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neiflt. Die Richtung der Regierung wurde durch die Aeußerungen zweier Minister in bedeutsamer Weise gekennzeichnet: der Unterrichts-Minister Bardoux erklärte nämlich bet Gelegenheit einer Pretsvertheilung in der Sorbonne, die einzige Sorge der Regierung gehe darauf hin, die demokratische Strömung zu begün­stigen, welche Frankreich einer friedlich liberalen Richtung entgegenführe, und der Ftnanzmintster Say hielt bei der Enthüllung des Denkmals für den National- Oeconomen Basttat dem Freihandel eine Lobrede. Mittlerweile ist der Haupt Vertreter der ultramontanen Presse Frankreichs, Louis Veuillot, mit einem bedeutenden Peterspfennig nach Rom gereist, um auf den Papst im Sinne einer unversöhnlichen Politik etnzuwtrken.

Lokal-Notiz.

Gießen, 4. Mat. (Sitzung der Stadtverordneten am 2. Mat.) Die Rechner­stelle an der Realschule trägt nunmehr dem Herrn Stadtrentmeister 600 ein, wovon 300 der Staat zuschießt und 300 die Stadt in den seitherigen Gehalt des Stadtrechners etnrechnet- Von Setten des landwirthschaftltchen Vereins war der Wunsch ausge­sprochen, die Stadt möge einenOberfeldschützen" ernennen, welcher die Feldschützen controltren und die Anzeigen derselben vorerst reoidtren sollte. Die Stadtoerordneten- Versammlung konnte sich jedoch für das Bedürfniß eine- derartigen Postens nicht erwärmen zumal in der Eingabe des landwirthschaftltchen Vereins keine eigentliche Mottotrung gegeben war, welche die Nothwendtgkett darlegte. Die Versammlung be­schloß denn auch daS Gesuch abzulehnen. In dem ConcurS der Gebr. Köhler soll es bet dem von Großh. Stadtgericht erlassenen Bescheide belassen und keine wetteren Schritte verfolgt werden, zumal die Interessen der Stadt nicht gefährdet sind. Eine Crediterwetterung zum Beitrag zur Kreiskasse, sowie über 1400 für Neuherrtchtung der Aborte in der Stadtmädchenschuie zu Lasten des Budgets von 1879 werden gewährt. Ebenso verschiedene Kostendecreturen für diverse Leistungen. Herrn Dr. Schüler wird ein Theil der Wteseckböschung zum Preise von 3 JL 50 verpachtet. Herr Dachdecker Schwalb will den Platz, worauf der Plank'fche Stall am Tiefenweg gestanden, pachten. Die Baudeputatton ist jedoch für öffentl. Ausschreiben desselben und erklärt sich die Versammlung hiermit einverstanden. Dem Großh. Fiscus resp. Bauamt wird ein Stück Land zur Ablagerung von Baumaterialien am neuen Justiz­gebäude verpachtet. Der Preis für das Hundert Erbsenreiser wird auf eine Mark pro Hundert festgesetzt. Es wird die früher schon erwähnte Eingabe an Großh Ministerium von Bewohnern der Schwarzlach in Betreff der stiefmütterlichen Behand­lung gedachter Gegend seitens der Stadtverordneten nochmals verlesen. Nach vorge­tragenen Notizen des Herrn Bürgermeisters, wonach ein Theil der Bewohner ohne Erlaubntß gebaut, ein Theil sich durch Nevers verpflichtet hatten auf Stratzenanlage und Beleuchtung zu verzichten, sowie weitere erst in 1877 gebaut hatten, wird die Grundlosigkeit der Angaben an Großh. Ministerium dargelegt. Grade dieser Stadt- thetl sei tu den letzten Jahren ganz besonders berücksichtigt worden und absolut kein Grund vorhanden, welcher fragt Eingabe rechtfertigen könne. Es soll denn auch in einer Eingabe an daS Kreisamt diese Anschuldigungen widerlegt werden. Bet ®e- legenhett der Berathung deS städtischen Bauplans wurde die Möglichkeit einer Straßen- anlage vom SelterSweg resp. Löwengasse nach der neuen Anlage in Betracht gezogen und fielen event. in diese Straße die Noll'sche und Ptmper'sche Hofraithe, sowie ein Theil des