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Lebensrnittel sich erheblich vermindert haben, seitdem in den betr. Kreisen die energische Absicht der Negierung bekannt geworren, dem Nebel Abhülfe zu ver­schaffen. Dieser bereits erzielte Umschwung bestärkt die Regierung um so mehr in der Verfolgung ihrer Absichten. Man will die erforderlichen vorbereitenden Stadien für die erneute Einbringung des Entwurfs jedenfalls abkürzen, in so fern man Seitens der Regierung an eine Revision der Beschlüffe des Reichs' tages herantreten und diese in möglichst unveränderter Form dem Bundesrathe zu nochmaliger Prüfung, bezw. Beschlußfaffung unterbreiten wird. Im Uebrtgen hat man auch auf diesem Gebiete weitere Erhebungen zur Motivirung der Bedürfnißfrage gemacht, obschon ein umfangreiches Material bezüglich der Rege- lutig der Materie in den einzelnen Bundesstaaten von den Regierungen berfeL Len eingesandt worden war. Man ist darin einig, daß die überaus verschieden­artige Behandlung der Frage in den einzelnen Staaten den Absichten der Regierung nicht entspricht und der Gesundheitspolizei eine vorbeugende Controle und der Reichsregterung die Befugniß, auf dem Verordnungswege in einzelnen Be­ziehungen vorzugehen, eingeräumt werden muß. Auf dieser Grundlage und unter Festhaltung der Nothwendigkeit einer Erweiterung des Strafgesetzbuches nach dieser Richtung wird die Regierung auf's Neue an den Entwurf heran- ireten und ihn, wie gesagt, spätestens in der Wtntersaison wieder vorlegen.

Mit der Zusammenstellung der ausgefüllten Sammel-Listen für die Wilhelms-Spende befaßt sich das hiesige städtische statistische Bureau, dem ca. <)0,000 solcher Sendungen sämmtlicher Städte, Dörfer und sonstiger Ver­bände des Deutschen Reiches zugegangen sind. Die Zusammenstellung der Er- gebniffe der Wilhelms-Spende wird trotz der dem statistischen Bureau zur Verfügung stehenden zahlreichen Arbeitskräfte nur mit Noth bis zum Septem- Ler d. I. erfolgen können.

Der Gouverneur von Berlin verbot den Soldaten den Besuch weiterer 29 Bierhäuser, so daß jetzt zusammen fast 70 Locale den Soldaten zu betreten verboten sind.

Auf der Konferenz deutscher Finauzminister, welche in der ersten Hälfte des August in Heidelberg stattfinden soll, dürfte es sich, wie man hört, nicht sowohl um die Frage der Tabaksbesteuerung handeln, als um eine vorläufige Verständigung über Erhöhung bestehender oder Einführung neuer tndtrecter Steuern, bezw. Abgaben von Bier, Branntwein, Kaffee, Petroleum, da sich mehr und mehr herausstellt, daß die Einführung des Tabaks-Monopols, selbst wenn die Zustimmung des neuen Reichstags zu demselben erzielt werden könnte, in einer Reihe von Jahren den Einwohnern des Reichs nur in sehr geringem Maße zu Gute kommen würde.

DieProv.-Corresp." schreibt:Die Bestätigung des Berliner Frie­densvertrages ist von dem Kronprinzen Namens des Deutschen Reiches vollzogen worden. Auch Seitens der übrigen Großmächte ist die Bestätigung bereits er­folgt ; Seitens der Türkei steht sie unmittelbar bevor. Die Auswechselung der Ratifications - (Bestätigungs-) Urkunden wird zu dem in dem Vertrage vorge­sehenen Termin am nächsten Samstag in Berlin stattfinden."

