„Billig und flut* ist das Prädikat, rod« dem D -hetmkalender zukommt, der seiner hohen Auflage wegen das Beste in guter Ausstaitunq für geringen Preis geben kann. An ihm wird das entgegengesetzte Schlagwort zu Schanden- (6-^6
Konstantinopel, 28. November. Ein Telegramm Suleiman Pascha's aus Rasgrad meldet: Eme von Karahassaenlar aufgebrochene türkische Recognos- cirungS-Ab,Heilung stieß in der Nähe von Blomarze aus die Russen und zwang die letzteren zum Rückzüge. Andere von Opaka und Kaceljewo vorgejendete RecognoScirungs-Abtheilungen hatten ebenfalls unbedeutende Scharmützel. Das Bombardement von Rustschuk dauert fort.
Petersburg, 28. November. Amtlich wird aus Bogst, 27. Novbr., gemeldet: General Zimmermann hat behufs Erkundung der Starke der Türken einige fliegende Colonnen ausgesendet, welche am 23. Novbr. günstige kleinere Gefechte bestanden. Nack Ijmussaki ausgesendete Kosaken zerstreuten bei tfa lassulara kleine türkische Abtheilungen und erbeuteten Waffen und Pferde.. Nach Baldschik gesendete Husaren stießen bei Jrydshi auf 500 reguläre türkische Soldaten und warfen im Verein mit den Kinburn'schen Dragonern dieselben unter großem Verlust zurück; die Verfolgung wurde bis Baldschik fortgesetzt und Beute an Pferden, sowie Vieh gemacht. Baldschik erwies sich bei der Besichtigung als befestigt und von mehreren Tabors regulärer Kavallerie besetzt; im Hafen lagen zwei Monitors. Eine Abtheilung, bestehend aus 400 Kosaken des 18. Regiments, war nach Chadschi-Oglu und Bazardschtk gesendet worden; die Avant-Sotnte wurde bei Gusany von 500 Mann regulärer türkischer Kavallerie und zwei Rotten Infanterie angegriffen, jedoch die mit zwei reitenden Geschützen herbeieilenden übrigen 300 Kosaken schlugen die Türken in die Flucht, denselben große Verluste beibringend und Waffen und Pferde erbeutend. Die Ruffen hatten hierbei einen Verlust von 5 Kosaken tobt, 16 verwundet und 1 vermißt. Die anderen Eolonnen verloren keine Leute. — Die ganze Gegend auf 70 Werst vor der Linie Tschernawoda r Küstendschc ist gänzlich vom Feinde gesäubert.
Petersburg, 28. November. Ein Telegramm der „Neuen Zeit" aus Bukarest meldet: Im Schipka-Paß haben sich 400 Türken ais Kriegsgefangene ergeben. General Skobeleff ist wieder hergestellt. Jgnatieff kehrt nach Ablauf fetneS Urlaubs in das Hauptquartier zurück.
Bukarest, 28. November. Die Thronrede des Fürsten hebt ferner hervor, daß der Kamps noch unbeendet sei und noch neue Erfolge sich als nothwendig erwiesen, Er hofft, der Friede auf den Trümmern Plewnas werde die Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens durch das gesammte Europa zur Folge haben. Die Thronrede schließt: Dank Ihres patriotischen Entschlusies und der Tapferkeit unserer Soldaten, habe ich das Vertrauen, daß die Garantie-Mächte Rumäniens nunmehr alS ein Land von wirklicher Lebensfähigkeit anerkennen werden, welches von einer Nation bewohnt werde, die die nothwen- dige Ausdauer und Energie besitzt, um erforderlichen Falls mit den Waffen in ter Hand die ihr an der unteren Donau gewordene Mission zu erfüllen. Die - Zeit fremder Vormund- und Vasallenschaft ist vorüber. Rumänien ist und Wird bleiben ein freies und unabhängiges Land.
Vermischtes.
Frankfurt, 25. Nov. Der beste Beroets für die jetzigen Zeitverhältnisse ftno Zahlen. Jeder wild sich seinen Schluß selbst zieh-:n können, wenn wir melden, daß auf dem Fiscalat in diesem Jahre bis heute 7000 Executione.. stattfanden.
— Der „Mzr. Anz." schreibt: Die Abschaffung der Hundefuhrroerke, wie sie der Thierschutzvcrein in Darmstadt angebahnt hat, roeie in der That sehr wünschenSwerth Heute früh fuhr wieder ein schwer mit Säcken beladener Wagen zum Neuthor herein und als Krone deS Ganzen saß auf den Säcken ein großer Bengel, welcher die lechgewordenen Hunde fortwährend durch Schläge antrieb.
