Ausgabe 
22.5.1877
 
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Mo 113. Zw->t-s Bl-It. Sonntag, den 20. Mai 1899.

Aießener "Anzeiger

AMM- unii Amtsblatt fit den Kreis Gießen.

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Execuiion der Chöre durch unsere einheimischen Kräfte den Musikfreunden hiesiger Stadt ।unb Umgegend eine gediegene Leistung versprechen, so mußten doch für bi Solisten

Lokal, Notiz.

Gießen, 20. Mai. (Concert-Verein.) Mittwoch den 6. Juni wird die Auffüh­rung des OratoriumElias" von Mendelsohn in hiesiger Stadtkirche stattfinden. Die Wahl dieses Oratoriums für das alljährlich wiederkehrende Kirchenconcert ist in so fern eine recht glückliche zu nennen, altz in wenigen Oratorien die Chöre so zur Geltung kommen, wie in diesem. Recht erfreulich ist es deßhalb, daß bewährte Kräfte anderer hiesiger Gesangvereine sich zur Mitwirkung bereit erklärt haben, und wer sich die Mühe nehmen will, die jeden Freitag Abend in der Aula stattfindende Ge- sammtprobe lDienstag finden die Etnzelproben statt) zu besuchen, kann sich überzeugen, daß wir einer vorzüglichen Chorletstung entgegensetzen dürfen. Um so annkennens- werther ist dieses Streben des akademischen Gesangvereins, da bereits voriges Jahr, gelegentlich der Aufführung des Messias, sachkundige Urtheile dahin abgegeben wurden, daß der Chor vorzüglich gewesen sei, ja besser wie man denselben jemals in Gießen gehört hätte. Auch die seither hier gewesenen Solisten haben sich wiederholt aner­kennend über die Ausführungen der Chöre ausgesprochen. Können wir nun in der

Agram wie in Karlstadt von Deputationen begrüßt, welche ihn um Hülse für ihre unterdrückten Brüder baten, und das Merkwürdigste war, daß der Erz­herzog dieselben nicht nur nicht zurückwies, sondern ihnen geradezu seine Für- prache bei dem Kaiser ui Aussicht stellte und sogar aus sein russisches Georgs- reuz und Regiment zum Beweise seiner Sympathieen für die slavische Sache linwies. Der Pesther Softa-Cultus hat offenbar nicht dazu beigetragen, die entscheidenden Streife günstiger für die Türken zu stimmen.

Das englische Unterhaus hat sich eine ganze Woche hindurch mit den Gladstone'schen Resolutionen über die orientalische Frage beschäftigt. So heftig indeß die Angriffe waren, welche die Mitglieder der Opposition gegen die Re­gierung richteten, letztere trug doch endlich mit ihrer Politik der freien Hand ur Wahrung der britischen Interessen einen eclatanten Sieg davon, indem jene Resolutionen in namentlicher Abstimmung mit 354 gegen 223 Stimmen ver­worfen wurden. Bemerkenswerth ist übrigens, daß die Königin Victoria bei einer Revue im Lager von Aldershot zwar die Hoffnung aussprach, sie werde des Beistandes der Truppen nicht bedürfen, aber doch die Bemerkung hinzu- ügie, nöthigenfalls rechne sie vertrauensvoll auf den Patriotismus und die Hingebung der Armee.

Der Papst beschäftigt sich schon mit dem Empfang der Pilgerfchaarrn, die auö den verschiedenen Ländern zu seinem Bischofsjubiläum erscheinen. Den französischen Pilgern gegenüber hat er sich darüber beklagt, daß der Minister- Präsident Simon, den er übrigens nicht mit Namen nannte, ihn, den heil. Vater, in der Kammer als einenLügner" bezeichnet habe. Unter den reichen Geschenken, welche demarmen Gefangenen" im Vatican dargebracht wurden, befand sich auch ein Sessel ans massivem Golde, auf dem er in Zukunft feine Audienzen abhalten soll! Die öffentliche Meinung in Italien ist in hohem Grade erbittert darüber, daß der Senat das Gesetz über den Mißbrauch des geistlichen Amtes abgelehnt hat. Die Regierung fühlt sich dadurch in ihrem Entschluß, den Kampf mit der klerikalen Mehrheit des Senats durchzuführen uns dafür zu sorgen, daß der Staat auch jeinGarantiegefetz" bekomme, bestärkt.

