daselbst leine Anhänger, da das Volk durch die Kabulesen bedrückt wird. Die Einwohner bringen bereits freiwillig Lebensmittel herbei, was von großer Bedeutung ist. Die Straßen sind in einem elenden Zustande und verhindern das Vorrücken.
Wie sich aus Telegrammen vom Kriegsschauplatz erweist, soll die afghanische Besatzung von Alimusjid aus sechs Regimentern von 200 bis 250 Mann bestanden haben. In der kleinen Festung selbst waren 21 Geschütze aufgestellt. Außerdem war indessen eine Deckungsbatterie auf dem Berge Kothes Kos errichtet worden, welche das Fort beherrscht. Die freiwillige Räumung soll in großem Maße dem Manöver der Umzingelung oder richtiger des Anmarsches zweier Truppenzüge im Rücken der Festung zu verdanken sein. Weiter wwd gemeldet, daß die englischen Truppen nach Einnahme des Forts alsbald ans Lundi Kana marschiren sollten, welches gewissermaßen schon außerhalb der jenseittgen Augmündung des Passes liegt. Vermögen die Truppen sofort daselbst feste Stellung einzunehmen, so ist also für das Erste bereits viel gewonnen. Reben dem Fort Kapion oder Kapiyanga soll die Ab theilung des Generals Roberts am ersten Tage auch noch das unbedeutende Fort — wohl kaum Fort zu nennen — Ahmadschana im Kurumthal eingenommen haben. Die Colonne von Quettah ist vorerst auf Pisheen zu marschirt, wo sie die Verstärkung unter General Stewart abwartct. Der Emir wollte vor einiger Zeit Phiseen befestigen, um der englischen Stellung in Quettah ein Gegengewicht zu bieten. Er wurde indeß durch den Widerstand der Ortseinwohner daran verhindert. Bis jetzt ist der Feldzug ganz und gar nach Wunsch gegangen. Eine große Wasfenthat ist die Einnahme von Alimusjid am Ende nicht, obwohl das schnelle und sichere Vorgehen der englisch-indischen Truppen immerhin Anerkennung verdient. Gerade in Afghanistan ist sie, zumal am zweiten Tage des Krieges, von Bedeutung, weil sie die Eingeborenenstämme England günstig zu stimmen verspricht. In Asien ist häu- sig der erste Erfolg entscheidend.
Der afghanische General Ghvlam Hyder Khan befindet sich, dem „Daily Telegraph" zufolge, unter den durch die Umgehungsbrigade Gefangenen. Die ursprüngliche Absicht, die Khybercolonne vor Beziehung der Winterquartiere nicht weiter als bis Dakka vorzuschieben ist jetzt aufgegebcn und Jellalabad nunmehr als Grenze für das Vordringen bezeichnet. Dem „Standard" ist aus Hazir Pirs vom 24. d. die Nachricht zugegangen, die Afghanen gedächten das 30 Kilometer entfernte Fort Mahomcd Azim bei Annäherung der Engländer zu verlassen und zu zerstören. Um letzteres zu verhindern, beschloß General Roberts, die Besatzung durch Eilmärsche zu überraschen.
Loka o t t z.
Gießen, 30. November. (Sitzung der Stadtverordneten am 28. Novbr.) Bei Beginn der Sitzung gab der Herr Bürgermeister in einer Ansprache den Gefühlen des Schmerzes und Beileides Ausdruck, welches die Bewohner der Stadt Gießen bet den schweren Erkrankungen und dem Todesfälle in unserer Großherzogltchen Familie bewegten. Er bat die Versammlung zum Zeichen des Einverständnisses sich von ihren Sitzen zu erheben, welches geschieht. — Zwecks Abhaltung einer Prüfung von Fortbtldungs- fchülern im Französischen und Englischen Seiten? des Herrn Saßmannshausen, welcher 12 Schüler im Französischen und 6 tm Englischen unentgeldltch unterlichte'e, wird demselben der Sitzungssaal der Stadtverordneten oerwilltgt. — Der Versammlung wird bekannt gegeben, daß in Folge eines Berichtes der Dtrcctton der Ob-rhesstschen Eisenbahnen, wonach dieselbe erklärte: tm Falle die neue Schützengrsellschaft den Schießplatz am Trieb benutzte, sie für da« Leben des Bahnpersonals und der Reisenden nicht etvstehen könne, Großh. Kreisamt Gießen aus diesen Gründen die Erlaubniß verweigere. Die Polizeiverwaltung, sowie daS KretSbauamt hatten ihre Zustimmung gegeben. Die frühere Eingabe der Schützengescllschaft an die Stadtverordneten behufs Ueberlassung deS Schießstandes wird somit hinfällig. — Der Versammlung wird etu Bericht Großh. KreiSoeterinäramtS Gießen, sowie der Poltzeiverwaltung zur gutachtlichen Aeußerung rnitgetheilt, wonach die Einführung von Gesundhettszeugntsien bei Rindvieh, ehe eS auf den Markt gebracht würde, anzustreben sei. Durch Erthetlung dieser Scheine solle eine möglichste Verhinderung der Einschleppung von Seuchen und Krankheiten erzielt werden. Die Versammlung sprach sich jedoch einstimmig gegen diese Einführung als eine Belästigung der Marktbesucher auS und nahm nachstehenden Antrag deS Herrn Bürgermeisters einstimmig an: In Erwägung:
