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Hoe 38. Donnerstag, den 15. Februar L8-V.
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Erscheint tLglich mit Ausnahm« M MonrtagÄ. Peeis vierteljährlich 3 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Grp-dittotrr GchulstraK», Zit. B. Nr. 18. Durch die Post beßsge« VirrteksKhr.ffch L Mark tO Pf.
Gießen, den 10. Februar 1877. Betreffend: Armenkrankenpflege.
Das Großherzogliche Krcisamt Gießen
VN die Großherzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Allertshausen, Beltershain, Burkhardsfelden, Daubringen, Garbenteich, Göbelnrod, Grüningen, Harbach, Heuchelheim, Hungen, Klein-Linden, Lang-Göns, Lauter, Lindenstruth, Lumda, Nieder-Bessingen, Ober- Besfingen, Queckborn, Reinhardshain, Rodheim, Saasen, Stangenrod, Treis a. d. Lda, Utphe, Villingen, Watzenborn, Weickartshain und Wieseck.
Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung vom 13. Januar 1877 (Anzeiger No. 13) binnen 8 Tagen.
v. Röder.
Bekanntmachung.
Grokherzogliches Ministerium deS Innern hat der Leipziger Kranken-, Invaliden- und Lebens-Versicherungsgesellschaft „Gegenseitigkeit" zu Leipzig die nachgesuchte Erlaubniß zum Geschäftsbetriebe im Großberzogthum Hessen auf Widerruf ertheilt.
Es wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Gießen, den 9. Februar 1877.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
politischer H h e i t.
Darmstadt, 13. Februar. Durch Allerhöchstes Decret vom 5. l. M. wurde der Director des Hofgerichts der Provinz Oberhessen Geheimerath August Völcker aus sein Nachsnchen, in Anerkennung seiner 52jährigen, mit Eifer und Treue geleisteten ersprießlichen Dienste und unter Verleihung deS Cvmmandeur » Kreuzes zweiter Klasse des Ludewigs - Ordens, in den Ruhe- stand versetzt.
Durch Allerhöchstes Decret vom 12. l. M. wurde der Hofgerichtsrath bei dem Hofgericht der Provinz Starkenburg August Hahn zum Direktor des Hosgerichts der Provinz Oberhessen ernannt.
Berlin, 12. Februar. Der frühere Legations-Rath, Gras Hermann Arnim hat, wie verlautet, den Staats-Anwalt Teffendorff wegen öffentlicher Beleidigung verklagt.
Berlin, 12. Februar. Die russische Preffe faßt den Sturz Midhat Pascha'e als ein für Rußland günstiges Ereigniß aus und erklärt, England habe jeden Vorwand verloren, für die Türkei einen Aufschub der Züchtigung zu fordern. So spricht heute auch der „Golos", der gestern noch die Politik des Abwartens empfahl. Der „Pesther Lloyd" meint, die russische Action sei baldigst zu erwarten. Gewiß ist, daß Rußland bei einem Kriege mit der Türke, von Deutschland keine materielle Unterstützung zu erwarten hat. Amtlich hat ec eine solche Unterstützung bisher auch noch nicht nachgesuchr. — Aus Konstantinopel erfährt man, daß General Klapka einen Operationsplan für den bevorstehenden Krieg ausgearbeitet hat, nach welchem die Türkei nicht weniger als 4 bis 5 Armee-Corps aufzustellen haben würde. Die aus Europa flanr menden türkischen Officiere sind mit einer solchen Zersplitterung der Kräfte keineswegs einverstanden.
— Nach der „Kreuz-Ztg." wird an maßgebender Stelle beabsichtigt, ein drittes Bataillon des jetzt bekanntlich aus zwei Bataillonen bestehenden Eisen- bahn Regimentes zu errichten. Dieses dritte Bataillon würde den Namen „Telegraphen-Bataillon" führen und seine Garnison wahrscheinlich in Mainz erhalten. Wenn die vorbereitenden Entscheidungen in Betreff der Reuformation erfolgt sind, steht für den Reichstag eine Vorlage wegen der bezüglichen Geldforderung zu erwarten; ob schon in der bevorstehenden Session oder erst im Herbst, soll noch nicht feststeheu.
