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Berlin, 25. Mai. Der nunmehr geschlossene Reichstag war in bet' letzten Session 91 Tage versammelt und hat 56 Plenarsitzungen abgehalten. Die Reichsregierung hat ihm 35 Gesetzentwürfe und 5 Verträge vorgelegt, von welchen ersteren 9 und von den letzteren einer, der rumänische, unerledigt geblieben sind. Ein Gesetzentwurf (der gegen die Socialisten) wurde abgelehnt. Die Zahl der Interpellationen betrug 9, davon ist eine unerledigt. Die Zahl der Anträge 34, davon blieben 15 unerledigt. Petitionen sind 1495 einge­bracht, von denen die meisten erledigt und nur 392 wegen Schluffes der Session nicht zur Berathung gelangen konnten.

Berlin. Gegen die aus preuß. Gymnasien und Realschulen entstandenen Schülerverbindungen soll mit ganzer Strenge eingeschritten, auch sollen die Schüler, welche trotz aller ergangenen Mahnungen sich zu jenen untersagten Verbindungen halten, sofort entlasten werden. In dem Äbgangszeugniß ist der Grund der Entfernung anzuzeben und der also Entfernte nicht eher in eine andere Schule aufzunehmen, als bis der Director von dem früheren Director Erkundigung eingezogen hat, ob, trotz des Fehltritts, Anlagen und Fleiß wahr­zunehmen sind. Sämmtliche etngezogene Erkundigungen sind bei der Wieder­aufnahme maßgebend und außerdem ist dem Aufgenommenen in geeigneter Weise Vorhaltung dahin zu machen, daß ein Versuch zur Erneuerung des Wiederein­tritts in eine also verpönte Verbindung die unbedingte Entfernung von der Anstalt nach sich ziehen wird.

Kiel, 25. Mat. Zur sorgfältigen und vielseitigen Ausbildung unserer Marine-Mannschaften müsten auch die jeden Sommer strttfindenden Taucher­übungen gerechnet werden. Ein Zwang, an denselben theilzunehmen, besteht nicht. Die sich freiwillig zu dieser Uebung verstehen, werden vorher einer genauen ärztlichen Untersuchung unterworfen und namentlich alle Brustschwachen unbedingt zurückgewiesen. Dem Beginn der praktischen Uebungen geht eine mehrtägige Instruction über die Construction der Taucherapparate sowohl, wie über die beim Tauchen zu beobachtenden Verhaltungsmaßregeln voraus. Die Taucher müsten Kohlen, Eisenstücke uud andere hineingeworfene Gegenstände vom Grunde des Meeres heraufholen. Während dieselben es Anfangs nicht länger als fünf Minuten unter dem Master aushalten können, bringen sie es bei fortgesetzter Uebung nicht selten zu einer solchen Fertigkeit, daß sie eine Stunde und darüber in der Tiefe verweilen. Eine solche Leistung wird mit 3 Mk. vergütet; jedoch ist dafür gesorgt, daß einzelne, besonders geschickte Taucher daraus nicht etwa zum Schaden ihrer Gesundheit ein Gewerbe machen können, indem bei der großen Anzahl der designtrten Thetlnehmer erst in Zwi­schenpausen von 6 bis 8 Tagen an Jeden wieder die Reihe kommt.

AranLreich.

