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Erstes Blatt.
Sonntag, den 29. April
Wo. 98.
1877
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Erschemt täglich mit Ausnahme des Montags. Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
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Emil Orbig. Reichensand.
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Offener Brief l2365 an Dr. Vitus Bruinsma, . von Lichter s Verlags-Anstalt in zig gratis und franco versendet wird.
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Deutschland.
Darmstadt, 27. April. Der Kaiser hat auf der Durchreise nach Karlsruhe beute Mittag einen Besuch dem Großherzoglichen Hofe abgestattet.
Berlin, 27. April. Der Reichstag trat heute in die zweite Be- rathung des Gesetz-Entwurfs wegen Erhebung einer Ausgleichs-Abgabe von Eisen-Waaren rc. ein. Hausburg sprach vom landwirthschaftlichen Standpunkt auS gegen die Vorlage. Grumbrecht trat für dieselbe ein, als den richtigen Mittelweg zwischen den Anträgen der Schutzzöllner und dem „laisser aller“ der Freihändler. Braun erhob sich gegen die Ausführungen Grumbrecht's, weil ein Compromiß zwischen Schutzzoll und Freihandel ein Unding sei. Handels- Minister Achenbach nahm das Wort zu folgenden Erörterungen: Die Regierung sei sich der Consequenzen der von ihr vorgeschlagenen Maßregel nicht bewußt. Ob Frankreich die Absicht gehabt habe, die deutschen Interessen zu verletzen, sei gleichgültig: die Verletzung dieser Interessen sei eine Lhatsache und das Vorgehen der deutschen Negierung deßhalb gerechtfertigt. Die jetzige Maßregel habe schon 1848 einen Präcedenzfall gehabt; der damals angestrebte Erfolg sei auch wirklich erreicht worden. Wenn nun auch Frankreich jetzt nicht bestimmt werde, die titres d’acquits L caution aufzuheben, so werde doch eine Unbilligkeit ausgeglichen. Die Bedeutung der acquits ergebe sich auch aus dem Umstande, daß ein großes Elsässer Etablissement nach Frankreich übersiedeln wolle, um mit Hülfe der acquits der heimischen Industrie Concurrenz zu machen. Er Bitte, sämmt- ltche Amendements abzulehnen. Wenn von Schwinde! in der Eisen-Industrie gesprochen worden sei, so constatire er (der Minister), daß gerade die solide Eisen-Industrie unter dem Schwindel gelitten habe. v. Schorlemer-Alst meinte, di- Anträge Löwe's seien zwar vorzuziehen, doch erachte er auch die bloße Annahme der Regierungs-Vorlage als auf Anbahnung eines Stillstandes auf dem Wege der falschen Handels-Politik gerichtet, für annehmbar. Die bisherige Handels-Politik habe den ausländischen Markt für die deutsche Industrie nicht allein nicht erobert, sondern auch nicht einmal den einheimischen Markt für die selbe gesichert. „Man kauft seit Aushebung der Elsenzölle eine Pflugschar keinen Pfennig billiger." Der § 1 des Ansgleichungs-Abgaben-Gesetzes wurde in Namensabstimmung yut 211 gegen 111 Stimmen und damit das ganze Gesetz abgelehnt.
England
London, 27. April. Die Nachricht, daß Lord Derby sich zum Gebrauch der Kur nach Reichenhall begeben habe, wird als unbegründet bezeichnet. Derselbe hat der gestrigen Sitzung des Oberhauses betgewohnt. — In Hofkrcisen wird der Angabe, daß die Königin nach Darmstadt zu reisen beabsichtige, widersprochen. — Die Führer der Opposition sind auf das Gesuch mehrerer liberaler Abgeordneter, ein Mißtrauens-Votum gegen die Regierung im Parlament einzubringen, nicht eingegangen. Der „Morntng - Avertiser" kündigt die unverzügliche Bekanntmachung der Neutralitäts-Erklärung Eng lands an.
