Der orientalische Krieg
wird."
Aara, 20. Augrist. Nachdem die Montenegriner in vergangener Nacht in die Stadt Niksic eingedrungen sind, gilt der Fall der Festung als bevor- stehend. Eine starke türktsche Eolonne soll von Kolatjchin her Niksic zu Hülfe eilen-
Konstantinopel, 20. August. Nach einem Telegramm Mehemed Ali Pascha'ü wurde gestern bei Zjaghiseler in der Umgebung von Djuma ein den Türken günstiges Gefecht geliefert. Bisher ist noch keinerlei osfictelle Depesche veröffentlicht, durch welche die Nachricht von der Vereinigung Suleiman Pascha's mit Mehemed Ali bestätigt würde. Ein Telegramm Mukhtar Pascha's beziffert den russischen Verlust in dem bereits gemeldeten Treffen am letzten Samstag auf 1500 Mann, abgesehen von mehreren Gefangenen, den türkischen aus 117 Todte und 342 Verwundete.
Wien, 21. August. Die „Presse" meldet aus Ragusa: Außer dem Fort Tschudjeliza, deffen Erstürmung bereits gemeldet wurde, haben die Montenegriner jetzt auch jämmtltche außerhalb von Niksic gelegene Verschanzungen nach heftigem Bombardement eingenommen. Fürst Nicolaus hat die Besatzung Niksics zur Uebergabe der Festung, welche wahrscheinlich in Kürze erfolgen wird, ausgefordert.
Rom. Ueber die im Vatican während des Jubiläums eingegangenen Summen und deren Verwendung erfährt man jetzt Genaueres. Im Ganzen überbrachten die Pilger dem Papste an baarem Gelde nur 16,476,381 Frcs., davon 9,190,000 in Gold, das übrige in italienischem Papier. Die Verwendung dieses Betrages soll zu vier verschiedenen Zwecken vor sich gehen. Vier Millionen fließen in die Kaffe des heil. Stuhles, vier kommen zur Vertheilung unter die jetzigen und die Ex-Beamten des Papstes, unter die Ex-Soldaten und die Familien beider Kategorien. Noch vier Millionen sind reservirt zur Nestau- rirung und Instandhaltung monumentaler Kirchen und zur Beförderung der Kunst und der Industrie. Die daun noch übrigbleibenden 4,476,381 Frcs. sollen Kranken und Armenhäusern zu Gute kommen. Die Gegenstände der vaticanischen Ausstellung wurden vom Papste mit Ausnahme einiger wenigen verschenkt. Aus den obigen Summen ersieht man, wie sehr die Wirklichkeit hinter den im Vatican bet Beginn des Jubiläums gehegten Erwartungen zurückgeblieben ist.
Vermischtes.
— Vom Commanbo der freiwilligen Feuerwehr in Pforzheim erhalten wir folgende Zuschrift: „In Ihrem Blatte oom 15. d. ist in einem Bericht über daS Stuttgarter Feuerwehr-Fest der Pforzheimer Feuerwehr erwähnt, u. a. mit dem Bemerken, daß diese als berittene Feuerwehr mit lauter Schleppsäbeln aufmarschirte. Zur Steuer der Wahrheit sehen wir und veranlaßt, zu erklären, daß hier so wenig wie an anderen Orten daS Unding einer berittenen Feuerwehr existirt und auch kein Feuerwehrmann von hier bei dem Feste zu Pferde erschien. In Ermangelung einer Garnison tragen diejenigen Mitglieder unseres CorpS, welche bei ausgebrochenem Brande den Wachdienst zu versehen haben, als Ausrüstung Säbel, und die wenigen Angehörigen dieser Ab- theilung trugen diese Waffe, als zu ihrer Ausrüstung gehörig, naturgemäß auch in Stuttgart."
