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Mo 1845. Erstes Blatt. Sonntag, den 21. Oktober 1899.

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Tchulstr-ße, AL. 8. Nr. 18. Durch die Post be-stzen viLrfckjahrlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen am 19. October 1877.

B etreffend: Maßregeln gegen die Rinderpest.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien.

Die über den Ausbruch der Rinderpest in der im preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden belegenen Stadt Geisenheim angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß die Seuche durch. Rindvieh eingeschleppt ist, welches über Linz und Passau aus Oesterreich-Ungarn eingeführt wurde.

Da die vollständige Sperre der deutschen Landesgrenze gegen die Einfuhr von Wiederkäuern aus Oesterreich-Ungarn erst in neuester Zett erfolgt ist und da vorher zahlreiche Viehtransporte aus Oesterreich-Ungarn nach Deutschland, insbesondere nach den südlichen Theilen desselben eingeführt worden sind, so ist bei der zeitigen großen Verbreitung der Rinderpest in Oesterreich-Ungarn zu befürchten, daß unter den eingeführten Rindern sich inficirte Thiere be­funden haben.

Es ist deßhalb die größte Wachsamkeit geboten, um jeden etwa noch erfolgenden Ausbruch der Rinderpest schnell zu entdecken und dann die Weiter­verbreitung der Seuche durch rechtzeitige energische Maßregeln zu verhüten.

Wir schärfen daher den genauesten Vollzug unseres Ausschreibens vom 14. l. M., Anzeiger Nr. 240, wiederholt ein. Ganz besonders wollen Sie die Viehbesitzer darauf aufmerksam machen, daß derjenige, welcher Erkrankungen an Rinderpest rechtzeitig anzeige, für die nach der Anzeige gefallenen Thiere Entschädigung aus Reichsmitteln erhalte. Daß daher die sofortige Anzeige verdächtiger Krankheitserscheinungen bet der Polizeibehörde im eigenen Interesse der Viehbesitzer liegt, und daß eine sorgfältige Ueberwachung des Gesundheitszustandes der Wiederkäuer gegenwärtig ganz besonders geboten erscheint.

Weiter eröffnen wir Ihnen, daß der Königlich Preußische Geheime Negierungsrath Beyer in Wiesbaden von dem Herrn Reichskanzler zum Retchs- commiffär zur Ausführung der nöthigen Maßregeln bezüglich des vorliegenden Falles ernannt worden ist und daß Sie etwaigen directen Requisitionen des genannten Herrn Reichscommiffärs alsbald zu entsprechen haben.

Etwaige Ausbrüche der Rinderpest sind uns telegraphisch, oder durch expresse Boten, überhaupt auf die schleunigste Weise anzuzetgen.

Dr. B o e k m a n n.

Bekanntmachung.

In dem Budget des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen für das Jahr 1877 sind vorgesehen: .

1. 5 Stipendien ä 100 an junge angehende Landwirthe, welche eine der Ackerbauschulen zu Alsfeld oder Friedberg oder einen Wresenr wärter-Curfus besuchen;

2. Zu Subventionen an junge Leute, welche den Obstbaumwärter-Crrrsus an irgend einer Anstalt besuchen, unter der Bedingung, daß diese nach Beendigung des Eursus ihren Wohnsitz im Großherzogthum Heffen behalten 400 jL

Etwaige Bewerber um eine dieser Bewilligungen haben sich innerhalb 4 Wochen bei dem Unterzeichneten zu melden und werden die Herrn Bürger­meister des Kreise- ersucht, dieser Bekanntmachung in ihren Gemeinden thunlichste Verbreitung zu geben.

Gießen, am 18. October 1877.

Der Direktor des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Gießen.

Dr. B o e k m a n n. _________________________________

politisch

Hesterreich.

Wien, 18. October. Der Czar hat vorgestern dem deutschen und österreichischen Kaiser, sowie dem Erzherzog Albrecht den Sieg in Asien tele- graphisch mitgetheilt, zur Erwiderung folgten Glückwünsche. DieWiener Abendpost" constatirt den im gegenwärtigen Feldzug in Asien entscheidenden Sieg der Ruffen. DieAbendpost" erachtet den Beginn einer regelrechten Be­lagerung von Kars für zweifellos. Graf Andraffy wird morgen mit dem Botschafter am Berliner Hofe, Grafen Karolyi, in Pesth confernen.

