richtet; danach hätte das Londoner Cabinet Rumänien zum Ausharren auf seinem Standpunkte in der Frage der Retrocession Rumänisch-Bessarabiens ermuntert, während das Wiener Cabinet auf die Nothwendigkeit der Regelung dieser Fra.ie durch europäische Entscheidung verwiesen habe.
Pesth, 3. April. Um Unterhause mterpellirte Banhidy die Regierung, ob dieselbe dahin wirken wolle, daß die Integrität des rumänischen Gebiets erhalten werde. In Betreff der Friedensbedingungen ist eine Interpellation von Iranyi gestellt worden.
Frankreich.
Paris, 3 April. Das „Journal officiel" veröffentlicht die Ernennung des Generals Philippi zum Platzcommandanten von Paris an Stelle des Generals Geslin, welcher zu anderen Functionen berufen ist. Diese Verfügung ist motivirt durch den Tagesbefehl des Generals Geslin, den die gestrigen Journale veröffentlichten und worüber die Linke Aufklärung vom Kriegsminister verlangt hat, da sie die in dem Tagesbefehl gebrauchten Ausdrücke als beleidigend für die Pariser Wähler betrachtet.
Itatieu.
Nom, 3. April. Das Ministerium legte der Kammer einen Entwurf über Bildung einer Commission vor, welche die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde Florenz untersuchen soll. Darauf nahm die Kammer den Handels- vertrag mit Frankreich mit 212 gegen 19 Stimmen an.____________________
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau»
Paris, 4. April. Ein amtlicher Erlaß verbietet die Einfuhr von Wiederkäuern aus Rußland, den Donaufürstenthümern und der Türkei, sowie von Rindvieh, welches aus Oesterreich kommt.
Berlin, 4. April. Der „Reichs-Anz." meldet: Das Unwohlsein Sr. Majestät des Kaisers nimmt einen normalen günstigen Verlaus, gestattet jedoch Sr. Majestät noch nicht, das Zimmer zu verlassen.
— Eine deutsche Panzerslottlle wird sich Anfangs Mai nach dem Orient begeben, und wie es heißt, am 6. Mai ihre Fahrt antreten.
— Die „Post" erklärt in ihrer zweiten Ausgabe die Zeitungsmeldung von der angeblichen Designtrung des Fürsten v. Hohenlohe-Langeburg für den Botschastsposten in Wien nach glaubwürdiger Mtttheilung für vollständig unbegründet.
Wien, 4. April. Nachrichten der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel vom 3. d., Abends, signalisiren die Wahrscheinlichkeit eines nahe bevorstehenden Umschwungs im kaiserlichen Palais von Pildiz zu Gunsten Rußlands, welchem dle englischen Einflüsse dort zu unterliegen schienen. Dieser Stimmungswechsel des Sultans dürfte in einem bald bevorstehenden Ministerwechsel Ausdruck finden ; Reuf Pascha solle an Stelle von Achmed Vefik Ministerpräsident und Osman Pascha, welcher nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft als entschiedenster Anhänger der russischen Allianz gelte, Kriegsminifter werden.
Aus Bukarest vom 4. d. meldet dieselbe Correspoudenz: Der in Wien weilende Ministerpräsident Bratiano soll seine Mission auch nach Berlin ausdehnen. Eine von beiden Kammern eingesetzte Commission arbeitet einen an die Großmächte zu richtenden Protest gegen den Vertrag von San Stefano aus. Widdtn erhält keine serbische Besatzung.
Athen, 4. April. Die Aufständischen in Thessalien haben sich nach der Niederlage von Makrinitza an die Grenze zurückgezogen. Italienische und englische Schiffe sind beordert, bedrohte Familien aufzunehmen. Das amerikanische Schiff „Marion" ist von Smyrna nach Volo abgesegelt. Hobart Pascha's Geschwader hat Volo verlassen, mit welcher Bestimmung, ist nicht bekannt.
London, 4. April. Dem „Standard" zufolge wäre das Widderschlff „Rubert" und das Thurmschtff „Devastation" beordert, zu dem Geschwader im Marmara-Meer zu stoßen, um das nach England zurückkehrende Schiff „Sultan" zu ersetzen.
