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Kesterreich

brechung erfahren.

15. April 1879, zu entlassen.

Berlin, 29. October. Die Promptheit, mit welcher das Socialisteu- gesetz ausgeführt wird, findet selbst im Auslande Bewunderer. Das Berliner Polizeipräsidium ging mit einer Energie voran, welche deutlich erkennen ließ, daß man in seinen Bureaus den zu befolgenden Feldzugsplan schon seit gerau­mer Zeit vorbereitet hatte. Wenn es wahr ist, daß Kaiser Wilhelm, wle behauptet worden, seiner Verwunderung über die Langsamkeit der parlamenta- rnchen Behandlung des Soctalistengesetzes mehrfach Ausdruck gegeben, so mußte er feine Helle Freude haben an der Promptheit, mit der Herr v. Madai sich der von der Volksvertretung empfangenen Waffe bediente, um die verschiedenen Paragraphen des Gesetzes gegen Vereine, Druckschriften und Zeitungen mit ihren muthmaßlichen Fortsetzungen unverzüglich in Anwendung zu bringen.

Von Zeit zu Zeit wird auch bei uns irgend ein Minister als in seiner Stellung gefährdet hingestellt, diesmal hat sich die Prefle Herrn Hobrecht ausersehen. Hobrecht war aber ernstlich unwohl, bei ihm würde ein Rücktrittaus Gesundheitsrücksichten" aufrichtig sein. Jndeffen gedenkt er daß er in der bevorstehenden Session des Landtages sein Programm t

Näheren entwickeln werde, welches allerdings Lücken werde erhalten müssen, dz Ins dahin die Enqueten noch nicht abgeschloffen seien und sich noch nicht übn- ehen lasten könne, welche Finanzpolitik das Reich schließlich einschlagen werd«. Daß Herrn Hobrechtis Stellung eine recht schwierige ist, wird Niemand h Abrede stellen, am allerwenigsten der Finanzminister selbst, der entschlosten ch, ein Portefeuille niederzulegen, falls er sich nicht der Zustimmung der parla» mentanschen Körperschaften zu erfreuen haben sollte. Herr Hobrecht muß ml einem Deficit debütiren, für welches ihn allerdings selbst keine Verantwor. tung trifft.

Der Kaiser von Oesterreich hat auf den Wunsch des Grafen Andrafiy das Verlangen ausgesprochen, das zurückgetretene österreichische Ministerium olle die Geschäfte bis zum Schluß der Delegations-Sessionen fortführen, da j sich ein Ministerium Pretis als unrealisirbar erwiesen habe. Die abtretende?. Minister Auersperg, Unger, Chlumetzky, Ziemialkowsky und Mannsfeldt Der. weigern jedoch entschieden ein so langes Provisorium, was in Regierungskretsev I

große Verlegenheit bereitet.

In der Petersburger Gesellschaft herrscht jetzt sozusagen eine große afghanische Bewegung, die Afghanen und ihr^Emir Schir Ali sind die Helden des Tages und Alles spricht nur von ihren Sympathien zum russischen Reich Nicht wenig -ragt '^azn bei der Brief Schir Ali's, welchen er dieser durch seinen Gesandten an den General-Gouverneur Kauffmann sandte und welcher mit den Worten beginnt:Auf Euch stützen wir unsere Hoffnung, ober auch nur auf Euch." Als Illustration dafür, wie sehr Afghanistan augenblirf. lich in den Petersburger Kreisen Mode geworden ist, dient am Besten btt Umstand, daß man dort gegenwärtig mit der Ausgabe eines afghanischen Wür. terbuches, sowie einer Grammatik beschäftigt ist.

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Darmstadt, 29. October. Se. Köniql. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 8. l. Mts. den Oberst^Ceremonienmeister d. Werner, in Anerkennung seiner 50jährigen Dienstzeit bet Hose, das Groß­kreuz des Ludewigs-Ordens zu verleihen geruht.

Darmstadt, 29. Oktober. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben llergnädigst geruht:

Am 18. October den Lehrer an dem Gymnasium zu Worms, Dr. Her­mann Oeser, auf fein Nachsuchen aus seinem Dienste, mit Wirkung vom

Wien, 29. October. Anläßlich der Meldungen der JournaleObse..

undFanfulla" bezüglich des Auftretens einer westmächtlichen Allianj wird derPresse" von angeblich wohlinformirter Seite mitzetheilt: es seit- dies mehr Combinationen, als reale Thatsachen. Besonders entsprächen bit! Neuigkeiten desFanfulla" in einigen wesentlichen Punkten nicht der Wahrhtk. Der Schritt Englands in Petersburg wegen Aufklärung über die Bereutuig der neuesten Truppenbewegungen in Rumelien fei aus eigener Initiative und ganz selbständig erfolgt. Die Meldung desFanfulla" von der Zustimmu z Frankreichs und einem bezüglichen Ideenaustausche in Wien und Rom sei daher mit berechtigtem Zweifel aufzunehmen. Das Jntereffe der Mächte an der cor- retten Durchführung des Berliner Vertrages sei zwar ein unleugbares; bisher könne aber weder von gemeinsamen Schritten der Mächte, noch von einer auf diesen Zweck gerichteten Vereinigung derselben die Rede sein, wozu auch d:s türkische Rundschreiben über den bulgarischen Aufstand keinen Anlaß geböte habe; letzteres sei überhaupt bisher noch nicht überreicht.

DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest, daß dem Einmärsche der rumänischen Truppen in die Dobrudscha kein wie immer geartetes Hindu- niß entgegeustehe. Der Einmarsch werde, wie die Regierung entschieden habt, gleichzeitig mit der Abreise der zur Uebernahme bestimmten Commission erfoi- gen. Die Vertreter Rumäniens in Petersburg und Konstantinopel, Mk» und Demeter Bratia.io, sind auf ihre Posten abgegangen. Dieselbe Coric» spondenz meldet aus Konstantinopel: Fürst Lobanoff soll in Folge einer Be­rufung in den nächsten Tagen nach Livadia abreisen. Die Heimbesördermiz der türkischen Gefangenen hat trotz des ungünstigen Standes der Verhandln-, gen wegen des definitiven russisch - tückischen Friedensvertrages keine Unter»

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Die deutsche Wohlthätigkeit. ,

Unter vorstehendem Titel wird uns auS Berlin über die Sammlung kür die Hinterbliebene» der auf demGroßen Kurfürst" verunglückte» Seeleute gefchrteben. Da auch in unserer Stadt wie überhaupt in der Pro- vim zahlreiche Gaben für den gedachten Zweck eingegangen sind, glaubten wrr uns verpflichtet, Nachstehendes zum Abdruck zu bringen, muffen aber unserem Korrespondenten die Verantwortung überlasten.

Kaum hat sich die öffentliche Entrüstung über die Thatsache gelegt, daß ein armer Kutscher, der nach dem Attentat verunglückte, erst ausgepfändet wer­den mußte ehe man seiner »othleidenden Frau und den Kindern mit einigen Tausend Mark, welche die öffentliche Wohlthätigkeit sür dieselben rasch zusam- menaebracht hatte, unter die Arme griff, da ertönte schon etne neue Klage darüber, daß bedeutende Summen, welche für die Hinterbliebenen der auf d-m Großen Kurfürsten" verunglückten Seeleute bestimmt sind, nach Monaten eben- falls noch nicht zur Vertheilung gelangt sind. Das Einzige, was bis heute an die in Roth befindlichenHinterbliebenen" gedrungen ist, ist eine soeben ver­öffentlichte, nothgedrungene Erklärung desC-ntral.Comitöz der deutschen Ver eine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger', welche über alle Maße»charakteristisch" für die Art der Ausübung der deutschen Wohlthatig- keit ist. Was soll man dazu sagen, wenn unsere freiwillige Wohlthätigkeit, die ein Recht hat, nach den Resultaten ihrer Gaben zu fragen, durch eine durch und durch verquickte und verzopfte Vereinsorganisation Gefahr läuft, illusorisch iu werden? Der praktische Geber will, daß seine Gabe, die er dem Coimtö Übergiebt, rasch den Ort ihrer Bestimmung erreicht, sie soll nicht vier oder fünf Monate zinslos bei irgend einem Bankier, der Schatzmeister ist, liegen; darüber hat man sich schon in der Affaire Holtfeuer-Richter unzweideutig aus gesprochen und die öffentliche Meinung hat auch in diesem Falle genügt, das betreffende Comit6 aus feinem Schlafe zu wecken und rasch zur Pflichterfüllung au,»halten. Der Geber will aber nicht, daß sich zwischen ihn und seine Gabe ein Netz von gegenseitig verschlungenen Vereinen schiebt, um die Wohlthat der- selben die wesentlich ebenso in dec Schnelligkeit der Uebermittlung an die Be­dürftigsten, als in der Höhe der Unterstützung begründet ist, zu verzögern. Die Verzögerungen der Sammlungen für die Hinterbliebenen der auf demGroßen Kurfürsten" Verunglückten zeigen uns eine solche Verquickung von Vereinen und Vorständen, wie man sie in Zukunft nicht dulden muß, wenn man nicht den Hauptzweck der Wohlthaten vereiteln will. Man höre! Herr v. Hollkbe» er- klärt in seinem Erlaß ansämmtliche Sammelstellen", daß auch das Sentral- Comitö die Verzögerung beklage. Anstatt daß man also einem Commiffar Vollmacht gab, um der dringendsten Roth abzuhelfen, mußten vor Allem die Familienverhältnisse sämmtltcher Verunglückte» und die Vermögensverhältniffe sämmtlicher Hinterbliebenen" festgestellt werden. Die Correspondenz darüber mit den kaiserlichen Marinebehörden »ahmmehrere Monate" in Anspruch. Wahrscheinlich, weil diese Arbeit sehr groß war, wälzte sie das6entt.il- Comitö" auf dieältere Marinestistung Franengabe" ab, wozu angeblich die Sammelstellen ihre Zustimmung gegeben hätten, wo wn aber jedenfalls die Geber erst heute etwas erfahren. Nachdem dieseStiftung" erkannte, daß die Arbeit für sie ebenso groß wäre, als für das Central-Comite, lehnt sie die ehrenvolle Mission ab. Die Stiftung hat mir einen theilweisen Plan für die bei der Admiralität direkt eingegangenen Gelder aufgestellt. In seiner Roth wendet sich das Central-Comitö an den Ches der Admiralität, der denn auch, wenn die Vertheilung der Admiralitäts-Gelder beendet fein wird,in etwa acht Tagen" dasActenmaterial" an das Central-Eomitö schicken wird, damit dieses bann nach demselben wahrscheinlich In einigen Monaten zur Vertheilung schreiten kann.Der Plan" soll mit aller Kraft dannin Angriff genommen" undnach Genehmigung der Sammelstellen"--zur