Wie zu erwarten, findet sich die klerikale Partei in Frankreich durch daS jüngste Tadelsvotum der Deputirten-Kammer keineswegs veranlaßt, ihre Agita­tionen einzuftellen. Nachdem der Papst selbst den Marschall-Präsidenten hat wiffen lassen, daß ihn die Haltung der Kammer tief kränke, hat sich auch der Cardinal-Erzbischof von Pans die Freiheit genommen, in einem Briefe an den Justiz-Minister lebhaft gegen jenes Votum, welches den Patriotismus der Katholiken in Frage stelle, zu protestiren und offen zu ^erklären, daß Frankreich nicht eher Ruhe haben werde, als biS der Papst feine Staaten wieder erhalten habe. Leider wagt die Regierung es nicht, gegen diese Ruhestörer mit Energie vorzugehen, begnügt sich ihnen gegenüber vielmehr mit einigen Worten des Tadels. Die Kammer selbst war in der vorigen Woche wieder einmal der Schauplatz jener scandalösen ©eenen, durch welche sie sich von Zeil zu Zeit vor den Augen Europas schändet, indem der Bonapartist Eassagnac der Regie­rung durch Mittheilung beleidigender Journalartikel über den Kaiser von Ruß­land Schwierigkeiten zu bereiten suchte und die Republikaner dadurch zu lär­menden Kundgebungen ausreizte. Ucber die Reise deS Kaisers Wilhelm durch Elsaß-Lothringen bewahrte die französische Presse wahrscheinlich auf einen Wink von oben ein bedeutsames Schweigen.

Auch in den spanischen CorteS kam die Lage des Papstes jüngsthin zur Sprache. Die Regierung wies indeß das Ansinnen der klerikalen Deputirten, Schritte für die Sicherung der Freiheit und Unabhängigkeit des heil. Vaters zu thun, mit der Bemerkung ab, daß dies keine ausschließlich spanische Angele­genheit fei.

Die holläudische Regierung Hst die Adresse, in welcher die Bischöfe den König gebeten batten, wegen der angeblich traurigen Lage des Papstes Vor­stellungen an die italienische Regierung zu richten, als eine unbegründete (Sin­in ifchung in die inneren Angelegenheiten Italiens zurückgewiesen.

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D. V. C. Der Kaiser ist von seiner Reise durch die neuen Reichslaude außerordentlich befriedigt heimgekehrt. Vor feinem Abschiede richtete er an den Obcrpräsidenten v. Möller einen Erlaß, in welchem er für die ihm bewiesenen i huldigenden Aufmerksamkeiten dankt und zugleich der Ueberzeugiing Ausdruck I gibt, fein Aufenthalt werde dazu beitragen, die Beziehungen des Landes zum 1 Reich zu befestigen und ersprießlich zu gestalten. Zum Zeichen dcS Vertrauens, welches der Kaiser den Bewohnern des Reichslandes entgegenbringt, hat er das 1 vom Reichstag angenommene, die Landesgesetzgebung von Elsaß-Lothringen be­treffende Gesetz in Straßburg selbst sanctionirt. Uebrigcns ist die freudige Alifiiahnie, welche der Kaiser bei der elsaß lothringischen Bevölkerung gesunden, nicht ohne Eindruck auf Fraiikreich geblieben. Sehr bemerkenSweitd war in dieser Beziehung der Umstand, daß der Kaiser in Metz, wie von Abgesandten der Könige von Belgien und Hollaiid, so auch von dem französischeii Botschafter, Herzog v. Gontaut-Birou, im Namen deS Präsidenten der französischen Republik begrüßt wurde. Mit Recht wird diese Thatsache als ein Anzeichen betrachtet, daß Frankreich lebhaft wünscht, über seine freundschaftlichen und friedlichen Ge- fuuiungen gegen Deutschland im gegenwärtigen Augenblick keinen Zweifel be- ft eben zu lassen. Die in Aussicht genommenen Ausgleichungs-Maßregeln auf ' militärischem Gebiet vermag sie freilich nicht rückgängig zu machen, da die Noth- wendigkeit derselben nicht auf augenblicklichen, sondern auf dauernden Verhältnissen beruht; man erwartet die Ausführung derselben vielmehr in nächster Zeit. Betreffs der Errichtung der neuen (13) Hauptmannsstellen in den Jnfanterie- Rktzsimentern hat der Kaiser schon das Erforderliche angeordnet. Der bisherige Oderregierungsrath v. Rertzeustein in Metz, welcher dort seit der Annexion des Londes thätig ist, wurde zum Bezirks-Präsidenten von Lothringen ernannt.

