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Deutschland.

Darmstadt, 24. October. Dem Präsidenten des Staats-Ministeriums, Minister des Großh. Hauses und des Aeußern, Wirklichen Geheimen Rath Freiherrn von Starck, ist der preußische Kronen-Orden erster Klasse, dem Ge­sandten am hessischen Hose, Fürsten zu Lynar, der Kconen-Ocden zweiter Klasse, sowie dem der preußischen Gesandtschaft zugetheilten Geheimen expedirenden Secretär Lehmann der Rothe Adler-Orden vierter Klasie verliehen worden.

Berlin, 24. October. Ein ausführlicher Artikel derProv.-Torresp." tritt auf das Entschiedenste der Auffassung entgegen, als sei das Abschieds- Gesuch des Ministers des Innern als Bestätigung des Gerüchtes anzusehen, daß die Verwaltungs-Reform vorläufig sistirt sei und demnächst in andere Wege geleitet werden solle. Der Name: Friedenthal, sei als eine Bürgschaft dafür anzusehen, daß eine Umkehr von der grundsätzlich festgestellten Reform nicht be­absichtigt werde. DieProv.-Corresp." weist demnächst die Behauptung zurück, daß Fürst Bismarck gleichgültig gegen die Verwaltungs-Reform oder gar ein Gegner derselben sei, und erinnert daran, daß derselbe schon im Frühjahr 1870 die dringende Nothwendigkeit der Reformen der Kreisordnung im Zusammen­hang mit der Verwaltungs-Reform lebhaft betonte. Der Artikel schließt: die Regierung in allen ihren Theilen ist weit davon entfernt, die kräftig und er­folgreich angebahnte Reform ausgeben und verleugnen zu wollen; dieselbe glaubt nur, dem Drängen zu rastlosem heftigem VorwärtSschreiten in Ueber- einstimmung.mit dem Jntereffe der Bevölkerung selbst widerstehen zu muffen.

Berlin, 24. October. Am Schluffe einer Besprechung der inneren Lage Frankreichs äußert sich dieNordd. Allg. Ztg." folgendermaßen:Wie die Dinge sich einmal gestaltet haben, erscheint die Republik, die aufrichtige, libe­rale Republik in Frankreich beinahe als bester Bürge einer friedlichen Politik, und die Factoren, welche so eifrig danach streben, anderen Gestaltungen die Bahn zu ebnen, dürften doch wohl erst zu überlegen haben, ob mit dem Gelin­gen ihrer Pläne nicht auch jene freundschaftlichen Beziehungen erschüttert wer­den, die zu allseitigem Vortheil das Frankreich von 1871 mit den anderen Völkern verknüpften, und welche zu befestigen insbesondere in Deutschland vo i Jedermann gewünscht wird.

Fulda, 20. October. Heute wurde Seminar-Lehrer I. Pauly von dem Untersuchungs-Richter protokollarisch darüber vernommen, ob er am Nach­machmittag des 12. d. Mts. in der Marien-Capelle des Domes einen reli­giösen Vortrag vor katholischen Jungfrauen gehalten habe. Der Angeschuldigte räumte unter Protest gegen die Zuständigkeit des Gerichtes in der vorliegenden Sache die ihm zur Last gelegte Handlung ein, berief sich auf sein Recht, bez«. seine Verpflichtung, als Seminar-Lehrer im Dome jegliche Art von geistlichen Amtshandlungen zu verrichten, und behielt sich die spectelle Vorlage der Be­weismittel für die Hauptverh«ndlung vor. (Mzr. Journ.)

Geisenheim, 24. October. Bis gestern Abend waren hier an Rind­vieh getödret 125 Stück, gefallen 4, außerdem getödtet 40 Ziegen, 1 Schaf- Larnm und 1 Kalb von einigen Tagen. Vieles von dem als anscheinend gesund abgetriebenen Vieh erwies sich bei der Tödtung als krank; täglich werden neue Erkrankungsfälle angemeldet, und ist nicht anzunehmen, daß die Pest aufhö.rt, bis die letzte Klaue in der Grube liegt. Je mehr Zeit bis dahin vergeht, desto mehr Gefahr der Verschleppung nach Außen. Geisenheim hatte etwas über 300 Stück Rindvieh. Wie gering ist der Verlust, wenn diese schnell weggeschafft werden, um die ganze Provinz vor Unglück zu bewahren! In Eibtngen zeigte sich die Pest in zwei Ställen, 4 Stück wurden sofort getödtet und ist bis jetzt nicht- mehr vorgekommen. Erfreulich ist, - daß man hier gestern schon von einigen Gehöften, deren Ställe gereinigt und hergestellt sind, die Sperre nehmen, Wächter und Schild entfernen konnte.