Friedberg, 17. August. Von hier ist ein beklagenswerther Unfall zu berichten. In dem Souterrain des neu erbauten Pfarrhauses in der Burg ist die Waschküche angebracht und war die Anlage einer Etngangslhür zu derselben von dem Vorkeller aus wie es scheint vergessen, oder aus sonstigen technischen Gründen unterblieben, weßhalb nachträglich an der Außenwand des Hauses eine Oeffnung ausgegraben und eine oom Haus aus in die Waschküche hinunterführende Treppe nebst Eingang angelegt wurde. Diese Treppenöffnung ist nun unbegreiflicher Weife, obschon das Haus seit vorigem Herbst als fertig überwiesen und bewohnt ist, biS jetzt weder überbaut, noch mit einem Geländer umgeben, noch mit Fallthür verwahrt, sondern offen stehen gelassen worden, und ist in Folge dieser Unachtsamkeit am 16. d. eine im Pfarrhaus befreundete altere Frau auS der Nachbarschaft so unglücklich in die unverwahrte Treppenöffnung gestürzt, daß sie, am Kopfe schwer verletzt, in daS Hospital verbracht, schon nach wenigen Stun-
Serbieri.
Belgrad, 21. August. General Fadejeff ist mit General Hidrof aus Rumänien angekommen. Gestern traf aus Montenegro Weffelitzky hier ein und wurde Abends von Ristic empfangen, worauf ein bis 4 Uhr in der Frühe bauernder Minifterratd stattfand, deffen Beschlüffe noch unbekannt sind.
den verschied.
Nordhausen. (Ein eigenartiger Predigtschluß) Im schönen Harzlande liegt ein Oertchen, das wir nicht nennen wollen, von dem aber unser sicherer Gewährsmann folgendes erzählt: Der alte silberhaarige Pastor des Ortes predigte eineS schönen Sonntags in diesem Sommer über: „Gieb dem Kaiser, was des Kaisers ist." Andächtig wenigstens mäuschenstill hörten die gebräunten Bauern, die buntgekleideten Frauen und Mädchen der Predigt ihres Seelenhirten zu. Ganz eifrig und lebendig wurde er heute! Er sprach oom Heldenkaiser mit Liebe und Begeisterung, er wies auf dessen leuchtendes Beispiel hin und schloß im Eifer: „Geliebte Andächtige! Unser lieber Kaiser soll leben!" Die Bauern stutzten! wohl hatten die meisten draußen in Frankreich ihrem Kaiser Hurrah gerufen, aber in der Kirche, in der alten kleinen wertz- getünchteu Kirche, wo Vater und Großvater getauft und getraut sind, beim nie verstummenden leisen Echo, da stutzten sie doch! Der greise Prediger ließ sich jedoch nicht außer Fassung bringen. „Ja Kinder, unser lieber Kaiser, unser Heldenköntg soll leben. ' rief er noch einmal begeistert; die Augen der Zuhörer leuchteten auf und Hurrah! ertönte es halblaut in der kleinen Kirche, ertönte es auS guten Menfchenherzen ungekünstelt hinaus in den frischen, grünen Buchenwald.
— Ueber die militärischen Verhältnisse Nordamerikas schreibt die Jll.-St.'Ztg.: „Wenn der jetzt in den Vereinigten Staaten herrschende sociale Krieg nicht durch ruhige Verständigung zwischen den Vertretern des Eapitals und der Arbeit beendet werden Fann, so wird ihn daS „herrliche Kriegsherr" des Bundes wahrlich am allerwenigsten erledigen können. Denn dieses Heer ist nur ein Spott und Hohn auf seinen Namen, besonders nachdem der letzte Congreß es versäumt hat, den Jahresaufwand dafür zu bewilligen und in Folge dessen die äußerste Sparsamkeit geübt werden muß. Um von der Jämmerlichkeit dieses Heeres eine Vorstellung zu geben, sei hier das 22. Regiment als Probe angeführt, von welchem am 23. Juli sechs Compagnieen in Chicago ange langt sind. Diese sechs Compagnieen bestehen jede aus 3 Officieren und — 37 Unter? offtcieren und Gemeinen. Vielleicht war der Bestand einiger von ihnen während des Jndtanerfeldzugeü stärker; doch alS sie aus Dakota abberufen wurden, geschah eS unter dem Befehl, daß, sobald sie bis nach Chicago gekommen seien, alle überflüssigen Mannschaften (d. h. alle über 37 Mann der Compagnie) entlassen werden sollten. Wenn oteser Befehl zur Ausführung gelangt ist, bestehen heute die sechs Compagnien aus 18 Officieren und 222 Unterofficteren und Gemeinen. Das ist aber noch sehr viel, ist schon beinahe der „Kriegsfuß". Viel erbärmlicher steht es um die auf dem Friedensfutze befindlichen Truppen. Don demselben 22. Regiment stehen in Fort Wayne bei Detroit die zwei Compagnieen A und D. Hiervon ist Compagnie A die stärkste. Sie besteht aus 3 Officieren, 9 Unterofficteren und 20 Gemeinen Davon aber find 1 üfjtcter unö 4 Gemeine im Fort Grattot (am Huron-See), 2 dienen als Hospital-Gehülfen, 5 tu der QuartiermeisterS-Abthetlung als Schreiber, Packknechte rc., und eS bleiben also nur 9 Gemeine mit eben so viel Unterofficieren (so daß jeder Gemeine seinen eigenen Unter- 1 osficier hat!) in Reihe und Glied. Und nun erst die Compagnie D! Diese zählt 3 > Osficierc, 9 Unterofficiere und 16 Mann. Von den letzteren find 10 Mann mit einem - Officier nach Fort Brady am Obern-See (Lake Superior) abcommanbirt und 2 dienen als Köche. Es bleibt somit für die Compagnie in Fort Wayne ein Actiobestand von 2 Officieren, 9 Unterofficteren und 4, sage und schreibe: vier Soldaten. Em Commen- lar hierzu ist überflüssig. Doch mag die Bemerkung hinzugefügt werden, daß mehrere der Compagnie-Officiere, die von 2 bis 4 ober 5 Gemeinen unter sich haben, die hohen 1 Titel, welche sie während des Krieges erwarben, fortführen, so daß mancher über « , Mann commanbirenbe Lieutenant alS Oberst, wenn nicht gar als General angeredet
Mußland.
Petersburg, 21. August. Der „Ruff. Invalide" schreibt: Der Ad- junct des General-Feldzeugmeisters, General-Adjutant Baranzeff, hat die Besichtigung der Ostsee-Festungen Wiborg und Sweaborg beendigt. Dieselbe ergab, daß Alles sich in gutem Zustande befindet. Das praktische Zielschießen hatte die besten Resultate. Baranzeff drückte den Commandanten, sowie den Officieren und Mannschaften seine Zufriedenheit aus.
TifliS, 21. August. Die Banden des Ali Beg wurden bet Tscherelot gänzlich geschlagen. Ali Beg floh, wurde aber von einem Mohamedaner gefangen und an die Ruffen ausgeliefert.
Türkei.
Konstantinopel, 20. August. Der hiesige diplomatische Agent Serbiens, Christics, erklärte heute gegenüber der Pforte, daß der serbischen Regierung von der angeblichen Absicht Rußlands, einen Theil der russischen Armee durch Serbien marschiren zu lasten, nichts bekannt wäre. Ebenso unbegründet sei das Gerücht, daß Serbien beschlosten habe, am Kriege Theil zu nehmen.
Numanien
Jaffy, 21. August. In Folge der begonnenen Rüstungen Griechenlands sind zahlreiche Griechen aus Odesta als Freiwillige nach Athen abgegangen.
Wien, 20. August. Der „Polit. Corresp." wird aus Cettinje vom 20. August telegraphirt: Die Montenegriner haben gestern Abend das letzte Vorwerk von Niksic, welches am Berge Tschudjelitza gelegen ist, erstürmt und dringen durch die Stadt gegen die Festung vor. Gestern brachen 5000 Montenegriner behufs einer Necognoscirung nach Krstac und Drobujaci auf, da 10,000 Türken, größtentheils aus Baschi-Bozuks und Mustehaflz bestehendem der Nähe des Berges Siniawina, hart an der montenegrinischen Grenze, bei Crbniak eingetroffen sind. — Nach einem Telegramm derselben Correspondenz aus Bukarest vom 20. d. ist Fürst Mirski zum Commandeur sämmtltcher von Tirnowa bis zum Schipka-Paß aufgestellter russischer Truppen ernannt. Der Herzog v. Leuchtenberg steht mit beträchtlichen Streitkräften unweit Elena. Bei einer Necognoscirung gegen Plewna machte die russische Kavallerie zahlreiche Gefangene. Die Position zwischen Lowtscha und Selwi ist von den Russen besetzt.
Literarisches.
