Jfo. WO. Dienstag, den 20. November 1S77.
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Amtlicher HHeil.
Gießen, am 16. November 1877.
Betreffend: Die Wahl der Vertreter der Forensen. ,
Dos Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Um den Großherzoglichen Steuer-Commiffariaten eine leichtere Prüfung der Listen der Stimmberechtigten zu den ForcUsenwahlen zu ermöglichen, weisen wir Sie an, in diesen Listen Unterabthetlungen nach dem Wohnort der Forensen in der Art zu bilden, daß Sie diese Wohnort- nach dem Alphabet verzeichnen, und sodann zu jedem Wohnort die dort befindlichen Forensen gleichfalls wieder alphabetisch aufführen.
Insoweit die Listen nicht bereits anders ausgestellt sind, wollen Sie nach Vorstehendem verfahren.
___________Dr. Boekmann._____________ ■ ___________________________
Gießen, am 19 Ndvember 1877.
Betreffend: Maßregeln gegen die Rinderpest.
Das Großhknogllche Kmsamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Nachdem die Orte Geisenheim und Eibingen wieder für feuchenfret erklärt worden find, werden unsere Anordnungen vom 14. October l. Js., Anzeiger Nr. 240, in Folge Verfügung Großherzoglichen Ministeriums dts Innern vom 17. I. Mts. hiermit wieder zurückgenommen.
_________ Dr. Boekmann.________________________
An die Großherzoglichen Bürgermeistereien -es Bezirks ml. Gießen.
Die Ihnen k. H. zukommenden Gewerbspatente wollen Sie ausfertigen, von den Gewerbtretbenden unterschreiben lasten und solche sodann, nach den Nummern geordnet, binnen 4 Wochen wieder anher einsenden.
Gießen, 16. Novbr. 1877.
Großherzogliches Steuer-Commiffariat Gießen.
Süffelt.
Amtschlimd.
®erlitt, 16. November. Der „Reichs-Anz." meldet: Die Handels- Convention zwischen Deutschland und Rumänien, über welche schon längere Zeit verhandelt war, ist am 14. Novbr. von den beiderseitigen Bevollmächtigten im Reichskanzler-Amte unterzeichnet worden.
Stuttgart, 16. November. Der „StaatS-Anz." meldet: Die Commission zur Vorberathung der Einführungs-Gesetze zu den Reichs-Justiz-Gesetzen ist unter dem Vorsitz des Ministers v. Mittnacht zusammengetrcten. Der gleichfalls vom „Staats-Anz." mitgeiheilte Bericht des Ministers an den König, betr. den Stand der Arbeiten behufs Einführung der Reichs-Justiz-Gesetze, constattrt, daß die württembergische Gerichts-Berfastung ohne einschneidende äußere Veränderungen, namentlich ohne erhebliche Bauten, in die reichsgesetzltchc Gerichts-Verfassung hinübergeleitet werden kann. Die bezüglichen Gesetz-Ent- würse sind bereits festgestellt, ausgenommen hinsichtlich der Straf-Proceß-Ordnung; rücksichllich dieser ist noch der Entwurf landesgesetzlicher Bestimmungen über die Regelung der polizeilichen Befugniß zur Erlastung von Straf-Verfügungen, sowie der Entwurf eines Gesetzes für die Bestrafung von Forst-Freveln abzuwarten.
Oesterreich.
Wien, 16. November. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses machte der Präsident die Mitlheilung, er habe Schriftstücke erhalten, betr. die indt- rccte Niederlegung des Mandats durch 32 tschechische Abgeordnete, v. Keller- sperg erklärte es für wünschenswert!), daß die böhmischen Abgeordneten im Hause erschienen, um die Hand zu gemeinsamem Wirken zu bieten. Redner bemerkte ferner: es habe sich seiner Zeit in Böhmen Anfangs nur um geringe Meinungsverschiedenheiten gehandelt, die sich erst später zu der jetzigen Kluft erweitert hätten. Auf Verlangen Prazak's wurde die Zuschrift der 32 Abgeordneten verlesen. In derselben protestirten dieselben gegen den Dualismus, die directen Wahlen und die Rechtsbeständigkeit des Hauses und stellen das Gesuch, ihr Mandat als erloschen zu betrachten, falls das Haus über ihre Zuschrift zur Tagesordnung übergehe. Der Antrag Prazak's, die Zuschrift dem Ausschüsse zu überweisen, wurde abgelehnt. Hierauf ging daS Haus zur Fortsetzung der General-Debatte der Bank-Vorlage über.
