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So. 85. Freitag den 12. April 1878.
Kießener Anzeiger
>njfijf= unh Amtsblatt für den Kreis Gieße«
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS
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Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Griechen dieser Länderstriche zu befriedigen. Der Zweck einer solchen Maßregel wäre leicht zu errathen. Nach Verlauf von einigen Jahren, in einem Augenblicke, wo Europa seine Blicke nach einer anderen Richtung gelenkt hätte, würde eine kleine bulgarische Revolte eines Tages den Pappendeckel-Thron des gläubigen Pbanarioten über den Haufen werfen und die Union der beiden Bulgarien proclamtren. Das Präcedens für eine solche Eventualität ist in Ru-nä- nien vorhanden.
? Siminer zu vii- ieuenwea B. 188.
RedaetioirSbrrrea« r Gartenstraße B. 165.
ExpeditionSvirrear»r Schulstraße B. 18.
Bulgarien.
Ueber den von Rußland auf dem Papiere des Friedensvertrages geschaffenen jneuen „bulgarischen Staat" stellt in der „Polit. Corresp." ein „activer griechischer Diplomat" folgende beachtenswerthe Betrachtungen an: Man erinnert sich, daß auf der Konstantinopeler Conferenz die Vertreter der europäischen Mächte, man möchte fast sagen, in naiver Weise ihr Schärfletn dazu beigetragen haben, das Gebäude des Slavismus zu krönen, welches Rußland an den Ufern des Bosporus und Hellesponts nach langer Arbeit und mit unvergleichlicher Geschicklichkeit aufzurichten an's Werk ging. Jene Vertreter haben in der leichtesten Weise und ohne sich der Tragweite ihres Werkes bewußt zu sein, es acceptirt, daß die Grenzen desjenigen Bulgariens, welches sie in den Salons des Generals Jgnatteff zu construiren im Begriffe waren, sich von der Donau bis Philippopel und von Seres bis Burgas am Schwarzen Meere erstrecken sollten. Es war dies der Traum der russischen Diplomatie seit fast 40 Jahren; es ging aber bereits über diesen Traum hinaus, die Be- vollmächttgten anderer Großmächte das bezügliche Project mit einer fast väterlichen Zuneigung unter ihren Schutz nehmen zu sehen. Die Griechen, welche das von langer Hand eingeleitete Vorgehen der russischen Politik im Oriente rn der Nähe verfolgten, haben nicht verfehlt, in jenem feierlichen Momente einen erklecklichen Lärm zu schlagen, um die Aufmerksamkeit Europas auf den Fehler zu lenken, den es begehe, indem es den Bulgaren gestatte, sich als autonomes Fürstenthum im Süden des Balkans, an den Küsten des Mittelmeeres und des Schwarzen Meeres zu constltuiren. Ihre Angst- und Warnungsrufe verhallten ungehört, und die Bevollmächtigten der Großmächte gingen, stets in derselben Naivetät, von den Präliminar-Conferenzen zur Unterzeichnung des famosen Protokolls über. Die Griechen waren darüber in Verzweiflung. Sie fingen an, aufzuathmen, als sie die englischen Staatsmänner im Parlamente die Aufklärung geben hörten, daß das famose Protokoll nur eine von England zum Zwecke und unter der Bedingung der Verhütung des russisch-türkischen Krieges gemachte Concession sei. Sie athmeten noch freier, als sie erfuhren, daß Graf Andraffy mit weiser Vorsicht in den Protokollen der Conferenz stipuliren ließ, daß, wenn letztere zu dem bezweckten friedlichen Resultate nicht führen sollte, die Besprechungen und Protokolle keinerlei Ver- blndlichkeit für die Theilnehmer der Conferenz begründen könnten und in keinem Falle in Hinkunft den Gegenstand einer Berufung auf sie bilden dürften. Nichts ist also begreiflicher, als daß die leider wahrscheinlich nur zu begründete Nachricht, daß die Mächte gegen die Errichtung eines slavischen Staates im Süden des Balkans keine Einwendung erheben (?), die Hellenen in die größte Bestürzung versetzt. Wenn