Freitag, den 4. October
1878
-rr. 231
Kichmer Anzeiger
Anzeige- imii Amtsblktt für len Kreis Gießen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags»
und
^Ssplatz 145,1
Gießen, den 16. Juni 1878.
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voller Beschäftigung. Hoffentlich ist dieser Um- und bald verschwindender, sondern ein dauernd
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Landtag.
Berlin. Die „Prov.-Corresp." ergänzt gewissermaßen die Erklärungen
sabrikatton auf dem Thüringer rere andere Betriebszweige in schwung nicht ein momentaner begründeter.
Unterredung, welche der Fürst Bismarck mit dem Abg. v. Bennigsen, als dem Vorsitzenden der Commission, hatte, hörte man in Abgeordnetenkreisen, daß der Fürst lediglich dabei die Nothwendigkett betont hatte, die Vorlage nach den Beschlüßen der Regierung mit dem Reichstage zu vereinbaren. Der erwähnten Bundesrathssitzung ging übrigens eine Conferenz des preußischen Staats- mtntstertums vorauf, welche gleichfalls das Soctalistengesetz zum Gegenstände hatte.
München, 30. Septbr. Bet der am 25. Sept, in Würzburg stattgehabten, sehr stark besuchten Versammlung der katholischen Volkspartet in Bayern, in welcher Dr. Stgl den Vorsitz führte, wurden folgende Resolutionen angenommen:
1) Die katholische Volkspartet in Bayern ersieht in dem angeblich gegen die socraldemokrattsche Partei gerichteten Gesetzentwurf, welcher augenblicklich im deutschen Reichstage berathen wird, einen gegen die politische und sociale Freiheit des deutschen Volkes gerichteten Angriff. 2) Die katholische Volkspartei befürchtet, daß auf dem damit betretenen Wege unser Vaterland in unabsehbares Unglück gestürzt wird. 3) Die katholische Volkspartet ist der Ueberzeu- gung, daß die sociale Gefahr blos aus dem Wege von Reformen auf politischem und wtrthschaftlichem Gebiete sich beseitigen laßen wird, und erwartet nur von der Erfüllung berechtigter Forderungen der arbeitenden Klaßen Beruhigung derselben und Abwendung der befürchteten Gefahren. 4) Die katholische Volkspartet ist schließlich der Ueberzeugung. daß ohne die Unterstützung und Mitwirkung der katholischen Kirche eine befriedigende Lösung der socialen Frage unmöglich ist. (Karlsr. Ztg.)
Aus Sachsen. Aus Meerane und Glauchau kommen Mitthetlungen über einen erfreulichen geschäftlichen Aufschwung. Sämmtltche Handweber und die mechanischen Webereien sind vollauf thätig; trotzdem findet man bei keinem Fabrikanten erhebliche Vorräthe. Die Hauptursache dieser günstigen Conjunctur liegt darin, daß Meeraner und Glauchauer Fabrikate beliebter geworden find und die ausländische, namentlich die englische Concurrenz zu verdrängen beginnen. Auch in mittleren und ganz billigen (Export-) Maaren sollen Glauchau und Meerane leistungsfähig sein. Für Winterwaaren haben verschiedene Häuser Bestellungen bis Mitte November empfangen; auch liegen schon Aufträge für
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Großherzogliches Stadtgericht Gießen, gez. Bötticher.
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Aeutfchland.
Mainz, 1. Octbr. Wie wir aus Aögeordnetenkreisen vernehmen, wird In der ersten Sitzung der zweiten Kammer ein Antrag bezüglich der Einführung des dtrecten Wahlrechtes bet den Wahlen zu dem hessischen Landtag eingebracht werden. Gleichzeitig mit diesem Antrag wird auch eine Abänderung der Wahlbezirke empfohlen, bezw. wird eine gerechte Vertretung der größeren Städte in der Kammer befürwortet. Währenddem beispielsweise Mainz mit einer Bevöl« lerung von 50,000 Seelen nur durch zwei Abgeordnete in der Kammer vertreten ist, wählen kleinere Orte von 5—6000 Seelen einen Abgeordneten in
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des Fürsten Bismarck über seine Stellung zu Lasalle. Der Kanzler selbst hatte schon betont, daß seine Beziehungen zu dem Demagogen den Charakter rein persönlicher und privater Plaudereien gehabt und keinen Einfluß auf sein Verhalten als Staasmann gehabt hätten. Letzteres wird durch die Reproductton der damaligen halbamtlichen Aeußerung tn der „Prov.-Corresp." im vollsten Maße bestätigt. Das Regierungs-Organ hätte sicher die Bestrebungen der Socialdemvkratie nicht ausdrücklich als solche bezeichnen können, welche zum Umsturz aller staatlichen und bürgerlichen Verhältniße führen müßen, wenn der Ministerpräsident dieselben Bestrebungeu irgendwie begünstigt hätte. Die Reproductton des Artikels über die Weber-Angelegenheit bekundet vollends in schlagender Weise, in welch' besonnenem Sinne und Geist die Regierung diese Frage auch damals behandelt hat.
Berlin, 1. Octbr. Die Post- und Telegraphen-Verwaltung hat, wie wir hören, im Etat pro 1879—80 wiederum bedeutende Erweiterungen des Telegraphennetzes in Aussicht genommen, und zwar durch Ausführung neuer Linien und Leitungen, bezw. durch Errichtung von 800 neuen Telegraphen- Stattonen. Auch sollen bereits die nöthtgen Vorbereitungen getroffen sein, um die Ausführung der beabsichtigten Anlagen sofort tn Angriff zu nehmen, sobald die für diesen Zweck erforderlichen Geldmittel durch den Reichstag bewilligt worden sind.
