zu vereinbaren sei. Helsy interpellirte namentlich Angesichts der Vorgänge in Rumänien, ob die Regierung noch nicht die Zeit für gekommen halte, entschieden Stellung zu nehmen und im Einvernehmen mit den anderen Mächten die Aufrechterhaltung deS Pariser Vertrages zu erwirken. Minister-Präsident v. Tisza erwiderte: In Rumänien liege kein Aggrejsionsfall vor, nachdem das russische Heer im Einvernehmen mit der rumänischen Regierung in das Land eingetreten sei. Auch sei Rumänien durch den Pariser Friedens-Vertrag nicht neutralisirt worden, und sei es überhaupt fraglich, ob eine solche Neutralität Rumäniens für Oesterreich-Ungarn wünschenSwerth sei. Tisza berief sich ferner auf seine jüngste Erklärung, in welcher er die politische Haltung der Monarchie gekennzeichnet hätte. Auf die Gegen-Bemerkungen Helfy's entgegnete sodann der Minister: Keine Regierung könne parlamentarische Instructionen zur Leitung der äußeren Politik annehmen. Wenn die Regierung in der Minorität bleibe, so gebe es nur den einen Weg, daß die Person, welche das Vertrauen des Hauses genieße, die Regierung übernehme. Das Haus nahm diese Erklärung zur Kenntniß.
Lemberg, 12. Mai. Nach Petersburger Berichten bestrebt sich das russische Kriegs-Ministerium, Maßregeln zu ergreifen, um die Gefahr, welche den polnischen Regimentern der russischen Armee durch die Formirung einer Polenlegion auf türkischer Seite bevorsteht, möglichst abzuwenden. Seitens der Regierungs-Commissare werden in sämmtlichen Gouvernements die Sammlungen angeblich freiwilliger Geldbeiträge zu Kriegszwecken mit großer Energie betrieben.
Frankreich.
Paris, 16. Mat. Marschall Mac Mahon hat an Jules Simon heute Früh einen Brief geschrieben, in dem es heißt: Ich bin erstaunt, daß weder Sie noch Märtel gestern auf der Tribüne Die Aushebung des im Jahre 1875 auf Antrag Dufaure's votirten Preßgesetzes gekämpft haben, desien Anwendung Sie kürzlich erst von den Gerichten verlangten, und obgleich man im Ministerrath übereingekommen war, daß Sie und Märtel die Aufhebung bekämpfen würden. Ich war schon erstaunt darüber, daß Sie nicht gewiffe Bestimmungen des Municipal-Gesetzes, wie die Oeffentlichkeit der Sitzungen der Muuicipal- Räthe, Deren Gefährlichkeit Sie im Ministerrathe anerkannt hatten, bekämpft hatten. Diese Haltung läßt mich fragen, ob Sie den erforderlichen Einfluß auf die Kammer bewahrt haben, um Ihre Ansichten zur Geltung zu bringen. Eine Aufklärung in dieser Hinsicht ist unerläßlich. Wenn ich nicht verantwortlich bin vor dem Parlamente, so habe ich vor Frankreich die Verantwortlichkeit, die mich heute mehr als jemals in Anspruch nehmen muß." In Folge dleses Schreibens hat Jules Simon seine Demission gegeben, die auch angenommen worden ist. Der Präsident hat Audiffret-Pasquier hierauf rufen lassen. /
Paris, 17. Mai. Auf eine briefliche Einladung zu einer Conferenz, welche Marschall Mac Mahon an Dufaure richtete, hat dieser erwidert, er könne der Einladung aus Gesundheits-Rücksichten nicht Folge leisten. Unterrichtete Kreise halten es nicht für wahrscheinlich, daß das neue Ministerium bereits heute conflüuirt werde. In d?r Abend Versammlung der Linken wurde einstimmig ein Antrag auf folgende Tagesordnung angenommen: Die Kammer wird nur zu einem solchen Cabinete vertrauen haben, welches frei in seinem Handeln und entschlossen ist, die republikanischen Grundsätze zu befolgen, die allein die Ruhe im Innern und nach Außen hin garantiren können. — Der Senat ist auf Donnerstag zur Sitzung einberufen.