Gotha, 27. Nov. Des neunfachen Mordversuchs angeklagt, erschien am 8. d vor den Gefchwoienen Ehr. Karl Eduard Sträube aus Kalbsrieth, Besitzer der dortigen Mühle, welche in oer Nacht zum 10. Januar d. I der Schauplatz eines damals wett und breit Aufsehen erregenden Verbrechens wurde. Die Ehefrau Straubc'S, die mit ihren acht Kindern in zwei Zimmern des oberen Stocks schlief, wurde mit diesen im Schlaf übtrfallen und selbst am Kopfe mehrfach lebensgefährlich verwundet, wahreob die drei ältesten Kinder gleichfalls schwere, die anderen leichte Kopfverletzungen davon 1 ugen. Der Mühlenbesitzer Straube selber, der im untern Stock in der Wobnstube ouf dcm Sopha geschlafen, hatte ebenfalls Wunden amKopfe, konnte aber ausführliche Aus kunft über den Hergand. h. des von ihm angeblich beobachteten Einbruch von Räubern rc. o ben. Ta urdeß seine Aussagen von vorn herein Zweisel erregten, so wurde er bereits om 11. Januar in Untersuchung gezogen. Straube bat anfänglich ausgesagt, daß er gegen Morgen von zwei Unbekannten im Schlaf überfallen worden fei, welche ihn mit Schlägen auf den Kopf betäubt und dann aus seinem Pult insgesammt über 900 Thlr. geraubt hätten. Verdächtigend von vorn herein war der Umstand, daß gerade am 9. Januar zwei Wechsel über 3000 Ji. fällig waren, die er nicht bezahlen konnte. Ueberhaupt war Straube ein Mann, der in üblem Ruf stand. Die Aussage der Zeugen und namentlich der ärztlichen Sachverständigen fiel sehr zu seinen Ungunsten aus, zu mal er selbst in seinen Aussagen sich in Widersprüche und erwiesene Unwahrheiten verstrickte. Wie der gerichtliche Phpsicus Dr. Kmd constatirte, müssen alle der Frau Straube und ihren acht Kindern deigebracklen Verletzungen, unter denen mehrere lebensgefährliche gewesen und deren etwaige Folgen für die Zukunft noch immer nicht abzuseheu sind, von einem stumpfen Instrument, vielleicht einem Hammer, hergerührt haben, welcher mit großer Kraft geführt worden ist, und es sei nur auf einen Thäter zu schließen. Die Kopfverletzungen hatten bei fämmtlichen Verletzten, welche zwar wieder genesen sind, eine mehr oder minder heftige Gehirnerschütterung zur Folge, und es er gibt sich aus der Art der Wunden so wie aus den sonstigen Umständen, daß die Verletzungen lediglich in mörderischer Absicht den Opfern beigebracht worden sind. Die eigenen Wunden des Angeklagten dagegen sind harmlose Schnittwunden gewesen, welche n'cht von dem vorgedachten stumpfen Instrument und nicht von dritter Hand.hergerührt haben konnten. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des neunfachen Morbrnr fuchs an seiner Ehefrau und feinen acht Kindern einstimmig schuldig, worauf er zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurtbeilt wurde
Köln, 24. Nov Di' „Köln Ztg." enthält folgenden ©recfoiitf: „Der durch Erk.nntntß der correclionellen Kammer des hiesigen könrglichrn Landgerichtes vam 28. Juli d. I wegen unbefugter Vornahme geistlicher Amtshandlungen zu einer subsidiären Gefängntßstrase von dreißig Tagen oerurtheilte Doctor theologiae und vsrmUige Erz bffchof von Köln, Paulus Melcher, geboren zu Münster, zuletzt wohnhaft zu Köln, 64 Jahre alt, 1,70 Meter groß, mit blonden Haaren und Augenbrauen, freier Lr-rn, braunen Augen, etwas gebogener Nase, gewöhnlichem Mund, fp tzem Kinn, länglich m Gesicht, von blasser Gesichtsfarbe und schlanker Statur ist nicht zu ermitteln gew fen- Ich ersuche die Polizerbebörden, auf den rc. Melchers zu wachen, ihn im Betretu-.as- falle verhaften und mir vsrführen zu lassen.
Köln, 14. Nov. 1877. Der Oberprocurator Crome
— Ein für alle Dienstherrschaften zu beobachtender Fall hat sich, wie die,.Ger- Ztg." meldet, vor einigen Tagen vor einem Gericht in der Provinz abgespielt^ Bei einem Kaufmann diente ein Mädchen und l eß sich verschiedene Unredlichkeiten zu Schul- den kommen. Sie ward entlassen, ihr aber ins Zeugniß geschrieben, daß sie , nicht ehrlich" sei. Die vorige Herrschaft hatte ihr ein Zeugniß ausgestellt, daß sie „ehrlich und treu" sich gezeigt. Der Kaufmann erfahr aber, .daß die Herrschaft nur aus Mitleid und um datz Mädchen nicht am weiteren Fortkommen zu hindern, dies Zeugniß ausgestellt, in Wahrheit jedoch den Dienstboten wegen Unehrlichkeit entlass n hatt«. Auf eingereichte Klage ist die vorige Herrschaft verurtheilt worden, den dem Kauf manne -''gefügten Schaden zu ersetzen.
