1878
Samstag, den 2 März
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Erscheint täglich mit Ausnahme des 9HontaQ&
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Das Corntte.
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<?xpeditionSbitreaitr Schulstraße B. 18.
unmöglich wäre. Die russische Heeresleitung müßte demnach in Rücksicht auf ihre geringen Streitkräfte an der Westgrenze sofort on die Zurückberufung des größten Theiles der südlich der Donau stehenden Occnpationsarmee denken, oder aber die allgemeine und vollständige Zurückziehung der Armee veranlaflen, um dem mächtigen Gegner mit einiger Aussicht auf Erfolg zu begegnen. Eine Vergleichung der Ziffern ergiebt ohnedies, daß die österreichische Armee um volle 100,000 Mann stärker wäre, als die gejammte operationsfähige Streitkraft Rußlands in Europa. Wenn Rußland sich aber aus Hob- und Gewinnsucht verleiten ließe, die Okkupation der eroberten türkischen Provinzen, wenn auch nut bedeutend geschwächten Mitteln, etwa mit 100,000 Mann, aufrecht zu erhalten, so wären Katastrophen an der Westgrenze unvermeidlich, weil die österreichische Armee, an sich schon ein ebenbürtiger, mit ollem Kriegsmaterial vortrefflich auSgestatteter, modern geschulter Gegner — alle Lortheile ihrer überwalngeuden numerischen Ueberlegenheit auszubeuten in der Lage wäre. Zudem muß berücksichtigt werden, daß die russische Armee erschöpft ist, daß das Kriegsmaterial aller Art durch den zehnmonatlichen Feldzug bedenklich gelitten hat und daß ein weiteres Aufgebot von geschulten Mannschaften geradezu unmöglich ist, während der österreichischen Armee alle Reserven zur Verfügung stünden, so daß ihre numerische U'bcrlegniheit fortgesetzt und selbst dann erhalten werden könnte, wenn Rußland einen beträchtlichen Theil seiner Kaukasus- Armer in Europa zur Verwendung brächte. Und dabei haben wir noch gar nicht der zeitraubenden Schwierigkeiten gedacht, mit welchen der Abzug der in Rumelien und Bulgarien stehenden Rusten verbunden wäre.
Dies wäre die militärische Sachlage, welche die demnächst zusammentretende Conferenz findet. Wir haben die Chancen ganz objectiv besprochen und unsere Ansichten durch richtige Ziffern unterstütz!. Aus unserer Darlegung erhellt, daß Rußlands Forderungen keineswegs mit den ihm heute noch zu Gebote stehenden Zwangsmitteln in Einklang zu bringen seien und daß die russische Politik in dem Falle, wenn sie die Dinge zum Aeußersten treiben wollte, vor Niederlage oder vor einem unrühmlichen diplomatischen Rückzüge stehe. Die russischen Staatsmänner hoben die neueste Geschichte geradeso oberflächlich studirt, wie die russischen Feldberrn die Kriegsgeschichte. Während Letztere wähnten, daß ihnen der Erfolg sicher sein müsse, sobald sie die Kriegsmethode des deutschen Heeres rein äußerlich nachahmten, vermeinen Erstere, daß sich Europa vor den Thatsachen schließlich beugen werde. Diese Voraussetzung dürfte sich als falsch erweisen. An das deutsch-französische Duell und desten Conseguenzen knüpften sich nicht so viele und so verschiedenartige Interessen, wre oies bei der Vernichtung der ottomanischen Herrschaft in Europa der Fall wäre. Im Jahre 1870 stand das Recht aus der Seite Deutschlands, das der fortgesetzten Angriffspolttik des zweiten Empire die Spitze bieten mußte; heute ist das aber ganz anders, weil es sich nicht um das Recht der Verteidigung, sondern einzig und allein um die prinzipiell so bedeutsame Frage handelt, ob am Schluste des 19. Jahrhunderts das Foustrecht die Billigung Europas finden könne und dürfe. _________________
chui'gsvoll
Becker, ibn'kant.
ansgaffe Nr. 230).
Rußland und Oesterreick.