— Marschall Mac Mahon empfing im Laufe des Vormittags mehrere Persönlichkeiten unö gab Allen gegenüber seinem festen Willen Ausdruck, die Politik des Friedens mit allen Mächten aufrecht zu erhalten und etwaige ultra- montane Kundgebungen mir der größten Festigkeit zu unterdrücken.
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Rom, 16. Mai. Simeoni bereitete einen Protest gegen Rußland wegen desien Vorgehen gegen die katholische Kirche in Polen vor. Die Veröffentlichung des Protestes erfolgt jedoch nicht sofort, sondern erst, wenn der Papst den geeigneten Augenblick für gekommen erachten wird. — Die österreichischen und ungarischen Bischöfe, welche wegen streitiger Ansprüche oder abweichender Auslegung von Beifügungen mit der Regierung unterhandeln, wurden aufgefordert nach Rom zu kommen, ihre Gründe darzulegen und zweckentsprechende Weisungen entgegenzunehrnen.
Amerika.
V»r»os Nives. Der Präsident der argentinischen Republik hat ein Decret erlassen, wonach Allen, die wegen politischer Vergehen verurtheilt oder zur Untersuchung gezogen worden find, mit Einschluß der am letzten Aufstand Betheiligten, Amnestie ertheilt wirb.
Knßlaud.
Petevssmeg, 17. Mai. Don auswärtigen Zeitungen veröffentlichte Gerüchte über den angeblichen Rücktritt des Botschafters in Paris, Fürsten Orloff, werden von der „Ägence Raffe" als völlig unbegründet bezeichnet.
Der orientalische Krieg.
Petersbmrg, 16. Mai. Der General-Adjutant Semeka meldet ans Odesia totn 15. d MtS.: Don den vier Booten, welche der Dampfer „Constantin" nach dem Hafen Datum abgeschickt hatte, sind zwei in Poti einge- troffen; den beiden anderen gelang es, zum „Constantin" zurückzukehren.
Letzterer ist heute Früh wohlbehalten in Sebastopol wieder eingetroffen, ohne irgendwelchen Verlust erlitten zu haben. Der „Argonaut", der von Otschakoff zum Kreuzen zwischen Otschakoff und Odesia abdirigirt war, stieß bei der Sulina-Mündung auf vier türkische Panzerschiffe, welche ihn zu verfolgen begannen, jedoch bald von ihm abließen. Heute Morgen traf der „Argonaut" wieder in Otschakoff ein. — Das bereits erwähnte Telegramm des Großfürsten Nicolaus aus Plojesti vom 14. d. Mts. lautet: Heute Morgen wohlbehalten hier angelangt. Der Empfang war ein festlicher. Die städtischen Behörden, Geistlichkeit, Volk begrüßten mich mit lautem Hurrah. Man überreichte mir Salz und Brod. Vor meinem Quartiere stand eine bulgarische Ehrenwache. Um 2 Uhr erschien Fürst Karl, welchen ich auf der Station mit der Ehrenwache bgrüßte und Der nach zweistündigem Aufenthalte zurückreiste. Morgen reife icb nach Bukarest, um Den Besuch zu erwidern. — Abends. Unsere Abteilungen hatten keinen Zusammenstoß mit den Türken. Die Rumcknier hatten unbedeutende Gefechte bei Widdin-Oltenitza. Wetter heiß und schwül. Gesundheit der Armee vollkommen zufriedenstellend. Die Osficiere, welche sich bei der Explosion des türkischen Monitors auszeichnetcu, sind Detorirt.
Wien, 16. Mai. Die „Presse" meldet aus Bukarest: Seit Mittag ist das Bombardement auf Oltenitza von Neuem eröffnet; die Rumänier anh worten kräftig. Von Oltenitza aus bemerkt man den Ausbruch einer Feuersbrunst in Tuturkai. Eine Landung, welche Seitens der Türken versucht wurde, ist zurückgewiesen. Großfürst Nicolaus empfing gestern eine bulgarische Deputation. — Weitere Nachrichten der „Presie" aus Bukarest bestätigen den Erfolg des Donau-Ueberganges der Russen bei Ghezit. An dem Donau-Arm bei Podbaschi nächst Matschin ist es zu einem heftigen Kampf gekommen. Ein Landungs-Versuch der Türken bei der Insel Mokan unweit Giurgewo wurde zurückgefchlagen.
