als unersetzbar, während die unsrigen, obgleich groß, weit weniger als die Hälfte des normalen Jahres-Contingents ausmachen. Umsomehr ist die Hoffnung vorherrschend, daß fremde Aufmunterung nicht eintreten und so weiteres Blutvergießen vermieden werde.
Türkei.
Konstantinopel, 8. Januar, Abends. Der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer wohnten die Minister, mit Ausnahme des Kriegs- und des Marine-Ministers, bei. Der ...er des Auswärtigen gab ein Expose der Lage. Mahmud Damat Pascha ergriff zur Vertheidigung der Militär-Abrni- nistration das Wort.
Konstantinopel, 9. Januar. Die Minister haben dem Sultan die Bedingungen für den Abschluß des Waffenstillstandes unterbreitet. Die direclen Verhandlungen mit Rußland über den Waffenstillstand, welcher einen rein militärischen Charakter haben soll, werden von der Pforte auf den Rath Lord Derby's angeknüpft.
Telegraphische Depeschen.
Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.
Cettinje, 11. Januar. Gestern Nachmittag ergab sich die Festung Antivari bedingungslos dem Fürsten von Montenegro.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.
Nom, 9. Januar. Der König hat bei dem vom Papste entsendeten Sakristan des apostolischen Palastes, Msgr. Marinelli, gebeichtet; desgleichen erhielt der König den Besuch des päpstlichen Hausprälaten Cennt und ertheilte ihm der Königliche Caplan Anzino die Communion. Der österreichisch-ungarische Botschafter, Freiherr von Haymerle, der eben im Quirinal eintraf, wohnte mit dem Kronprinzenpaar und den Staatswürdenträgern der Communion und der letzten Oelung bei. Um 2y2 Uhr nahm die Beklemmung zu; durch Ein- athmung von Oxygen schien sich der König erleichtert zu fühlen. Der König begrüßte die Anwesenden, indem er sich dreimal mit dem Kopfe verneigte; hierauf stieß er einen Seufzer aus und starb. In demselben Momente erschien der russische Botschafter, Baron Nockull, mit einem Schreiben des Czaren an den König.
— Die Thronbesteigung des Kronprinzen Humbert wurde dem diplomatischen Corps durch Abgesandte mitgetheilt. Das diplomatische Corps begab sich darauf in den Quirinal, um sein Beileid auszudrücken. Der Präsident des Senats, Tecchio, wurde nach Rom berufen. Der Ministerrath ist gegenwärtig versammelt. — Wie man versichert, wird die Amtszeitung heute Abend eine Proclamation des Königs Humbert an die Italiener veröffentlichen.
Loudon, 10. Januar. „Standard" erfährt, der britische Botschafter Layard habe die sofortige Absendung eines Kriegsschiffes der Mittelmeerflotte nach Kreta verlangt und die permanente Stationirung eines solchen daselbst befürwortet.
Wien, 10. Januar. Die „Presse" meldet aus Pera vom 9.: Der Minister des Auswärtigen, Server Pascha, hat dem diplomatischen Corps offictell mitgetheilt, daß die Pforte beschloffen habe, bei Rußland direct um Waffenstillstand nachzusuchen und daß Reus Pascha mit einem Mitgliede des Kciegsrathes sofort nach Eintreffen der zustimmenden Antwort aus Petersburg in das russische Hauptquartier sich begeben werde. Achmed Kaiserli aus Rust- schuk und in dessen Verhinderung Fazli Pascha aus Rasgrad wird sich ebenfalls in Bogot einfinden.