Ausführung gebracht werden. Inzwischen können sich die armen Hinterbliebenen tlösten, man nimmt ja einen Plan, ihre Noth zu lindern,mit aller Kraft in Angriff." Ganz ähnlich, wie in diesen beiden Fällen, welche jüngst die öffentliche Aufmerksamkeit erregt haben, geht es überhaupt mit den wohlchätigen Sammlungen zu. Begeisterung und Opferfreudigkeit herrschen bei den Oebern, die Comitös fasten die Sache geschäftlich auf und die Leute, welche mit ihren Namen bet allen solchen Anlästen zu finden stnd, treiben eine Art offi- cfeller Bernfswohlthätigkeit. Sie wählen ihre Vorsitzenden, ihre Schriftsührer und ihre Schatzmeister', sie halten ihre Sitzungen und formen große Acten Fascikel, sie redigiren die Zeitungsreferate und erlösten Aufrufe, von der Vertheilung der Gelder aber hört man erst, wenn das Publikum ungeduldig wird und die Preffe mit einigen Zeilen dazwischenschläqt.

Telegraphische Depeschen.

Wagirer'L telegr. TorrespOade»r-W«re«».

Konstantinopel, 30. October. Die Commission zur Reorganisal- des Finanz- und Schuldenwesens hat ihre erste Sitzung unter dem Vott-r Khereddin Paschas abgehalten und ihre Geschäftsordnung festgestellt. t Pforte hat den Fürsten Lobanoff um Auskunft über die Wiedcrbesetzun^ c türkischen Gebiets und die Weigerung, d>e türkischen Behörden wieder in tw- famkeit treten zu lasten, ersucht. 60,000 Rusten. aus Bulgarien komm', haben Rumelien in der Richtung auf Burgas passirt. ,

Athen, 30. October. Das Cabinet Komunduros unterlag gester' - der Frage der Einberufung der Reserven mit einer Minorität von 3 Es wird heute seine Entlastung geben.

Madrid, 30. October. Moucasi gehört einer achtbaren Famüte Sein Vater war Generalrath.

Berlin, 30. October. DerReichs-Anzeiger" enthält Dekanntmacr^ gen, betr. daö Verbot der Vereine: Theaterverein Geimama, Vorwärts und Gesangverein Liedcrfreund, sämmtlich in Dortmund; ferner einzelnen Nummer und des ferneren Erscheinens des von der Westphä t Genoffensckasts-Buchdruckerei zu Dortmund verlegtenVolksblatt, Organ

das werkthätiae Volk." , = »

München, 30. October. Der Minister des Innern hat umfass Instructionen zum Vollzüge des Socialistengesetzes ertasten.

Behörden beauftragt, den Vollzug des Gesetzes mit Eutjchiedenheit, jevoa) - gewistenbafter Beobacktung der gezogenen Schranken, zu bethätigen- Mutige Nummer des socialistischcn BlattesDer Zeitgeist" wurde conp

Berlin, 30. October. Der 8. deutsche Handetstag wurde heute - mittag IO1/2 Uhr im Rathhause durch Commerzienrath Delbrück ero ' Handelsmimster Maybach begrüßte die Versammlung und sprach btt er, aus, daß es im Hinblick auf Gott, der das Schlimmste abgewendet, im <» des blick auf den deutschen Muth, Fleiß und Einigkeit gelingen werde, die

England.

London, 28. October. Heute wird ein Cabinetsrath stattfinden. - Daily News" melden von gestern aus Simla: Die britische Regierung li beschlossen, ein neues Schreiben an den Emir von Afghanistan zu richten, w»n sie demselben die Folgen feiner Weigerung, die britische Mission zu empfang nochmals deutlich vor Augen führt. Nawab Gholam, welcher eben verlassen hat, ist wahrscheinlich Träger des Ultimatums. Die Kriegsvorb^» tungen werden mittlerweile fortgesetzt.__ _|