Mekgien.
Brüssel, 26. April. Betreffs der von einigen Zeitungen gemachten Bemerkung, die russischen officiellen Schriftstücke enthielten nichts von einer Verpflichtung für die Eventualität einer territorialen Vergrößerung Rußlands schreibt das Journal „Nord" : Darüber dürfe man sich nicht wundern: es sei natürlich, daß Rußland sich durch eine bestimmte Erklärung nicht im vorhinein die Hände binden laffe, da ihm dadurch eines seiner Actions-Mittel gegen seine Gegner entzogen würde. Die Action Rußlands bleibe deffenungeachtet von dem ollgemeinen Geiste beherrscht, der aus der fortgesetzten Haltung seiner Politik hervorgehe. Das Blatt spricht ferner die Ueberzeugung aus, der Continent, Vie das europäische Gleichgewicht, würden aus dem Conflict ungeschädigt der vorgehen. Im Uebrigen würden die Rußland verbündeten Regierungen über diesen Punkt hinreichend unterrichtet sein.
Der orientalische Krieg.
London, 26. April. Bei „Lloyds" lief heute ein Telegramm von Culina vom 25. d. Mts. ein, wonach am gestrigen Tage fünf türkische Panzerschiffe vor Sulina eingetroffen seien, von denen vier auf der Rhede geblieben sind und eines in den Hafen einlief.
— Abends. In der Sitzung des Unterhauses erklärte Unter-Staats- secretär Bourke anläßlich von an die Regierung gerichteten Anfragen: Keiner der kriegführenden Theile habe die Absicht angekündigt, eine Blokade zu ver- figen. Der britische Botschafter Lord Loftus habe Petersburg nicht verlaffen. Graf Schuwaloff werde nur einen kurzen Urlaub nehmen. Der Secreiär der Admiralität, Egerton, beantwortete eine Anfrage Cartwright's dahin: die Ad
miralität habe den in türkischen Diensten stehenden Admiral Hobart Pascha darauf aufmerksam gemacht, daß er, wenn er an den Feindseligkeiten sich betheilige, nicht englischer Officier bleiben könne.
Konstantinopel, 26. April. Zwischen den Ruffen und Türken haben bereits zwei Gefechte an der Grenze in Asien stattgefunden, das letzte bei Gumu in der Richtung auf Kars; zu einem bedeutenden Kampfe ist es jedoch noch nicht gekommen. In Konstantinopel soll demnächst der Belagerungs-Zustand verkündet werden. In seiner Proclamation, welche der Sultan an die Führer der Flotte gerichtet hat, wird denselben vornehmlich das Schicksal der Moha- medaner in der Krim und im Kaukasus an's Herz gelegt, welche unter dem russischen Joche seufzen.
— Mittags. Die hiesigen Zeitungen melden, daß an der türkisch-russischen Grenze in Asien, unweit Erdkhan, ein Gefecht stattgefunden habe, wobei die Russin zum Rückzüge gezwungen worden seien.
Bukarest, 26. April. Das elfte russische Armee-Corps unter Fürst Schahorsky marschirt seit gestern gegen Husch vor.
— Bis beute Abend 5 Uhr hat noch keinerlei Zusammenstoß stattgehabt. Die Zahl der bisher in Rumänien eingerückten russischen Truppen wird auf 80,000 geschätzt. Dieselben haben den Sereth und die Donau noch nicht überschritten und scheinen gegen die Dobrudscha hin vorgehen zu wollen, wo sie geringe Streitkräfte vermuthen.
Konstantinopel, 26. April, Abends. Eine officielle Regiernngs-Depesche meldet: Bei Jschurk, unweit Batum, fand das erste Gefecht statt. Der Feind wurde geschlagen und in Unordnung zurückgeworfen. Die Russen verloren 800 Mann.
