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Halbjahr ä ®h7r

Hectors Herrn

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M« IV8.

Samstag, den 3. August

1878.

Kichener Anzeiger

Auirigk- ix) Xmtsblatt ftr )tx Kreis Gieße«.

RedaetionSbureaur Gartenstraße B. 165.

GxpeditionSbureaur Schulstraße B. 18.

Erscheint iLgttch mit Ausnahme der Montag».

Prei» vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Synodalordnung,

welcher dem Gemeindekirchenrath die Pflicht auferlegt, auch

unvergessliche

Deutschland

^orVn empfangen. Darauf wurde die Fahrt nach Laubenheim mit Dampfboot Commtssic

attu^T^d^ getreten. Dort angekommen, wohnten Se. König!. Hoheit dem Schlagen nicht verlc itli5 5t l 6(3, einer 642 Meter langen Brücke nach dem Ginsheimer Ufer Seitens der dort gesetzgeber

vereinigten 11 Pioniercompagnien bet. Das Brückenschlägen nahm die Zett,festgestellt

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welches alles geistige wie physische Leben beherrscht, das nur besteht und dem Tode widersteht durch Entwicklung, so lange können wir die Hoffnung festhalten, daß die liberale Idee der Zukunft gehört. Stillstand ist Rückgang, menschliche Dinge können nur rückwärts und verfaulen oder vorwärts und zu neuer Blüthe gelangen und die liberalen Princtpien sind das Fun­dament neuer Entwickelung. Es hat ferner nirgends an persönlichen Berdächtigungen gefehlt. Wichtiger als diese persönlichen Angriffe aber waren die Angriffe gegen die Sache und man kann weder den Conservativen, noch ten sogenanntenGemäßigten" den Vorwurf ersparen, daß sie in rücksichtsloser Weise die bestehenden Gesetze angegriffen haben. Unsere Gesetzgebung hat ja außerordentlich schnell gearbeitet, aber gerade aus den Rethen der Liberalen ist

wigsbrunnen

vigsplatz.

Vorstand.

Das Wahlresultat.

So wett sich das Wahlresultat übersehen läßt, hat der Liberalismus und der Fortschritt einen eklatanten Sieg zu verzeichnen. Die Hauptstadt des Reiches, Berlin, leuchtet voran und hat durch eine energische Wahlbetheiligung die Illusionen der Socialdemokratte gründlich zerstört. Nichts desto weniger bleibt es eine Ehrenpflicht des Siegers, in dem geistigen Kampf gegen die Internationale und den Communtsmus, welche vereint die deutsche Umsturzpartei geschaffen haben, nicht zu erlahmen. Der That der Abstimmung am Wahl­tage muß in ganz Deuschland ein stetiger, energischer Kampf für die Auf« klärung und Volksbildung folgen; erst die systematische Organisation dieses Kampfes, an dessen Fortführung alle staatsfreundltchen Parteien ein gleiches Interesse haben, sichert uns die Gewißheit, daß mit der Zett die ge­fährliche soctaltstische Bewegung eingedämmt oder wenigstens auf seinen Herd beschränkt wird, welcher ohne Einfluß auf unsere friedliche innere Ent­wicklung ist.

Der viel geschmähte, man kann sagen, bestverleumdete Liberalis­mus, hatte sein Selbstvertrauen nicht verloren: in diesem und durch diesen hat er gesiegt, trS^ aller Zersplitterung. Man hatte den ehrlichen Liberalismus arg verketzA:^ Eine neue, gemäßigte Partei, hinter welcher sich die conserva- tive Partei ^e^barg, hatte ihn als graue Theorie hingestellt. Es hieß, die Liberalen ftien nichts Anderes, als Männer, die abstracten Ideen leben und das Verständniß für das Bedürfniß des praktischen Lebens verloren haben. Nun, diese liberalen Ideen sind es gewesen, die nach dem unglücklichen Frieden von Tilsit den preuß. Staat wieder in die Höhe gebracht, die unserer deutschen Nation die lange und schmerzlich vermißte politische Einheit wiedergegeben und sie unter den Schirm und Schutz des preuß. Königshauses, der Hohenzollern, gebracht haben. Von diesen liberalen Ideen ging die bürgerliche Regeneration und Reconstruction des preußischen Staates aus. Hat diese liberale Idee nur tobte Früchte getragen, hat sie sich vor dem praktischen Leben unfruchtbar be­wiesen ? Oder hat sie nicht vielmehr die allerweitgehendsten, reellsten, segens­reichsten Früchte getragen? Und die Idee der deutschen Einheit, wer hat sie gepflegt und genährt? Wer hat ihr Opfer über Opfer gebracht? Die Con- servattven oder die Liberalen? Jene haben Jahrzehnte hindurch jede Bemühung für die Herstellung dieser Einheit halb und halb als Verbrechen behandelt, haben, was sie konnten, dagegen gearbeitet und sich erst angeschloffen, als die Sache