Rom, 10. Januar. Das spät in der Nacht erschienene Amtsblatt meldet, daß der bisherige Kronprinz als König Humbert I. den Thron bestiegen und das Ministerium unter dem Präsidium von Depretis bestätigt hat. Die Minister haben dem König den Eid geleistet. — Der neue König hat folgende Proclamation an die Italiener gerichtet: Das größte Unglück hat uns plötzlich getroffen! König Victor Emanuel, der Gründer des Königreichs Italien und seiner Einheit, ist uns entriffen worden. Ich war Zeuge seines letzten Athemzuges, der der Nation galt, seiner letzten Wünsche für das Glück des Volkes und seiner letzten Worte, die in meinem Herzen stets wiederhallen werden. Es fällt mir schwer, den Schmerz zu bekämpfen, wie es durch meine Pflicht geboten ist. In diesem Momente ist nur der einzige Trost möglich: uns seiner würdig zu zeigen, ich, indem ich in seine Faßtapfen trete; ihr, indem ihr bei den Bürgertugenden verharrt, mit deren Hülfe er das schwierige Unternehmen zu vollbringen vermochte, Italien groß und einig zu machen. Ich werde seinen großen Beispielen der Anhänglichkeit an das Vaterland, der Siebe zum Fortschritt und des treuen Festhaltens an den freien Institutionen, die der Stolz seines Hauses sind, folgen. Mein einziger Ehrgeiz wird sein, die Liebe meines Volkes zu verdienen. Italiener 1 Euer erster König ist tobt l Sein Nachfolger wird Euch beweisen, daß die Institutionen nicht sterben. Stehen wir einig zusammen l Befestigen wir in dieser Stunde des großen Schmerzes jene Eintracht, die stets das Heil Italiens war.
London, 10. Januar. Die „Morning Post" spricht die Hoffnung aus, die russischen Friedensbedingungen würden nach Abschluß des Waffenstillstandes einem europäischen Congreffe unterbreitet werden.
Wien, 10. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 10. d.: In dem seit vorgestern nach Lowtscha verlegten russischen Hauptquartiere ist gestern vom türkischen Armee-Commando die Anzeige eingetroffen, daß letzteres zur Einleitung von Verhandlungen ermächtigt sei, um die Grundlagen eines Waffenstillstandes zu vereinbaren. Gleichzeitig wurde der in Tatar-Bazard- schik weilende Muschir Mehemed Ali als eventueller Bevollmächtigter bezeichnet. Großfürst Nikolaus bescheinigte den Empfang dieser Notification, über welche er nach Petersburg berichten werde. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Konstantinopel: Suleiman Pascha wurde des Commandos der ostbulgarischen Armee entsetzt und nach Konstantinopel berufen. Es verlautet, Reuf Pascha habe die Abberufung Suleiman's zur Bedingung für die Annahme des ihm übertragenen Ober-Commandos der gesammten türkischen Armee in Europa gemacht.
Berlin, 10. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine vom 8. d. datirte Danksagung des Fürsten Bismarck für alle ihm aus Anlaß des Jahreswechsels zugegangenen Wünsche, welche einzeln zu beantworten er durch Krankb'it verhindert sei.
Versailles, 10. Januar. Die Kammer wählte Gr6vy mit 346 gegen 335 Stimmen wieder zum Präsidenten. Zahlreiche Deputirte der Rech len enthielten sich der Abstimmung. — Der Senat wählte Audiffret-Pasquier wieder, und zwar mit 172 Stimmen gegen 61 weiße Zettel. Auch die frühe-
ren Vicepräsidenten wurden wiedergewählt. Der Marquis de Gontaut-Biron, welcher von einem Theile der Rechten als Vicepräsident aufgestellt worden war, unterlag. Der Senator Gavardie von der Rechten verlangt die Regierung zu interpelliren über die Berufung der Wähler zu den Municipalwahlen und über die Wiedereinsetzung der früheren abgesetzten Maires, welche Maßregeln er für ungesetzlich erklärt. Die Discussion der Interpellation wird auf Samstag angesetzt.
Rom, 10. Januar. Prinz Amadeus und Prinz Carignan sind hier eingetroffen und haben sich mit dem König Humbert in das Sterbezimmer begeben, woselbst sie 20 Minuten verweilten. Sodann trat die Königin Margaretha ein, um dem Todten die letzte Ehre zu erweisen. Die Proclamation des neuen Königs ist überall günstig ausgenommen worden. Der König ersuchte telegraphisch den General Cialdini und den Grafen Sclopis, nach Rom zu kommen. Alle Souveräne Europas sowie der Präsident Marschall Mac Mahon richteten sehr herzliche Telegramme an König Humbert. — In ganz Italien finden Kundgebungen der Trauer statt. Freitag, Samstag und Sonntag wird die Leiche im Quirinal ausgestellt werden. Die Ueberführung soll Montag, die Leichenfeierlichkeit Dienstag in einer Basilika ftattfinden. Der Ministerrath beschloß, das Parlament sogleich einzuberufen. König Humbert soll Mittwoch den Eid leisten. Senatspräsident Techio ist hier eingetroffen, um den Sterbeact aufzunehmen.