München, 25. October. Erzbischof Gregor ist gestern Abend um 6V2 Uhr gestorben.

Dresden, 25. October. In der zweiten Kammer erfolgte heute auf Antrag Schaffrath's die Wiederwahl deS früheren Präsidiums durch Acclama- tion, und zwar des Abg. Haberkorn zum Präsidenten, des Abg. Streit zum ersten und des Abg. Dr. Pfeiffer zum zweiten Vice-Präsidenten. Die erste Kammer schreitet heute Abend zur Wahl ihres Vice-Präsidenten. Sodann findet morgen Mittag die feierliche Eröffnung des Landtages durch den König statt.

Hesterreich.

Wien, 24. October. Das Scheitern des Zoll-Vertrags ist zweifellos. In Betreff der Rückwirkung auf den Ausgleich herrscht Verwirrung. Zwischen den beiden Reichs-Hälften ist eine neue Verständigung eingeleitet. Die ,/Presse" meldet: Die Gesammt-Stärke der Russen vor Plewna beträgt 80,000 Mann. Die Belagerungs-Arbeiten werden bis Ende October dauern. Es sind 21 Redouten und ebenso viele Batterien aufgeführt.

Der Correspondent derPoltt. Corresp." in Rom berichtet vom 21. d.: Anläßlich des republikanischen Wahl-Sieges in Frankreich haben in mehreren größeren Städten Italiens stark prononcirte republikanische Demon­strationen stattgefunden; in den meisten derselben aber, namentlich in Neapel und Mailand, scheinen die französischen Wahl-Resultate blos Den Vorwand ge- liefert zu haben, um für eine italienische Zukunfts-Republik zu demonstriren.

Nach einer Belgrader Meldung derPolit. Corresp." hat der serbische Mtnisterrath beschlossen, die Skupschtina erst im December einzuberufen. Oe unter Fazly Pascha an der serbischen Grenze stehenden türkischen Truppen sind nach der Herzegowina abmarschirt, um gegen Montenegro verwendet zu werden.

Wien, 25. October. Von officiöser österreichischer Seite wird ange­deutet, daß eine provisorische Verlängerung des bisherigen Zoll-Vertrags mit Deutschland nicht ausgeschlossen sei; die spätere Wiederaufnahme der Verhand­lungen wird als wahrscheinlich erachtet. Die vertragsfreundlichen Abgeordneten wollen heute zu Gunsten des Zoll-Vertrags eine Kundgebunng veranstalten. Sammtliche Botschafter Frankreichs bei den Großmächten sind nach Paris be­rufen. Es verlautet, daß Serbien seine Milizen theilweise entlasse.

Der Ausgleichs-Ausschuß beschloß, den Gesetz-Entwurf betreffs der Regelung der 80 Milltonen-Schuldfrage abzulehnen, nahm dagegen Anträge an, nach welchen im Einvernehmen mit den beiderseitigen Finanz-Ministern und der Bank, sowie in Gemäßheit des Art. 102 der Bank-Statuten die Verwen­dung der zweiten Hälfte des Reingewinns der Bank zur Abschreibung auf die

80 Millionen-Schuld, und zwar mit 70 pCt. zu Gunsten der österreichischen, und mit 30 pCt. zu Gunsten d-r ungarischen Regierung ausgesprochen wer­den soll.

Wien, 24. October. Gegenüber der Zeitungs-Meldung von dem Ab­bruch der Verhandlungen über den Abschluß des Handels-Vertrags zwischen Oesterreich und Deutschland will dieDeutsche Ztg." von verläßlicher Seite folgende Informationen erhalten haben: Der preußische Bevollmächtigte, Haffel- bach, ist gestern mit Instructionen hier eingetroffen, welche dahin gehen, daß die Seitens Oesterreichs bisher gemachten Cvncesstonen nicht hinreichend seien. Es dürften demnach die Verhandlungen zu keinem Resultate führen. Dieselben wurden jedoch »och nicht abgebrochen, vielmehr wird am Freitag eine Conferenz stattfinden, zu welcher der ungarische Finanz-Minister v. Szell erwartet wird. DieNeue Fr. Pc." ist der Ansiht, daß nach dem Abbruch der Verhandlun- gen neben der Aufstellung des autonomen Tarifs noch zwei Wege in Erwägung zu ziehen seien: der Abschluß des Vertrages mit Deutschland unter Emrä imu iz der Vortheile der meist begünstigten Nation neben Beibehaltung deS Appretur- Verfahrens, oder Erneuerung des Vertrags von 1868 f»r die Dauer eines Jahres.

Arankreich.