Garnison-Lazareths ?c. Die Baudeputation ist jedoch eben der Ansicht, daß nach den seither gemachten Erfahrungen die Erwerbung der in Betracht kommenden Gebäude und Gelände, kaum möglich sein werde und da vorderhand auch kein Bedürf- ntß oorliege von der Straßenanlage vorerst abgesehen werden könne. Die Versamm­lung schließt sich dieser Ansicht an. Die Erweiterung der Kaplansgasse stand schon verschiedene Male auf der Tagesordnung. Die Riederlegung des Z w es ch'schen Hauses und desjenigen von Schlosser Noll verursacht jedoch zu viele Kosten und beantragt auch hier die Baudeputation mit Rücksicht auf die enormen Forderungen die Sache vorerst auf sich beruhen zu lassen, womit sich die Versammlung einverstanden erklärt. Verschiedene nothwendige Anschaffungen für die Prima der Realschule I. Ordnung werden gutgeheißen und der erforderliche Credit bewilligt. Unsere Realschule ist die einzige im Großherzogthum, an welcher Modelltr-Unterricht ertheilt wird. Die Ver sammlung war der Ansicht, daß derselbe auch für die Folge beibehalten werden möge. Das Zimmer, in welchem seither modellirt wurde, ist für andere Zwecke nöthig geworden und soll nun ein Vergleiches auf dem Boden des Laboratorium-Gebäudes für dauernd hergerichtet werden. Das Geländer unseres Münsters ist schadhaft und bedarf bringend der Reparatur. Bei dieser Gelegenheit beantragt die Baudeputation man möge den ganzen Tburm einer Renovation unterziehen. Die Versammlung genehmigte den Vor­anschlag hierfür im Betrage von 4416 jl Die Weißbinderarbeiten an und in der Kirche werden, trotzdem dieselben noch nicht sehr alt, als sehr mangelhaft geschildert. In Betreff der Einfriedigung der Thorhäuser am Wallthor wird die Beschlußfassung auf 8 Tage ausgesetzt um sich über die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit näher informiren zu können. Der Frau PH. Schmoll Wittwe wird die Erlaubntß zur Anlegung eines Stegs über die Wieseck unter den üblichen Bedingungen gegen Wider­ruf gestattet. Ebenso Herrn H. Keck die Ueberbrückung deS Schoorgrabens an der neuen Anlage. Das Baugesuch deS Herrn Käß wird genehmigt, desgleichen das­jenige des Chemikers Herrn Throm, gleicherweise wird Herrn Merz gestattet eine Waschküche zu errichten und Herrn Prof. Birnbaum erlaubt Bauveränderungen an seinem Hause vorzunehmen. Um einem dringenden Bedürfniß abzuhelfen will Herr K. Sch mall in seinem Hause in den Schießgärten einen Laden Herrichten und wird demselben solches gestattet. DaS Baugesuch de« Bierbrauers Herrn Fr. Textor wird genehmigt desgleichen das Ersuchen des Herrn E. Mai zur Anlegung einer Ein­friedigung. Herrn Glaser Bi er au wird die Anlegung einer hölzernen Einfriedigung an seinem Garten in den Schießgärten gestattet, trotzdem dieselbe schon einige Zeit steht, und annullirt die Baudeputation den vom Herrn Stadtbaumeisler oorgeschlagenen Oelfarbstrich der betr. Einfriedigung, weil dieselbe auS ausgeschnittenen Tannen- stämmchen besteht. Die projettirte Einfriedigung am Hause deS Herrn Kaufmann Limpert am Asterweg wird genehmigt; ebenso das Gesuch desselben um Erlaubntß zur Ableitung von Abfallwasser in den Schooryraben. In Gemäßheit eines früheren Beschlusses werden Herrn Metzger Friedr. Möhl 1160 jl für abzutretendes Gelände am Schipka-Paß bewilligt. Hierauf Schluß der öffentlichen Sitzung. a.

Die Annoncen-Expeditton Th. Dietrich & Co. in Cassel über­nimmt die prompte Besorgung von Anzeigen in sämmtliche Zeitungen Deutschlands und deS Auslandes zu Originalpreisen. (Alleinige Jnieraten-Annahme f. d.Casseler TageSpoft")

Vermischtes.