Petersburg, 10. Januar. Der „Agence Ruffe" zufolge beauftragte die Pforte Mehemed Ali für den europäischen Kriegsschauplatz mit den Verhandlungen für den Waffenstillstand. Für Asien ist der Unterhändler noch nicht bekannt. — Dasselbe Organ bezeichnet die Meldung mehrerer Journale, daß die Pforte bereits die Grundlagen der Friedenspräliminarien acceptirt habe, als nicht ganz richtig, da diese Grundlagen den türkischen Bevollmächtigten erst im Hauptquartier mitgetheilt werden dürsten. Der Annahme dieser Grundlagen müffe der Abschluß des Waffenstillstandes vorausgehen.
LokaikRyttj.
Gießen, 10. Januar. Heute verurtheilte der Schwurgerichtshof den Jakob Lorch- Heim aus Weiterode, im Königreich Preußen, wegen schwerer Körperverletzung in eine Gesängnißstrafe von 1 Jahr und 6 Mrnaten.
Den 12. Januar werden noch weiter folgende Anklagesachen zur Verhandlung kommen, nämlich:
Voruittags 8‘/2 Uhr, gegen Georg Gerbig von Lauterbach, wegen Diebstahls; Vertheid.: Gr. Hofg-Advocat Dr. Muhl.
Vormittags 11 Uhr, gegen Friedrich Wilhelm Hermann Müller von Parajer- Schleuße, Regierungs Bezirks Magdeburg, wegen schweren Diebstahls; Bertheid.: Gr. Hosg.-Advocat Labroisse.
Vermischtes.
Darmstadt, 8. Jan. (Postpersonalnachrichten.) 1. Versetzt sind: die Post- assistenten Mayer von Gießen nach Mainz und Lipke von Gelsenkirchen nach Friedberg, Gr. Hessen; 2. Ernannt ist: der Postassistent Mayer in Mainz zum Postsekre- lär; 3. In den Ruhestand versetzt ist: der Postverwalter Engert in BibliS; 4. Gestorben ist: der Ober Postcsmmissarius Silz in Darmstadt-
— Im „jüdischen Kalender" ist folgender Scherz zu lesen unter dem Titel „In der Schlacht": „Jacob, warum zittern Sie so?" „Warum ich zittere? Ich zittere vor dem Blutbade, was ich gleich werde anrichten."
— Bürgermeister: „Erheben Sie das Glas, meine Herrschaften, und trinken wir auf das Wohl unseres vortrefflichen Schulmeisters Backcl. — Ec soll leben!" — „Danke sehr unterthänigst — aber wovon?!"
— Das Umbrechen des ZeitungSsatzes hat schon manchem Redakteur bö e Sorgen gemacht Was aber alles passtcen kann, wenn das Umbrechen des belletristischen Textes einmal einem zerstreuten Sch r allein Überlassen bleibt, dafür bot ein Wiener Blatt dieser Tage ein ergötzliches Pröbchen. Dasselbe schloß einen Feuilleton-Abschnitt — enthaltend den bekannten „äußerst spannenden" Roman aus „bewährtester Fr^ec" — folgendermaßen: „Während aus der befestigten Burg ein Hagel von Geschoss:n auf Die Belagerer niederging, stürmten die tapferen Helden mit hoch erhobenen Landen den Berg hinan, alle mit dem begeisterten Rufe: Fortsetzung folgt."
Mainz Im Nachoenkm versunken, stand heute früh ein fremder Herr am Schillerplatze, die Augen geheftet auf das Sch.llermonument. Wahrscheinlich stellte der Herr Betrachtungen an über die tanzende Schtllerfigur und Über den Mangel eine« gegen Kinder- und Hundeinsulten schützenden G tters, als ein halbes Dutz.'nd Ochsen anmarschirte und unbekümmert um die zeitgemäßen Betrachtungen des fremden Henn, denselben mit den langen Hörnern so unzart berührten, daß er zu Boden fiel und mit einer stark n Kopfwunde zum Wundarzte geführt werden mußte. (M Aazr.)
