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Samstag, den 6. Juli

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1878.

Kicßener WnZeiM

Meige- ui) Imtslilatt fir iti Kreis «ich».

RedaetionSbureaur Gartenstraße B. 165.

GxpediiionSbiri'ea" r Schulst raße B. 18".

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Erscheint täglich mit Ausnahme de- MorrtagK.

Preis vierteljährlich 2 Mark -20 Pf. mit BxjnMloljn.

Drrrch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeil.

B e k a n n t m a ch u n g.

Die Amtstage des Landgerichts Gießen werden Dienstag und Mittwoch abgehalten und zwar des Vormittags von 812 und des Nachmittags von 2 5 Uhr.

Gießen, den 4. Juli 1878. Großherzogliches Landgericht Gießen.

Erdmann.

N o r i 1 i s ch t Preußen und der Papst.

Der Briefwechsel des Kaisers von Deutschland und des Kronprinzen von Preußen mit Sr. Heiligkeit deni Papst Leo XIII. wird in der Geschichte des geistigen Kampfes, welchen die moderne Cultur der Welt, spectell aber der deutsche Geist gegen die mittelalterlichen Gelüste Roms und seiner Hierarchie führt, ein leuchtender Denkstein bleiben. Diese Worte sind deutsch, mannhaft und königlich zugleich und das freisinnige Deutschland erkennt es dankbar an, daß an höchster leitender Stelle kräftig dieselben Anschauungen ausgesprochen werden, welche die vox populi als richtige bezeichnet. Es weht in dem Wort­laut dieser Schreiben der klare juristische und humane Geist, der die Worte des Cultusministers Falk durchweht, es ist derselbe altpreußtsche, protestan­tische Geist, der im August 1873 Kaiser Wilhelm die Anmaßung Pius IX zurückwetsen ließ, daß ihm dem Papste das preußische Volkin einer oder der anderen Weise", d. h. nach Seele und Leibzugehörten." Bet diesem Versuch des Papstes, den König von seinem Volke und seiner Regierung zu trennen, antwortete Kaiser Wilhelm ebenso königlich als geistlich und prote­stantisch :Die Gesetze und Maßregeln der Regierung verlangten meine Zu­stimmung als Souverän, und mein evangelischer Glaube erlaubt mir und meinem Volke nicht, einen anderen Mittler in unseren Beziehungen zu Gott anzuerken­nen, als unseren Herrn Jesum Christum." Während der König darüber trauerte, daß ein Theil seiner katholischen Unterthanen unter Billigung und mit Hülfe der Bischöfe den religiösen Frieden durch staatsfeindliche Jntrigueu gestört hat, erkannte er es im Angesichte des Himmels für seine Pflicht, den inneren Frieden zu schützen und die Autorität der Gesetze in den ihm von Gott anvertrauten Staaten zu bewahren. So wußte der damalige Versuch des, Papstes sich zwischenDiokletian und seinen Minister Marc" zu drängen, und so wurde seine Bemühung von dem Könige von Preußen in seinem und seiner Unterthanen Namen zurückgewiesen.

Der neueste Briefwechsel zeigt pns, daß sich diese Ansichten an höchster Stelle nicht geändert haben. Zum ersten Mal seit der Thronbesteigung Leo XIII. wird uns durch diese Publikation ein klarer Blick in das Verhält- niß zwisch'N Preußen und der katholischen Kirche, wie es sich durch das Ab­leben Pius IX. gestaltet hat, ermöglicht. Der in des Kronprinzen Schreiben ausgesprochene Grundsatz ergiebt sich von selbst aus dem Wesen desunab­hängigen Staates." Dennoch werden alle Freunde des Vaterlandes diese Worte des Thronerben mit unverhohlener Freude begrüßen. Sind sie uns doch eine Bürgschaft dafür, daß jene noch nicht allzu fernltegende Zeit schwäch­licher Nachgiebigkeit gegenüber den Uebergriffen der römischen Hierarchie in das Rechts- und Wtrkungsgebiet des Staates, jene Zeit, da das Princjp der unbedingten Unabhängigkeit des Staates in der That eine Weile verdunkelt war, nimmermehr wiederkehren wird. Aber der Kronprinz hat sich nicht aus diese unzweideutige Wahrung der Rechte des Staates beschränkt ; er hat zu­gleich den Weg zum Frieden gezeigt. Er willdie Hoffnung nicht auf­geben, daß da, wo eine grundsätzliche* Verständigung nicht erreichbar ist, doch versöhnliche Gesinnung beider Theile auch für Preußen den Weg zum Frieden eröffnen werde, der anderen Staaten niemals verschloffen war." Damit ist die Hand zu einem modus vivendi geboten. Die Frage ist nun, ob und wie Leo XIII. sie ergreifen wird. Persönlich hat der Papst in seinen Briesen, die leider nicht veröffentlicht sind, allem Anscheine nach eine aufrichtig entgegen­kommende, Gesinnung erkennen laffen; aber wird es in seiner Macht stehen, dieser Gesinnung auch praktische Geltung zu verschaffen? In dem Briese des Kaisers vom 24. März war die Hoffnung ausgesprochen worden, doß der Papst mit dem mächtigen Einfluss-'"welchen ihm die Verfaffung der römisch-katholischen Kirche auf alle Diener derselben gewährt, dahin zu wirken geneigt sein werde, daß auch Diejenigen unter den letzteren, welche es bisher unterließen, nunmehr tcn Gesetzen des Landes, in dem sie wohnen, sich fügen werden. Nach der Antwort des Papstes vom 17. April glaubt aber der Kronprinz annehmen zu müssen, daß der Papst jene Hoffnungnicht glaube erfüllen zu können." Der Kern des Streites ist also nach wie vor der alte. Auch das Verhalten der Centrumspartei ist bekanntlich unverändert. Die Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Preußen schon für die nächste Zukunft zu erwarten, würde demnach eine zu optimistische Auffassung sein. Bon größtem Werthe aber ist, daß nunmehr vor Aller Augen klarliegt, wie es jedenfalls nicht die Lenker des Staates sind, die es'an Versöhnlichkeit haben fehlen lassen.

er H h e i l.

