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um den Kreis seiner Kundschaft auszudehnen und auf die gedrehten hörnernen Lhürdrücker und ähnliche fabrikmäßig hergestellte Erzeugnisse Destellungen auf­zunehmen. Die von Herrn Bebel vorgelegten Muster werden von allen Sach­verständigen als sehr empfehlenswerth geschildert, und der mnsterreisende Depu- rtrte soll alle Ursache haben, mit den gemachten Geschäften zufrieden zu sein. Die bürgerliche Gesellschaft scheint demnach gar nicht so schlecht organisirt zu sein, wie die Socialisten behaupten. Sie sollen uns nur recht fleißig mit gang­baren, guten und preiswürdigen Artikeln besuchen, und sie werden willige Ab­nehmer finden, und zugleich zur Welt-Verbesserung dadurch praktisch beitragen! Daö ist zwar Alles recht schön und gut; nur scheint uns daraus hervorzv- gehen, daß Bebel zu seiner gegenwärtigen Geschäftsreise nicht nur den ihm vom Reichstag ertheilten Urlaub, sondern gleichzeitig auch wieder seine Eisen bahn-Freikarte benutzt, und das finden wir durchaus nun einmal nicht in der Ordnung.

Hesterreich.

Wie«, 17. März. DiePresse" meldet: Der Handels-Minister bat die Proposition Reitzes' bezüglich der Dux-Bodenbacher Eisenbahn definitiv ab gelehnt, weil die vorgeschlagenen Msdalitäten in Bezug aus die Rückzahlung des Staats-Vorschusses den gestellten Bedingungen nicht entsprächen. Die Wiener Ztg." veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Teneral-Consuls v. Calice 'und des Hofraths v. Schwegel zu Sections-Chefs im Ministerium des Aeußern.

Wie«, 18. März. In der Conferenz des verfassungstreuen Clubs wurde der Antrag Sturm's, betr. Abänderung des Delegations-Gesetzes, nach vierstündiger Debatte mit 102 gegen 58 Stimmen abgelehnt. Der Vorsitzende bemerkte vor der Abstimmung, daß es den Unterzeichnern des Antrags vollkom­men überlasten bleibe, den Antrag im Hause einzubringen.

Schweiz.

Bern, 16. März. Wie man aus französischen Blättern ersieht, ist der Genfer Sprengstoff-Fabrikant Bietz, welcher die Sendung Dynamit von Lau­sanne nach Frankreich geschickt hat und somit zum Urheber der Katastrophe aus dem Fort von Larmont wurde, in Pontarlier zu 3 Jahren Gefängniß und 30,000 Frcs. Geldstrafe verurtbeilt worden.

Bern, 19. März. Anläßlich der Feier des 18. März fand hier eine Manifestation von Angehörigen der Internationale statt. Es kam hierbei zum thätlichen Eingreifen der Polizei, welches Verwundungen sowohl von Gensd'ar- men wie auch von Angehörigen der Internationale zur Folge hatte.

ZLelgien.

Brüssel, 18. März. Gegenüber den Mittheilungen mehrerer Zeitun­gen, daß sich tn dem Protokoll bezüglich der orientalischen Frage, welches den Mächten zur Zustimmung unterbreitet werden soll, eine Klausel über die Sei­tens Rußlands, sowie der Pforte einzuleitende Abrüstung befinde, will der Nord" erfahren haben, daß das Protokoll keine Stipulation dieser Art ent­halten dürfte.

Krankreich.

Paris, 18. März. DieÄgence Havas" erfährt, daß die englischen Vorschläge bestätigt sein sollen. Die Botschafter erwarten die Autorisation ihrer respectiven Regierungen zur Unterzeichnung des Protokolls, welche ver- muthlich heute oder morgen eintreffen soll.

Paris, 19. März. DieFrance" erklärt sich für ermächtigt, zu ver­sichern, es sei nichts Wahres an dem Gerüchte, daß Rußland als Entschädigung für die Abrüstung einen Theil Bestarabiens beanspruche.