Berlin, 31. Juli. Der Cabtnetsdtenst ist für die Dauer der Abwesen­heit des Kronprinzen ganz so eingerichtet, wie er bisher bei Reisen des Kaisers gehandhabt worden ist. Allabendlich reist ein eigener Cabtnetsbote mit den am Tage eingegangenen Schriftstücken u. s. w. nach Homburg und jeden Morgen kehrt ein solcher von dort mit den erledigten Sachen hierher zurück. Obgleich der Kaiser die Regierungsgeschäfte noch nicht wieder übernommen hat, ist es doch sehr erfreulich, daß auch nach Teplitz allabendlich ein Bote des Cabinets reist, so daß der Kaiser die für ihn spectell bestimmten Gegenstände empfängt und erledigt. Das Civil- und Militär-Cabtnet hat sich bekanntlich mit dem Kronprinzen nach Homburg begeben.

Das liberale Bürgerthum hat in Berlin glänzende Wahlsiege errungen. Die Socialdemokraten sind geschlagen, Hasenclever ist aus der Reihe der Ber­liner Abgeordneten verdrängt, Fritzsche hat eine Stichwahl gegen Zelle zu bestehen, bei welcher er möglicherweise (für Falk allein waren 2995 Stimmen abgegeben, die Zelle zufallen dürften) auch noch beseitigt wird. Gewählt sind 1) Hänel, 2) Klotz, 3) v. Saucken-Tarputschen, 4) Stichwahl hat zu entschei­den, 5) Dr. Zimmermann, 6) Klotz. Letzterer nimmt im sechsten Wahlkreise an, somit hat der zweite eine Nachwahl zu vollziehen. Unterliegt der Stadt- Syndicus Zelle im vierten Wahlbezirk gegen Fritzsche, so dürfte er im zweiten Wahlbezirk aufgestellt werden. Im Ganzen sind in Berlin 156,824 Stimmen abgegeben. Kläglich bestellt ist um die Resultate, welche die Conservativen, offen ehrliche und verschämte, erzielt haben. Lächerlich wie ihr ganzes Auftre- treten stehen die sog.Christlich-Socialen" da. Der Hofpredtger Stöcker hat es auf 717 Stimmen gebracht, derMaler" Bernsdorf auf 277 und der Schnei­der Grüneberg auf 317.

Kiffingen, 30. Juli. Der päpstliche Nuntius in München, Masella, traf gestern hier ein und hatte eine dreiviertelstündige Unterredung mit dem Fürsten Bismarck. Heute Vormittag empfing derselbe den Gegenbesuch des Reichskanzlers, hatte darauf in des Letzteren Wohnung abermals eine etnstün- dige Conferenz mit dem Fürsten und dinirte auch Mittags bei ihm.

Frankreich.

bevorsteht, zu treffen. Athen, 1. Auz. Der griechische Minister des Auc- wärtigen, Delyannis, hat sich in Folge persönlicher Einladung des Kaisers von Rußland von Paris nach Petersburg begeben.

München, 1. August. Der General v. d. Tann, welcher heute sein 50jähriges Dlenstjubiläum feierte, wurde vom deutschen Kaiser zum Chef des preußischen Infanterie-Regiments Nr. 47 ernannt.

Dresden, 1. August. DasDresd. Journ." meldet: Der König und die Königin werden am Sonnabend dem deutschen Kaiser in Teplitz Besuch abstatten.

Nom, 1. August. Cardinal Franchi ist heute gegen 1 Uhr Morgens gestorben.

Wien, 1. August. Kronprinz Rudolf hat heute die Reise nach Prig in Begleitung des Obersthofmeisters, Grafen Bombelles, und zweier Adjutanten mittelst eines Separathofzuges der Nordbahn angetreten. Ein officieller Ab­schied ist auf speciellen Wunsch unterblieben. Der Bahnhof war mit den Reichs­flaggen decorirt.