1. daß durch die reich ^gesetzlichen Bestimmungen in Betreff der Maßregeln gegen die Rinderpest vom 7. April 1869 hinreichende Vorkehrung gegen die Verbreitung von Viehseuchen getroffen ist,
2. daß auch die Einführung der von dem KreiSoeterinäramt Gießen beantragten Gesundheitszeugnisse keine genügende Garantie gegen das Auffahren kranken Viehes auf den Vtehmärkten zu bieten vermag,
3. daß diese Maßregel für die Vtehkäufer mindestens etne sehr lästige sein würde, welche einen Rückgang der Frequenz der Gießener Vtehmärkte befürchten läßt, namentlich wenn für andere bedeutende Vtehmärkte tn Cöln, Frankfurt a. M., Mannheim rc. Vorschriften wie die beantragte nicht bestehen sollten,
4 daß außerdem die Elfahrung gegen dte Nothwendigkett der Einführung von Gesundhettszeugntsien spricht, indem wenigstens nicht bekannt geworden ist, daß ein mit einer ansteckenden Krankheit behaftetes Stück Vieh in den letzten Jabren auf einen Gießener Vtehmarkt aufgetrteben resp. eine Seuche herbet- geführt worden sei
spricht sich dte Stadtverordneten-V-rsammlung gegen die Einführung von Gesundhetts- Zeugnisien für da« auf den Gießener Vtehmärkten aufzutretbende Vteh au8. — Der zweite Punkt der TaaeS Ordnung behandelte etne Eingabe von 10 Viehhändlern und 6 hiesigen Metzgern an Großh. Ministerium. Dieselben führen Beschwerde gegen das Einschreiten der Polizeibehörde, welche ihnen das Vtehtretben nach und von den Bahnhöfen an Sonntagen unmöglich mache. Sie erklären in dieser Eingabe, daß sie gezwungen seien ihr Vieh am Sonntag ver- oder entladen zu müssen und belegen diese Behauptung mit Thatsachen. Dte hiesige Handelskammer erklärte sich mit den Ausführungen einverstanden und beantragte ihrerseits bet Grobherzoglichem Ministerium: daß den Händlern und Metzgern das Viehtrctben an Sonn- und Feiertagen, jedoch mit Ausnahme der Stunden des Gottesdienstes am Vor- und Nachmittag, zu gestatten fei. Großh. Poltzeiverwaltung bemerkte hierauf, daß sie weil entfernt sei dem Handel hemmend entgegenzutreten und will nur dte Zett von Vz9 Ufrr Vormittag« bis </,4 Uhr Nachmittag« ausgeschlossen wissen. Dte Versammlung pflichtete der Ansicht der Polizeibehörde bei mit dem Bemerken, daß der ViehtranSport durch die Stadt möglichst zu vermeiden sei. — Gegen Frau Jeremias Frtebel Wtttwe ist daS ExproprtattonS-
oerfahren, wegen Abtretung ihrer Hofrastbe am Reicher sand eingeleitet und werden al« Experten auS den Stadtverordneten dte Herren L. Kauf und Ph. Lüdekina sowie außerdem Herr Fr. Müller I erwählt. — Die Beschlußfaffung über etne anzustrengende Kla<:e gegen Herrn Wtlh. Löber VI. wegen Entfernung einer Ueberbrückung an der Schwarzlach wird für heute auSgesetzt. - Herr Ph Kretltng III. will an seinem neu- 'rbauten Hause tm früheren Stetn'schen Garten die der Stadt gehörige Umzäumuna verlegen. Dte Versammlung schließt der von der Bau-Deputation bestimmten Linie an. — Herr Seiler L. Huhn bietet der Stadt seinen t:i der FlüzelSgaffe belesenen Hintergalten zum Kauf an. Die Beftimmuna deS Preises will er jetzt der Stadt überlassen nachdem er früher 10,000 fl. = 89-90 fl. für dte Oftlftr. gefordert. Die Bau- Deputation beantragt, auf dte Sache nicht etnzu ehen, welcher Ansicht die Versammlung zusttmmt. Etne Belästtgung des städtischen Budgets für noch etne neue Straße kft für unS jetzt auch gar nicht nothwendig. — Durch dte Aufführung einer Mauer an seinem Garten am Nahrungsberg soll Herr Dr. Laubinger daS städt. Gelände um einige Centtmeter geschädigt haben. Dte Bau-Deputation beantragte, wegen der Gertnqfüqtg- kett deS OojcktS dte Sache auf sich