— Abends. Christich wurde definitiv zum serbischen Agenten ernannt. Ein Telegramm Haffan Paschas, des Commandanten der Batumer Division, vom 26. d. meldet: Zwei Stunden von der Grenze wurden die vorgerückten Ruffen am 25. d. von den Türken aufgehalten. Im gestrigen Kampfe verloren die Ruffeu 800 Mann; heute wird der Kampf fortgesetzt. Ein Theil der tür- kffchen Flotte bombardirt Chefketil.
Petersburg, 26. April. Der hiesige Magistrat beschloß nach Verkündigung des Manifestes gleichfalls die Veranstaltung einer allgemeinen gottesdienstlichen Feier und eine Subscription für die Verwundeten zu eröffnen. Die Höhe des Betrages, mit welchem sich die Stadtgemeinde betheiligen soll, wird in der nächsten Sitzung festgestellt werden; ferner, an die Großfürsten Nicolaus und Michael Glückwunsch-Telegramme zu richten und den Kaiser bei seiner Rückkunft hierher durch eine Deputation zu beglückwünschen.
— Der seitherige türkische Geschäftsträger ist mit dem Botschafts-Personal heute früh abgereist. — JBie hierher gemeldet wird, haben die Türken den Hauptort des Miriditen-Stammes ohne Schwertstreich besetzt. Die Corr Russe" bemerkt hierzu: militärisch sei dieser Erfolg ohne Bedeutung.
Bukarest, 26. April, Nachts. Es wird versichert, der Fürst Carol habe beim Empfang des von Kischeneff zurückgekehrten russischen Agenten gegen den Einmarsch der Ruffen, ohne vorherige Avlsirung der rumänischen Regierung und ohne den Zusammentritt der Kammern abzuwarten, protestirt. — Die Türken unternahmen noch keine feindliche Bewegung gegen die rumänische Grenze. Die rumänischen Truppen räumten die Festung Kalafat und ließen nur die für den Platzdienst nothwendige Mannschaft zurück. — Zwei in Galatz stationirte englische Kanonenboote scheinen nur den Zweck zu haben, die britischen Unter; thanen für den Fall eines Bombardements der Donauhäfen zu schützen.
Kischeneff, 26. April, Abends. Der Oberbefehlshaber Großfürst Nicolaus hat folgenden Tagesbefehl erlassen: Die durch das türkische Joch gedrückten Christen haben sich gegen ihre Bedrücker erhoben, feit zwei Jahren stießt ihr Blut. Die Anstrengungen Rußlands und der übrigen Großmächte das Loos der christlichen Bewohner der Türkei zu verbessern, waren fruchtlos! Das letzte Wort des Kaisers ist gesprochen, der Krieg ist erklärt. Der Kaiser hat nur die Mission anvertraut, seinen Wilkn zu erfüllen. Wir ziehen nicht aus, um Eloberungen zu machen, sondern um die unterdrückten Brüder und die christliche Religion zu vertheidigeu. Ich bin überzeugt, daß Jeder seine Pflicht thun und den russischen Namen nicht entehren werde. Alle friedlichen Einwohner ohne Unterschied der Religion und Nationalität werden uns heilig sein Ihr SM?“ Smcn ohne es zu bezahlen, ich fordere streng- Handhabung der Discipluu Wir Beteten Rumänien zum Zwecke des Dnrchmarschs- ich bin überzeugt wir werden dieselbe Gastfreundschaft wie unsere Vorfahren finden und verlange.dafür, daßihr di- Landesgesetze ach,et und nöthigenfalls Rumänien in uneigennütziger Weise Hulse leistet gegen die Türken.
27. April. Das Neue Wiener Tagbl." meldet aus Belgrad: ©le Türkei verlangt von Serbien die Zusage vollständiger Neutralität und hat das Ersuchen gestellt, einer türkischen Truppen-Abtheilung den Durchzug durch das serbische Gebiet nach Kladowa zu gestatten. Der Generalissimus Abdul Kertm Pascha benachrichtigte unmittelbar darauf den serbischen Commandanten