— Den Mittheilungen dec grobherzoglichen Crntralstelle für Landesstatistik entnehmen wir über die Bewegung der Bevö.kecung im G oßheczozthum Hessen während des Jahres 1876 sorgende Angaben: die Zahl der Eheschließungen im Jagre 1876 betrug 6982; die Zahl der Geborgen 35,25 4 (18,210 männl, und 17,014 welbl. Geschlechts), Darunter lebendgeborene ehelich; Kinder 31,542 (16,294 männl., 15,248 welbl.); lebend- geborene uneheliche Kinder 2300 (1145 männl., 1155 weldl.), demnach Lebendzeborene überhaupt 33,842 (17,439 männl., 16,403 welbl.); tobtgeborene eheliche K-noer 1290 (700 männl., 590 welbl.), todtgebrrene uneheliche Kinder 122 (71 mä anl., 51 welbl), demnach Tobtgeborene überhaupt 1412 (771 männl., 641 welbl.) Die Zahl der Gestorbenen (einschl. Tobtgeborene) betrug Überhaupt 22,707, davon waren 11,806 männlichen und 10,901 weiblichen Geschlechts.
Mainz. (Der neue Tausch- und Handelsartikel.) Nachstehendes Jntecai findet sich im „Frankfurter Journal": .Ein hübscher oierjähngec Knabe wird als Adoptiv- itinb abgegeben. Gest. Offerten sub U. 4821 postlagernd Frankfurt a M." Dec „Mainzer Anz" bemerkt hierzu: „Es soll uns daher gar nicht wundern, wenn einige Zett spater es heißt: Auf freiwilliges Anstehen wird Dienstag d. M. auf öffentlichem Markte ein Kletderfchrank, eine Commode, ein fünfjähriger Knabe, ein Waschtisch und ein vierjähriges Mädchen dem Meistbietenden gegen Baarzahlung verkauft oder: Eine Schwiegermutter und ein alter Onkel sind aus freier Hand auf Abbruch zu verkaufen rc." — Ein Dragoner der Mannheimer Garnison, welcher sich eine UrliubSÜber- schreitung hatte zu schulden kommen lassen, wählte sich aus Furcht vor der Strafe einen Graben im Walde bei Seckenheim zum Aufenthalt. Dort campirte der Unglückliche 13 Tage und Rächte, seinen Hunger mit Rüben stillend, während er stch gegen Kälte und Regen durch Bedecken mit Reißig und Laubwerk zu schützm suchte. Am 20. December wurde der längst Vermißte in einem elenden Zustande aufgefundrn untz Ins Lazareth gebracht, wo ihm beide Beine, welche total erfroren waren, amputirt werden mußten.
Theater.
D »Hotel Klingebusch" von R. Kneifel und E. Jacobson. Diese Novität ging am Mittwoch Abend über die Bretter. Die Darstellung war eine sehr gute zu nennen und haben die Träger der Hauptrollen reichen Beifall gefunden. Was den Ehampagnerreisenden Börne (Hc. Rothe) anbelangt, möchten wir doch dem Herrn mittheilen, daß er drn Charakter der Rolle falsch auffaßte, indem er statt einen melancholischen unglücklichen Vater einen Graf Effex machte. Möchte Herr Rothe doch bedenken, daß eS ein Kneisel'sches Volksstück war. Am Schlüsse zu kam Herr Rothe wieder in sein natürliches Geleise und führte seine Rolle glücklich zu Ende An Frl. Louise Weber (Julie) finden wir eine sehr talentvolle Anfängerin und können wir ihr die gute Durchführung ihrer Rolle nicht absprechen. Frau Weber (Fr. Klinge- dusch) war ganz in ihrem Elemente und hatte die Lacher auf ihrer Seite..
Herr Hamm konnte leider aus der Rolle des Klingebusch nicht viel machen, weil eben nicht viel daran ist und entschädigte Herr Hamm durch seine gut vorge- tragenen Coupletseinlagen das Publikum. Der Kobold Kellner Fritze (Frau Kurde) war mit gewohnter Routine durchgeführt und waren das Entr^elied sowie ^Kellner«