Paris, 24. Mat. Zu der kürzlich veröffentlichten amtlichen Statistik der französischen Bevölkerungsverhältniffe im Jahre 1876 bemerkt Herr Paul Lecoy-Beaulieu imJournal des D6bats" : Alles in Allem ist dieser Ausweis weder besonders betrübend, noch besonders tröstlich. Ec läßt keine ausge­sprochene neue Tendenz erkennen, sei es im Sinne der Verjüngung oder der Entartung. Unser Volk bewahrt die alten charakteristischen Züge: es verhet- rathet sich ohne besondere Lust oder Elfer; es hat wenig legitime und auch wenig natürliche Kinder; in den Sterblichkeils-Ziffern gibt es zu keiner beson­deren Wahrnehmung Anlaß; es vermehrt sich gerade genug, um nicht von einer plötzlichen Abnahme überrascht zu werden; aber die belgischen Bevölkerun­gen des Nordens, die Bretonen und die Bergbewohner von 7 oder 8 mitt­leren Departements brauchten nur die Gewohnheiten der übrigen Franzosen anzunehmen und die Bevölkerung des Landes würde alljährlich um einige Tausend Einwohner zurückzehen. Ein Jeder, scheint es, strebt nach bescheiden bürgerlichem Wohlstand, nach einem Wohlergehen, welches lediglich auf Spar­samkeit und aus der geringen Zahl der Thetlnehmer an den Erbschaften beruht. So lebt man ruhig und vielleicht sogar glücklich dahin; aber man gewinnt nicht an Größe, man glänzt nicht eben nach Außen und inmitten des rings um uns in beiden Welten überströmenden Lebens kommt man sich der betrieb­samen modernen Gesellschaft gegenüber wie jener müßige Rentner vor, dec sich wundert, daß er mit demselben Vermögen alle Jahre relativ ärmer wird und in immer mittelmäßigere Verhältnisse verfällt.

Paris, 26. Mai. DieAgence Havas" meldet aus Barcelona: Eine Bande von 58 Bewaffneten, welche in Catalonien eingedrungen war, wurde gezwungen, wieder über die Grenze zurückzugehen, ohne daß sie irgend welchen Zuwachs erhalten konnte.

Autztand.

Petersburg, 26. Mai. Ueber das Befinden des Fürsten Gortschakoff verlautet, daß die Schmerzen nachgelaffen haben, aber die Schwäche und Schlaf­losigkeit sortdauern.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr» Gorresp»ndenz-Vurean»

Paris, 27. Mai. DasJournal des D6bats" will erfahren haben, daß die Emladungen zum Congreß bereits gestern erlasten worden seien.

Wien, 27. Mat. Andraffy wird wahrscheinlich morgen den Delega­tionen gegenüber in einem Expose die Inanspruchnahme des bewilligten 60-Millionen-Credits motiviren.

London, 27. Mai. Das ThurmschiffMonarch" ist nach dem Mit­telmeer abgegangen.Times" meldet aus Philadelphia vom 26. d.: die Ruffen machten in Amerika Bestellungen auf Torpedos.

Heute findet abermals Cabinetsrath zur Berathung der Mittheilungen Schuwaloff's statt. Alle Gerüchte über Uneinigkeiten im Cabinet, wie die an­gebliche Demission Northcote's und Smith's, entbehren der Begründung. Einem Telegramm derTimes" aus Wien zufolge wäre die Schwierigkeit betreffs Vorlegung des ganzen Vertrages von San Stefano überwunden, indem die Einladung zum Congreß so sormulirt werde, daß dieselbe die Garantie für freie Discusston des ganzen Vertrages von San Stefano enthalte. Als Termin des Zusammentretens des Congreffes sei von Oesterreich der 11. Juni propo- nirt; Frankreich habe sich diesem Vorschläge angeschloffen.Times" bemerkt bezüglich der vorstehenden Angaben, daß sie Grund habe zu glauben, dieselben seien im Wesentlichen richtig. Die Einladungen zum Congreß würden erst crlaffen, wenn die Unterhandlungen zwischen England und ^Rußland etwas weiter gediehen seien, aber es sei kein Grund vorhanden, ein Scheitern dersel­ben zu besorgen. Die Präliminarforderungen Englands seien auf alle Fälle im Großen und Ganzen zugestanden.

Petersburg, 27. Mai. Der Reichskanzler Gortschakoff hat heute das Bett wieder verlassen. DieAgence Russe" schreibt: Die Situation im Allgemeinen wird in der Verständigung günstigem Sinne ausgefaßt. Die Besetzung Adalkalehs durch Oesterreich im Einoerständniß mit den Mächten erfolgt, um Hemmnissen der Donauschifffahrt vorzubeugen. Der Congreß wird die Frage der Besetzung von türkischen Provinzen regeln.