Berlin, 1. Octbr. Es ist tn diesen Tagen vielfach von der Wieder- üöernahme der Regierung durch den Kaiser die Rede gewesen. In unterrichteten Kreisen wird mit Bestimmtheit behauptet, daß in dieser Beziehung Verabredungen zwischen dem Kaiser und dem Kanzler erfolgt wären, welche darauf htnaus- gingen, daß der Kaiser nicht vor dem Abschlüße des Socialistengesetzes in einer oder der anderen Weise die Zügel der Regierung wieder in die Hand nehmen wollte und daß die Eventualität einer nochmaligen Auflösung des Reichstages dabei in das Auge gefaßt worden sei, und zwar so, daß der Wiedereintritt tn die Geschäfte Seitens des Kaisers ccst nach einer event. Neuwahl erfolgen würde, an welche tndeßen jetzt schwerlich mehr gedacht wird. Die nächste Retchstagssitzung wird am Montag, 7. Octbr., Nachmittags 2 Uhr, und zwar zur Erledigung von Wahlprüfungen, stattfinden. Die zweite Lesung des Soltaltstengesetzes beginnt am Dienstag, 8. Octbr., und man steht dem Schlüße der Session am 15. Octbr. entgegen.
Berlin, 1. Octbr. Gestern Nachmittag fand eine vertrauliche Sitzung des Bundesraths unter dem Vorsitze des Reichskanzlers Fürsten Bismarck statt, welche mehrere Stunden währte und lediglich die Stellung der Regierung zu den Beschlüßen der Commtsston über das Soctalistengesetz zum Gegenstände hatte. Der Inhalt der Berathung, welche ohne Hinzuziehung des Protokollführers stattfand, entzieht sich selbstverständlich der nähern Kenntlpß; man weiß nur, daß sämmtltche anwesende Mitglieder des Bundesraths der Sitzung beiwohnten und Fürst Bismarck sich sehr lebhaft und eingehend an den Debatten betheiligte. Im Großen und Ganzen wird sich bestätigen, was wir über die Grenzen mitgetheilt haben, tn denen sich dte Regierung der Commission gegenüber bewegen will. Als unannehmbar bezeichnet dieselbe die von der Commission beschloßene Zettbeschränkung aus 2i/3 Jahre. Es gilt als sicher, daß mindestens eine Zeitdauer von 5 Jahren von der Regierung gefordert wird, wenn dieselbe überhaupt auf eine Zettbeschränkung etngeht. Für unannehmbar bezeichnet dte Regierung ferner das System der Verwarnung vor dem Eintritt des Verbots von Druckschriften. Bezüglich der Recurs-Jnstanz wird die Regierung, wie es scheint, eher bereit sein, den Commtssionsbeschlüßen — der Antrag Harnier's ist bekannlich eine Reproductton des srühern preußischen Regte- rnngsvorschlags — zuzusttmmen, obschon vie süddeutschen Minister noch stark dagegen zu Gunsten des Bundesraths-Ausschußes protesttren. — Ueber die
„Accession" Cyperns ehrlich, ehrenwerther Lord?
Türkei.
Konstantinopel, 1. October. Fürst Lobanoff und Savfet Pascha verhandeln fortgesetzt in Betreff der Regelung derjenigen Punkte, welche der
die Frühjahrs-Saison vor.
AuS Thüringen. Es wird in der Regel früher und mehr von dem Sinken des Geschäftsverkehrs gesprochen, als von der etngetretenen Hebung und Belebung desselben. In der That scheint man aber jetzt endlich dte Wendung zum Befleren als begonnen annehmen zu dürfen. Hier tn Thüringen bekundet sich diese Wendung nicht allein dadurch, daß die thüringische Eisenbahn einen früher eingestellten Güterzug wieder tn Betrieb gesetzt und wiederum mehr Personen in Thätigkeit gebracht hat, sondern auch durch die Nachrichten, welche aus den industriereichen Dtstricten etngehen. So sind die Glaswaaren- Mald, dte Strumpfwaaren-Jndustrie und meh-
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Amtstage unterzeichneten Gerichts, wie seither, Dienstags Mittwochs abgehalten werden und die Bureaustunden von 8 bis 12 und von 2 bis 5 Uhr dauern.
britisch-indischen Gesandtschaft durch die Boten Schir Ali's an der Grenze Afghanistan bekannt wurde, soll Lord Beaconsfield dte Kunde mit den Worten ausgenommen haben: „Wir schlugen den Rußen mit ehrlicher Klinge in's Gesicht, sie haben uns mit einem Dolchstoß tn den Leib geantwortet." Ehrlich? War die dem Congreße, speciell Rußland verheimlichte
Kossand.
Haag, 1. Octbr. Das amtliche Blatt veröffentlicht dte Verlobung des Königs mit der Prinzessin Emma von Waldeck. (Der König, am 19. Februar 1817 geboren, war seit 1839 mit einer Tochter des Königs Wilhelm I. von Württemberg vermählt und ist seit dem 3. Juni v. Js. Wittwer. Prinzessin Emma ist am 2. August 1858 geboren).
England.
London. Als in London die erste Nachricht von der Zurückweisung
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