Den russischen vfficiösen Meldungen zufolge dürste der russisch-türkische Friede bereits am Sonntag definitiv abgeschlossen worden sein. (?) Mit aller Gewalt, gestützt auf das blutige Schwert des Siegers, bat Rußland die härtesten Bedingungen dem ohnmächtigen Gegner gestellt — aber gleichzeitig auch, wie es nach den bisher bekannt gewordenen Abmachungen nicht anders zu erwarten ist, den Grund zu neuen und weit ernsteren Verwicklungen gegeben. „Der Friede, sagt das „Berl. Tagbl.", der liebliche Knabe wäre also da. Der arme Bursche ist allerding unter solchen Verhältnissen on's Licht der Welt gekommen, daß es noch zweifelhaft ist, ob er nicht unter namhaften Kränkungen seine Früh- sahrs-Höschen wird auftragen muffen ; wenigstens dürfte vielleicht England und vor ollen Dingen Oesterreich zögern, freundliche Pathenstelle zu übernehmen und ihn in die europäische Gesellschaft als völlig legittm einzuführen." Abge- sehen von England, das feine Jntereffen gegen oder mit Rußland jedenfalls vertheidigen wird, ist es OesterreichUngarn, deffen Ruhe, ja desten Zukunft überhaupt, durch die russischen Pläne aufs Ernstlichße bedroht erscheinen muß, und müßte Gras Andrasty vollständig aller Selbstständigkeit und staatsmännischer Vorsicht bar sein, ließe er sich von dem Schemen des sog. Drei-Kaiser Bundes länger die Hände binden zum Unheil seines Landes, das die nächste Etappe des moskowilischen Siegeszuges sein wird. Und wahrlich, die Chancen eines russisch-österreichischen Conflictes liegen für letztere Macht nicht so ungünstig ; die „Voss. Ztg." besprach dieser Tage bereits eine solche Eventualität
Telegraphische Depeschen.
Wagner's telegr. Eorrespondenz-Bureau.
London, 28. Februar. Unterhaus. Auf Befragen Pim's bemerkte Schatzkanzler Northcote: das Haus sei gewiß ebenso ermüdet, über die Fne- densbedtngungen noch etwas zu hören, wie er selbst, darüber Werteres zu äußern. Die Regierung sei noch nicht genügend informirt; brs Näheres bekannt werde, seien derartige Fragen nur hypothetisch zu beantworten. Falls die Bedingungen das britische Jntereffe nachtheilig berührten, werde dre Regierung geeignete Schritte thun, dastelbe zu wahren und zu schützen. Gallipoli betreffend fei dem bekannten Schriftwechsel nichts hinzuzusügen.
Paris, 28. Februar. Die „Agence Havas" meldet aus angeblich bester Quelle, daß die Besprechungen bezüglich der Conserenz wieder ernstlich ausgenommen sind. , < t L ~ _
Petersburg, 28. Februar. In hiesigen bestunterrichteten Kreisen werden die Londoner Mittheilungen über die Friedensbedingungen als in wesentlichen Punkten unrichtig bezeichnet.
- Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen Kaiserlichen Ukas vom 22. d., welcher den Finanzminister ermächtigt, Obligationen des Reichsschatzes von Zeit zu Zeit auszugeben, und zwar je für eine mindestens dreimonatliche und höchstens einjährige Frist, wöbe, die Zinsen nur für die entsprechend-Frist zahlbar sind. Tie Obligationen sollen einen Nommalwerth von mindestens 1000 Rubel haben; die jährlich auszugebende Summe derselben unterliegt der kaiserlichen Bestätigung. M r m ,
London, 28. Februar. Die Ernennungen Napiers of Magdala zum Oberbefehlshaber des Erpedittonscorps und des Generals Wolseley zum Gene- ralstabs-Chef werden offictell bestätigt. Die Gardebrigade ist auf den Kriegs- fuß gesetzt, die Arsenale entfalten verdoppelte Thätigkeit. Das Material für temporäre Eisenbahnen wird beschafft. Das Kriegsamt inhibtrte bis auf Weiteres den Uebertritt in die Reserve.