* Die Germania, LebenS-Derficherungs Actieu-Sesellschaft zu Stettin, hat nach ihrem jetzt festgeftellten GeschäfkSabschlusse tm Jahre 1877 günstige Erfolge und eine wesentliche Steigerung ihre« Geschäftes erzielt. Ja Folge de« Zugänge« von neuen Versicherungen über 20,500,660 jl Kapital hob sich, nach Abzug aller durch Tod oder auS anderen Ursachen erloschenen Versicherungen, der Bestand der Versiche­rungen von Kapitalien auf 220,504,303 jl Unter diesem Bestände waren 65,464,452 jl gegen eine JahreSprämie von 2,343,317,M jl auf da« Leben von 13,220 Personen mit Anspruch auf Dividende versichert- Diese Versicherungen mit Anspruch auf Dividende erhielten 1877 einen Zugang von 2225 Personen mit 13,0-8.464 Versicherungssumme und zeigen gegen den Bestand Ende 1876 einen reinen Zuwach« von 1295 Person« mit 8,251,723 jl Versicherungssumme. Die gesammte Prämieneinnahme erreichte 1877 JL 7,168,944,, stieg also gegen 1876 um 231,942,M jl An Zinsen wurden vereia- nahmt l,45v,486,ir JL. also 142,858,jl mehr als im vorhergehenden Jahre. Für Sterbefälle des JahreS 1877 wurden gezahlt 2,5 9 5,9 1 7,84 jl, für bei Lebzeiten der Versicherten 'm Jahre 1877 fällig gewordene VerstcherungS-Beträge 52O,OO1,35 JL und an Schäden Reserve zurückg'stellt 103,593,35 jl Dle Sterblichkeit unter den versichert« war für die Gesellschaft günstig; die Ausgabe für Sterbefälle find 1877 hinter den zu diesem Zwecke vorhandenen rechnungsmäßigen Deckungsmitteln um 214,820,,, JL zurück­geblieben. Die Prärnten-Ueberträge und Prämien-Reserven stiegen 1877 um 2,567,779 JL, so daß Ende 1877 mit Einschluß der Prämien-Reserve für bet anderen Gesellschaften rückversicherte Summen 29,278,086,9, jl zurückgestellt waren Au« dem nach Deckung aller Ausgaben und Verbindlichkeiten und nach Bewirkung der erforderlichen Abschreib­ungen verbleibenden Ueberschuß erhalten, nachdem die Kapital-Reserve mit dem statuten­mäßigen Betrage von 114,653,67 jl dottrt und hierdurch auf die Summe von 590,82l,w J4 erhöht ist, in Gemäßheit der statutarischen Bestimmungen die Actionäre eine Dividende von ISVs °/o ihrer auf die Actien geleisteten Einzahlungen mit 240,000 jl und die mit Anspruch auf Theilnahrne am Gewinne des Geschäftes Versicherten 26% ihrer 1877 gezahlten Prämien (gegen 24% tm Jrhre 1876) mit 609,262 59 jl als Dio dende, welche ihnen tm Jahre 1879 durch Abrechnung auf die von thnm zu zahlenden Prämim vergütet wird. Die für 1877 zur Verth tlunq kommende Dividende der Versicherten übersteigt den bisherigen Durchschnittssatz dieser Dividende. Dle Prämien Reserve, die Kapital Reserve und die Extra-Reserve (die letztere wurde auS dem Ueberschusse des Jahres 1877 um 111,678,« JL auf 169,459,71 jl erhöht) zusammen beliefen sich Ende 1877 auf 30,038,368,#9 jl und sind gegen den Bestand dieser Fonds Ende 1877 um 2,794,111,16 jl gewachsen. Die gesarnmten Actioa der Gesellschaft betragen Ende 1877 JL 40,726.210,3$. Unter den Äctiven sind die mit Festhaltung papillarischer Sicherh it bewirkten Ausleihungen in Hypotheken um 2,204,448 jl im Jahre 1877 gestiegen auf 26,939,912 jl Der ausführliche Rechenschaftsbericht wird erst nach der Ende Mai er. stattfindenen General-Versammlung erscheinen können.

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