Pesth, 15. November. Einer Meldung des „PestüNaplo" zufolge wird die Angelegenheit der verhafteten Szekler am 19. Novbr. vor den Straf- Senat des obersten Gerichtshofes zur Verhandlung kommen.
Aramkreich.
Paris, 16. November. Dem bei der gestrigen Senatorenwahl erfoch- tenen vollständigen Stege der Rechten wird große Bedeutung beigelegt, da man die 141 Stimmen, die dem Bonapartisten Grandperret zuftelen, 'u* eln etwaiges Votum auf Auflösung der Deputirtcn-Kammer als sicher^ betrachtet. Tie vier neuen Senatoren haben gestern Abend mit beinahe sämmtlichen Mlt- gliedern ter Rechten des Senats und der Kammer dem Empfang beim Jux
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schall-Prästdenten im Präfektur-Gebäude zu Versailles beigewohnt. — Gambetta soll einen starken Anfall von Blutspeien gehabt haben. — Die Königin Isabella ist gestern Morgen hier ringetroffen.
Paris, 16. November. Gambetta widerlegte glänzend Broglte's beredte und geschickte Vertheidigung. Beide erndtetcn großen Beifall ihrer Anhänger. General Berthaut's Erklärung machte bedeutenden Eindruck. Die geringe Majorität in der auf vorherigem Uebereinkommen beruhenden Senatoren-Wahl dürfte ein nochmaliges Auflösungs-Votum in Frage stellen.
Versailles, 15. November. Abends. Die Kammer beschloß, daß die Bureaux morgen die Mitglieder der Enquete-Commission wählen sollen.
Versailles, 15. November. Deputirtenkammer. Der Kriegsminister legt Gesetz-Entwürfe vor über die Armee-Vtrwältung, über die Beförderung der Unter-Officiere und betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 13. Mai 1875. Der Minister-Präsident Herzog v. Broglie ergreift das Wort: „Die Mitglieder des Cabinets, heute noch Träger der Gewalt, bald vielleicht Angeklagte, sind auf ihrem Posten verblieben, um die gegen sie gerichteten Angriffe zu beantworten. Sic haben nicht ein anderes Terrain innerhalb eines privilegirten Kreises aufsuchen wollen. Wenn jene Pflicht erfüllt sein wird, mag der Marschall-Präsident sehen, was zu thun ist. Wenn man ihm sagen kann, daß ein Ministerium, in welches Louis Blanc und Leon Renault eintreten würden, im Stande wäre, ein gemeinsames Programm zu formuliren, so wird bamU der parlamentarische Weg geöffnet sein. Wenn dem aber nicht so ist, so muffen die Grundlagen einer Lösung anderweitig gesucht werden." Broglie will eine Versetzung in den Anklagestand mit den Garantien der Justiz annehmen; aber er kann nicht annehmen eine Untersuchung, die lediglich eine Versetzung in An- klazezustand ohne gerichtliche Formen ist, mit der Tendenz, die Anklage den Anklägern zu überantworten. „Man wird niemals einen Präsidenten finden, der versöhnlicher verfahren könnte, als der Marschall bei der Wahl seiner Minister. Achtzehn Monate lang hatte derselbe als Minister Männer, die ihm feindlich gesinnt waren. Er hielt erst inne, als er sah, daß man ihn auf die Bahn des Redikalismus ziehen wolle. Das Ministerium übernimmt die Verantwortlichkeit für seine Acte vor der Geschichte, die öffentliche und selbst die strafrechtliche Verantwortlichkeit. Alles, was das Ministerium gethan hat, war gesetzlich. Man kann ihm nichts vorwerfen, was der Drohung mit der Budget- Verweigerung gleicht, durch welche man die executive Gewalt unter das Joch zwingen will; und ebenso wenig etwas, was der gestern formulirten These gliche, welche einen Appell an die Jnsurrection zu enthalten scheint. Mögen Diejenigen, welche an so etwas denken könnten, sich in Acht nehmen! Sie würden der Repression begegnen! Und wollte man annehmen, daß sie Erfolg hätten, so mögen sie sich gegenwärtig halten, daß der 31. October nicht weit vom 4. September ist." Broglie entwickelt nunmehr ausführlich, welche Ver- läumdungen von der Opposition ausgegangen seien, u. A. habe man verbreitet: das Cabinet wolle den Krieg zur Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papstes. „Dieselben Männer, welche 1871 Anhänger des Krieges bis zum Aeußersten waren, wurden jetzt im Partei-Interesse friedliebend um jeden Preis. Durch solche Mittel wurden die beihörten Mafien znr Wahl-Urne getrieben."