Wien, 1. August, Abends. DiePresse" meldet von heute: In Mostar und Travmk halten die Begs fortwährend Zusammenkünfte, angeblich um den Widerstand gegen die Occupation zu organisiren. Viele deserttrte Redifs sollen sich ihnen beigesellt haben, doch dürften die österreichischen Truppen, welche heute die Grenze der Herzegowina überschreiten, Mostar erreichen, ehe die Organisation des Widerstandes begonnen hat.

Wien, 1. August, Nachts. Ein Finanz-Ministerial-Erlaß hebt das Pferde-Ausfuhrverbot auf.

Prag, 1. August. Der Empfang des Kronprinzen war großartig. Stürmische Hoch- und Slava-Rufe begrüßten denselben in den dichtgedrängten Straßen. In der Hofburg erwarteten den Kronprinzen Cardinal Schwarzen­berg mit dem Clerus, der Adel, der Landesausschuß und sämmtliche Honora­tioren. Abends Fackelzug und Serenade.

Dervent, 1. August. Die Avantgarde der österreichischen Truppen >st in Banjaluka eingetroffen. Nachrichten aus Serajevo zufolge haben der Gou­verneur, der Vicegouverneur, zahlreiche türkische Officiere rc. auf Drängen d.s aufrührerischen Pöbels die Stadt verlaffen.

Berlin, 1. August. DerNat.-Ztg." zufolge verlautet von maßgeben­der Seite, der Reichstag werde nunmehr bestimmt auf Montag, 9. September, einberufen; die Eröffnung erfolge durch den Stellvertreter des Reichskanzlers, Grafen Stolberg.

B e r m i f ch t e

(Seltsamer Club.) In Chicago haben die v-rheiratheten Damen einen Club gegründet, den sie mit dem NamenMannkommnachhause Club" tauften. Das Abzeichen dieses Clubs besteht in einem 4 Fuß langen greifbaren Gegenstände, der einem Besenstiele so ähnlich sehen soll, wie ein Ei dem andern.

(Wenn nicht, denn nicht.) DerJnsterburger Zeitung" wird "von einer Zuschauerin" folgendes niedliche Ereigntß mitgetheilt: Freitag Nachmittags halb 6 Uhr hatte eine sehr feine, hier wohlbekannte Dame das Unglück, ihrer enggebundenen Röcke wegen den Rinnstein in der Lindenstraße, welcher nach dem Regen meistens unter Wasser steht, nicht passirm zu können. Verzweifelnd stand sie vor demselben, als ein sehr resoluter Mann desselben Weges kam, die Dame sanft über den Rinnstein hob und ruhig seines Weges ging; diese, empört darüber, ließ ihren Zorn in Redensarten auS; der Mann hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als die bewußte Dame mit den Wortenwenn nicht, denn nicht," auf ihren früheren Platz zurückzusetzen.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 1. August. (Fruchtbericht.) Auch in den letzten acht Tagen war die Witterung eine sehr unbeständige und es haben uns wiederum einige Regenschauer heimgesucht. Die Roggenernte ist nunmehr als beendet zu betrachten, und läßt das Resultat bezüglich der Qualität recht viel zu wünschen übrig, dennoch hat das Roggen- geschäft keine Aussicht besser zu werden, da man an den Stapelplätzen noch zu große Vorräthe von amerikanischer und russischer Waare hat. Am Wetzenmarkte herrscht absoluter Stillstand, was wohl in diesem Falle mit Rückgang so ziemlich gleichbedeutend ist. Der Wetzenschnitt hat bereits beqonnen und werden wir wohl schon in 8 bis 10 Tagen den neuen Weizen am Markt haben. Feststehend ist, daß dessen Qualität bedeutend besser tst, als die vorjährige und ist dies auch der Grund, weshalb der Ver­kauf von altem Weizen in dieser Woche nur mit großer Mühe zu effectuiren war. Unser Montagsmarkt war sehr still. Für Weizen ab Auswärts wurden die Forderungen merklich herabgesetzt. Bayerischer Weizen war vergebens JL 22 am Markt; ab unserer Umgegend wurden Kleinigkeiten Jt 22 bezahlt und käuflich, sonstige Qualitäten ohne Handel. Mit Roggen war es trostlos bestellt. Er wurde mit Mühe und Noth m dringend Benöihigte plackt, schöner russischer JL 15.10 bezahlt, geringere Sorten 14 bis 14.50 ab unserer Umgegend. In neuem wurde nichts gethan. Gerste ohne Handel. Hafer ziemlich fest aber nicht lebhaft; Prima-Waare JL 15.75, geringe Sorten adwätts bis JL 14. Hülsenfrüchte umsatzlos. Raps in besserem Angebot, jedoch erwiesen sich die Ankünfte als ziemlich feucht. Hochprima trockene Waare JL 32, Mittel-Qualitäten JL 3031. RÜböl prompt lieferbar im Detail JL 74, per Sept.-Dec. JL. 71 übrig Arn Mehlmarkt herrscht die alte Ruhe. Unsere Bäckereien bleiben zurückhaltens. Futterstoffe sehr flau.