Paris, 19. März. Wie dieAgence Havas" erfährt, ist in London das Protokoll noch nicht unterzeichnet. Es wird versichert, daß nur allein der österreichische Botschafter von seiner Regierung noch keine Autorisation erhal­ten habe.

Versailles, 17. März. Die Deputaten-Kammer hat die Vorlage wegen Aushebung der Steuer auf Seifen angenommen,

England

London, 18. März. Der General Jgnatieff wohnte gestern einer im auswärtigen Amte veranstalteten Festlichkeit bei, reifte Abends nach Hatfield, dinirt morgen bei Lord Beaconsfield, wird Dienstag von der Königin in Audienz empfangen werden und reist Donnerstag Vormittag nach dem Con- tinent ab.

London, 19. März. DerMorning Post" zufolge würden sofort nach dem Eintreffen der russischen Antwort auf die Seitens der englischen Regierung vorgeschlagenen Modifikationen deS Protokolls die Verhandlungen mit der Pforte beginnen.

Rußland.

Petersburg, 17. März. DemRegier.-Anz." zufolge ist der Gesund­heitszustand bei der Süd-Armee durchaus befriedigend.

Türkei.

Jara, 18. März. Zwischen Bonaventura und Dazgnac (?) hat gestern ein sechsstündiger erbitterter Kampf zwischen Insurgenten und Türken stattge­funden. Die Türken haben sich auf Lihno zurückgezogen. Auf beiden Seiten waren die Verluste beträchtlich.

Lokal--totiz.

Gießen, 21. März. In dem morgen zu feiernden SO. GeburtStagSfeste unseres allverehrlen HeldenkaiferS Wil» helml. ist eS wohl überstüsstg unsere Mitbürger zu mahnen, der Freude über diesen Ehrentag durch festliHeS Schmücken der Häuser Ausdruck zu gebe«. Der patriotische Sinn unserer Einwohnerschaft bedarf wohl nur der leisesten Anregung, um zu constatiren, daß wir stolz auf unseren Kaiser stnv und für Dessen Wohlergehen wir an seinem Ehrentage zum Himmel flehen werden.

Gießen, 20. März. Die Anmeldungen zu der großen Ausstellung deS Vereins für Geflügel- und Vogelzucht laufen bereits so zahlreich ein, daß die Ausstellung eine sehr reichhaltige zu werden verspricht. Von den entferntesten Gegenden wurbejt An­meldebogen verlangt und abgesandt. Im Vergleich zur ersten Ausstellung im Jahre

1875 ist jetzt schon Aussicht vorhanden, daß die heurige viel großartiger wird als jene. Der Absatz der Loose geht seinen steten Fortgang und da für diesmal nur 5000 Stück ausgegcben werden, so dürfte es wohl vorkommen, daß dieselben bis zum Beginn der Ausstellung vergriffea sein werden. ________________________________

Vermischtes.

Laubach, 12. März. Unser Gymnasium schreitet rüstig vorwärts. Aus Ostern wird die Ober-Secunda ausges tzt, und auch die Prima ist nunmehr gesichert, so daß wohl auf Ostern 1880 die erste Matuiitätsorüfung abgetzalken werden kann. Die Sckülerzahl einzelner Clafsen ist während dcS Schuljahres fo gewachsen, daß das im Anfang genügend scheinende Schulhaus nicht mehr ausreicht. Der Stadtratd Hal sich nunmehr mit Rücksicht auf die steiaende Frequenz der Anstalt entschlossen, ein neues Gebäude aufzuführen, welches in Bälde in Angriff genommen werden wird. Luch Ver­vollständigung deS Lehrercollegs schreitet durch den auf Ostern stattfindend-n Eintritt etn:8 weiteren Philologen vor. so daß im neuen Schuljahr das Collegium sieben ordent­liche Lehrer zählen wird. Cs sind bereits zahlreiche Schüleranmeldungen eingegangen. Wir wünschen der jungen Anstalt zu der Prima Glück Jedenfalls werden viele Eltern sich bestimmen lassen, ihre Söhne nach Laubach zu schicken, durch die sichere Aussicht, daß dieselben dort auch absolviren können. Die billigen P-nsionsoerhältnisse sind an sich schon für viele weniger Bemittelte ein starkes AnzirhungSmittel.