die Amtsführung der Geistlichen zu überwachen undVerstöße derselben in ihrer Amtsführung oder ihrem Wandel in seinem Schooße zur Sprache zu bringen", bezw. der vorgesetzten Kirchenbehörde davon Anzeige zu machen, gegen ihren Pfarrer Diestelcamp ein Tadelsvotum wegen seiner Betheiltgung an der christlich-socialen Agitation gerichtet. Es steht außer allem Zweifel, daß ein Eingreifen in die politischen Partei- und Wahlkämpfe, wie es von Setten des Hofpredigers Stöcker betrieben wird, nur dazu dienen kann, den Geistlichen einem großen Theile seiner Gemeinde zu entfremden und den Einfluß des geist­lichen Amtes in Predigt und Seelsorge zu schädigen, und es ist hohe Zeit, daß die kirchlichen Organe darauf Bedacht nehmen, die Gemeinden vor einer Agitation zu schützen, die den Frieden der Gemeinde zu stören und die Kirche in das ihr fremde Gebiet des politischen Parteitretbens hinetnzuziehen geeignet ist.

Berlin, 31. Juli. Die conservativen Abendblätter suchen Trost für die in Berlin erlittene Niederlage in dem Umstand, daß, wie das Wahlergebniß ja beweise, jeder vierte hauptstädtische Wähler e'in Socialdemokrat fei. Die Post" findet die an die Conservativen gerichtete Zumuthung stark, bei der Stichwahl im fünften Berliner Wahlkreise für Zelle zu stimmen, der fast socia- listisch erscheine; dennoch räth sie es an, meint aber, es werde wenig helfen. Ihre ganze Hoffnung auf Rettung setzt sie auf's Land. DieNordd. Allg. Ztg." bemerkt giftig:ObTreue und Verehrung für den Kaiser", oder ob nicht vielmehr die Sorge um das eigene Hab und Gut, vielleicht um Leib und Leben das Gros der fortschrittlich-liberalen Berliner Wählerschaft diesmal in Bewegung gesetzt habe, wollen wir ununtersucht lassen. EineEhre" für die Hauptstadt in solchen Wahlergebnissen zu finden, ist uns unmöglich, ebensowenig wie wir die Behauptung für ernsthaft zu nehmen vermögen, daß dieselben sogar eine Huldigung für den schwer geprüften Monarchen sein sollen 1" DieKreuz- Ztg." tröstet sich über die Berliner Wahlen damit, daß eine conservattvere Strömung stärker als bisher durch'S Land gehe oder, daß wenigstens eine Ab­wendung von dem bisher herrschenden Liberalismus wahrnehmbar sei. Das Merkwürdigste in dieser Richtung ist die Wahl eines freiconservativen Candt- daten in dem sonst ganz fortschrittlichen Königsberg t. Pr., ein Wahlergebniß, wie es dort seit Anfang der Fünfziger Jahre wohl nicht vorgekommen ist. Herbert Btsmarck's Niederlage in Lauenburg macht Sensation. (Fr. Journ.)

DieNordd. Allg. Ztg." kann wiederholt versichern, daß jede Mit­theilung von einem in Sachen desGroßen Kurfürsten" bereits gefällten Ur- thetle nur auf Erfindung beruhen könne. Der Havarie-Commission habe com- petenzmäßig nur obgelegen, Material zu sammeln und die Schuldigen im Allgemeinen zu ermitteln zu suchen. Sache des Stations-Chefs sei es gewesen, über das Ganze der Vorverhandlungen sein Gutachten zu erstatten, welches der Superrevision der Admiralität unterlag. Der Chef der Admiralität habe als Gerichtsherr zu entscheiden gehabt, welche Personen vor das Kriegsgericht zu stellen seien, und die dazu erforderlichen Anträge bei dem Kaiser zu stellen. Das Kriegsgericht werde im Laufe der nächsten Woche zusammentreten.