Literarische
— Vor unS liegt eine kleine Schrift, die recht geeignet erfcheint, die «ufmerk f am (eit der Leserwelt auf sich zu richten. Sicherlich sind einem Jeden die ausführlichen Festberichte der Zeitungen über die Kaisertage in Frankfurt noch in frischem Gedächt- i.i6, und ein jeder gute Deutsche hat sich ohne Zweifel damals im tiefsten Herzen gefreut, das greife, ehrwürdige Oberhaupt einer achtunggebietenden Nation, den Heldenkaiser des deutschen Reiches in die alte Krönunqsstadt am Main einziehen zu sehen, umjubelt von seinem begeisterten Volke und mit einer Fülle von Ehren überhäuft, wie sie reicher und glänzender wohl noch keinem Fürsten, soweit die deutsche Zunge reicht, ;u Thell geworden sind. Diese unvergeßlichen Kaisertage nun schildert uns das erwähnte Schrlftchen, dessen Titel wir hier folgen lassen: ,Wahrhaffllger vnd vollkommener Bericht, rote Ihrs Keyserliche Majestät Herr Wilhelm I erroeltcr Keyser der Lettischen die Stat Franckfurt an dem Mayn hetmsuchet vnd daselbst begrüßet warbt, ge- 'chehen off Donerstag, Freyiag vnd Samstag den XVIII. XIX. v. XX des MonathS OctrobriS des Jars rc-, eygentlich, grüntlich vnd vnterschidlich nach vorhyn selb eingenommenem Augenschein beschryben vnd verfasset von einem Doctorn der Phllo- s op hia." (Erschienen bei Johannes Alt in Frankfurt). Dieser „D o cto rn der Philo- so pHia" beschreibt hier in der kernfesten Sprache deS mittelalterlichen Chronik nsly'.", mit her seltsamen Orthographie jener Zelt, in einer unübertrefflichen Weise den vollständigen Verlauf deS Kaiserfestes. Uns will es scheinen, als habe der geschickte Verfasser einen recht glücklichen Griff gethan, baß er gerade diese Darstellungsweise wählte, die schon an und für sich recht lebhaft an des alten Reiches Herrlichkeit ernne t und uns beim Lesen unwillkürlich mannigfache Bilder aus längst verschwundenen Tagen vor die Seele führt. Der Verfasser hat seine gar nicht leichte Aufgabe vortrefflich gelost; er HU stets den richtigen Ausdruck getroffen und es daneben auch verstanden, das Ganze in das Gewand einer frischen heiteren Poesie zu kleiden, der die Würze eines feinen Witzes nicht fehlt, so baß de u'gewohnte Sprache und Schreibweise gar nickt ftörenb wirken. Das Eintreten be* Kaisers tn den Ballsaal schildert her Verfasser beispielsweise folgendermaßen: ,93fF ein mal geschah ein verstummen vnd warbt eine stille als in einer Kirchen vnd gyng eine gaffen vff mitten durch den sal, und fleschah ein neiflen vff beyden feitten al« der wlndt hinstreychet ober ein aherenfeld; alsbald bli.« die mufica vff, und in den sal tratt Ihro K. H." rc. Diese Probe wird genügen, um dem Leser emen Begriff von dem anziehenden Inhalt des Schrlftch-ns zu geben. Auch die äußere Ausstattung ist würdig und geschmackvoll, so daß wir schließlich wünschen dürfen, es mochte bei recht Vielen ein bleibendes Andenken werden an den glänzenden Besuch unseres siegreichen Kaiser« in »er alten Krönungsftadt am Main —
Sehtrr*bericht. Mitgetheilt von dem Agenten de«^ Norddeutschen Lloyd ^©fu'bam^tVm *28- Ncwbr. Das Postdampfschiff Mosel, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lltzvd in Bremen, welches am 17 November von New- York abgegangen war, ist beute 3 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekomnvn und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Nachmittags die Reise nach Bremen fortgesetzt. Die Mosel überbringt 98 Pasta- c.i re und volle Vnbun-
Irischbiicker in Gießen.
Sonntag, ben 2. December. Ludwig Kroneberg in der Neustadt. Konrad Haas in der Wallthorstroße.
Kirchliche Anzeigen
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Sonntag, ben 2. S)ecetnber.
I. Advent.
Morgens: Pfarrvicar Schöner.
(Feier des heil. Abendmahles) Nachmittags: Pfarrer Schlosser.
Am Vor- und Nachmittag wird eine Collekte für unsere Stadtkirche erhoben.
Die Pfarrgeschäfte tn der Woche vom 2. bis 8. December besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Allgemeiner Knzeiger.
8
Preisen
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im Gasthaus „jur Ztadt Tassel", am Kirchenplah.
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in Winterüberziehern neuester Fa^on, Laikrocke, [ complete Anzüge, Joppen, Hosen, Westen, 1 Scblafröcke, Knabenpaletots unv Knabenanzüge ’ empfiehlt in nur rein wollenen Stoffen zu sehr billigen
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