Zweites Blatt
Sonntag, den 25. März
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vrrnaerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Wir oerft-blen nicht darauf aufmerksam zu mache», daß Vortrag des Herrn Prof. Gareis in Wenzels Garten
Bier im GlaS verabreicht wird.
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Gießen, 24. Vtärz. am Montaa Abend bei dem
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Deutschland.
Darmstadt, 21. März. Die Theilnahme der hiesigen Bevölkerung an dem schweren Verlust, welchen das Großh. Haus durch das gestern Abend 6% Ubr «folgte Ableben Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Carl, deS ältesten Bruders Sr. König!. Hoheit des Großherzogs, erlitten, ist eine allgemeine. Dem hohen Heimgegangenen weint nicht nur der Kreis seiner Familie nach, sondern auch mancher Arme und manche sorgenbeschwerte Mutter werden bei der Todesnachricht eine Thräne des Schmerzes und der Dankbarkeit für genoßene Wohtthalen nicht unterdrücken können. Möge dies Bewußtsein, das durch des Volkes Mund den hohen Hinterbliebenen des Verewigten gebracht wird, vor Allem dessen tief erschütterter hohen Gemahlin, den Brüdern, unferm allverehrlen Großherzog und Sr. Großh. Hoheit dem Prinzen Alexander, der Schwester, Ihrer Majestät der Kaiserin von Rußland, und den Söhnen des hohen Verstorbenen zum Tröste gereichen. Wie die Gruft sich über dem Sarge des im 68. Lebensjahre Verschiedenen schließen wird, werden Alle, welche Gelegenheit hatten, sein still bescheidenes Wesen kennen zu lernen, sagen: „Sie haben einen guten Mann begraben" und die Fortsetzung des Dichterwortes: «Dock uns war er noch mehr", werden dem hohen Verblichenen die dankerfüllten Herzen Derer als Chrenpalme nachsenden, denen er oft ungekannt Linderung in der Noth des Lebens brachte. Das hessische Volk wird dem Andenken des hohen Herrn, der, seinen Ahnen folgend, Biederkeit, Gerechtigkeitssinn und Menschenliebe stets zu seines Lebens Richtschnur machte, in seiner Brust einen Ehrenplatz bewahren.
Darmstadt, 23. März. Prinz Friedrich Carl Namens des Kaisers, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, Prinz Carl von Baden Namens des Großherzogs und der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt treffen heute zur Beisetzung des Prinzen Carl hier ein.
Berlin, 22. März. Das Geburtstags-Fest des Kaisers ist hier so festlich begangen worden, wie kaum jemals in früheren Jahren. Nachmittags wurde dem Kaiser das ihm von den deutschen Fürsten geschenkte Bild überreicht.
— Der „Reichs-Anz." publicirt nunmehr die Ernennung deS Fürsten Bismarck zum Erb Oberlandjägermeister des Herzogthums Pommern. — Die Kaiser von Oesterreich und Rußland haben den Kaiser Wilhelm telegraphisch beglückwünscht, die Könige von Bayern, Belgien und Spanien vermittelst eigenhändigen Schreibens.
Straßburg, 23. März. In der Rede des Ober-Präsidenten bei dem gestrigen Fest-Bankette sprach derselbe von der sichere» Hoffnung, die wir hätten, den Kaiser recht bald hier zu sehen.
Hesterreich.
Wie«, 22. März. Die „Presse" meldet: Die Galizische Karl-Lndwigs- Eisenbahn-Gesellschaft zeigt an, daß in Folge Einsturzes einer Brücke auf der Kiew-Brester Bahn der Anschluß-Verkehr von Rußland her über Radziwilow eingestellt worden ist.
Wien, 23. März. Das „Fremdenblatt" widmet dem 80. Gcburts- feste des Deutschen Kaisers einen herzlichen und sympathischen Artikel, worin es darauf hinweist, daß Kaiser Wilhelm als Held, als Völkerhtrt und Schlach- tenführer, als Erhalter und Neubegründer auf ein so langes Leben der Arbeit und Pflichterfüllung mit dem beruhigten Bewußtsein, das Veste gewollt, und mit der lohnenden Genugthuung, das Höchste erreicht zu haben, zurückzubücken vermag.