Berlin, 31. Juli. Vom 1. k. Mts. ab tritt bezüglich des Postanwei­sungs-Verfahrens im Verkehr mit Frankreich und Algerien insofern eine Aende- rung ein, als den Einzahlern in Frankreich und Algerien überlassen bleiben soll, die Einzahlung entweder wie bisher auf ein im Postanweisungsverkehr Frank­reichs mit dem Auslande allgemein in Anwendung kommendes Formular zu bewirken oder ein Formular zu verwenden, welches wesentlich den in Deutsch­land gebräuchlichen Formularen entspricht. Wird das letztere benutzt, so wird der Betrag in Deutschland vom Boten dem Empfänger überbracht. In der Richtung nach Frankreich und Algerien tritt keine Veränderung ein.

Bekanntlich war es ausgesprochene Absicht, auch den Entwurf eines Gesetzes, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln und Gebrauchs-Gegenständen, in der nächsten Reichstagssession wieder vorzulegen. Wie es heißt, wäre dieser

von 2 Stunden 7 Min. in Anspruch. Nachdem die Brücke abgebrochen worden war, fand die Rückfahrt und Rückkehr nach Darmstadt statt.

Darmstadt, 30. Juli. Wie nunmehr definitiv bestimmt ist, finden die diesjährigen Herbst-Manöver der Großh. Hess. Division in Oberhessen bei. Grünberg Londorf Homberg Alsfeld Kirtorf statt.

Berlin. Wie derMagdeb. Ztg." aus Berlin mitgetheilt wird, fangen nachgerade auch die Gemeinden der Hauptstadt an, ernstlich gegen den Unfug zu protestiren, welchen diechristlich-sociale" Arbeiterpartei mit dem Christen- thum treibt und an dem leider an manchen Orten auch in der Provinz die Geistlichen einen hervorragenden Antheil nehmen. Die Gemeindeorgane der Nazarethgemeinde haben auf Grund von § 14, 1 der Kirchengemeinde- und

Bartholdy. In $ 2'50 werde! 7'kalienhandl^ aen am 2. ÄJ ect zugesandt. Porbühnen ist r. tie»eraiProb; BiBet einen Spen- en sollen dies fc f der Kirche, unter. !e L und 11. Empor- Antritt ist nur gegen »Ke Mitwirkende ü (45K

oncert-Vereins.

Plan noch nicht vollständig aufgegeben, jedenfalls steht es fest, daß die Regierung und ganz besonders der Reichskanzler persönlich Werth darauf legt, daß die sehr umfassenden Arbeiten, welche im Gesundheitsamt wie im Reichsjusttzamt und in der Commission des Reichstages erforderlich waren, um den Entwurf abzufchließen, nicht verloren sein sollen. Man erinnert sich der lebhaften Bewegung, welcher die gesetzgeberischen Schritte auf diesem Gebiete ihre Entstehung verdanken. Es ist Ifestgestellt worden, daß die berechtigten Klagen über die Verfälschung der

gemacht war. Man sagte, der Liberalismus habe ausgewtrthschaftet, jetzt ist flWvvIl er altersschwach und wurmstichig. Aber so lange das Gesetz dauern wird,

Darmstadt, 30. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog begaben ___- en Begleitung des Generallieutenants und Dtvisionscommandeurs v. Wtch- inil?n?vY<cr Generalmajore und Brigadecommandeure v. Förster und v. Lyncker (lUy1' (4« nach Mainz und wurden dort von Sr. Excellenz dem General v. Bichler mit joiort SeiS- 'stob empfangen. Darauf wurde die Fahrt nach Laubenheim mit Dampfboot

zuerst der Ruf ergangen, daß man jetzt daran denken müsse, die Gesetzgebungs- mc.schine etwas weniger rasch arbeiten zu lassen und in solchen Augenblicken ist rs Pflicht jedes politischen Mannes, die Leidenschaft niederzuhalten und eine ruhige sachgemäße Reform der vielleicht nicht ganz fehler- und lückenlosen Gesetze iu's Auge zu fassen. Es war unberechtigt, zu verschweigen, daß gerade ter Liberalismus eine ganze Reihe von organischen Gesetzen zu Stande gebracht hat, mit denen Jedermann zufrieden ist und unter deren Herrschaft wir uns außerordentlich wohl befinden; es war unberechtigt, ein Geschrei anzustimmen, daß der Reichstag der rücksichtslosen Entfesselung des Individuums, daß er lediglich dem Prtncip des laisser faire huldigte, da er Gesetze geschaffen hat, die gerade die persönliche Freiheit, wenn sie in Confltct mit der Freiheit des Staates kam, beschränkt hat. Aber der gesunde Sinn des Volkes hat sich nicht zu diesem zügellosen Haß gegen die Gesetzgebung htnreißen laffen. Das Volk hat durch die Wahlen eine deutliche Antwort gegeben, Sache bet Regierung ist es, nun mit den Thatsachen zu rechnen!