durch die Dringlichkeit der angeführten Bedürfniffe von denen hervorzuheben seien: Besserstellung der Unterofficiere, Fürsorge für deren Kinder und die Waisen, Erleichterung des Eintritts Unbemittelter in die Armee zum Zwecke ver vollständigen Besetzung der dritten Se- condelieutcnantsstellen per Compagnie und schließlich Ausführung verschiedener Bauten. Der Minister bat um eingehende wohlwollende Prüfung. Richter (Hagen) rügte die Unterlassung der Rechnungslegung über die Verwendung der Verpflegungsgelder und erklärte, das Capital müsse nach Analogie der übrigen aus der französischen Kriegscontribution gefloffenen Geldmitteln ver­wendet werden, d. h. sowohl zu militärischen, als auch zu allgemeinen Zwecken.

Dem gegenüber erörterte Graf Moltke die Entstehung der Ersparnisse: General v. Man­teuffel habe auf privatem Wege mit den maßgebenden Persönlichkeiten des französischen Gouverne­ments das Abkommen wegen Zahlung des Gelvsatzes für Die Verpflegung der Occupationstruppen getroffen; Dank seiner Umsicht und Fürsorge sei ein höherer Satz erzielt worden und es ihm gelungen, Den Truppen eine befrieDigenDe Existenz inmitten einer feinDlichen Bevölkerung zu ver­schaffen. Redner trat den Ausführungen Richters bezüglich der Verpflegungsart entgegen; die Officiere hätten einen Verpflegungszuschuß erhalten, der Höchstcommandirenbe habe jeDoch Darauf verzichtet; dieser sei, wie überhaupr alle unsere Generale nicht reicher aus Frankreich zurückge­kehrt, als er hingegangen. Wenn ein Truppentheil Ersparnisse an Der Menage mache, so ver­blieben dieselben zur Verfügung Des Truppentheils; hier habe eine große Armee solche Erspar- niffe gemacht, Die ja ebenso an Ort unD Stelle hätten verbraucht werden können, was durch die Fürsorge des Höchstkommandirenden für gute Disciplin verhindert worden sei. Derselbe habe einem zweiten Capua aus dem Wege gehen wollen (Beifall) und es für richtig gehalten, daß die Ersparnisse Der ganzen Armee zu Gute kämen; er bitte Diesen Intentionen nicht cntgegenzu- treten. Molkte schloß seine Rede mit folgenden Worten:die MilliarDen hat die Armee er­worben, die Millionen hat sie erspart; ich darf Ihre Gerechtigkeit, jeDenfalls Ihre Billigkeit in Anspruch nehmen, wenn ich Sie bitte, Dieses Geld der Armee ganz ungeschmälert zu lassen für Zwecke, welche Sie als nothwendig und wünschenswerth erachten werden und für Die sonst neue Bewilligungen beim Reichstage beantragt werben müssen." (Beifall.)

Nach weiteren Bemerkungen von BenDas, des Kriegsministers und Reichenspergers wurde der Gesetzentwurf an die Budget-Commission verwiesen.

Das HauS trat nunmehr in die dritte Lesung Der Vorlage betr. die Stellvertretung des Reichskanzlers ein In der Generaldebatte sprach v Kleist-Retzow für, Windthorst (Meppen) gegen die Vorlage, v. Czarlinsky erklärte im Namen der polnischen Abgeordneten, daß Diese an der Berathung unb Abstimmung nicht theilnehmen würden. Bei Der Spccialdiscussion nahmen Dernburg und Lasker für den Entwurf, WinDthorst, Hänel und Reichensperger aegen denselben das Wort; letzterer wurde wegen Abschweifung auf das Gebiet des Culturkampfes vom Präsi­denten zur Sache gerufen. Darauf wurden die 1 und 2 angenommen, und ebenso ohne Debatte die §8 3 unD 4. Bei der Abstimmung über das Gesetz im Ganzen, welche nach Lu­cius Anträge eine namentliche war, erfolgte Die Annahme mit 171 gegen 101 Stimmen; gegen daffelbe stimmten die Mitglieder der Fortschrittspartei des Centrums und der elsaß-lothringischen Protestpartei; die polnischen und socialistischen Abgeordneten enthielten sich der Abstimmung.

