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Io» 36« Dienstag den 12. Februar 1&78

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Redactionsbnreaur G arten st raß e B. 165.

Expeditiorrsburean r Schul st raße B. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20-Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeit.

B e k a n n t m a ch u n g.

In Gemäßheit des §. 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnittsmarktpreise vom Monat Januar veröffentlicht: '

Hafer 16,72 JA.., Heu 7,50 JA, Stroh 6,00 JA. per 100 Kilogramm.

Gießen, den 9. Februar 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_____ Dr. Boekmann.

politischer THes!

Deutschland.

Darmstadt, 8. Februar. Das Großhcrzogliche Regierungsblatt, Beil. Nr- 4, enthält:

1. Bekanntmachung Großherzoglicher Civildiener-Wittwenkasse-Commission, die Ergtbmffe der Verwaltung der Civildtener-Wittwenkaffe von den Jahren 1875 und 1876.

2 Uebersicht der im Jahre 1877 in den Irrenanstalten des Großherzog- thums verpflegten Kranken. Tie Gesammlsumme der Pfleglinge im Großh. Landeshospnal war 431, der Stand am Schluffe des Jahres 372, in der Großh. Irrenanstalt war die Gesammtsumme 465, der Bestand zu Ende 1877 war 341.

3. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den Gemeinden des Kreises Mainz.

4. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürfniffe in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Groß-Gerau.

5. Ettheilung von Diplomen an der technischen Hochschule zu Darmstadt.

6. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

7. Dienstnachrichten. Am 12. Januar wurde dem Schulamts-Aspiranten Philipp Dexheim aus Spiesheim die erste Gemeinde-Schulstelle zu Ober-Hil- bersheim, den Schulamts Aspirantinnen Margarethe Rieß aus Alzey und Liselte Schmitt aus Schweinfurt a. M. Lehrertnnenstellen an der Volksschule zu Mainz, am 15. Jan. wurde dem Schulamts-Aspiranten Hermann Karpf aus Einarts- hausen die Gemeinde-Schulstelle zu Holzmühl, dem Schulamts-Aspiranten Hein­rich Geißler aus Schlierbach die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Raunheim, am 18. Jan. wurde dem SchulamtsAspiranten Hirsch Isaac aus Lich die vierte GemUnde-Schulstelle zu Sprendlingen, am 23. Jan. wurde dem früheren Schul­lehrer Peter Dörsam zu Gras-Eüenbach die Gemeinde-Schulstelle daselbst übertragen.

8. Ruhestandsversetzungen.

9. Concmrenzeröffnungen. Erledigt sind: die Stelle eines seminaristisch gebildeten Lehres an der Vorschule der Realschule zu Gießen mit einem Gehalt von 1120 v#. und Wohnungsvcrgütung von 180 bezw. 360 c4L für den unver- heiratheten, bezw. für den verheiratheten Lehrer; die Gemeinde-Schulstelle zu Raibach mit einem Gehalt von 771 Jl. 43 H; die Gemeinde-Schulstelle zu Nieder-Stoll mit nnem Gehalt von 585 71 H.

Berlin, 9. Februar. Die Botschafter werden im Vatikan erklären, die Mächte wünschten, das Collegium möge die Fiction der Gefangenschaft ausgeben, weil die Kirche in Italien frei sei. Eventuell würden die noch bestehenden diplomatischen Vertretungen bet der Curie aufhören. Als Candidaten für die Popstwahl werden bezeichnet: Bilto, der Verfaffer des Syllabus, Monaco, la Valetta und Pecci. Die Interims'Regierung besteht aus den Cardinälen: Bilio, Pecci, Dixtatro und Schwarzenberg. Oesterreichs Cardinäle treffen am Sonntag in Rom ein, sämmtliche französische sind unterwegs. Cardinal Closky, Erzbischof von Newyork, hat bereits die Ueberfahrt nach Europa an­getreten.

Berlin, 9. Februar. TieNordd. Allg. Ztg." schreibt zur Entsen­dung der britischen Flotte nach Konstanstinopel: Mit diesem Acte Englands nähert sich dos Orient-Drama seinem Ende. Der fünfte Act scheint von kür­zerer Dauer als die vorhergegangenen. Nach den vollkommen friedlichen Er­klärungen des britischen Cablnets über den Zweck der Entsendung, den inzwi schen bewilligten Credtt nnd über die künftige Politik, wonach auch England die Befreiung der Balkan-Christen als vollzogene Thatsache anerkannt hat und sich auf die Sicherung der Wafferflraßen Egyptens zurückzteht, erscheine das Vertrauen gerechtfertigt, daß weitere Complicationen in der Orientfrage nicht mehr entstehen werden. Diese aus den vorstehenden Auslastungen resulttrende Austastung der Lage stimmt auch mit unseren Informationen überein.

Hesterreich.