die Mächte, so raisonnirt man hier, den Russen die Gründung eines bulgarischen Staates, in welcher Form immer im Süden des Balkans gestatten, so liefern sie den Panslavisten nicht nur ganz Thracien, in welchem das griechische Element unbestreitbar überwiegt, sondern auch Konstantinopel, die Dardanellen und die ganze Halbinsel Chalkis aus. Man braucht ja nur einen Blick auf die Karte zu werfen, um zu begreifen, daß die Linie des Balkans und von Rhodopo der Schlüssel der ganzen Situation ist. Wer den Balkan besetzt, hat die Schlüffel von Konstantinopel und dadurch den Besitz der Dardanellen und die Suprematie im Mittelmeere. Jnsolange die Türken mehr ober weniger Herren des Balkans waren, haben sie den im Donau-Vilajet operirenden drei russischen Armeen einen wirksamen Widerstand geleistet. Sowie aber General Gurko sich dieser natürlichen Vertheidigungslinie bemächtigt hatte, wurde jeder mögliche Widerstand türktscherseits aufgegeben, und die russischen Armeen bewegten sich spielend bis unter die Thore von Byzanz. Einen bulgarischen Staat gründen, welcher den Balkan und den Gebirgszug von Srena- Gora bis Philippopel besitzt, heißt die russische Macht an den Küsten des Mittelmeeres festsetzen. Von jetzt in 10 Jahren werden die russischen Truppen nicht mehr über die Donau zu gehen, nicht mehr mit einem Festungsviereck zu rechnen und nicht mehr den Balkan zu überschreiten haben. Sie werden in aller Ruhe eine Promenade nach Konstantinopel machen, und die galoppirende Schwindsucht, welche die türkische Herrschaft hinwegrafft, wird ihnen das Uebrige wunderbar erleichtern. Das Alles ist kein bloßes Schreckbild eingeschüchterter Gemüther, sondern eine undiscutirbare Gewißheit für alle Jene, welche den Orient kennen und sich die Mühe gegeben haben, die russische Politik daselbst mit Aufmerksamkeit zu verfolgen. Welches Interesse haben die Mächte, ihre Augen vor einer so offenkundigen Gefahr zu verschließen? Wenn die slavtsche Fluth nicht heute am nördlichen Abhange des Hämus aufgehalten wird, so wird dies in 10 Jahren eine Unmöglichkeit sein. Welche Garantien man auch immer zum Schutze von Konstantinopel und der Donaumündungen erhalten möge, sie werden sich dem russischen Ehrgeize gegenüber ebenso ohnmächtig, wie die bisherigen Garantieverträge erweisen. Um die Empfindlichkeiten des Westens zu beruhigen und einzuschläfern, könnte es leicht geschehen, daß die Russen die Trennung Bulgariens in zwei Staaten Vorschlägen werden, von welchen der eine sich von der Donau bis zum Norden des Balkans erstrecken und der andere den Balkan und einen Theil von Thracien und Mace- donien umfassen würde. Sie könnten sogar in ihrem wohlberechneten Ent-
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Deutschland.
Darmstadt, 8. April. Mit Schreiben vom 2. d. Mts. hat Großh. Ministerium der Justiz der zweiten Kammer der Stände Pläne und Voranschläge für die Einrichtung von Amtsgerichtslocalen zu Alsfeld und Grünberg mitgetheilt. Die Kosten für Ersteres sind in der Proposition der Regierung vom 7. März mit 5500 Mk. vorgesehen. Für Letzteres sind nach dem Schreiben damals Vorschläge gemacht gewesen, welche auf Anstände gestoßen und daher erst später durch andere ersetzt worden sind. Danach soll der größere Theil des dermalen nicht ausgebauten unteren Stockes in dem Landgerichtsgebäude zu Grünberg zu dem Amtsgerichtslocal, namentlich für den Sitzungssnal, hmzugezogen und ausgebaut werden. Ein Voranschlag lag damals nicht vor, so daß nur eine ganz ungefähre Schätzung der Kosten vorgenommen werden konnte. Statt der danach in der Proposition aufgeführten 10,000 Mk. hat nun der inzwischen aufgestellte Voranschlag einen Bedarf von 13,600 Mk. nachgewiesen.