Es folgte die zweite Lesung des Antrages Schulze-Dclitzich betr. die privatrechtliche Stel­lung der wirtschaftlichen Genossenschaften. Träger empfahl den Commissionsantrag: Den Reichs­kanzler zur Ausarbeitung und baldthunlichsten Vorlegung eines Gesetzentwurfs aufzufordern, in welchem die durch Schulzes Antrag angeregten Punkte Berücksichtigung fänden Nach kurzer Debatte, an welcher sich Rittingshausen, WinDthorst, Nordeck zur Rabenau, Fritzsche, Bamberger, Richter und Schulze-Delitzsch beteiligten wurde der Commissionsantrag angenommen. Die all­gemeine Rechnung über den Reichshaushalt von 1874 wurde in erster Berathung an d e Rech­nungscommission gewiesen und bezüglich der Rechnung Oberrechnungskammercaffe pro 1875 dem Commissionsantrage gemäß Deckarge ertheilt.

Nom, 10. März. DieAgenzia Stefan!" erklärt das Gerücht, daß der König Cialdini und Menabrea behufs Consultirung nach Rom berufen habe,

für unbegründet. Ersterer habe schon früher beabsichtigt, nach Rom zu kom­men und Letz'erer bleibe in London. Die genannte Agentur fügt binju, der König habe Cairoli in's Palais berufen und mit demselben eine längere Unter­redung gehabt. Im Urbiigen seien alle Gerüchte über em neues Cabinet ver­früht und noch keinerlei Beschluß gefaßt. Nach Constituirung der Bureaus der Deputirtenkammer werde DepreNs der Kammer den Rücktritt des Cabinets an­zeigen. DerSortiere d'Jtalia" glaubt zu wissen, daß der König De- pretis erklärt habe, er sei fest entschlossen, die ihm durch das Votum der Kammer vorgezeichnete Richtung zu befolgen, daß er es jedoch für feine Pflicht halte, drei Bedingungen an die Bildung eines Cabinets der Linken zu knüpfen und zwar, daß die bisherige auswärtige Politik keine Abänderung erleide, daß man das Garantiegesetz glicht anrühre und daß etwaige politische Reformen die Fundamentalgesetze des Staates nicht verletzten.

Nom, 11. März. Der Carbinal-Staatssecretär Franchi erklärte dem Caplan des Königs, daß der Papst seine Thronbesteigung in Rom nicht officiell notificiren könne, da ein solcher Schritt gegen die Kirchengebräache verstoß.'. Auf eine bezügliche Anfrage des päpstlichen Nrntius in Paris antwortete die französische Regierung: Die Abberufung des Botschafters Baude steh; in keinem Zusammenhänge mit den Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vitikan, die nach wie vor herzlich blühen ; Baude solle durch einen dem Vatikan ge­nehmen Diplomaten ersetzt werden Ueber die Bildung des neuen Cabinets ist noch nichts Definitives bestimmt, die Verhandlungen dauern fort.

London, 11. März. Einem Telegramm derTimes" aus San Ste- ano vom 10. d. zufolge ist dem vom Sultan ratificirten Friedensvertrage als letzte Clausel hinzugefügt, daß beide Contrahrnten bezüglich des Vertrages sich als solidarisch verbunden betrachten. Das Telegramm meldet ferner, Reuf Pascha würde in Petersburg eine Ecmäß gu.ig der Kriegsentschädigung um 300 (?) Mill Rubel nachsuchen.

Konstantinopel, 10. März. Mehemed Ali Pascha ist für die Diner Der Abwesenheit Reuf Pascha's interimistisch zum Kriegsminister ernannt. Die Sterblichkeit unter den Engewanderten ist im Zunehaien begriffen. In meh­reren Städten ist die Brodsteuer eingeführt worden.

Konstantinopel, 11. März. Ein Telegramm des Gouverneurs von Zanina meldet die vollständige Niederlage der griechischen Freiwilligen in Epi­rus ; die Ruhe wäre dort vollständig hergestellt. General Saofet wurde zum Gouverneur von Tripolis ernannt.

Athen, H. März. Die Aufständischen in Macedonien haben Plota- mona uno Rhapsan eingenommen, bie Verbindung zwischen Macedonien und Thessalien unterbrochen unb die Annection an Griechenlanb erklärt. Die Auf­ständischen in Epirus bagegen verlangen Hülfe.