Berlin, 27. Mat. Die Nachricht derAgence Havas", daß die Zu­stimmung Oesterreichs zur event. Congreßeinladung noch im Rückstand sei, wird von unterrichteter Seite als falsch bezeichnet. An Oesterreich ist in erster Linie die vertrauliche Anfrage wegen seiner event. Betheiligung ergangen und dieselbe in Wien zustimmend beantwortet worden.

Das vereinzelt an der Börse verbreitete Gerücht von einem Attentat auf den deutschen Kronprinzen ist ohne jeden Anhalt; nirgends an kompetenten Stellen liegt eine derartige Nachricht vor.

Die Meldung auswärtiger Zeitungen von einer Störung der freund­lichen Beziehungen zwischen Deutschland und China wird von bestunterrichteter Sette für vollständig unwahr erklärt; der deutsche Gesandte in Peking hat lediglich eine Urlaubsreise angetreten.

Stuttgart, 27. Mai. Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist heute hier angekommen und verweilt einige Tage zum Besuch der königlichen Familie.

Wien, 27. Mai. DieWiener Abendpost" schreibt: Die Meldung desJournal des D6bats", daß die Conferenz als gesichert zu 'betrachten und bereits formelle Emlrdungen zur Beschickung derselben ergangen seien, wird heute von mehreren Seiten bestätigt. Wie es scheint, ist (was ebenfalls bereits gemeldet wurde) das Datum des 11. Juni für den Zusammentritt des Con- gresses in Aussicht genommen.

DiePolit. Corresp." will erfahren haben, daß das Zustandekommen des europäischen Congreffes als definitiv gesichert anzusehen sei; derselbe werde in Berlin zusammentreten und sei (wie bereits mehrfach gemeldet) als Eröff­nungstag der 11. Juni in Aussicht genommen.

London, 27. Mai. Im Unterhause erklärte Schatzkanzler Northcote auf Befragen Hartington's: Ec sei noch nicht in der Lage, Details über dir Unterhandlungen mitzutheilen, dürfe jedoch sagen, daß während der letzten Tage die Aussichten des Congreffes wesentlich besser geworden seien- (Beifall.)

London, 27. Mai, Abends. Im Oberhause gab Salisbury auf Be­fragen Cardwell's eine Erklärung ab, die der von Northcote im anderen Hause abgegebenen analog war. Redesdale wollte hierauf das Gerücht, wonach Ruß­land auf Abtretung von Rumänisch-Beffarabien beharre, zur Discusston bringen, indem er ausführte, es sei dies eine Sache von großer Wichtigkeit nicht nur für die Pariser Vertragsmächte, sondern für jedes Land und jeden civiltfirten Staat. Somerset beantragte den Ordnungsruf, weil Redesdale die Inter­pellation nicht angekündigt habe. Damit war die Sache erledigt.

Wien, 27. Mai, Abends. DiePreffe" meldet: Andraffy begibt sich am 8. Juni nach Berlin zu dem am 11 Jrni beginnenden Congreffe.

Bukarest, 27. Mai. Fürst Karl ist heute Abend hierher zurück­gekehrt.

Nom, 27. Mai. DieOpinione" unternimmt in einem Artikel den Nachweis, daß die französischen Kammern verpflichtet sind, den Handelsvertrag zu discutiren; jede bedingungsweise Votirung, jeder Antrag auf W edereröffnung Der Unterhandlungen wäre gleichbedeutend, ja schlimmer, als die absolute Ver­werfung. Minister Say sei persö üich engagirt, die Genehmigung des Vertrages durchzusetzen, denn er sei Finanzminister gewesen im Cabinet Buffet, als die Verhandlungen eröffnet, und im Ministerium Simon in dem Augenblicke, wo dieselben wiederaufgenommen wurden. Das gegenwärtige Cabinet habe die Verantwortlichkeit bezüglich des Vertrages übernommen; die internationale Loyalität lege ihm die Pflicht auf, die Annahme desselben durchzusetzen. Die Opinione" hofft, daß die französischen Kammern, eindringliche Vorstellungen, sowie die mit dieser Frage verbundenen Jntereffen berücksichtigend, den Vertrag annehmen werden. Ein anderweitiges Verhalten würde ernste Folgen für die Beziehungen zwischen den beiden betheiligten Ländern haben.