Die „Times" läßt sich aus Petersburg telegraphiren, Rußland sei über eine Antwort auf die Circular-Depesche Lord Salisbury's noch nicht schlüssig, aber es sei Grund vorhanden zu glauben, es werde die Circular-Depesche nicht als Anlaß zu einem Ultimatum betrachten. Da die britische Regierung sich auf eine rein negative Kritik beschränkt habe, dürfte sie möglicherweise ersucht werden, selber eine Lösung vorzuschlagen. Uebrigens, meint die „Times", seien Zeichen vorhanden, daß nicht allein Oesterreich, sondern auch Frankreich die englische Ansicht über den Vertrag von San Stefano theile und scheine es d'wnach, als ob Rußland und nicht England isolirt wäre. Es sollte jetzt der Hauptzweck der britischen Regierung sein, die allgemeine Eintracht aufrecht- znerhaltcn. Im Falle Rußland nicht durch geheime Machinationen eine der Mächte von den übrigen trenne, sei es schwer begreiflich, wie es seine gegenwärtige Haltung behaupten könne.
Wien, 4. April. Das „Fremdenblatt" nimmt Act von der bisher unbestätigten Meldung, wonach Rußland für den Abschluß eines Schutz- und Trutzbündnisses mit der Türkei die Herabminderung der Friedensbedingungen verspreche, und glaubt daraus folgern zu dürfen, daß Rußland dadurch den bindenden Charakter des Frtedensvertrages von San Stefano selbst aufhebe. — Tie „Presse" schreibt: Durch Salisbury's Circularschreiben sei England aus dem Kreise seiner egoistischen Interessen herausgetreten und mache seiner bisherigen ängstlichen Hütung der localifirten Machtsphäre ein Ende; es beginne nun eine europäische Politik.
— Das „Neue Wiener Tageblatt" verzeichnet ebenfalls die aus Ungarn stammende Nachricht, daß Bratiano in Wien wegen eines event. Uebertrittes der rumänischen Armee auf österreichisches Gebiet unterhandle.
London, 4. April, Abends. Unterhaus. Schatzkanzler Northcote veranschlagt das Deficit des beginnenden Finanzjahres auf 5,300,000 Pf. und schlägt die Erhöhung der Einkommensteuer um 2 Pence und des Tabakzolles um 4 Pence per Pfund vor, wodurch in Verbindung mit einer weiteren gering fügigen Steuererhöhung 3,750,000 Pf. aufgebracht würden; die übrigen 1,550,000 Pf. des Deficits wären auf das nächste Finanzjahr zu übertragen.
Northcote antwortet Gladstone: Nichts in dem Schriftwechsel berechtige zu der Annahme, daß England sich Vorbehalten wollte, vor dem Kongresse von der Discussion etwa von ihm beanstandeter Fragen zurückzutreten. Nur die Vorlegung des Gesammtvertrages sei bezweckt worden. Gladstone kündigte darauf an, er werde morgen eine Debatte über diesen Gegenstand anregen. Northcote antwortet Gladstone: Derbys Anwort habe den Grund der Ablehnung
der von Deutschland vorgeschlagenen Vorconferenz angegeben. Ueber die allgemeine Nützlichkeit solcher Conferenz habe Derby k^ine Ansicht ausgedrückr. Auf eine Frage Montagues antwortet Northcote: in Betreff des Congreffes hätten keine neuen Unterhandlungen ftattgefunden.
Untcrftaatssecretär Bourke antwortete Wolff auf seine erneute Anfrage: Fürst Gorlschakoff habe dem rumänischen Agenten in Petersburg erklärt, daß Rußland die Discussion über die Retrocession Bessarabiens nicht zulaffe. Der Agent habe diese Erklärung seiner Regierung und diese dem rumänischen Agenten m W»en mitgetheilt. — Bourke antwortete Waiti: Holland habe sich außer -Stande erklärt, die Zuckerconoentron in Ausführung zu bringen und zwar wegen Widerstandes in der Kammer. Die Unterhandlungen dauerten aber fort.