7- Durch kaiserliches Patent vom 20. d. Mts. werden die Landtage der Kronländer etnberufen, und zwar der Landtag der Bukowina zum 11. April, der böhmische zum 9. April, die übrigen, mit Ausnahme des galizischen und dal- matischen, znm 5. April.
23. März. Die „Polit. Corresp." meldet ans Petersburg von' ' heutigen Tage: Die Londoner Protokoll-Verhandlungen find nahezu als ge ■ heitert Zu betrachten. Die russische Regierung wird niemals der Aufnahme 1 eine« Passus über die Abrüstung der russischen Armee in das Protokoll zustimmen. Die bezügliche Insinuation Englands würde entschieden zurückgewiesen. Beharrt England auf seinen diesbezüglichen Forderungen, so sind alle weiteren ■ Un^fn Zwecklos. General Jgnatieff trifft heute in Pari^ ein und rci; < alsbald weiter nach Wien. Die Haltung Englands läßt neuerlich den Drei- : Kaiser-Bund in den Vordergrund treten und dürfen diesbezügliche Verhandlun- gm als bevorstehend fignalisirt werden.
KranLreich.
PariH, 23. März. General Jgnatieff hat in London einen Rangstreit ' mit Schuwal-ff bestanden. Er hat nichts ausgerichtet. Die Abrüstung Nuß- f ^nds ist definitiv zurückgewiesen, das Protokoll vorerst beseitigt. Heute finde- 1 Jgnatieff's Abreise nach Wien statt. ' ~ 1
England
Londo«, 22. März. Im Unterhause beantwortete der Unter-Ätaats- secretär Bourke eine Anfrage Potter's dahin, daß der Khedive den Oberst
Vermischtes.
3p Würzburg spielt zur Zeit em Prozeß gegen den Weinschmierer A. Wann- fried, verklagt wegen 16 Vergehen des Betrugs, spectcll der WeinfäÜchung. Die Erörterungen ser sls Sachverständige geladenen Weinhändler, sowie f. Universitäts- Professors Dr. W-slicenus gaben einen Ueber^lick über das ganze Gebiet der Zjeiube- reitnng und Wttnfälschung und damit zugleich ein äußerst trauriges Zeugmß über die Qualitäten der Gcnußmitrel, welche uns vielfach unter dem Namen „Wein" gereicht werden. Abgesehen von der durch alle Sachverständigen dargethanen Mittheilung, daß alle unter fremden Namen im Handel vorkommenden Weine, wie Madeira, Malaga, Roussillion u. f. w. durchweg Kunstproducte sind, wurden auch noch die Manipula- tisnen des Näheren bekannt gegeben, welche außewenbet werden, um die edelsten Wttn- sorten künstlich zu ersetzen, oder dieselben wenigstens durch Beimischung aller möglichen Substanzen derart zu ändern oder zu vermehren, daß Hunderte von Procenten im Handel verdient, eie Gesundheit und materiellen Interessen des weintrinkenden Publikums aber suf's Aergste geschädigt werden. Das Urthcil über Wannfrted ist noch mcht gesprochen werden. Hoffentlich Erhält der Biedermann einen Denkzettel, der ihm und feinen Colleaen das Schmieren verleiden wird.
— Für die Legung der unterirdischen Telegraphen sind tu Hochheim seit Montag IjO fremde Arbeiter angekommen, größtentherlS Engländer, welche mit dem besond-ren Verfahren beim Verbinden der Röhren, ein Geheimniß des englischen Erfinders, vertraut sind.
Berlin. In das bekannte Restaurant Landvogt, Unter den Linden 18, traten oor Einigen Tagen so erzählt die N. A. Z. — zwei mächtige Märmergestülten, wie ihrem Gespräch zu entnehmen war, der einc Pommer und Lanbwehrcasallette Lieute- nant, der andere Schlesier und, wie fein zerfetztes Gesicht erkennen ließ, wahrscheinlich em alter CocpSstudevt. „Eine Pilsener! eine Münchener!" schallte es dem Kellner im kräftigen Baßorgan entgegen. — Nach Ablauf von drei und einer halben Stunde hatten die beiden Ke>nsestalten in Summe 121 Seid l vertilgt. Der erste 67 Pilsener, der andere 54 Münchener. Nachdem die Kleinigkeit von 36 30 H allein für Bier depo-
ü'« ^elnte der Pommer in höchst r G-mütbsruh.i: „Dss war em Mämiett-vnk! Kellner, Jedem noch ein Stebseidel!" Tranken's und singen so ruhig, wie sie gekommen. (?)
