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Gießen. NSHei!

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Mittwoch, den 21. März

1877.

Meßmer Ämeiger

Artige - uni AmtÄM fit den Kreis Hetzen.

(krfchcint täglich mit Ausnahme des Merrr agS. Expedition: Schul st raße. Lit. B. Nr. 18.

»BMMMIM IHH BllII MB IHM Illi Illi I Illi I HIT I

P". rt.ljnhrlich 2 Mark 20 Pf. mit Vrinairlolin.

Dur><r bi'1 Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, am 19. März 1877.

Betreffend: Die Rinderpest. , , _

Das Großherzogltche Kmsamt Gießen

an die Großberzoglichen Bürgermeistereien.

In der Buchdruckerei von Th. Quos in Cöln ist ein Schriftchen erschienen, in welchem in populärer Weise die Schrecken und Gefahren der Rinder­pest beschrieben und welchem das Gesetz vom 7. April 1869, betreffend Maßregeln gegen die Rinderpest, und die Instruction zur Ausführung dieses Gesetzes be,gefugt ^sind. Bürgermeisterei 1 Exemplar dieses Schriftchens angeschafft, welches wir Ihnen mit der nächsten Post zusenden werden. Bei der

bohen Wichtigkeit des Gegenstandes wollen Sie sich angelegen sein laffen, den Inhalt des Schriftchens so viel wie möglich zu verbreiten etneStheüs damtt der Landmann mit den unheilvollen birecten und indirecten Wirkungen der schrecklichen Seuche bekannt werde und anderntheils, um ihn zur Vorsicht nach allen ^"^au^eben"'diesem Grunde noch eine weitere Anzahl dieser Broschüre, welche nur 13 Pf. kostet, wünschen, so sind wir gerne bereit, deren

Bezug zu vermitteln und wollen Sie die desfallsigen Anmeldungen in den nächsten Tagen an uns gelangen laffen.

0 0 v. Röder.

politisch

Deutschland.

Darmstadt, 19. März. Se. Großh. Hoheit der Prinz Carl sind seit dem 11. d. Mts. an einer heftigen Halsentzündung mit fieberhaften Erscheu nungen erkrankt. Diese Krankheit hatte aber bis zum 16. d. Mts. einen regel­mäßigen Verlauf genommen und die Fieber-Erscheinungen hatten sich mehr und mehr abgeschwächt', als an diesem Tage das Fieber, sowie die Schluckbeschwer­den wieder zunahmen.

Ueber den Verlauf veröffentlichen wir die nachstehenden Bulletins:

18. März. Die nächtliche Ruhe war bei Sr. Großh. Hoheit dem Prin­zen Carl durch intensive Schluckbeschwerden und Fieber noch sehr gestört. Heute Morgen ist das Fieber etwas mäßiger, doch dauern die entzündlichen Erschei­nungen im Halse noch an.

Dr. Göring (Leibarzt). Dr. Bennighof.

19. März. Nachdem gestern Abend eine entschiedene Wendung zum Deffern im Befinden Sr. Großh. Hoheit zu constatiren war, trat in der letzten Nacht Gesichtsrose ein. Durch dieses neue Leiden, sowie durch den bestehenden intensiven Kehlkopf» und Luftröhren-Katarrh haben die Kräfte abgenommen, während die Sckluckbeschwerden sich verminderten.

Dr. Göring. Dr. Bennighof.

Berlin, 17. März. In der heutigen Reichstags-Sitzung erfolgte die erste und zweite Lesung des Gesetz-Entwurfs, betr. die Landes-Gesetzgebung für Elsaß-Lothringen. Unter - Staatssecretär Herzog begründet den Entwurf und hebt besonders hervor, daß dem Reichstage immerhin die Controle bleibe und daß die Ansicht, der Landes-Ausschuß für Elsaß Lothringen werde ein bloßes Werkzeug der Regierung sein, eine irrige sei. Dagegen spreche sowohl die Zu­sammensetzung wie die seitherige Thätigkeit des Ausschuffes. Die Regierung habe die Absicht, bei allen Gesetzen von größerer politischer Bedeutung den Reichstag zuzuziehen, könne aber Angesichts der eigenartigen Verhältniffe des Reichslandes bestimmte Categorien nicht zum Voraus siststcllen. Abg. Berg mann (Autonomist) spricht sich für den Entnurf aus, der, wenn er auch den Reichslauten nicht die volle Selbstständigkeit wie den anderen Einzelstaaten gebe, doch immerhin eine Grundlage zur Weiterentwicklung bilde. Schließlich betont der Redner die Nothwendigkeit, alle Ausnahme-Bestimmungen für Elsaß-Lothrin- gen zu beseitigen und deffen staatliche Stellung zu regeln. Abg. Simonis (Protestler) spricht sich gegen die Vorlage aus, indem er vielfache Klagen über die Verwaltung vorbringt und die Thätigkeit des Landes-Ausschuffes als eine unfruchtbare darsiellt. Schneegans (Autonomist) wies die gegen den Sonder- Ausschuß gerichteten Ausführungen von Simonis zurück und verteidigte die Vorlage aus dem Gesichtspunkt der Versöhnlichkeit, sowie der praktischen Politik gegenüber einer solchen Politik, die Alles auf einmal erreichen wolle. Nachdem Redner verschiedene Einzelheiten der elsaß-lothringischen Verwaltung kritisirt und die Regierung zur Abhülfe dieser Mängel aufgefordert hatte, erklärte er, von den Zusicherungen der Regierung, namentlich von ihrer Zusage, daß die jetzige Vorlage den ersten Schritt zur vollständigen Entwicklung der Selbstver­waltung bilden solle, Act nehmen zu wollen. Zur Charakterisirung seiner Partei bemerkte schließlich Schneegans noch Folgendes:Wir sind keine Regie­rungs-Partei und keine systematische Oppositions-Partei, sondern eine solche, die vorwärts gehen will. So lange die Regierung vorwärts geht, werden wir die­selbe unterstützen." (Beifall.) Guerber (Protest-Partei) sprach gegen die Vor­lage: er verkenne zwar nicht die Absicht, den Bedürfniffen des Reichslandes Rechnung zu tragen, müffe aber hervorheben, daß der Landes-Ausschuß nur bann eine wirkliche Landes-Vertretung werden könne, wenn derselbe aus^directen Wahlen hervorgehen würde. Duncker bekämpfte die Ausführungen von Simonis und Guerber und constatirte, daß die Sympathie des Reichstages für das Reichsland unverändert fei; ihre Betätigung aber werde erschwert durch die rein negative Haltung eines Theiles der elsaß-lothringischen Vertreter. Weiter