Lokal-Notiz.
Gießen, 5. April. Der Schwurgerichtshof erkannte gestern:
a gegen Johannes Hölzer von Atzenhain, wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit, Zuchthausstrafe von 5 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren;
b gegen Georg Stuckart von WormS. wegen Urkundenfälschung, Zuchthausstrafe von 1 Jahr 4 Monaten, an welcher jedoch 2 Monate Untersuchungshaft tn Aufrechnung kommen, sowie Verlust der bürgerlichen Ebrenrech e aus d'e Dauer von 2 Jabren.
S e r mff ch t e S
Offenbach, 4. April. Sicherem Vernehmen nach ist die hiesige Realschule vom Kaiser!. Reichskanzleramt tn Berlin als Realschule I. Ordnung tn Verbindung mit einer Realschule II. Ordnung anerkannt worden.
Bingen, 2 April. Der „Rh. und N-B" schreibt in seiner jüngsten Nummer: Es scheint hier in Bingen (leider ist diese Sorte Menschen auch anderwärts stark 0fr breitet) Leute zu geben, die förmlich planmäßig das Gewerbe betreiben, Andern die Ehre und den Cred t zu schädigen. So durchschwirren seit einiger Zeit Gerüchte die Luft, daß Dieser und Jener, darunter die solidesten und geachtesten Firmen und @f- 'chäftsleute, seine Zahlungen eingestellt, das heißt Bankerott gemacht habe. Es braucht nicht darauf hingewiesen zu werden, wie gemeingefährlich ein solches Treiben ist: es schädigt nicht allein augenblicklich den guten Ruf und die Ehre des Betroffenen; es ist auch geeignet, denselben an den Rand des Verderbens zu bringen und jenen Zustand herbeizusühren, welchen der böswillige Verläumder al- angeblich vorhanden bezeichnet. Der Kaufmann und überhaupt jeder Geschäftsmann bedarf, namentlich tn den jetzigen kritischen Zetten, mehr oder weniger d,s Ccedits und da versteht sich's denn von selbst, daß dieser Credit sofort erheblich erschüttert werden muß, sobald Gerüchte der fraglichen Art umlaufen. Einige Firmen haben gegen die ihnen bekannt gewordenen Verbreiter solcher Lügen Klage erhoben und es wäre im Interesse jedes Einzelnen, wie der Ge sammtheit sehr zu wünschen, daß die betnsfenden schamlosen Individuen überführt und <ur Strafe gezogen würden. Wenn erst einmal einige Exempcl statuirt sein werden, dann ist zu hoffen, daß den giftigen Zungen für einige Zeit daS Handwerk verleidet sein wird.
Bocken heim. Am 14. o. M. wurde der Metzger Johann Wolf tn Eschersheim bei Frankfurt von einem anderen Metzger erstochen. Beide standen mit einem Eschertz- hetmer Bürger im Handel. Ersterem, der vermuthltch ohne den Letzteren ben Kaul abschloß und die schlachtdare Kuh mit sich führte, wurde von Letzerem noch im Hofe des Verkäufers die Halsader durchgestochen, worauf der Tod erfolgte. Der Thäter wurde hierher in's Gefänontß gebracht.
Saarbrücken. Dieser Tage wurde hier ein Mann angehalten, der in seine Kleider eingenäht 40 goldene und silberne Herren- und Damenuhren, sowie 67 ebensolche Uhrketten bei sich trug. Die Uhren, welche sämmtlich Genfer Stempel tragen, sind wahrscheinlich gestohlen. Der Verhaftete, welcher den vorderschwetzer- oder den badischen Oberländer-Dialekt spricht, gibt an, Jakob Müller aus Zofingen zu heißen.