Offenbach, 8. April. Die Abgg. Weber und Kugler haben bei der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, die Regierung zu ersuchen, dafür besorgt zu sein, daß ein vierter Landgerichtsbezirk im Großherzogthum mit dem Sitz in Offenbach errichtet, vorsorglich mindestens aber Offenbach mit einer Handels-Kummer und detachirten Straf-Kammer mit alle« Befugnissen versehen roeiie. Nach den Ausführungen der Antragsteller wäre das Landgericht Offene bach zu bilden aus den Amtsgerichtsbezirken Offenbach, Seligenstadt und Langen von Starkenburg, Vilbel, Altenstadt, Büdingen und Friedberg von Oberhessen, mit zusammen 161,021 Einwohnern.
Atatien.
Nom, 9. April, Abends. In der Deputirtenkammer wurde heute die Debatte über die orientalische Frage fortgesetzt. Visconti-Venosta äußerte bei Entwickelung seiner Interpellation: er zweifle nicht, daß das Ministerium für Italien den Frieden zu erhalten trachten und in keinerlei Verpflichtungen sich einlassen werde, die zum Kriege führen könnten. Das Ministerium möge sich bemühen, eine allgemeine Verständigung herbeizuführen. Wenn Italien keinerlei Ehrgeiz besitzen solle, so habe es doch sehr große Interessen und Pflichten gegenüber den Völkern im Orient, welche ein Element des politischen Gleichgewichts repräsentiren. Demnach habe Italien das Recht und die Pflicht, dabei mitzuwirken, daß im Orient ein den gerechten, dauerhaften Interessen Europas und dem Wohlbefinden der dortigen Völkerschaften entsprechender Zustand geschaffen werde und die Verhältnisse am Bosporus, an den Dardanellen und am mittelländischen Meere eine solche Regelung erfahren, daß keinerlei Interesse gefährdet erscheine. Depretis erwiederte auf einige Anschuldigungen von Seiten des Vorredners und erklärte, daß die Beziehungen des früheren Ministeriums zu den Mächten ausgezeichnete gewesen seien; dasselbe habe eine entschieden friedliche Politik verfolgt und sei keinerlei Verpflichtung eingegangen.
Nom, 9. April, Abends. Im Fortgänge der Sitzung der Deputirtenkammer entwickelte Pandolfi seine Interpellation, indem er auf die Solidarität hinwtes, welche Italien mit den Westmächten, namentlich England, und Oesterreich vereinige, woraus die Nothwendigkeit einer Allianz mit diesen Mächten folge, um die orientalische Frage zu lösen. Cavallotti sprach bei Begründung seiner Interpellation im gleichen Sinne und wendete sich zugleich gegen den Vertrag von San Stefano. Redner hob ferner die Nothwendigkeit eines vollständigen Einverständifles namentlich zwischen Italien und Oesterreich hervor; eine neutrale Haltung sei nicht für nützlich zu erachten; er glaube, daß die orientalische Frage nur durch England und Oesterreich gelöst werde. — Der Minister des Auswärtigen, Corti, erklärte: Italien ist bereitwillig dem Vorschläge wegen Zusammentritt des Congresses beigetreten. Seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten hat die Regierung stets stricte Neutralität beobachtet, ohne indeß irgend sich darbtetende Gelegenheiten zu verabsäumen, um zur Beendigung des Krieges zu rathen. Unsere Beziehungen zu allen Mächten sind ausgezeichnet und tragen den Charakter der Freundschaft. Frei von jeder Verpflichtung, ausgenommen jene, die aus den das öffentliche Recht Europas bildenden Verträgen fließen, werden wir durch eine freie, offene und loyale Politik dieses gegenseitige Vertrauen, welches die sicherste Garantie für die Zukunft ist, immer mehr und mehr zu befestigen wissen. — Auf die Anfrage Cavallotti's, ob die Regierung sich England anzuschließen beabsichtige, um den Vertrag von San Stefano zurückzuweisen, erwiederte der Minister: die Regierung vertraue noch immer auf den Erfolg der Verhandlungen und halte für unzweckmäßig, Erklärungen abzugeben, welche das Endergebniß compromittiren könnten. Er
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gegenkommen so weit gehen, sür den zweiten bulgarischen Staat einen griechischen, Fürsten, irgend einen Phanarioten von Konstantinopel zu acceptiren, um diel stimme vollkommen mit Cavallotti bezüglich der aus der herzlichen Freundschaft
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