redete noch zur Sache v. Helldorff und nach diesem v. Stauffenberg, der die rege Bethciligung der elsaß-lothringischen Abgeordneten an den Reichstags- Arbeiten freudig begrüßte und die Bedeutung des Landes-Ausschuffes in's Licht stellte. Nachdem schließlich noch Graf Luxburg das Wort genommen hatte, wurde die erste Lesung der Vorlage geschloffen und die zweite Lesung von der heutigen Tagesordnung abgesetzt. Hierauf wurde die Discussion über den An­trag von Winterer, Dollfus und Genoffen wegen Abänderung des Gesetzes vom 30. December 1871, betr. die Einrichtung der Verwaltung in Elsaß- Lothringen, eröffnet. Der Antrag, den Abg. Wmterer begründet hatte, wurde vom Unker-Staatssecretär bekämpft und als unannehmbar bezeichnet. Duncker trat ebenfalls gegen den Antrag auf, Reichensperger dagegen befürwortete den­selben. Das Haus beschloß gegen die Stimmen des Centrums Ablehnung desselben. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung steht die Vorlage über den Sitz des Reichs-Gerichts und die Foriberathung des Budget- Entwurfes.

Dem Commandirenden des elften Armee-Corps, Herrn v. Bose, wer­den mehr Chancen für den Stosch'schen Posten zugesprochen wie dem General- Major Voigts-Rhetz. Stosch würde in die Bose'sche Stellung einrücken. Leipzig bat mehr Aussicht wie Berlin, zum Sitz deS Reichs-Gerichts gewählt zu werden. Der Bundesrath ist zuverlässig entschloffen, den Antrag Magd- zinsky bezüglich Kantecki abzulehnen.

Berlin, 17. März. Nach derDeutsch. Allg. Ztg." hat Fürst Bis­marck in der neulichen Abendunterhaltung offen erklärt, daß er amtlich und persönlich für Berlin als Sitz des Reichs-Gerichtes wirken und eintreten werde, mdeß aus der Angelegenheit keine Cabinetsfrage mache und dem Reichstage ganz die Entscheidung überlaffe. Auf eine scherzhafte Aeußerung, daß er be­zweifle, ob Leipzig trotz seiner Bedeutung den 120 Mitgliedern des Reichs- Gerichtes in jeder Weise genügen werde, erwiderte Abg. Dr. Brockhaus (außer diesem waren von sächsischen Reichstags-Abgeordneten noch Abg. Dr. v. Schwarze und Abg. Holtzmann bei dem Gespräche zugegen), daß seines Wiffens die Mit­glieder des Reichs-Oberbandels-Gerichts sich in Leipzig sehr wohl fühlten und jede Besorgmß daher wohl unbegründet sei.

München. Mit der Aufschrift:Wann wird endlich dem schamlosen Bettel zur Unterstützung der Feinde Deutschlands ein Ziel gesetzt!" bringt die Pass. Ztg." folgenden Artikel:Schon wieder kommen die Münchener Castu- chen, an deren Spitze ihr Vorstand, Gras Ludwig >. Arco-Zinneberg, mit dem Klingelbeutel angerückt und fordern abermals Geld, viel Geld von den schon Jahre lang von Rom ausgesaugten Katholiken Bayerns! Schon wieder betteln sie für denarmen" Paps., der den herrlichsten Palast und die kostbarsten Schätze der Welt besitzt, die Katholiken Bayerns an, während in unserem eige­nen bayerischen Vaterlande 10,000 arme brave Weber mit Weib und Kindern auf dem Stroh liegen unb frieren und dabei am härtesten, was den Menschen treffen kann, am Hungertuche nagen. Wer ein wahrer Katholik ist und ein wirklich gottgefälliges Werk thun will, der unterstütze nicht den Hochmuth und die Herrschsucht, die in einem fremden Lande in Sammet und Seide geht, in goldeneii Prunkgemächern wandelt und auf Eiderdaunen ruht, wer ein wahrer Katholik ist und ein menschliches Herz im Leibe hat, der gebe seinen Peters- pfennig den armen hungernden Webern im Voigtlande."

München, 19. März. Officiös verlautet, der Landtag werde erst im Herbst einberufen werden, obwohl das Militär-Budget für das laufende Jahr bewilligt ist.

Nürnberg, 19. März. Die weithin bekannte Erich'sche Brauerei in Erlangen ist abgebrannt. Die hiesige Feuerwehr wurde telegraphisch dorthin berufen.

Aus Süddeutschland schreibt man demFrkftr. Journal" : Der Reichstags - Abgeordnete, Drechslermeister Bebel, benutzt gegenwärtig einen ihm vom Reichstage gewährten Urlaub zu einer Geschäftsreise in Süddeutschland,