ES wird vielleicht Manchem, der sich noch fein neues Grammgewicht angc- schafft bat, angenehm sein, zu erfahren, daß man als Grammaewichte reckt gut die neuen Scheidemünzen benutzen kann. Das Einpfennigstück wiegt nämlich zwe, Gramm, 3 Zweipfannigstücke wiegen 10 Gramm, das Nickel-5Psenn!gstück wiegt 2</2 Gramm und das lOPfennigstück 4 Gramm. Will man untersuchen, ob ein geschriebener Brief das Maximalgewickt des einfachen Briefes (15 Gramms hat, so legt man den Brief in die eine Waagschaale, in die andere dagegen 6 Nick<l-5Pfennigstücke ober 2 Fünf­oder 3 Zweipfenniger ober 2 Zehnpfennig, 2 Fünfpfenniger unb 1 Pfennig: in allen drei Fällen hat man 15 Gramm auf die Waagschale gelegt. Aus ähnliche Weise kann man alle Vervielfachungen der Grammeinheit zufammensetzen.

Mainz, 12. März. In der heutigen, höchst unterhaltenden Sitzung deS Polizei- gerichteS kam auch die Klage der Staatsbehörde, gegen einen hiesigen Metzgermeister, welcher seine Wurst mit Stärkemehl versetzt hatte, zur Verhandlung. N'ckt weniger als neun Metzgermeister hatte der Angeklagte als Zeugen laben lassen, um durch diese nach­zuweisen, daß die- nicht allein hier gebräuchlich sei, sondern auch, daß man, um der Wurst ein gutes Aussehen zu geben, und damit dieselbe Glanz bekomme unb sich als eine schöne Woarc präsentirc, derselben Kartoff lmedl zngefetzt werde. Sammtliche neun MetzAermeister bestätigten diese Angabe. Daß dieser Zusatz unbcbinat nothwendig sei, wurde nicht conftafirt Bci den Würsten, welche bei dem Verklagten mit Bescklag belegt würben, befand sich übrigens auch Leberwurst, welche einen, wie das kreisärzt- liche Gutachten aussagt, bedeutenden Zusatz von Stärkemehl hatte. Keiner der Metzger aber, welche als Zeugen erschienen waren, gaben zu, daß auch sie bei dieser Wurstforte Mehl als Zusatz verwendeten. Das Gericht schlug drei Experten zur Begutachtung vor unb zwar zwei au« einer Nachbarstadt unb einen nom Lande, worauf die Verthei- oigung erwiderte, daß sie einen Experten vom Lande nicht haben wolle. Aus den Aus­führungen des Herrn Friedensrichters entnehmen wir, bafe, wenn der Angeklagte nur in Fleifchwurst den Stärkemehlzusatz verwendet hätte, heute Freisprechung erfaßen würbe, da dies, wie ans den Aussagen der Zeugen he vorging, hierorts gebräuchlich sei: daß aber der Angeklagte auch in Leberwurst denselben Zusatz verwendet hätte, sei als ungehörig zu betrachten und strafbar. Da der Angeklagte keine Lust zeigte, auf eine Expertise einzugehen, so wurde der UrtheilSspruck auf Samstag, den 24. März, vertagt.

Eingesandt.

