Mo. SS. Erstes Blutt. Sonntag, den 3. Februar 1878.
Anzeize- iinb Amtsblatt für den Kreis Meßen.
--------- — ---------—-—-—f p ~ ---- " I I Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Redactionsbureaur Gartenstraße B. 165. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Expeditionsbureaur Schulstraße B. 18. M»«iii«i»- — -
Amtlicher HHeil.
Gießen, am 31. Januar 1878.
Betreffend: Die Instruction zur Dienstführung der Gemeinde-Einnehmer.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Gemeinde-Einnehmer des Kreises.
Wir senden Ihnen demnächst einen besonderen Abdruck der neuen Instruction vom 4. December v. I. zu Dr. Boekmann.
Ihrem Dienstgebräuche zu.
Berlin, 1. Februar. Das Herrenhaus erthetlte in seiner heutigen Sitzung Decharge zur allgemeinen Rechnung über den Staatshaushalt pro 1874 und genehmigte den Gesetzentwurf betreffs Ausdehnung verschiedener preußischer Gesetze aus den Kreis Lauenburg; sodann wurden Petitionen ohne allgemeines Jntereffe erledigt. , .
Durch Versehen des Berichterstatters war in der gestrigen Sitzung des
Herrenhauses unrichtiger Weise Wetzlar anstatt Limburg als Landgerichtssitz gemeldet; thatsächlich bestimmte das Herrenhaus übereinstimmend mit dem Abgeordnetenhause Limburg als Sitz des Landgerichts.
Paris, 1. Februar- Der „Agence Havas" wird aus Konstantinopel vom 30. Jan. (via Alexandria) telegraphisch berichtet: Von den Waffeustill- tands-Unterhändlern ist keine Nachricht eingelausen; vom Resultat der Unterhandlungen weiß man nichts. Die Ruffen sind im Vorrücken begriffen unD haben zahlreiche Streitkräfte in Adrianopel. Die Forts von Tschataldja, die Vertheidigungswerke von Konstantinopel sind in widerstandsfähigem Zustande. Die Botschafter der Mächte verlangten die Entfernung der Tscherkessk»; die Pforte versprach, Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Sicherheit zu treffen. — Das „Journal des DWats" gibt bei Prüfung, der gegenwärtigen Lage ihre Meinung dahin zu erkennen, daß Alles auf den Congreß ankomme.
London, 1. Februar, Abends. Lord Beaconsfield hat in einem an be;; Lord-Mayor gerichteten Schreiben den Eingang der gestern unter deffen Vorsitz in der Guildhall erlaffenen Resolution angezeigt, hinzusügend, diese spontane Kundgebung der öffentlichen Meinung für die auswärtige Politik der Regierung werde den Bemühungen letzterer für Erhaltung des Friedens, Wahrung der Ehre der Königin und Sicherung der wahren Jntereffen des Landes als Stütze dienen. — Eine Deputation der Kaufleute des City-Getreide-Marktes überreichte dem ersten Lord der Admiralität eine Resolution ähnlich der gestern in der Guildhall beschlossenen; Smith sprach seinen Dank und die Hoffnung auf Erhaltung eines ehrenvollen Friedens aus.
Petersburg, 1. Februar. Ein amtliches Telegramm aus Tiflis berichtet über einen Angriff, den das russische Cabulett-Corps am 30. Jan. in der Richtung auf Datum machte. Die Ruffen erstürmten zwar die Sameba- Höhen, stießen aber bei Ueberschreitung des Kintrischi-Fluffes aus große Schwierigkeiten und zogen sich bei der numerischen Ueberlegenheit der Türken aus ihre früheren Positionen zurück.
Petersburg, 1. Februar. Die „Agence Ruffe" schreibt: Auch hier liegen keine directen Nachrichten betreffs des Waffenstillstandes vor. Nach den letzten directen Nachrichten aus Konstantinopel war der telegraphische Befehl des Sultans, die Präliminargrundlagen anzunehmen, am 25. Januar von Konstantinopel abgegangen. Das letzte Telegramm des Großfürsten Nikolaus erwähnt nicht, daß dieser Befehl bet den türkischen Bevollmächtigten eingegangen war. Man muß daraus schließen, daß der Befehl wegen des langen Umwegs noch nicht angekommen war, denn die formelle Instruction der russischen Regierung ging dahin, über den Waffenstillstand zu verhandeln, sobald die Annahme der Präliminar-Grundlagen erfolge. Die mehrfach erwähnte österreichische Note beschränkt sich darauf, zu constatiren, daß Oesterreich sich das Recht Vorbehalte, an dem definitiven Friedensabschluß theilzunehmen, ein Recht, das Rußland niemals bestritt. Sollte eine Conserenz vorgeschlagen werden, so erhebt Rußland dagegen keinen Einspruch.
