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1 Juli d. I. in Aussicht zu nehmen. Ein Mitglied war gegen jede Abweichung von dem bereits gefaßten Beschlüsse (Vereinigung vom 1, Januar 1877 an und Nichtbewilligung der Gehälter); alle Mitglieder stimmten dafür, die Ange- legenheit bet der Berathung des nächsten Budgets (1879) zu erledigen. Gegen die Stimme jenes einen Mitgliedes beschloß nun der Ausschuß: der Kammer die Bewilligung der Verausgabung der Gehälter der Staatsschulden-Tilgungs taffe für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres vorzujchlagen, in der sicheren Voraussetzung, daß die Vereinigung beider Kasten mit dem L Juli wirklich in's Leben trete.

Berlin. Heber die russischen Verluste liegt folgende neue Zifferangabe vor:In der Zeit vom 13. bis zum 21.' December fielen auf dem europäi­schen Kriegsschauplatz 10 Officiere und 706 Soldaten und wurden verwundet 52 Officiere und 2040 Soldaten. Außerdem traten 37 Officiere und 768 Sol­daten als kampfunfähig aus der Front. Mit diesen 2845 zusammen beträgt unser Gesammtverlust mit Ausschluß von 91 Mann, die irrthümlicher Weise bei Angabe der Verluste bei Maren und Jelena aufgesührt waren 80,412 Mann."

Berlin, 7. Januar. DiePost" schreibt: Es sind fünf Zweige deö Reichsdienstes, deren Verschmelzung mit den entsprechenden Zweigen des preußi­schen Staatsdienstes als eine naturgemäße dem elften Blicke sich aufdrängt. Der Reichsdienst wird ein Reichskriegsamt und als dessen Vorstand einen Staatssekretär des Krieges nicht länger entbehren können. Der Vorstand dieses Zweiges kann aber nur der preußische Kriegsmimster sein, ohne daß darum beide Verwaltungen verschmolzen zu werden brauchen, noch dürfen. Das Reih besitzt längst ein Auswärtiges Amt, und es ist lediglich eine geringe, aber doch nicht bedeutungslose Formalität, wenn der Vorstand destelben künftig formell die interföderalen Geschäfte des sogenannten preußischen Auswärtigen Muuste riums leitet. Das Reich bedarf eines selbstständigen Finanzamtes, Staats secretär der Reichsstnanzen kann aber nur, wie sogleich einleuchtet, der preußische Finanzminister fein. Das Reich besitzt ein Eisenbahnamt, das unter Einziehung der Sorge für Canäle und Flüffe vielleicht zu einem Verkehrsamte zu erwei­tern wäre, dessen natürlicher Vorstand der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten ist. Als eine ähnliche Forderung ergibt sich, daß das Reichsjustizamt und das preußische Justizministerium eine und dieselbe Person zum Vorstände erhalten. Mit dieser Verschmelzung würden gewisse Veränderungen im preußi schen Staatsdienste zusammenhängen. Das Finanzministerium wäre von der dem landwirthschaftlichen Ministerium zu übertragenden Verwaltung der Domä nen und Forsten zu entlasten, ob auch von der Gewerbepolitik und Gewerbe­polizei, kann wenigstens in Frage kommen. Vielleicht wären Gewerbepolitik und Agriculturpolitik in einer Behörde zu vereinigen, in einer andern die Ver­waltung des gesammten Staatsbesitzes an Domänen, Forsten und Bergwerken." DiePost" bemerkt ferner, daß, um die Furcht vor Verprenßung im Reiche zu beseitigen, den Bundesstaaten im Bundesrathe und dessen Ausschüssen eine festere Stellung eingeräumt werden solle.

Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche des Gießener Anzeigers.

London, 9. Januar.Morning Post" erfährt, England habe, um die Friedensbedingungen Rußlands kennen zu lernen, der Pforte geraden, den Vorschlag des Auslands, wegen einer Waffenruhe direct mit dem Hauptquar> tier zu unterhandeln, anzunehmen.

Wagner's tclegr* Correspondenz-Burcau.