Konstantinopel, 26. Mai. Der russische Commtffär in Bulgarien, General Dondukoff Korsakoff, begibt sich demnächst nach Philippopel. Said Pascha wurde zum Präsidenten der Untersuchungs-Commission über die Ereignisse im Tscheraaan-Palast ernannt. Es sind neuerdings Verhaftungen vorgenommen worden. Das Ministerium des Auswärtigen und das Großvezirat wurden wieder auf der Pforte inftallirt. Schakir Pascha ist nach Petersburg abgereist.

Petersburg, 27. Mai. Die event. Besetzung der Donauinsel Adakaleh durch Oesterreich dürfte keine Schwierigkeiten Hervorrufen, da dieselbe nach der Agence Russe" schon auf früheren Combinationen zu beruhen scheint.

Vermischtes.

Frankfurt, 27. Mat. Das Main-User bot gestern Mittag von der alten Brücke abwärts einen interessanten Anblick. Kopf an Kopf stand die Menschen-Menge, unverwandten Blickes nach der festlich geschmückten Main-Insel schauend, aus welcher der strebsame Ruder-Verein seine Boot-Statecn hat. Es galt einer Regatta. Die auswärtigen Gäste, welche ihre Kräfte mit den heimischen messen wollten, wurden von den Mitgliedern des Vereins lebhaft begrüßt. Um drei Uhr fand die erste Wettfahrt in vterruderigen Outrtgged Gigs, Cours 3600 Meter, statt. Hiezu waren zwei Boote angemeldet: DieStadt Zürich" des Offenbacher Ruder-Verein« undAdolf" deS Frankfurter Ruder-Vereins. Ersterer legte die Strecke in 19^ Minuten zurück, während Letzterer, weil ein Ruderer plötzlich unwohl wurde, den Kampf betgeben und beilegen mußte. Die zweite Wettfahrt in zweirudrtgen Qutrtgged-Booten, Cours 1800 Meter, wurde zwischen derWelle" lGteßener Ruder-Gesellschaft) undCastor" undSchah" (Frankfurter Ruder-Verein) ausgeführt. »Castor" erreichte das Ziel in 9.50 Minuten, Schah in 10.85.*) Zu der dritten Wettfahrt in oierrudertgen deutschen Booten, CourS 1800 Meter, hatten sich der Mannheimer Ruder-Club mit derBadenta", der Mann­heimer Ruder-VereinAmicttta" mit dem gleichnamigen Boot und der Offenbacher Ruder-Verein gemeldet. Als Sieger kam Offenbach in 8.50 Minuten und al« zweite in 9.7 dieBadenia". Da der Offenbacher Ruder-Verein dtSloctrt hatte, so sollte die Fahrt noch einmal stattfinden, doch verständigten sich später die Betheiligten und über­ließen Offenbach den Preis. Die fünfte Wettfahrt in vtercudrigen inrigged Gigs ging von der Gerber-Mühle ab, Cours 3000 Meter; die beiden Rivalen Gießener Ruder- Gesellschaft mit dem BootStör" und der Coblenzer Ruder-Club mit demOrlow" legten die Strecke, Letztere in 11.24 Minuten, Erstere in 12.7 Minuten zurück. Bei der fünften Fahrt erschienen beim Starter der Mannheimer VereinAmicitta" mit dem Wilhelm", der Würzburger Ruder-Verein mit demPfeil" und die Gießener Gesell­schaft mit demVorwärts". Die Distanz betrug 3600 Meter. Der Kampf zwischen den beiden erstgenannten Rivalen war ein sehr heißer. Es siegte jedoch Würzburg mit 19.30 Minuten gegenAmicitia", welche 20 25 Minuten zu dem CourS brauchte. Auf die Schluß-Wettfahrt in sechsrudertgen Inrigged - Booten um den großen Ehren-Prets, gestiftet von Freunden des hiesigen Vereins, waren Aller Augen gerichtet. An der Abfahrt-Stelle erschienenGood Hope" des Mannheimer Ruder-Clubs,Jacoba" und

*) Wo blieb die Welle? Neugierige Frage deS Setzerlehrlings.

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