Der Bundesrath hat das Patentgesetz genehmigt. Da die Zusätze, welche der Reichstag dem Gesetz-Entwurf über tie Erwerbung des Decker'schen und eii es anderen Grundstückes für das Reich hinzugefügt hat, Seitens deS Bun- : des-rathes nicht beanstandet worden sind, so sieht man dem definitiven Abschluß des Kaufs in kürzester Frist entgegen.

Was das Gebiet deS C u l t u r k a m p f e s betrifft, so erregte die ultramontane .Riederrh. Volks-Ztg." ein gewisses Aufsehen durch die Nachricht, der päpstliche SloatSsecretär Simeoni habe im Auftrage des Papstes an Kaiser Wilhelm zu deffeu 80jährigem Geburtstage ein sehr verbindliches Gratulations-Schreiben gerichtet, aus deffeu Inhalt sich ergebe, daß die römische Curie durchaus fried­lich gestimmt sei und zu einem Ausgleich in Sachen der Maigesetze gern die Hand bieten werde. Ein anderes ultramontanes Blatt, dieKöln. VolkS-Ztg.", beeilte sich indeß, diese Nachricht für eine Mystification zu erklären, da man munöglich unterstellen könne, daß die römische Curie den ersten Schritt zu einer Verständigung thun werde, solange die preußische Regierung den Culturkampf i: einer Weise führe, welche keine Neigung zur Nachgiebigkeit voranSsetzen lasse, gleichzeitig versicherte dieGermania" in einem besonderen Leitartikel:Zur Culturkampf-Situation", über die bekannten versöhnlichen Weiterungen des Abg. Cremer im Reichstage habe sich sofort in feiner eigenen Fraction und nach­träglich in der weit überwiegenden Mehrheit der katholischen Bevölkerung Un­wille gezeigt! Die Hoffnungen auf eine baldige Beendigung deS Culturkampfes erweisen sich also, wie vorherzusehen, wieder einmals als trügerisch. Mittlerweile haben sich mehrere deutsche Bischöfe nebst einigen hundert Pilgern darunter auch zwölf Mitglieder der Centnimsfraction nach Rom begeben, um dem Unfehlbaren" zu feinem Jubiläum Geschenke zu bringen und den Pantoffel zu Wen. In Bezug auf den gegenwärtig schon in Rom befindlichen Bischof von Ermland, gegen welchen bekanntlich das mit Absetzung endigende Zwangsver fahren eingeleitet ist, deutet die ultramontane Presse an, daß er wohl nicht wieder nach Deutschland zurückkehren werde. Wir würden unsererseits nichts dagegen haben, wenn auch feine Collegen für immer in Rom bleiben wollten.

Nachdem sich der Wunderschwindel von Marpingen über verschiedene Gegenden Rheinpreußens verbreitet, soll auch Bayern sein Marpingen haben: in der Nähe von Metten wollen nämlich Kinder ebenfalls die Mutter Gotteö gesehen haben und sollen Heilungen durch Blätter von den Sträuchern, in denen dieselbe erschien, geschehen sein! Das nunmehr veröffentlichte Ergebmß der amtlichen Erhebungen über die Geschäftsstockung in WürNemberg ergibt, daß toit zwar die Folgen der Ueberproduction und beschränkten Consumtion be­merkbar sind, ein eigentlicher Nothstand aber nicht vorhanden ist. In Baden hat der Minister des Innern, Stöffer, vor seinen Wählern in Wiesloch eine Rede gehalten, in welcher er das Programm des neuen Ministeriums barlegte; dasselbe ist durchaus national und antiklerikal und unterscheidet sich von dem (einer Vorgänger nur dadurch, daß es eine langsamere Bewegung auf dem Gebietb der Gesetzgebung für die Zukunft in Aussicht stellt. In Bremen ist seit Kurzem eine lebhafte Agitation für Annexion an Preußen im Werke.

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Ungarn die ruffenfreunbheben Gegen-Demonstrationen ber Tllaven nicht lange auswärtige Künstler gewonnen werden, denn mit Ausnahme unserer verehrten Altistin, auf sich warten lasten. Erzherzog Albrecht, der gegenwärtig eine JnspectionS- Frau Dr. Weifsenback dieselbe hat sich mit dankenswerther Bereitwilligkeit zur iei.|e durch die Grenzländer des Kaiserstaates macht, wurde nämlich sowohl in Uebernahme der Altpartie verstanden Haden wir Niemand in Gießen dessen musi-

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