Wien, 11. März. DiePolit. Corresp." bringt folgenbe Meldungen: Konstantinopel. In Folge ber Aufregungen ber letzten Wochen würbe der Sui- tan von einem Unwohlsein befallen, welches jedoch, wie versichert wird, nicht ernsten Charakters ist. Cettinje. Montenegro kehrt demnächst vollständig auf den Friedensstand zurück; die russischen Ambulanzen werben aufgelöst und Die fremben Aerzte entlassen. Die Montenegriner halten ihre bisherigen Stellun­gen besetzt bis zur Publication bes Friedensoertrages, wohingegen bie Türken bereits in ben nächsten Tagen bie Räumung ber abzutretenden Gebietstheile beginnen. Belgrad. Gerüchtweise verlautet, ber am Mittwoch hier erwar­tete General Leschjanin werde sich alsbald in vertraulicher Mission nach C t tinje begeben. Bukarest. Der Finanzminister hat mit der rumänischen Bank ein Abkommen getroffen wegen Zahlung der am 1. April in Paris fälligen Coupons der 5proc. rumänischen Rente im Betrage von 1,100,000 Frcs.

* Berlin, 11. März. Finanzminister Camphausen hat heute Mittag in Audienz sein Abschiedsgesuch erneuert. Der Kaiser hat solches jedoch aber­mals abgelehnt.

* Berlin, 11. März. Die Seitens ber englischen Regierung nach principieller Zustimmung zum Congreß erhobene Forberung. betr. bie Aufstellung eines festen Programms, namentlich betreffs der Darbanellen-Frage, erregt großes Mißfallen. Es ist wahrscheinlich, baß. wenn Englanb an dieser Forbe­rung festhält, Der Congreß ohne baffelbe sttttfiiiden wirb.

Pesth, 1. März. Nach einem ausführlicheren Berichte berP>ster Correspondenz" über die gestern in Wien stattgehabte Sitzung ber vereinigten Sitbcommissionen ber ungarischen Delegation erklärte Andrassy, daß bie Occn- pation unb Annection Bosniens und ber Herzegowina niemals Zweck und Ab- sicht ber Regierung gewesen sei unb auch nicht fein werbe, so lange nicht von bort her unsere eigene Sicherheit unmittelbar bebroht sei. Auf bie Ausführungen unb Anfragen mehrerer Commissionsmitglieder beleuchtete Andrassy in andert- halbstüiidiger Rede bas ganze Gebiet ber orientalischen Frage umfassend bas bisherige Vorgehen ber Regierung, ihren jetzigen Standpunkt insbesondere ihre Intentionen bezüglich des 60 Millionen-Credits. Die genannte Correspondenz veröffentlicht nur einige Erörterungen aus Andrassy's Enuntiationen über den Credit; diese gipfelten in ber Ausführung, baß ber Regierung nichts erübrige, als bei ber fortgesetzten Bemühung, unsere Interessen auf frieblichem Wege zeltend zu machen, boch auch bafür zu sorgen, baß für ben schlimmsten Fall sofort bie nöthigen Maßregeln getroffen werben könnten; aus diesem Grunde verlange die Regierung die 60 Millionen fl.

Die Haltung der anderen Mächte anbelangcnb, lasse sich kühn behaupten, daß die österreichischen Interessen im Orient heute zugleich europäische seien und allseits als solche anerkannt würden. Wie weit andere Mächte in Wahrung dieser Interessen gehen würden, könne man nicht bestimmen. Das Programm Der Regierung könne vor Zusammentritt des Congresses nicht Gegenstand ber Erörterung bilden. Der Minister specificirte betaidirt, was er unter öster­reichisch-ungarischer Interessensphäre verstehe und welche Veränderungen unserer­seits nicht geduldet werden könnten. Namentlich dieser geheim gehaltene Theil der Ausführungen Andrassy's erregte Sensation und macht auch auf die Oppo­sition den tiefsten Eindruck. Die nächste Sitzung der Subcommiffionen findet morgen Vormittag statt.

Nagusa, 11. März. Die Pforte trifft Maßregeln, ihre Garnisonen in Bosnien zu vermehren. Bei Bihatsch ist ein Lager für 40,000 Mann pro- jectirt, Lieferuligsverträge für die Verproviantirung ber Truppen sinb bereits abgeschlossen. In Bosnien unb ber Herzegowina dauert bi^ Agitation für die Occupation durch österreichische Truppen fort.

Handel und Derkehr»

Gietzen, 12. März. Aus dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. X 1.0510, Hühnereier, per St. 4-5 Gänseeier per St. 14 Enteneier, per St. 6 Käse, per Stück 510 Käsematte, p. St. 3 H, Erbsen, 1 Liter 20 H, Linsen,

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