Mehl Nr. 1 JL 39.50, Nr. 2 JL 35.50, Nr. 3 JL 31.50, Nr. 4 27.50, Nr. 5

vM 21.50. Roggenmehl % (Berliner Marke) Jt 21.50, do. n. (Berliner Marke) JL 18.50, Weizen, effect. hies. ab Bahnhof hier JL 22.75, ab unserer Umgegend JL 21.5022.00, do. fremder je nach Qualität JL 2023.00, Roggen je nach Qualität 14.0016 50. Gerste JL 14-19, Hafer JL 14.5016, Kohlsamen JL 3132.00, Erbsen 1923, Wicken JL 1516, Linsen JL 1723, RÜböl, detail, JL 74. Stimmung sehr flau. Dringend offcrirt: Getreide und Mehl. (Die Preise verstehen sich sämmtltch per 200 Pfund Zollaewicbt = 100 Kilo.)

Paris, 31. Juli. In Paris ist unlängst den russischen Rüstungen in Centralasien viel Aufmerksamkeit geschenkt worden, mehr vielleicht als den Ruffen selbst lieb ist. Aus Petersburg ist deshalb, wie derStandard" mitthetlt, nach Parts telegraphirt worden, daß die Rüstungen in Turkestan eingestellt seien, und zwar, weil die mit ihnen verfolgte Absicht, auf Englands Rüstungen zu antworten, jetzt hinfällig geworden sei.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Torrespondeuz - Brrrea«.

Berlin, 1. August. DerReichs-Anz." meldet die Abberufung des bisherigen deutschen Gesandten in Madrid, Grafen Hatzfeld, von seinem bis­herigen Posten zu anderweitiger dienstlicher Bestimmung.

Wien, 1. August. Der Kaiser empfing heute um i Uhr den neuer­nannten deutschen Botschafter, Prinzen Reuß, in Audienz und nahm deffen Be­glaubigungs-Schreiben entgegen.

Meldungen derPolit. Corresp." Bukarest, 1. d. Das 11. russische Armee-Corps hat den Einmarsch über Beffarabien angetreten. Die russischen Etappen-Commandos in Bulgarien und Rumänien erhielten Befehl, Vorberet- ungen für die Verpflegung eines Thetles der russischen Armee, deffen Rückmarsch

Irischbäcker in Gießet».

Sonntag den 4. August. W. Hartmann tn der Neustadt. Ludwig Kämmerer, Seltersweg. Ernst Wallenfels, Wallthor.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zv Gießen. Gottesdienst.

Sonntag den 4. August MorgenS: Pfarrer Schlosser- Nachmittags: Pfarrvicar Schöner.

(Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 4. bis 10. August besorgt Pfarrer Schlosser.)

Nächsten Montag den 5. August wird die DekanatLsynode gefeiert werden. Der Gottesdienst beginnt Morgens um 9 Uhr.

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