beruhen zu lasten und ist dte Versammlung hiermit einverstanden. — DaS Baugesuch deS Herrn Merz wird genehmigt. Gleicherweise findet daS Gesuch der Herren L. und S. Petri um Abtretung eines Stückes Böschung Aufnahme und soll auch an dem Hause deS Herrn L. Perri II in der Ludwigstraße dte Betfüllung erfolgen. - Den Bewohnerm der Schwarzlach wird etne Petroleum- laterne zua(sprachen und sollen die Löcher tn der momentan etwas weichen Straße vor der früheren Katzenftetn'schen Besitzung mit Geröll auSgefüllt und ein Sandbankett ber- gestellt werden. - Dem Gesuche des Herrn Fabrikanten il. Müller um Pflasterung deS Trottoirs vor seinem Hause vor dem Wallthor, sowie dem Gesuch von Bewohnern
®rünbergcrftrfl6c wegen desgleichen wird entsprochen. - Einem Ansinnen der Frau Block WUtwe, wegen Zulequng deS Graben« vor ihrem Hause auf dem SclterSweg und Rohrlegung tn diesem Graben, welche Arbeit einen Kostenaufwand von ca. 2580 erfordern würde, wird nach dem Antrag der Bau Deputation nicht entsprochen. — Diverse Kostendecreturen werden genehmigt. — Der Vorstand der Handw'rkerzetchnen- ichule bittet etne Aufstellung von 2 neuen Oefen und GaSeinrtchtung Seitens der Stadt Dte heutige Versammlung bewilligt dte Aufstellung eines größeren Ofens tm H ichen- saale und überläßt eS dem Gewerbeveretn für dte nöthtge Beleuchtung zu sorgen. — DaS Gesuch der Rudergesellschaft um Ueberlassung deS Balkonzimmers tn der Turnhalle wird ablehnend beschteden. - Dem Herrn I. Ruckstuhl tm Gartseld wird dte Erbauung eines Ziegenftalles nach den vorgelegten Plänen gestattet. — Gleichfalls spricht die Stadtvero.dueten-Vcrsammlung sich zustimmend für das Baugesuch deS Herrn F. Bapft aus. — Herr E. Lotz v.tll in seinem Hause am Ktrchenplatz einen Lrden Herrichten und soll ihm solches gestattet werden wenn die Treppentritte nicht vor daS HauS zu liegen kommen. — Dte öffentliche Versammlung verwandelt sich in etne geheime, welche des Interessanten mehrfach bot, aus welcher zu plaudern aber wir nicht berufen sind 2.
Dermiscdte-.
Aus dem Kreise Biedenkopf, 25. November. Unsere Eiscnbahnfrage beginnt bestimmtere Gestalt anzunehmen und in immer weiteren Kreisen bricht sich die Ansicht Bahn, daß nur die Richtung Unterstützung Seitens des Staates zu erwarten habe, welche nicht nur den Jnteresten des Kreises entspreche, sondern auch den allgemeinen Verkehr und die Rentabilität berücksichtige Bei einer Sackbahn von Cölbe nach Laasphe würde das Interesie der Kreisstadt selbst nur schlecht gewahrt sein, das Gemeinwohl aber geschädigt werden. Eine Rentabilirät verspricht nur eine durchgehende Bahn und nur diese kann dte wirthschaftlichen Verhältnisse unseres Kreises dauernd bessern- Dies wird durch das jüngste Schristchen von Herrn Conrad Schulz über die Hinterländer Secundärbahn schlagend nachgewiesen. Statt dasselbe zu wider- legen, erklärt nun ein Artikel tm „Hinterländer Anzeiger", daß an der Sackbahn Cölbe Laasphe nicht gerüttelt werden dürfe. Bis jetzt galt unbestritten die Ansicht, daß nur eine durchgehende Bahn unserer darniederliegenden Industrie aufbelfen könne, daß wir auf eine Verbindung mit Westfalen angewiesen seien und daß nur diese Bahn Aussicht auf Rentabilität habe. Diese Gesichtspunkte werden die Beschlüsse der köntgl. Staats-Regierung nicht minder letten, als auch am ersten die Zustimmung des Landtags finden. Hoffen wir, daß auch unser Kreistag von ihnen ausgehen werde. (Rh. Cour.)
Schotten, 24. November. Gestern wurde I. Weber von Breungeshain von seinem Schwiegersohn mit einer Pflugschletfe erschlagen, weil Ersterer seine Tochter aus nichtigem Grunde mit einem Messer erstechen wollte.
Passau, 18. November. Vom inneren bayerischen Wald meldet man dem „Pass. Tagebl.": Seit drei Tagen ist dte Kälte furchtbar. Die Leute getrauen sich kaum mehr am frühen Morgen und spät Abends in's Freie zu treten. Erfrorene Hände, Nasen und Ohren sieht man bei vielen Personen. Das Wild verläßt die Gehölze und flüchtet tn die Nähe der menschlichen Wohnungen.
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