„Standard" dementirt auf das Entschiedenste das Gerücht, daß Lord
und schrieb u. A.: ,«.-«>»•
Zahlen sprechen. Die russische Armee, weläie Rumänien, Bulgarien, Rumelien und Armenien besetzt hält, ist augenblicklich weit größer, als zur Zeit der Kriegserklärung. Die russische Armee in den eroberten türkischen Provinzen zählt gegenwärtig 25 Infanterie - Divisionen mit 1200 Geschützen, 3 Schützen- Brigaden, 12 Kavallerie-Divisionen, ebenso viele Kosaken-Regimenter, zahlreiche technische Truppen u. s. w. Wenn man nun annimmt, daß die russische Kriegsverwaltung die Lücken durch rasche Nachschübe Halbwegs deckt und daß die Divisionen auf etwa zwei Drittel ihrer normalmäßigen Kriegsstärke gebracht werden, so würde sich eine Totalstärke von ungefähr 250 000 Mann Infanterie und 25,000 Mann Kavallerie nebst den technischen Truppen und 1200 Feldgeschützen ergeben. Außerdem stehen in Rußland selbst (außer den Ersatz- nnd Festungstruppen) noch 13 Infanterie-Divisionen, 3 Schützen-Brigaden, 5 Kavallerie-Tivisionen, einige Kowken-Brigaden und technische Truppen wag wieder eine Macht von etwa 140,000 Mann Infanterie mit 700 Feldgeschützen und 10,000 Reitern repräsentirt. Um nun über diese im westlichen Rußland dislocirten Truppen frei verfügen zu können, werden soeben 4 weitere Reserve- Divisionen sormirt und außerdem 120 Local-Bataillone mobil gemacht, die in die von der Linie verlaffenen Garnisonen einrücken sollen. Die russische Streitmacht im Kaukasus und in Armenien kann noch höchstens 80,000^Mann betragen, weil die in Kleinasien operirenden Truppen enorme Verluste m Folge von Krankheiten erlitten haben. ... nnn „
Der russischen Kriegsleitung stehen sonach in Europa 415,000 Mann, in Asien 80,000 Mann mit der entsprechenden Artillerie und b"' technischen Truppen zur Verfügung. Wie schon oben erwähnt, befinden sich 275 000 Mann südlich der Donau und nun 150,000 Mann in den westlichen russischen Provinzen. Gesetzt nur den Fall, daß Oesterreich zur Wahrung seiner Jntereffen zu de» Waffen griffe. Die österreichische Kriegsverwaltung ist in der Lage, innerhalb weniger Wochen 400 Bataillone Infanterie nut 400,000 Comba- tonten und 2000 Geschützen, sowie 35,000 Mann Kavallerie zu niobilisiren. Außerdem verfügt die Heeresleitung in beiden Reichsbalften über eine Land e* von 200,000 Mann; wenn wir auch vorläufig von der österreichischen Landwehr ganz absehen, so unterliegt es andererseits gar keinem Zwei el, daß der ungarische Reichstag nicht nur die Mobilisirung der Honveds beschließen, sondern auch deren Verwendung außerhalb der Landesgrenzen bewilligen • Ungarn könnte also etwa 100,000 Honveds Infanterie und 10,000। Reiter stellen, durch welchen Zuwachs die österreichische Operations-Armee ans , Mann Infanterie und 45,000 Mann Reiter, die technischen Truppen nicht ge-
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TCd)ne®enfena tok'u^mm den Kriegsfall. Der österreichische Operationsplan läae klar auf der Hand. Die Concentrirung könnte sich nur m Galizien voll- rühen und die österreichische Hauptmacht würde in die altpolnischen Provinzen einrücken, um Kiew zu erreichen und die südlich der Donau stehenden Russen in ihren nächsten Verbindungen mit dem Herzen des Landes zu bedrohen. In Siebenbürgen dürften sich die Oesterreicher auf die Behauptung ihrer ausgezeichneten Defensivstellungen beschränken. Gegen Montenegro und Serbien hingegen genügten wohl die Jäger- und Reserve-Bataillone.,
9 8 Dieser großen feindlichen Streitmacht gegenüber wurden tue ,m westlichen Rußland stehende» 150,000 Mann nicht genügen, wobei noch zu bemerken wäre, daß wir den günstigen Fall der vollendeten Mobilmachung der letzten 4Reserv°dVisionen und der 120 Localbataillon- arnehmen. Bet einem Kriege tritt müßte Rußland auch -in wachsames Auge aus Polen richten «-lleiuEhebungs versuch selbst ohne Hinzuthun oder Ausmunterung von Seiten Oesterreichs nich
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