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Kesterreich.

Wien, 1. Juni. DerPolit. Corresp." wird aus Bukarest gemeldet Der Vicepräsident des Senats, Demeter Bratiano, ist in besonderer Mission welche von dem britischen Consulatsoerweser White angeregt worden ist, nach Konstantinopel abgereist. Als ostensibler Zweck der Mission wird die Erlangung der Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens Seitens der Pforte bezeichnet. Weiterreichende Versionen aber bezeichnen die Erzielung einer intimeren An- Näherung Rumäniens an die Türkei für gewisie Eventualitäten als die eigent­liche Ausgabe Bratiano's.

Aus Konstantinopel wird derPolit. Corresp." gemeldet: General Dondukoff Korsakoff ist gestern nach Philtppopel abgereist. Die Verbindung Philippopels mit Sofia ist von den aufständischen Muhamedanern bedroht. Die Rusten beabsichtigen, den Aufstand durch eine neue bulgarische Legion un­terdrücken zu lasten. In San Stefano und Rodosto sind frische russische Truppen eingetroffen.

England.

London, 1. Juni. Laut Bericht der Küstenwache von Sandgate sollen von den auf demGroßen Kurfürst" befindlich gewesenen Personen 255 gerettet sein. Bis jetzt sind keine Leichen geborgen. Viele Mannschaften wurden durch die Kestelexplosion in die Luft gesprengt. DerKurfürst" ist gänzlich unsicht­bar.König Wilhelm" wurde Nachts 1 Uhr bei Spithead erwartet. Das AvisobootFalke" ist auf der Höhe von Folkestone angelangt. Der Militär- Attache der deutschen Botschaft hatte sich nach Folkestone begeben, um mit den Hafenbehörden zu conferiren. Die namhaften deutschen Banquters und Kauf­leute Londons beabsichtigen den Lordmayor zu ersuchen, freiwillige Gaben für die Hinterbliebenen der Ertrunkenen entgegenzunehmen. Das Unglück rief hier die größte Aufregung und Theilnahme hervor, welcher die Morgenblätter Aus­druck geben.

Daily News" haben Grund zu glauben, daß das Parlament An­fangs der nächsten Woche benachrichtigt werden wird, daß der Congreß Zusam­mentritt und welche Arrangements zum Abschluffe gebracht wurden.Standard" enthält eine ähnliche Meldung.Times" meint, es sei noch eine Anzahl Details zu regeln, über welche eine Verständigung wünschenswerth sei. Advertiser" sagt, es lägen noch Fragen von eher formeller als prtncipieller Natur vor. Der Abschluß einer endgültigen Ueberetnkunft für den Zusammen­tritt des Congrestes werde aber noch vor dem 3. Juni erwartet.Telegraph" meldet, wahrscheinlich werde Beaconsfield Hauptvertreter Englands auf dem Congreffe sein.

London, 2. Juni, Abends. Das PacketbootIdaho" aus New- Bork (Guion-Linte) erlitt auf der Fahrt von Queenstown nach Liverpool an der irischen Küste Schiffbruch. Paffagiere und Mannschaft gerettet.

London, 3. Juni. Der deutsche Kronprinz und seine Gemahlin sind gestern Abend 83/4 Uhr nach Berlin abgereist.

Der Untergang des PanzerschiffesGroßer Kurfürst".

Aus England kommt eine Schreckensbotschaft, welche in ganz Deutschland den tiefsten Schmerz erregen wird. Unsere junge Marine hat eines ihrer schönsten Kriegs­schiffe, unser deutsches Volk Hunderte von wackeren Landsleuten verloren. Es war am Mittwoch Morgen, als die Panzerschiffe Preußen, König Wilhelm und Großer Kurfürst von Wilhelmshaven in See gingen, um nach Plymouth und von dort nach Gibraltar zu segeln. Heute ruht schon eins dieser Schiffe, der Große Kurfürst auf dem Grunde der See, und mit ihm viele brave Seemannsherzen, die am Mittwoch mit stolzem Muthe ihre Fahrt angetreten hatten.

Ausführliche Nachrichten liegen noch nicht vor. So viel bekannt, stießen am Freitag Morgen der Große Kurfürst und der König Wilhelm bei Folkestone während des Manövrirens aufeinander; das erstere Schiff sank, das zweite erhielt ein Leck und wurde nach Portsmouth geschleppt, um dort ausgebessert zu werden. Ein Trost aber uns seit dem Eintreffen der ersten Meldung doch geworden: die Zahl der Geretteten ist nicht auf achtzehn, wie zuerst angegeben, beschränkt, sondern es stellt sich heraus, daß von den 500 Mann, die sich an Bord des Großen Kurfürsten befanden, doch gegen 200 in Sicherheit gebracht werden konnten.