Paris, 23. October. DerMoniteur" meldet: Der Marschall-Prä­sident hatte nach dem heute Vor nittag stattgehabten Ministerrathe noch eine Conferenz mit den Ministern v. Broglie und Fourtou, bei welcher er sich dahin aussprach, daß von Veränderungen im Ministerium gegenwärtig keine Rede sein könne.

Wie derTelezraphe" versichert, ist der Vertrag zwischen dem Soir und dem Elys6e, dessen Dauer bi- nach den allgemeinen Wahlen festgesetzt war, und demzufolge Clement Duvernois die politische Direction desselben er­hielt, verlängert worden. Dieses Blatt, da- also wie bi-her die geheimsten Tiefen des Elysöe vorzubereiten und zu offenbaren hat, erklärt heute, daß Mac Mahon in Zukunft mit einem Ministerium nach dem Geschmack der Con- servativen de- Senats regieren und sich nicht weiter um die Kammer beküm­mern, doch Alles aufbieten werde, um sich die Mehrheit auch in der Deputirten- Kammer zu verschaffen. Das war der Plan von Anfang.

Kuglaud

Londorr, 24. October. Es heißt, der seitherige Botschafter in Konstan­tinopel, Elliot, würde ;um Nachfolger de- bisherigen Botschafters in Wien, Buchanan, ernannt werden. DieMorning Post" erklärt die Nachricht, baß Suleiman Pascha den Oberst Baker und die anderen englischen Officiere nach Konstantinopel zurückzeschickt habe, für unbegründet.

Kossand.

Amsterdam, 24. October. Die liberale Minister-Liste ist folgender­maßen zusammengesetzt: Kappeyne van de Coppello Inneres, van den Putte Aeußeres, Cremers Justiz, Smidt Finanzen, Taalman-Kip Marine, Roo van Al- derwerelt Krieg, van Deventer Colonien.

AtalUrr

Rom, 22. October. Man meldet derTimes" aus Rom:Fanfulla" versichert, der Kriegs-Minister bestehe auf seinem Fortifications-Plan für die Stadt Rom und habe eine neue Inaugenscheinnahme der Umgegend derselben ange­ordnet.Daily News" zufolge ist Pater Curci aus dem Grunde mit Ausstoßung aus dem Jesuiten-Orden bedroht, weil er für den Verzicht ans die weltliche Gewalt und die Aussöhnung des Papstthums mit dem italienischen Königreich agitirte.

Spanien.

Madrid, 24. October. Die Gefangennehmung Estrada's, des Präsi­denten der Republik Cuba, wird amtlich bestätigt.

Amerika.

Rew'Aork, 25. October. Ein von San Francisco kommendes fran­zösisches Kanonenboot hat die Nachricht überbracht, daß die Königin der Gesell­schafts-Inseln, Pomare, am 17. Septbr. gestorben und ihr Sohn Arkane zum König ausgerufen ist.

Der orientalische Krieg.

London, 24. October.Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum von heute: Ismail Pascha, der gestern in Zeidekan eingetroffen ist, gedachte heute Eahar zu erreichen, um mit den Truppen Mukhtar Pascha's bet Zewin die Verbindung herzustellen. Am Soghanly-Dagh steht eine russische Abthetlung.

Konstantinopel, 23. October. Die Blätter melden: Das Corps JSmatl Hakki Pascha's, das bei Jzdyr stand, hat das russische Gebiet ver­lassen, um sich mit Mukhtar Pascha zu vereinigen.

Wien, 24. October DiePresse" meldet aus Tiflis: Die Russen haben am 19. d. Pennek besetzt.

Konstantinopel, 25. October. Der Gouverneur von Plewna meldet unterm 21. Octbr.: Die Russen haben das Bombardement wieder begonnen und die Geschosse gegen die Stadt gerichtet. Reuf Pascha meldet aus ^chipka vom 23. Octar.: Der beiderseitige Artillerie-Kampf dauert ununter­brochen fort. Das russische Munitions-Depot ist in die Lust geflogen. Ismail Hakki Pascha meldet vom 18. d.: Die Russen, welche uns den Rück­zug abzuschneiden suchten, wurden von den Divisionen Safvet Pascha's bei Zorakif in der Nähe von Massounguelik angegriffen, geschlagen und gezwungen, sich zurückzuziehen und ihre Verschanzungen zu verlassen. Mukhtar Pascha hat seine Stellung bei Zewin stark verschanzt. Hobart Pascha ist hier eingetroffen.

Petersburg, 25. October. DieAgence Russe" meldet aus Gorni- Studen: Bei einer der letzten von der Armee des Großfürsten-Thronfolgers unternommenen Recognoscirungen wurde Prinz Sergius Leuchtenberg durch eine Kugel in die Stirn getödtet.

Bukarest, 25. October. Heute ist das 7. russische Linien-Grenadier- Regiment nebst Artillerie hier durchmarschirt.