Wien, 8. Februar. DiePoltt. Corresp." veröffentlicht den Wortlaut der von den rumänischen Kammern angenommenen Motion bezüglich der Frage, der Wiederabtretung Rumänisch-Bessarabiens; dieselbe gipfelt in dem Entschlusse-

keinerlei Ablösung irgend eines Theiles des rumänischen Gebietes gegen Gebiets oder irgend eine andere Entschädigung zuzugeben. Dieselbe Correspondenz meldet aus Athen vom 7. d.: Die Regierung hat noch nicht die Zurückziehung der griechischen Truppen aus Theffalien verfügt. Vor Domokos fanden bereits kleine Scharmützel statt.

Wien, 9. Februar. DiePoltt. Corresp." erfährt, daß im PalatS Dolmabagdsche Vorbereitungen für eine in Tschataldja geplante Zusammenkunft des Sultans mit dem Großfürsten Nikolaus getroffen werden. Einer Mel­dung dirPoltt. Corresp." aus Rom zufolge sind alle Entschließungen betreffs des Conclaves vom heiligen Collegium bis zur'Ankunft der ausländischen Car­dinäle vertagt. Tie Botschafter der katholischen Mächte, welchen das Vetorecht zusteht, conferirten gestern bei dem österreichischen Botschafter, Grafen Paar.

Arankreich.

Versailles, 8. Februar. In der Deputirtenkammer erklärte Ferry: Mit der Annahme des Antrages Kerj^gu habe die Kammer weder einen Act der Politik noch der Religion ausüben und ebensowenig sich dem Wortlaute des Antrages anschlteßen wollen, sondern nur einen Act der höchsten Schicklich­keit im Auge gehabt.

England.

London, 8. Februar. Beaconsfield wurde gestern auf dem Wege nach dem Parlament mit Ovationen empfangen. In der Wohnung Gladstone's und dem Bureau derDaily News" warf die zusammengeströmte Menge die Fenster ein.

London, 9. Februar. (Verspätet eingetroffen.) Das im Unterhause erwähnte Telegramm Layard's enthält folgende Angaben über den zwischen Rußland, Serbien und Rumänien einerseits und der Türkei andererseits abge­schlossenen Waffenstillstand. Das Instrument besteht aus folgenden 10 Artikeln: 1) Der Waffenstillstand gilt bis auf Weiteres mit dreitägiger Kündigungsfrist. Rußland theilt Montenegro den Abschluß des Waffenstillstands mit. 2) Alle nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes genommenen Gebiets- theile und Kanonen werden zurückgegeben. 3) Eine neutrale Zone soll demar- kirt werden. Rußland besetzt die meisten Positionen in Bulgarien, Rumelten und Thrazien bis zu den Verteidigungslinien von Konstantinopel. In der neutralen Zone sollen keine Fortificattonen besetzt gehalten und keine neuen er­richtet werden. Es werden gemischte Commissionen für Ausführung dieser Be­stimmungen eingesetzt. Die serbischen Armeen ziehen sich drei Tage nach Unter­zeichnung des Waffenstillstandes hinter die Demarkationslinie zurück. 4) Die Russen besetzen Burgas und Midia behufs Verschiffung von Lebensmitteln, nicht von Kriegsmaterial. 5) Die Waffen in den von den Türken zu räu­menden Fortificationen weiden auf bestimmten Wegen trausportirt. Von den nicht fortzuschaffenden Waffen wird ein Inventar ausgenommen. Binnen 7 Tagen nach diesen Anordnungen muß die Räumung vollendet sein. 6) Die Sulina- Mündung ist binnen 3 Tagen von den türkischen Kriegsschiffen zu räumen, wenn Eisgang die Räumung nicht hindert. Rußland überwacht die Donau- schiffsahrt und beseitigt die Hindernisse. Die russischen Behörden bleiben in gewissen (bisher nicht bekannt gewordenen) Plätzen.

Artikel 8 bestimmt freien Eisenbahnbetrieb. Artikel 9 enthält die Auf­hebung der Blokade aus dem Schwarzen Meere. Artikel 10. Die Ruffen verpflegen die türkischen Verwundeten. Den Waffenstillstand auf dem armenischen Kriegsschauplätze regeln die dortigen Befehlshaber. Der Waffenstillstand hat mit dem 31. Januar, Abends 7 Uhr, seinen Anfang genommen. Die Türken haben mit Fortschaffung der Kanonen aus den Defensivlinien vor Konstantinopel begonnen. In Betreff Konstantinopels ist die neutrale Zone bereits festgestellt. Die Ruffen haben keinen Theil dieser Linien thatsächlich besetzt, jedoch reicht das von den Russen zu besetzende Gebiet bis dicht an dieselben heran. Die Ruffen haben Tschekmedje, welches außerhalb der türkischen Linien liegt, besetzt und können innerhalb drei Tagen bis Konstantinopel vorrücken.

London, 9. Februar. Northcote erklärte in der gestrigen Sitzung des Unterhauses: Der türkische Botschafter Musurus Pascha ermächtigte Lord Derby, die Angabe derDaily News", daß die britische Regierung die Türket auf nicht osficiellem Wege zum Widerstande ermuntert habe, nachdrücklichst zu dementiren.