Bukarest, 16. Mai. Die Russen haben bei dem Dorfe Ghiacit eine Batterie errichtet, um den alten Donau-Arm zu sperren. Man beobachtet zwischen Galatz und Plojesti starke Truppenbewegungen. Zwischen Oltenitza und Tuturkai hat das Feuer heute wieder begonnen.
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Eingesandt.
Einsender kann nicht umhin, die Einwohner Gießens auf die neue Einrichtung seitens des Restaurateurs Herrn W Wenzel im Garten aufmerksam zu machen. Es gibt wirklich wenige Städte, die auf ein so schönes Etablissement, (welches von dem EigenthÜmer unterhallen und die Anlagen nicht durch Enträe gedeckt werden), stolz fein können, wie Gießen. Gewiß ist es alles Möglich?, daß Herr Wenzel, trotz den nicht geringen Ausgaben, welche zur Unterhaltung des Gartens nöthig sind, jetzt St-r im Glase verabfolgt. Die neueren Anlagen mit den Palmengruppen vor der Terrasse sind unstreitig schön zu nennen, und ein Stündchen der Ruhe mit dem Anblick von der Terrasse aus, bet einem guten Glas Wein oder Bier, ist sicherlich für jeden Großstädter impönirend. Möge Herr Wenzel für die neuen Bemühungen durch regen Besuch seitens des Publikums seine Anerkennung finden. Zu gleicher Zeit ist auch vom Kapellmeister Herrn C- Krauste anzuerkennen, daß für bie Folge das Entr6e der Concerte herabge- setzt worden ist. D. E.
Handel und Verkehr.
Wiesbaden, 17. Mai. (Fruchtmarkt.) Weizen (100 Kilogr.) 28 JC, Korn (100 Kilogr.) —, Hafer (100 Kilogr.) 16—20 jl, Stroh (100 Kilogr ) 8—9.40 jt, Heu (100 Kilogr.) 9.60-10.80 JL
Limburg, 15. Mat. (Fruchtmarkt.) Durchschnittspreise: Rotber Weizen (160 Pfd.) 23.80 X, weißer Weizen (160 Psd ) —, Korn (150 Pfd.) 17.50 jl, Gerste (130 Psd.) 15 Hafer (100 Pid.) 9 60 Erblen (170 Pfd.) —.
Frilchbäckrr ) n Gießrn.
Sonntag den 20. Mai. Christian Noll Wtttwe in der Neustadt. Christian Fatz in den Neuen-Bäuen Emil Noll in der Lowengosse.
Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.
Sonntag, den 20. Mai. Morgens: Pfarrer Dr. Seel. Nachmittags: Pfarroicar Schöner. (Collekte für bedürftige Theologiestudtrende.) Montag, den 21. Mat.
Morgens: Confinnation der Knaben und Feier des heil. Abendmahles. (Collekte für die Stadtarmen.) Nachmittags: Gymnasiallehrer Stamm.
Es wird gebeten, bet der (Konfirmation die vorderen zehn Bänke für die Angehörigen der Confirmanden frei zu lasten.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 20. bis 26. Mai besorgt Pfarroicar Schöner.
Am 20. Mai, Pfingstsonntag, um 9 Uhr: Altkatholisiher Gottes-icnst in der Hospitalktrche.
l>er Vorstand.
Allgemeiner Anzeiger.
«J &/*nllhol
trocken, auf 20—25 Tentirneter kurz geschnitten, liefern wir bei Abnahme von 100 Ctr. zu 80 H frei Bahnhof Gießen.
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Kalkwerk Albshausen.
2203) Durch Inbetriebsetzung unseres Werkes sind mir von heute an wieder in Der Lage, täglich frisch gebrannten Graukalk (Wasserkalk) in jedem Quantum, Weistkalk gegen vorherige Bestellung, in anerkannt vorzüglicher Qualität zu liefern. Preise billigst.
Station Albshausen bei Wetzlar, am 15. April 1877.
Gehr. Vonhausen.