Berlin, 8. Januar. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute in erster und zweiter Berathung mehrere kleinere Gesetzentwürfe und verwies den Gesetz­entwurf, betr. die Betheiligung des Staates an dem Bau einer Eisenbahn von Kiel über Eckernförde nach Flensburg, in erster Berathung an die Budget- Commission. Im Laufe der Debatte drang der Abg. Rickert auf eine durch­greifende Förderung des Baues von Secundär-Bahnen und verlangt die gesetz­liche Regelung der Frage wegen Betheiligung des Staates an dem Bau solcher Bahnen. Der Handelsminister weist dem gegenüber aus das in der bezeich­neten Richtung bereits Geschehene hin, das keineswegs fo geringfügig sei, wie es vom Vorredner dargestellt worden. Die principielle Regelung der Frage sei von der Regierung in's Auge gefaßt, begegne jedoch erheblichen Schwierig­keiten. Die Secundär-Bahnen sollten jede thunliche Förderung finden. Der Gesetzentwurf, betr. Maßregeln gegen die Reblaus, wird der durch 7 sachver­ständige Mitglieder zu verstärkenden Agrar-Commission überwiesen. Der Ge­setzentwurf Über den Rechtszustand des Fürstenhauses Sayn wird an die Com­mission für den ähnlichen Entwurf bezüglich des Fürstenhauses Bentheim überwiesen. Der Gesetzentwurf über die Unterbringung verwahrloster Kinder geht, nachdem die Abgg. Teckow, Schlüter und Zelle dagegen, v. Rauchhaupt und Wächter dafür gesprochen, und nachdem Minister Friedenthal denselben nochmals empfohlen und die wesentliche Uebereinstimmung der Ansichten auf allen Seiten constatirt hatte, an eine Commission von 14 Mitgliedern.

Rom, 7. Januar, Nachts. Der König verbrachte die Nacht ziemlich ruhig. Der Krankheitsproceß ist stationär, der allgemeine Zustand gebeffert. Die Gerüchte, daß der Zustand des Kranken bedenklich sei, sind unbegründet. Die aus allen Theilen Italiens eintreffenden Telegramme bekunden den schmerz­lichen Eindruck, den die Krankheit des Königs überall auf die Bevölkerung hervorgebracht hat.

Florenz, 7. Januar. Das Leichenbegängniß Lamarmoras hat unter allgemeiner Betheiligung der Bevölkerung stattgefunden. Der Leichnam wurde nach Biella übergeführt, wo er mit großen Feierlichkeiten in Empfang genom­men wurde.

Konstantinopel, 8. Januar. Der Botschafter Layard dementirt aufs Entschiedenste, daß er jemals in seinen Privatunterredungen mit den höchsten Beamten der Pforte die Hoffnung habe durchblicken laffen, daß England der Türkei Beistand leisten werde.

Paris, 8. Januar. General Cousin Montauban, Graf von Palikao, ist gestorben. Einem gut beglaubigten Gerückte zufolge würde General Ducrot in Folge der von der Linken veranlaßten Schritte in seinem militäri­schen Commai do ersetzt werden. General Ducrot verlangt selber eine Unter­suchung über sein Verbalten.

London, 8. Januar. DerMorning Post" zufolge finden telegra­phisch vermittelte Pourparlers zwischen den Cabineten von London und Peters­burg statt, über deren Erfolg unmöglich Bestimmtes vorauszusagen fei. Die in Cardiff mit Beschlag belegte Munition ist wieder freigegeben worden, da es nicht Patronen, sondern nur Patronenhülsen waren.

Ein von 3000 Personen besuchtes Meeting in Aberdeen erklärte, der Friede und stricte Neutralität sei die Politik, welche England während des Krieges und der Unterhandlungen beobachten müffe und beschloß, Petitionen zu Gunsten der Neutralität an Derby und das Parlament zu richten.

Rom, 8. Januar, Mittags. Der König verbrachte die letzte Nacht weniger ruhig als die vergangenen Nächte. Das Fieber hat ein wenig zu­genommen.