Gießen, 19. März. Man ist leider genöthigt, eines Mißstandes Erwähnung zu thun, welcher in der Reinioungsvervachläisiguna der städtischen Schullokalitäten (Neustadt und Sckulstraße) in seiner traurigsten Erscheinung zu Tage tritt. Die Schul­zimmer werben wöchentlich nur zweimal oberflächlich ausqeftrichen, einer Scheuerung nicht ju gedenken. Als im vorigen Jahre O'^erlchulrath Greim zum ersten Male hier inspicirte, ordnete er in Anbeiracht der auffallend traurigen Neinungszustände eine öftere Steuerung an. Diesem Wunsch;. wuiLc uuch sofort wahrend oer Osterferien entsprochen, wenn auch nothdürstig. Im Augenblick hat sich nun der Schmutz auf Fuß­böden, Lambris, Wänden re. in Begleitung eines intensiven Geruches so nachdrücklich eingebürgert, daß es sich der Mühe lohnte, einmal an einem Mittwoch- ober Samstag- morgen einen Rundgang durch die betreffenden Realitäten zu bewerkstelligen, zur Er­langung der Ueberzeugung von dem Vorhandensein der verdorbenen Atmosphäre und des Staubes, in welchen unsere liebe Jugend den größeren Theil des Tages ibr Dasein fristen muß. Möchten diese Andeutungen doch endlich bewirken, daß den resp. Haus­verwaltern eine bestimmte Instruction nach dieser R chtung hin baldigst zugestellt würde.

Theater.

Am Montag Abend ging bei dichtbesehtem Haufe Lecoq's Mamsell Angst in Scene. Diese Operette hat mehr durch ihre ansprechenden Melodien, als durch Inhalt in kürzester Zett ihren Lauf um die Welt gemacht, sie hat sich eingebürgert uno ,st ein Liebling detz Publikums geworden, sie wirb immer gegeben werden, so lange man die Operette eines Offenbach gibt.

Heute Abend wird zum Benefiz zweier sehr tüchtigen und beliebten Mitglieder der Th/atergefellschaft, Herrn und Frau Berthold ,,der Verschwender" von Raymund gegeben, ein Stück, das große Mittel erfordert, über dessen vorzügliche Darstellung, nach Allem was ihm vorauSgegangen, wir uns außer Zweifel befinden.

Die Theatersaison unterer Stadt wirb mit Mitte nächsten Monats zu Ende flehen und muß uns dieser Umstand Veranlassung geben, im Besuch deS Th ' tters noch recht fleifiig zu sein, da die Zeit nahe ist, wo uns derselbe ohne Aufwendung bedeutender Opfer unmöglich ist. Kr.

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Die Lebensversicherunqs- und Eriparniß-Bank in Stuttgart gibt soeben eine Uebersicht der Geschäftsergebnisse bis ultimo Februar 1877. Nach Ausweis derselben waren zu dieser Zett in Kraft 30,465 Policen mit .X 116.400,000^ Im Januar unb Februar gingen 584 neue Anträge mit JL 2,873,300 ein. Die Präm>en-Einnahme im Jahr 1876 bezifferte sich auf Jt 3,898,654, während bis Ende Juni 1877 zur Aus­zahlung disponirte Dividenden von im Durckfchnttt 37,7O/o der Prämie sich auf Jt 5,229,382 beliefen. Während ihres Bestehens hat die Bank für Sterbefälle ,4L 8.910,000 au-sezahlt und belief sich der Bankfonds Ende December 1876 auf JL 22,500,000. Die gegenwärtig zur Verttzeilung kommende Dividende beträgt 38% der Prämie. Aller und jeder Gewinn fließt den Versicherten altz Divioende zu, die von denselben zu zahlen­den Nettoprämien rcbuciren sich dadurck auf das äußerste Maaß Ein wesentlickeS Moment der gebotenen Vortheile liegt auch noch in dem Umstand, daß jede vollgezahlte JahreSprämie dividendenberechtigt ist und beim Todenfall nicht allein das versicherte Eapital, sondern auch die noch nicht erhobenen Dividenden zur Auszahlung gelangen, was bei den meisten Gesellschaften nicht der Fall ist, indem derartige Rückstände der Gesellschaft anheimfallen unb nur baS versicherte Capital zur Auszahlung gelangt. Die äußerst günstigen Ergebnisse, welche der Bank ermöglichten, seit ihrem 22jährigen Be­stände alljährlich hohe Dio.denden für ihre Velsick-iten zu erzielen, sind ber Sparsam­keit unb der Vorsicht, womit die Verwaltung geführt wirb, zuzuschreiben.

Kirclfliche Anzeige.

Donnerstag den 22. März, Vormittags fl1/, Uhr, Gottesdienst zur Feier deS Geburtstages Sr. Majestät deS deutschen Kaisers.