In Heft 5 ber Deutschen Revue über da« gesammte nationale Leben der Gegenwart, herausgegeben von Richarb Fleischer, Verlag von Carl Habet (C CM. l'ütmlfto? «erlagäbud)».) tn Berlin 8. W.33 Wllhelmstraße tritt -. Schulte für eine Aenberung bcS Art. 6 ber Reichsverfassung ein unb hebt bie Vortheile hervor die Elias! Lothringen als „Äalferlnnb" baden würde - L°«p-yre« bn°ktst durch die „Handelsbilanz" daß da« kaoitalreiche Europa einen Einsuhrüberschuß hm. Landgra, berichtet über die comrnerzielle und industrielle «elbstoerwaltun« tm Reiche, Btt«’ bäum über die »[folge und die Behandlun« der Vteb«ucht, @arei« Ober »k «um Handelsgesetze in der Schweiz, Breßlau über da« Hau« Gehler. und die rellsage^ Kirch hass tritt für Kanalanlagen in Deutschland ein und beschreibt d - «rotzartrgen öv.... o.-.,-v— -----, ^Kanäle Norbamerika's. — Der philosophische Bericht enthält eine
Zwei türkische Monitors im Verein mit den Forts von Silistrta bombardtren Kantfrage". Reitling er gibt eine meisterhafte Schilberung der neuen Entbeaungen heute den Ort Kalaraschi. "n der Naturwissenschaft, bie jeder Gebildete kennen lernen müßte. Seitz bericht«
Lokal-Notiz.
Gießen, 23. Aug. Freunden der Zithermusik, unb beren gibt es ja in unserer Stabt so viele, möchten wir einen Besuch ber Tyroler-Gesellschaft Huber anrathen, welche heute Abend in der Restauration Herbert auf ber MäuSburg gastirt. Die Leistungen dieser Gesellschaft, spectell in Zithervorträgen, sinb wirklich großartig uno können wir getrost jebem Besucher einen genußreichen Abcnb versprechen.
fanden, wurde durch eine „zufällige" Pulver-Explosion zerstört. Wie man steht, nehmen die Türken furchtbare Repreflalien und wer weiß, ob diese Blutwirth- i schäft nicht noch schrecklicher wird, sobald der neue „Pacificator" Dijlar Effendt | in fein Amt tritt. Neue Besen kehren gut. So führt man den Krieg südlich . des Balkan, so genießen die Bulgaren die Früchte des Kriegszugs, welchen Kaiser Alexander zu ihrer Befreiung unternommen hat! Man kann sich that- sächlich kaum eine bitterere Ironie denken, als den Contrast zwischen dem Zustand, welchen die Rusten den Bulgaren verheißen haben, und der jetzigen entsetzlichen Sachlage in der ganzen Bulgarei!
Wien, 20. August. Dem „Fremdenblatt" wird aus Berlin gemeldet: Bei der Kaiser-Begegnung zu Ischl sei beschlosten worden, falls Rußland die nächste Schlacht verliere, würden Deutschland und Oesterreich der Türkei Halt gebieten und in Konstantinopel eine mehrmonatliche Waffenruhe fordern. Italien und Frankreich seien dem Beschluß angeblich beigetreten. — Aus Krakau wird gemeldet, daß Rußland die Einberufung des Landsturmes vorbereite. Zahlreiche Männer, welche sich zum Zweck der Befreiung von der Militärpflicht verstümmelt hätten, seien nach Sibirien gesendet worden. — Aus Bukarest wird gemeldet : Der Czar verbot die vorläufige Lerwendung Verwundeter gleich nach ihrer Genesung. Die russische Offensive ist kaum vor September zu erwarten. ,
Pesth, 20. August. Ein Schreiben Kossuth's über dte Orient-Frage fordert Andraffy auf, sich mit der Pforte über die Reformen zu verständigen und dann mit ihr ein Bündniß zu schließen gegen Rußland. Preußen könne deutsches Blut nicht für Rußland opfern.
Arankreich.
Cherbourg, 20. August. Marschall Mac Mahon hat heute Arsenal und Flotte besucht und mehreren Versuchen mit Torpedos beigewohnt; morgen wird derselbe nach Parts zurückkehren.
Kugland
London, 21. August. „Meutert Bureau" meldet aus Konstantinopel: Graf Zichy erklärte Server Pascha, die österreichische Politik gegenüber Serbien habe durchaus keine Veränderung erfahren. — Das türkische Ministerium trifft die erforderlichen Vorbereitungen für einen Winter-Feldzug.
Atalieu