DiePolit. Corresp." berichtet aus Konstantinopel von der wachsen­den Spannung zwischen dem Großvezir Edhem Pascha und Mahmud Damat Pascka. Letzterem verhalf sein großer Anhang unter den Ulemas wieder zu dem alten Eiufluffe. Man glaubt, Edhem Pascha werde unterliegen. - Die Pforte hat gegen die russischerseits verfügte Ausweisung des türkischen Mttglte- des der Donau-Commission, Obersten v. Drygalski, protestirt.

ArauLreich.

Paris, 18. O-tober. Der Minister des Innern empfing heute Mor- gen einige der neu gewählten Deputirten. ,p n .

DieR^publique fran^aise" bringt einen Manifest-Arttkel aus der Feder Gambetta's, worin entschieden ausgesprochen wird, daß eine einfache Rückkehr zu dem Zustande vor dem 16. Mai weder hinreichend, noch thunuch sei. Die republikanischen Candidaten hätten als Mandat erhalten, das Land gegen unheilvolle Launen der persönlichen Gewalt zu sichern; was sie zu diesem Zweck thun würden, wüßten sie noch nicht. Das hänge von den Entschlüssen der Regierung ab; doch sei es erlaubt, zu versichern, daß sie als die augen­blicklich einzigen Vertreter des nationalen Willens sich mit keinen halben wider­ruflichen Concessionen und mit keiner unsichern Unterwerfung begnügen wurden. Wenn es die Notwendigkeit gebiete, bestehe die wahre Pol tische Weishelt darin, zu gehorchen. Es würde keine Mäßigung, es wurde UnkUighett und Feigheit sein, deren Stimme zu verkennen. Eine neue osficiöse Note dewen- tirt entschieden alle Gerüchte von einer Minister-Krisis.

Paris, 18. October. Sämmtliche republikanische Journale greifen heute sehr heftig das Ministerium an, weil dasselbe nicht demissionire.

Kngkand

London, 19. October. Der jetzt auf dem Transport nach England befindliche Obeliskdie Nadel der Cleopatra", welcher bei einem Sturm ver-

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loren gegangen war, ist 90 Meilen nördlich von Ferrol wieder aufgefunden worden.

Nelgien.

Brüssel, 19. October. Durch ministerielle Verfügung wird die Ein­fuhr von Rindvieh und Schaasen aus Deutschland und Luxemburg nach Bel­gien vom 20. October ab verboten.

Amerika.

Washington, 19. October. Laut Bericht des landwirthschaftlichen Departements ist der allgemeine Durchschnitts-Stand der Baumwoll-Pflanzun­gen in diesem Monat gleich 81 Vio» während derselbe im October des Vorjah- res 827/iq betrug._________________________________

Der orientalische Krieg.

Bukarest, 17. October. Nach Berichten aus Turn-Magurelli hat das Bombardement gegen Plewna auf der ganzen Linie begonnen. Von der in Plewna eingeschlossenen Armee treffen fortgesetzt größere Abtheilungen von türkischen Deserteurs ein. Die Verbindung Osman Pascha's mit Sofia ist unterbrochen. Suleiman Pascha hat Rasgrad nicht verlaffen. Er concentrirt alle seine Truppen bei Kadikiöi.

Petersburg, 18. October. Ein amtliches Telegramm aus Gorni- Studen berichtet über zwei kleinere am 11. d. von Kosaken gegen Teteben und gegen das Dorf Tores ausgesührte erfolgreiche Recognoscirungen. Bei der letzten wurden 700 von den Türken gefangen gehaltene bulgarische Weiber und Kinder befreit und nach Mikre geleitet.

Konstantinopel, 18. October. Eine hier eingetroffene persische Ge­sandtschaft überreichte dem Sultan ein Handschreiben des Schah's, worin Letz­terer den Wunsch ausspricht, die zwischen der Türkei und Persien bestehenden Bande enger geknüpft zu sehen. Der Commandant von Kars, Mustafa, welcher in Erzerum verweilte, ist nach Kars zurückgekehrt.

Petersburg, 19. October. Eine Depesche desGolos" aus Jgdyr, 17. d. meldet: Nachdem Ismail Pascha über Mukhtar Paschas Niederlage Nachricht erhalten hatte, hob er sein ganzes Lager auf und zog sich auf die Soraan-Höhen zurück. Derselbe scheint im Begriff zu sein, das russische Ter­ritorium vollständig zu räumen. Die Nachricht von Mukhtar Pascha's Nieoer- lage hat unter den türkischen Truppen großen Schrecken hervorgAcusen. Vom Oberst-Lieutenant Pdina wurde heute im Dorfe Surga zwischen Kagismar und