So viel uns erinnerlich, ist dies der dritte große V-rlust, den unsere junge Marine erleidet. Der Kriegsschooner Frauenlob ist in den ostasiatisch-n Gewässern während eines Wirbelsturmes zu Grunde gegangen; das Cadettenschiff Amazone ist in der Nordsee spurlos verschwunden. ,

Indem wir bezüglich der neuesten Meldungen auf die Telegramme verweisen, lassen wir einige Mittheilungen über Construction und Ausrüstung der Panzerfregatten Großer Kurfürst und König Wilhelm folgen:

Das gesunkene Panzerschiff Großer Kurfürst ist wie die beiden Schwesterschiffe Preußen und Friedrich der Große nach dem Muster der großen englischen Panzer­thurmschifffregatte Monarch gebaut. Die Schiffe waren bestimmt für den Kampf auf hoher See und haben zwischen den Perpendikeln eine Lange von 2S8Fuß 2 Zoll, größte Länge 309 Fuß, 52 Fuß Breite und 34>/4 Fuß Tiefe vom Oberdeck bis zum Kiel. Die Fregatte bat vollständig ausgerüstet und armirt, ein Gewicht von 6663 Tonnen oder

133,260 Pfund. Der Tiefgang im seefertigen Zustande ist durchschnittlich 23 Fuß. Irr der Mitte schließt eine gepanzerte Casematte die beiden Thürme. welche 6 Fuß über dem Oberdeck vorstehen. Diese Casematte ist durch gepanzerte Querwände von dem oordern und Hintern Theile des Schiffes getrennt, welche beide nur zwischen Wind und Wosser durch einen Panzergürtel, der von 6 Fuß unter Wasser bis zum Batteriedeck reicht, geschützt sind. Die Thürme des Großen Kurfürsten waren mit zwei 26 cm; Schiffgeschützen neuester Construction armirt und konnten entweder durch eigene Dampf­maschine, die im Zwischendeck lag, oder durch Handbetrieb gedreht werden. Außer den erwähnten vier Geschützen in beiden Thürmen war noch je ein 17cm-Geschütz in Back und Deck aufgestellt. Die hinter und vor dem Kesselraum befindlichen Pulver- und Granatenkammern konnten nöthtgenfalls unter Wasser gesetzt werden, ohne die darin befindliche Munition unbrauchbar zu machen. Der innere Raum war in viele kleine wasserdichte Abtheilungen eingetheilt, um größere Sicherheit gegen die Gefahr deS Sinkens zu haben. Der Vordersteven mit dem Sporn in zwei Stücken, die durch ein Lasch verbunden werden, wog 360 Gentner, der Hintersteven 600 Gentner. Unter den Panzerplatten befand sich eine Unterlage aus Teakholz von 10 Zoll Dicke und stärker, je nach der Dicke der Platten. Die Panzerplatten waren im Bereiche der Wasserlinie 9 Zoll, unter derselben 7 Zoll und über Wasser 8 Zoll stark, welche Stärken nach hinten und von vorn bis 4 Zoll abnahmen. Die Panzerplatten der Thürme waren 8 Zoll an den Stellen, wo Geschützpforten durchgehen, 10 Zoll stark. An Roh­materialien kamen für den Schiffskörper, die Masten und Platten zur Verwendung: 27,500 Ctr. Platten, 12,000 Ctr. Winkel- und Fa?oneisen, 6600 Gtr. Stabeisen und große Schmiedestücke, 2300 Gtr. Nieteisen, 2000 Gtr. Gußeisen. An Teakholz wurden 27,000 Kubikfuß verbraucht. Die Dampfkraft zur Fortbewegung des Schiffes lieferten drei Gylinder-Expansionsmaschinen, nach den neuesten Verbesserungen conftruirt, von 5400 inbirecten Pferdekräften mit sechs Kesseln von je fünf Feuerungen, also dreißig Feuerungen. Die Steuerung des Schiffes und die Umsteuerung der Maschinen wurde außerdem durch besondere Dampfmaschinen bewirkt.

Ganz besonders war auf schnelle und sichere Zuführung des etwa eindringenden Wassers zu den Pumpen Bedacht genommen.