Loudon, 31. Januar, Abends. Im Oberhause antwortete Derby dem Mitgliede Stratheden, er habe niemals behauptet, daß die Flotte unter keinen erdenklichen Umständen nach Konstantinopel gehen dürfe; es könnten Umstände eintreten, unter denen die Entsendung der Flotte dorthin ein Act der Zweck« Mäßigkeit wäre und wo sie durchaus nicht den allgemeinen Frieden gefährden, vielmehr, wenn im Jntereffe der Humanität unternommen, die Erhaltung des
Friedens fördern könne. w c
— Im Unterhause kündigte Kenealy für morgen eine Anfrage an, ob es wahr sei, daß das Drei-Kaiser-Bündniß völlig wiederhergestellt sei. Jenkins will morgen fragen, ob ein Theil des verlangten Credits bereits verausgabt sei. Unter- ftaatssecretär Bourke antwortete Chaplin, der Telegraph zwischen Konstantinopel und Adrianopel sei bis zum 29. ungestört gewesen; er habe heute gehört, daß der Draht zwischen Gallipoli und Konstantinopel abgeschnitten sei. Bourke antwortet auf Veranlaffnng Hay's, die Regierung stehe jetzt in Correspondenz mit der Botschaft in Konstantinopel, um sestzustellen, wie viele Personen dort auf britischen Schutz Anspruch haben. Forster beantragte hierauf das bereits bekannte Ammendement zum Supplementär- Credit und führte aus, daß derselbe bis jetzt durch Nichts gerechtfertigt sei. Seinen Ausführungen wurde lauter Beifall von der Opposition zu theil. Croß, Staatssecretär des Innern, reckt- I fertigte die Politik der Regierung und betonte wiederholt, Englands Ziel sei
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr» Eorrespondenz-Bureau.
London, 1. Februar. Der bisherige Generalsecretär für Irland, Hicks- Beach, ist zum Colonialminister ernannt. — Die Mitglieder der Home-Rule- Partei haben beschloffen, sich bei der Werben Müfiunggcrebtt
der Abstimmung zu enthalten. — Das Vorräthe-Schiff „Wye hat m Woolwich 21/2 MM. Gewehrpatronen und eine Quantität Bomben nebst Geschützen on Bord genommen.
Konstantinopel, 1. Februar, (via Malta). Hobart Pascha ist mit 10 Bataillonen von Datum hier eingetroffen; Derwisch Pascha wird ebenfalls Lier erwartet. ,
Petersburg, 1 Februar. Aus Adrianopel vom 27. Jan. wird amtlich gemeldet: General Strukoff besetzte am 25. Jan. Luelle Burgas und holte demnächst einen aus 10,000 bis 15,000 Wagen bestehenden Tram von 50,000 aus der Flucht befindlichen bewaffneten Muselmännern ein, welche entwaffnet und nach Rodosto escordirt wurden, um von da nach der asiatischen Küste transportirt zu werden. Am 26. Jan. wurden Demotika und Usunk^ri besetzt, wo die russischen Truppen als Besreier von Baschi-Vozuks und Tscyerkesten Seitens der mohamedanischen Bevölkerung mit Salz und Brod empfangen wurden. Am 27. Jan. erfolgte die Ankunft des Dortrabes des Radetzky schen Corps in Adrianopel. Heute wohnte Großfürst Nikolaus in der Kathedrale einem Tedeum bei, bei welchem die Bevölkerung mastenhaft zugegen war. — General Zimmermann meldet aus Medsckidje vom 30. Jan., Nachmittags: Er fei am 27. mit der Kavallerie in Bazardschik eingezogen und habe die Stadt unzerstört gesunden; 3000 bulgarische und 150 türkische Familien seien daselbst verblieben. Durch starkes Regenwetter würden die Wege unpasfirbar
Deutschland.
Berl 31. Januar. Heute Nachmittag 4 Uhr nahm Se. Maj. der Kaiser in Gege wart des Staatssekretärs v. Bülow das Beglaubigungsschreiben des neuen französischen Botschafters, Grafen St.-Vollier, entgegen, wobei Se. Majistät sich gnädig der früheren ersprießlichen Geschäftsführung des Grafen in Nancy erinnerte. Bald darauf machte der Botschafter auch Ihrer Maj. der Kaiserin und dem kronprinzlichen Paar seine Aufwartung.
Rußland.
Petersburg, 31. Januar. Die Aenßerungen des Schatzkanzlers North- cote im Unteihause am 28. Jan. ergaben Veranlagung, daß in der Presse irr- thümlich von einem gemeinschaftlichen Auftreten Englands und Oesterreichs in Petersburg die Rede ist. Der „Daily Telegraph" spricht sogar von Absendung identischer Noten Oesterreichs und Englands. Hier liegen weder identisch? Noten vor, noch ist das Auftreten Oesterreichs und Englands materiell und formell ein übereinstimmendes. Zwischen hier und Wien findet gegenwärtig ein in der Natur der Verhältnisse liegender freundschaftlicher Memungs- austausch statt und die neueste Auslastung des Grafen Andrasty über die Friedenspräliminarien trägt keinen anderen Charakter. Die Haltung Oesterreichs ist diejenige einer befreundeten Kaisermacht. Alle Aenßerungen Oesterreichs über ihm wünschenswerthe Berücksichtigung finden hier ein durch das persönliche Verhältniß zwischen beiden Souveränen von vornherein bedingtes Entgegenkommen. Diesseits herrscht keine Abneigung, gemeinschaftlich zu regeln, was von gemeinsamem Jntereffe ist.
Amerika.
New-Bork, 30. Januar. Die Rebellion gegen die Regierung der Samoa-Inseln endete mit der Gefangennahme der Insurgenten.