— (Duell mit Decorattonen.) Zwei Herren vom Militär haben ein Duell. Als sie sich auf dem Platz befanden, sagt der Eine zu seinem Gegner: „Sie erlauben wohl, daß ich die Insignien anleoe, welche ich während des Kriege- getragen." Ohne Weiteres ! erwiderte der Andere. Nun werden die Pistolen geladen, die Distanz bestimmt und die Secundanten commandtren: Eins, zwei, drei . . . aber, siehe da, anstatt zu schießen senkten die beiden Duellanten ihre Pistolen. Der mit den Insignien hatte nämlich — die weiße Binde mit dem Kreuz der Genfer Convention angelegt, auf deren Träger bekanntlich nicht oeschossen we>den darf. —__
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 4. April. (Fruchtbericht) Ueber den Saatenstand liegen uns folgende zuverlässige Berichte aus der Umgegend vor. Reps steht gut, Roggen hat in nassen Feldern Noth gelitten mb mußte wegen Schnecken auSgeackert verben, Wetze r zufrtedenstellenb, jeboch mit Ausnahme des BodenS, ber voriges Jahr mit Klee benutzt wesen ist; ber junge Klee ist befriedigend. Die Frühjahrsbestellung der Felder ist durch die ungünstige Witterung beeinträchtiat worden, bezw. erleidet sie Verspätung. Während sonst die im Frühherbst bestellten Felder stets ein gutes Resultat ergaben, ist diesmal das Gegenthetl der Fall. Statt dessen versprechen diejenigen Felder, welche später erst bestellt wurden, Gutes. Am hstsigen Markt hat die Besserung für Weizen wettere Fortschritte gemacht und ist zuletzt ab unserer Umgegend JL 2372—24 bezahlt worden, fremder je nach Qualität v*L 24—257z. Roggen fester gestimmt, da ab auswärts einige Frage bemerkbar rombe und die seitherige Flaue in Mehl endlich zum Stehen gekommen ist; französischer Roggen «X 1874, hiesiger 177<—7z. prima norddeutscher Jü 18 Cours. Gerste verlassen, man taxirt Course auf JL 19—23. Hafer erfreute sich reger Nachfrage, jedoch fehlte es an genügenden Offerten, auch Mittel-Qualitäten waren wenig angeboten, weßhalb der Umsatz beschränkt blieb. Wir begegnen hier der etgenthümlichen Erscheinung, daß nur an den Hauptftapelplätzen größere Haferläger vorhanden sind, denen gegenüber die Jnlandplätze, namentlich aber die Producenten, fast jeglicher Vorrätbe entbehren. Die Notiz bleibt Jt 1472—16y4. Russischer Hafer steigend. Hülsmfrüchte ruhig, kleine Linsen JL 18<2, weiße Bohnen zu JL 22 übrig. Reps und Rüböl geschäftslos. Am Mehlmaikt herrscht gute Tendenz, Preise zu Gunsten der Verkäufer. Futterstoffe fest, aber nicht lebhaft- Wir notiren:
Mehl Nr. 1 JL 42, Nr. 2 38, Nr. 3 34, Nr- 4 je 30, Nr. 5 JL 24, Roggen
mehl o/i (Berliner Marke) 25, do. II. (Berliner Marke) JL 21, Weizen, effect- htes. JL—, ab Bahnhof hier 24 50—25, ab unserer Umgegend JL 23.50—24, do- fremder
je nach Qualität 23.50—25.50, Roggen je nach Qualität JL 17—18.25, Gerste JL 19 bis 23—, Hafer JL 14—16.50, Kohlsamen JL —, Erbsen Jt 19—23, Wicken JL 15 bis 17—, Linsen JL. 19—23, Rüböl, detail, JL 78. Stimmung animirt- Hauptsächlich gefragt war: 1. Qual. Wetzen; dringend offerier: — (Die Preise verstehen sich sämmt- lich per 200 Pfund Zollaewicht — 100 Kilo.t
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag, den 7. April Georg SpteS in der Neustadt- Martin Lenz, Marktplatz. Friedrich Hennings, Seltersweg.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Sonntag den 7. April.
Morgens: Pfarrvicar Schöner.
Nachmittags: Pfarrer Schlosser.
Mittwoch den 10. April. Possionsgottesdienft in der Hospitalktrche. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 7. bis 13. April besorgt Pfarrer Dr. Seel-