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Gordon ermächtigt habe, mit Abessinien Frieden zu schließe«. Derselbe erklärte auf Anregung von Fawcett, die Nachrichten von Unruhen bei Adrianopel seien übertrieben, jedoch habe der dortige engliche Lonsul die Anweisung erhalten, an Ort und Stelle persönlich Erkundigungen einzuziehen. Eine Anfrage Campbell's beantwortete der Schatzkanzler Northcote dahin, daß die vom Sultan erlaffene Amnestie sich nicht auf solche Personen erstrecke, die an den Greuel- thaten in Bulgarien thetlgenommen hätten. — Im Oberhause erklärte Lord Derby auf die Anfrage Lord Dudley's, der Text des Protokolls und die Bedingungen, unter denen England unterzeichnen würde, falls es zur Unterzeichnung käme, seien noch Gegenstand der Erwägungen Seitens des Cabmets.
General Jgnatieff nebst Gemahlin ist heute Vormittag nach Paris abgereist und wird von dort nach Petersburg zurückkehren, wohin er, soweit bisher bestimmt ist, seinen Weg über Wien nehmen wird.
Spanien.
Madrid, 23. März. Bei einem Zusammenstöße zweier Eisenbahnzuge auf der Südbahn kamen mehrere Personen um's Leben, verschiedene andere erlitten Verwundungen.
Literarisches.
."Allzest voran!" Dies Motto könnte sich mit Recht die Modenzeitung V c oria ui«! Dankbar erkennen wir an, daß wieder der Januar wie Februar d. % uns bte schönsten, vollständigsten Mobenbilder brachte — vsm Neuen das Neueste mit treff: Ii$em erklärenden Texte — kurz Alles, was nothwendig, um Damenroilleten zu e nein Besuch in der Rcstdenz darnach zu ordnen und das Passendste dafür zu wählen. E'ne Freundin schreibt uns: „Der Rath der Vlctoria har so vollständig gcnÜLt, daß die Wsr.e: „Ei ®tc überflügeln ja uns Berliner en Eleganz!" von uns oertratten Frauen geäußert, uns eben so wohl thaten, wie die bewundernden Blicke, welche von Ratz und ^ern dort unsrer Toiöette gespendet wurden. Wird ja doch, wer aus der Prov.nz kommt, mit hyperkritischen Augen in der Refiden, beschaut?"
Weltblatt, oas, wir wissen nicht, iu wie vielen Sprachen Einersetts sür unser Aeußcres in anerkennenswerthester Weise, so ist bie belletristische Zujt-rbe nicht weniger vorzü.lich und reiht sich dem Besten an, wa§ hetoor- ragenbe Blätter bringen. E< B
,?ie allsemein beliebte komische Alte des Wiener Hof- burgtoekters, hat dekanntltch seit etni^er Zeit den Brettern, die ihr, wie vielleicht keinem
^te ßan^e Welt bedeuteten, Lebewohl sagen müssen. Das prächtige Poctrait der alten Dame und die warmempfundenen Worte über ihr Leben und Sire den in der neuesten Nummer der Jlluftrirten Frauen.Zeltuns sind für die unzähligen
Kießener Mnzeiger
Meige- unii AisiBM für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. (Expeditionr SchulstraßS, At. B. Nr.
Rumänien
Bukarest, 23. März. Seitens der mit Verfolgung der Anklage gegen mehrere ehemalige Minister betrauten Commission ist jetzt der Deputirten- Kammer die Anklage-Acte vorgelegt worden. Danach ist die Anklage gegen Catargiu, Lahovari, Floresco, Majoresco und- Mavrogheni aufrechterhalten, gegen Cretzulesco und Earp aber zurückgezogen. Die Aufrechterhaltung der Anklage gegen Boerescu, Cantakuzcno und Brosetti wird dem Ermessen der Kammer überlasten.
Lokal-Notiz.
Rühl in der Neustadt bchimmlen Geschenke fen der Kch N*.
r Vorstand^