DerKönig Wilhelm", welcher das Unglück hatte, mit dem Großen Kur­fürsten zusammenzustoßen und selbst verletzt zu werden, ist auf den Werften der Thames Jron Works bei London erbaut und zeigte sich als eines der größten und stärksten aller gegenwärtigen Panzerschiffe der Welt. Er war ursprünglich für die türkische Regierung bestimmt, wurde aber dann von Preußen gekauft. Die Länge beträgt in der Wasserlinie 346, die Breite 58V2 Fuß; die kolossale Stärke der Maschine verleiht ihm eine sehr große Schnelligkeit. Die Gefechtsstärke dieser Fregatte beruht theils auf ihrer Geschütz - Armirung mit 23 Krupp'schen Gußstahl-Kanonen größten Kalibers, theilS auf ihrer unübertrefflichen Panzerung. Diese letztere ist so verthetlt, daß in der Wasserlinie, rings um das ganze Schiff ein hoher, bis 7 Fuß unter das Wasser reichender Panzergürtel von acht Zoll starken massiven Eisenplatten läuft, die auf einer 22zölligen Fütterung von Holz fesigebolzt sind. Die Fütterung wiederum ruht auf der 2 Zoll starken Eisenhaut des Schiffes, welche das ungewöhnlich starke Eisengerippe der Spanten bekleidet. Die Stückpforten der Batterie liegen H Vr Fuß und die panzer- gedeckten Obergeschütze 17 bis 18 Fuß über dem Wasser, und hierdurch ist dieses Schiff im Stande, auch bet bewegtem Meere das Gefecht fortsetzen zu können. Das von einer niederen Brüstung umschlossene Oberdeck ist platt und bietet außer den darauf befind­lichen 10 Booten nichts Bemerkenswerthes. Auf diesem Deck befindet sich hinten das Steuerrad; aus seiner Mittellinie streben 3 Masten empor, und quer von dem hintersten derselben läuft auf Eisensäulen eine Eommandobrücke über das ganze Schiff hinweg. Unter den Enden der letzteren befinden sich zwei gepanzerte halbrunde Thürme zur Aufnahme von je einem Pivotgeschütz, welches durch seitliche Bestreichung die ganze betreffende Schiffsseite deckt.

Vermischtes.

* Grünberg, 1. Juni. Am 30. Mai zog ein schweres Gewitter über hiesige Stadt und schlug der Blitz, während des Nachmittagsgottesdienstes, in die hiesige Kirche, beschädigte das Dach und fuhr an dem Blitzableiter zur Erde nieder ohne weiteren Schaden anzurichten. Zu gleicher Zeit schlug der Blitz in die Scheuer des Gottlieb Weber zu Grünberg, zertrümmerte mehrere Hundert Ziegel, zerriß den Kandel, zertrümmerte im herunterfahren ein Stallfenster und schlug im Stall zur Erde ein. Weiteren Schaden hat das Gewitter uns nicht gebracht-

Kunstausstellung.

Die Herren Katterfeldt und Sohn, Landschaftsmaler, haben hier eine Anzahl von ihnen gemalter Oelgemälde in Barockrahmen (größtentheils Landschaften, sowie mehrere Aquarelltypen) bis Ende dieser Woche in der kleinen Aula ausgestellt. Wir haben dieselben in Augenschein genommenn und müssen bekennen, daß die Gemälde wenn auch keine großartigen Kunstwerke, dennoch einen angenehmen Eindruck auf uns gemacht haben. Was die Zeichnung in den Bildern anbelangt, so ist dieselbe sehr correct gehalten und das Golorit in freundlichen und warmen Tönen gegeben wodurch das Auge des Beschauers recht angenehm gefesselt wird. Da die Preise äußerst billig gestellt sind, so halten wir es für unsere Pflicht, daß wir diese Gemälde einem hiesigen kunstliebenden Publikum auf das beste empfehlen. Wie wir noch vernommen, ist den Künstlern eine Verloosung von 7 Stück dieser Gemälde gestattet und die Auswahl derselben ganz vorzüglich getroffen.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, Juni. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Gentner X 2.503 20, Stroh per Gentner X 1.602.20 Butter im Großen das Pfund 1. Qual. 9095 2. Qual. 8085 H im Detail

1. Qual. X 1.10, 2. Qual. X 1, Gier das Hundert X 4.505.50. Kartoffeln X 56 per 100 Kilo. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 6875 Kuh- u. Rinl - fleisch 5562 H, Kalbfleisch 6070 H, Hammelfleisch 5568 H, Schweinefleisch 6875 Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 2832 x, ganze Erbsen 2227 x, Bohnen 2528 x, Linsen 2836 X Holz abgeschlagen, Buchenscheitholz per Quadrat- Meter X 10.55, Tannenscheitholz X 7.90, Buchenscheitholz im Gentner geschnitten X 1.5570, Tannäpfel per Hect. 50 H.

Allgemeiner Anzeiger.

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