Deutschland.

Darmstadt, 3. Juli. . Die Abreise Ihrer König!. Hoheiten des Groß­herzogs und der Großherzogin und Ihrer Großh. Hoheit der Prinzessin Elisa­beth nach dem englischen Seebade erfolgt heute Nachmittag 5 Uhr 10 Min. über Köln. Im Gefolge der Allerhöchsten Herrschaften befinden sich die Hofdame Freiin v. Grancy und der persönliche Kavalier Ihrer Königl. Hoheit der Groß­herzogin, Premierlieutenant v. d. Knesebeck.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog werden dem Vernehmen nach zu Ende des Monats hierher zurückkehren.

Mainz, 3. Juli. Die Socialdemokraten hier haben in einer am 29. v. Mls. abgehaltenen Versammlung Liebknecht zu ihrem Reichstags- Candtdaten proclamirt. In derselben Versammlung wurde auch die liberale Presse, die gegen die sociallsttschen Umtriebe Front, macht, lebhaft angegriffen und beschimpft. Auch bie Direktion der A'ctienbrauerei, die den Socialdemo­kraten ihre Wirtschaften für Volksversammlungen nicht mehr zur Verfügung stellt, wurde in die Acht erklärt und beschlossen, so lange kein Actienbier mehr zu trinken, bis das Verbot rückgängig gemacht worden ist. Herr Liebknecht wird demnächst in einer größeren Versammlung austreten und um sich seinen Wählern^ vorzustellen.

Berlin, 3. Juli. Die >Prov. Corresp." -sagt über die Arbeiten des> Congresses: Während die politische Unabhängigkeit Rumäniens, Serbiens und Montenegros endlich anerkannt ist, hat der Congreß behufs der dauernden Ordnung und Sicherung der Verhältnisse in Bosnien und der Herzegowina das Einschreiten Oesterreichs in denselben als dringend und den österreichischen und europäischen Interessen entsprechend, anerkannt. Der vorläufige Einspruch der Türkei gegen diese Entscheidung wird die Ausführung nicht hindern können. Auch über die Frage der Wiedervereinigung Bessarabiens mit Rußland! (vor­behaltlich des Landstrichs an der Mündung der Donau) gegen die Abtretung der Dobrudscha an Rumänien ist bereits ein volles Einverständniß erfolgt. Es bleibt sonach bou den großen entscheidenden Fragen nur noch die armenische übrig und auch über diese ist eine Verständigung im Wesentlichen bereits vor­bereitet. Nach aller Voraussicht geht der Congreß einem nahen- glücklichen Abschlüsse entgegen. In Betreff des Kaisers schreibt dieProv.'Corresp.", alle Angaben über die Reisepläne desselben seien auch jetzt noch voreilig und unzuverlässig.

Spanien.

Madrid, 2. Juli. Laut eines von derPatria" veröffentlichten Schrei­bens ist der Kaiser von Marokko gestorben.

«elegraphische s<epeWn7

Wagner'- telegr. Eorrefpondenz- Bureau.

Berlin, 4. Juli. Bulletin von 10 Uhr Vorm. Bet Sr. Majestät sind nunmehr sämmtliche Wunden geheilt und in den Kräften eine allmältge Zu­nahme bemerkbar. -

(Unterz.) v. Lauer, v. Langenbeck. Wilms.

Wien, 4. Juli. DemFremdenblatt" zufolge werden sich demnächst im Ganzen 7 Divisionen auf dem Kriegsfuß befinden, um die Action jenseits der Grenzen, entsprechend den orientalischen Verhältnissen, mit impontrender Macht ,zu beginnen. Das Blatt bedauert die widerstrebende Haltung der Pforte, in deren Interesse es gerade läge, sich mit Oesterreich über die Modalitäten des Ueberaanges friedlich zu verständigen und die politischen Behörden ent­sprechend zu tnsttuiren. DiePresse" betont, daß die Schwierigkeiten der auswärtigen Situation für Oesterreich erst jetzt in vollem Ernste beginnen., Niemand möge wähnen, die culturelle Mission, welche Oesterreich in den Grenz­ländern zu erfüllen habe, sei einfach mit militärischen Mobilmachungen und Beamten-Ernennungen abzuthun. DieNeue Fr. Pr." vermag den Zweck der Occupattoy auf unbestimmte Zeit nicht etnzusehen und würde eher eine offene Annexionspolitik begreifen. DasTagblatt", die Nothwendigkeit einer zweiten partiellen Mobilisirung darlegend, sagt, es handle sich jetzt darum, daß Oesterreich sein'Ansehen, seine Macht und seine Zukunft wahre. Es müsse daher die türkischen Bedingungen entschieden ablehnen. DieDeutsche Ztg." hebt hervor, die erste Vorbedingung für die Möglichkeit der Verwirklichung