Konstantinopel, 8. Januar. Schakir Pischa setzt feine Operationen mit Erfolg fort und wies bei Petrida den Angriff starker russischer Streit­kräfte zurück. Mustapha Pascha vereitelte den Versuch, den linken Flügel der Türken zu umgehen. Schakir traf bei den befestigten Positionen von Popetran und Otluken ein. Die Garnison von Kalkowa (3 Stunden von Samakow) kämpfte siegreich gegen die Rusten und zwang dieselben, sich hinter Die Oghcmna- Brücke bei Tschamourly zurückzuziehen. Laut Meldung aus Schipka vom 6. d. mißlang der Versuch der Rusten, während der Nacht den Trajanswall M überschreiten. Der Commandeur der Division von Novlbazar, Hafiz Pascha, hat am Montag in zweitägiger blutiger Schlacht die Serben geschla­gen und Kurschumlje wiedergenommen; die Serben erlitten beträchtliche Ver­luste. Ejub Pascha schlug die Serben ebenfalls, verfolgte dieselben bis zur Grenze und ließ 10 Positionen anzünden und die Verschanzungen zerstören. Die Bürgergarde von Kolatschin hat die Jnsurgentenbande des bekannten Radnan auseinandergesprengt. Aus Batum werden unbedeutende Vorposten- gefechte gemeldet.

Wien, 8. Januar, Abends. DasNeue Wiener Tagblatt" meldet aus Belgrad: Die Eisenbahnverbindung zwischen Mitrovitza und Salonichi ist unterbrochen. An der Drina finden fortwährend Scharmützel statt mit den Türken, welche bisher ohne Erfolg den Fluß zu überschreiten versuchten.

Rom, 8. Januar. Nach dem heute Abend 6 Uhr ansgegebenen Bulletin über das Befinden des Königs war das Fieber in dieser Stunde heftiger als am Morgen, während die Seitenschmerzen fast ganz aufgehört hatten. Der Puls ging unregelmäßig.

Lokal-Rotiz.

Gießen, 9. Januar. Der Rechenschaftsbericht unseres Herrn Bürgermeister« über das Verwaltungsjahr 1876 ist unS soeben zugegangen. Wir verfehlen nicht den­selben zur Kenntrnß unserer Leser zu bringen, da wir der Ueberzeugung leben, büß der­selbe wohl des Interessanten genug bringen wird und einen Ueberblick über die städtische Verwaltung ganz vorzüglich bietet. Derselbe lauLt:

Die Stadtverordneten-Versammlung hielt im Jahr 1876 49 Sitzungen ab. Von den ständigen Deputationen waren am meisten in Anspruch genommen die Bau-Depu­tation durch 32 Sitzungen und vielfache Augenscheins Einnahmen und die Armen-De- putation durch 23 Sitzungen. Auch die übrigen ständigen Deputationen sowie die für besondere Angelegenbeiten bestellten Commissionen, wie ich solche in meinem Verwal­tungs-Bericht pro 1875 speciell bezeichnet habe, traten mehrfach zu Sitzungen zu­sammen.

Die neue Realschule, deren Bau im Jahre 1874 begonnen worden, wurde im Jahre 1876 soweit fertig gestellt, daß sie im Herbste 1876 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Ihre gänzliche Vollendung konnte erst im laufenden Jahre erfolgen, weshalb eine Uedersicht über die Gefamn tkosten (die bis Ende 1876 entstandenen Kosten betragen ausweislich der generellen Zusammenstellung am Schlüsse der Verwaltungs- Rechenschaft 264,163 Jt 39 erst in dem Verwaltungsbericht pro 1877 mitgetheilt werden kann. Bei dieser Veranlofsung sei sogleich erwähnt, daß die Stadtoerordneten- Versammlung in anerkennenswerther Weife den ob-ren Stock der durch den Bezug der - euen Realschule frei gewordenen alten Realschule den Zwecken d r städtischen Verwal­tung zur Verfügung stellte und dadurch eine der Würde der Sta t entsprechendere äußere Repräsentanz schuf, als solche die bis daher benutzten Räumlichkeiten in dem alten Rathhause boten. Auch dem Standesamt, dem Stadtbauamt und dem Ortsge- richt wurden daselbst angemessene Räumlichkeiten überwiesen, während der ganze untere Stock zu Schulzwecken verwendet wird. Ferner wurde die Bismarckbrücke, welche einen Kostenaufwand von 26910 J610 H erforderte, vollendet und am 28. April dem all­gemeinen Verkehr übergeben.

Der Ausbau resp. die Pflasterung verschiedener Straßen wurde in Angriff ge­nommen resp fortgesetzt und vollendet. Es sind hier besonders zu erwähnen die Alicen- Straße, die Bismarcknraße, die Lu>wlgsstraße, die Straße zwischen Wallthor und Neu­stadt, die Reichenfand Bahnhofsstraße. Ebenso wurde die Umpflasterung der TrottoirS in den Neuen Bäuen vorgenommen und die Pflasterung des Trottoirs auf dem öst­lichen Banquet des Seltersberg bis zur Veterinäranstalt fortgeführt, während die Fort­führung der Pflasterung des Trottoirs auf dem westlichen Banquet daselbst, weil eine Verständigung mit einzelnen betheiligten Grundeigenthümern nicht erzielt werden konnte, vorläufig beruhen bleiben mußte.

Das Prioatbauwesen hat gegen das Jabr 1875 keine Abnahme vielmehr eine Steigerung erfahren, indem 62 Gesuche wegen Neubauten gegen 51 tm Vo:fahre zur Verhandlung kamen. Die außerordentlichen Ansprüche an die Stadt in Bezug auf Schul- und sonstige Bauten, Straßenanlagen, Biückenbauten, Ankauf von Häusern für den Abbruch u. s. w die im Jahre 1876 und für die kommenden Jahre stch geltend machten, veranlaßten den Beschluß zur successioen Aufnahme eines Antehns im B trage von 600,000 durch Ausgabe von Partial Obligationen auf Inhaber in Stücken von 100, 300, 500 und 1000 zum pLri-Eourse. Ein nicht unbeträchtlicher Tbeil her auf dieses Anlehen bereits gemachten Einzahlungen 86,000 wurde zum Ankauf von

Häusern für einen Durchbruch zwischen der Marktstraße und der Reichensandstraße resp. Verbreiterung der letzteren verwendet.

Zufolge Beschlusses der Stadtverordneten Versammlung und mit Zustimmung deS Vorstandes der israelitischen Religiontzgemeinde wurde die den israelitischen von dem christlichen Friedhof trennende Mauer entfernt, so daß jetzt beide Friedhöfe, die durch Wege mit einander verbunden worden sind, ein Ganzes bilden

Das dem im Jahre 1875 verstorbenen ersten Geistlichen der evangelischen Ge­meinde Decan Land mann zufolge Stadtverordneien-Befchluffes zu errichtende Denkmal wurde im Jahre 1876 auf bissen Grab aufgestellt. Ferner wurde beschlossen, daß drei schon vor langen Jahren verstorbenen durch Stiftungen zu Gunsten der Armen um die Stadt wohlverdienten Männern, nämlich dem weiland Stadt-Syndicus Johann Balthasar Plock, Metzgermeister und Gemeinderathsmitglied Friedrich Lony und Dachdecker meister Andreas Löber Grabdenkmale errichtet werden sollen.

Aui einstimmige Präsentation des Stadtvorstandes wurde der seitherige zweite Stadt-Geistliche, Herr Pfarrer Dr. Seel, durch Allerhöchstes Decrei vom 19. Sept. 1876 als erster Geistlicher der evangelischen Gemeinde bestätigt.

Die Ansprüche an die Armenkasse haben auch im Jahr 1876 wieder zugenommen. Der Aufwand derselben, welche hierzu aus der Stadtkasse einen Zuschuß von 10,000 empfing, betrug 26445 jl 64 H. Dagegen stellt sich der Aufwand der P'ock'schen Stiftskasse um fast 700 al niedriger, als im Jahr 1875 nämlich auf 3588 je 38 gegen 4229 46 Der Bermogensbestand der Armenkasse betrug Ende 1876.

a. Kapitalien .............. 250,394 JL 38

b. Taxationswerth der Gebäude........ 50 300

c Taxationswerth der Grundstücke...... 78,292

Summa 37b,986 u4£ 38

Derjenige der Plock'schen Stiftung: a. Capitalien............... 76,666 92

b. Taxationswerth her Grundstücke......j__20 440' w

Summa 97,106 .Jt 92

Im Bürgerhospital befanden sich während des Jahres 1876 8 Männer und 9 Frauen, von ersteren verstarb 1, von letzteren verstorben 2. Außerhalb des Hospitals

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