— Aus allen Gegenden und Ländern kommen die Klagen immer stärker über Niederlage der Industrie, über Noth und Jammer in der Arbeiterbevölke-- tung. Wie bekannt, herrscht selbst in Frankreich, das bis jetzt noch immer als das günstigst situirte Land anzusehen war, dessen Industrie nach Berichten von dort verhältnißmäßig gut prosperirte, bereits ebenfalls in einigen Districten, feie z. B. in Lyon, eine sehr bedenkliche Nothlage. Nach wie vor, sagt die „B. D." in einem allgemeinen Bericht, ist die wirthschaftliche Krisis in voller Kraftcntfaltung thätig, liegt sie bleischwer auf Handel und Wandel, jede Unternehmungslust hemmend, das Vertrauen untergrabend.
Dre Handelsstatistik des Jahres 1876 zeigt uns mit genauen Zahlen den verhängnißvolle« steten Fortschritt der Krisis. Eine uns vorliegende Tabelle über die Zahlungs-Einstellungen der letzten 5 Jahre in der amerikanischen Union führt uns zu erschreckenden Vergleichen. Während im Jahre 1872 die Zahl der dortigen Fallimente 4069, die Summe der Verbindlichkeiten 121 Millionen Dollars betrug, steigerte sich im Jahre 1873, mit dem Anfänge der Krisis, die Zahl der Fallimente auf 5183 und erreichte sie tm Jahre 1876 nach fortge
setzten Steigerungen die enorme Höhe von 9092 mit einem Gesammtumfange der Verbindlichkeiten von 191 Mill. Dollars. Andere Länder haben entsprechend gleiche Resultate aufzuweisen.
Von dem Arbeitsmarkt haben wir leider recht viel Trostloses zu berichten. Hauptsächlich hat sich die Lage der Bergarbeiter durch die Kalamität auf dem Kohlenmarkt sehr verschlimmert. Die Communen in den rheinisch-westfälischen Kohlendistricten bemühen sich Arbeiten hervorzusuchen, um den brodlosen Bergleuten einen Verdienst zu verschaffen, doch vermögen sie nicht allen denen zu helfen, welche durch die Betriebs-Einstellungen entlassen worden sind. Man berichtet aus Dortmund, daß die in den Monaten Januar und Februar statt- gesundenen Entlassungen in dem Dortmunder Oberbergwerks-Amt allein die Zahl von 6000 Arbeitern erreicht haben, welche pro Jahr einen Productions- werth von 5,400,000 Mark repräsentiren. Durch die Concursanmeldung des preußischen Bergwerks- und Hüttenvereins sind 800 Arbeiter arbeitslos geworden. Die Lage der Kohlen- und Eisenwerke ist eine derartig hoffnungslose, daß weitere Arbeiter-Entlassungen noch in Aussicht stehen und an die Staatsregierung wohl die Pflicht herantritt, sich mit aller Energie diesem Nothstande der Arbeiter zu widmen. Wie wir schon erwähnten, bemühen sich die Communen, den Arbeitern so weit es geht zu helfen. Die Stadt Duisburg unterhält nahezu 1200 Arbeiter auf städtische Kosten. Allein hier muß auch die Regierung an's Werk gehen und durch sofortige Eröffnung der vielen projectirten Arbeiten zeigen, daß sie der Arbeiterfrage nicht kalt gegenübersteht. Eine günstigere Gelegenheit, die Regierungs-Arbeiten zu soliden Löhnen ausführen zu lassen, dürfte wohl kaum wieder erscheinen. Darum säume man nicht und gehe im Interesse der nothleidenden Arbeiter mit aller Entschiedenheit vor. — Auch von den anderen Gebieten des Arbeitsmarktes haben wir wenig Gutes zu melden, namentlich sieht eS in den Spinnerfabriken und Weberwerkstätten recht traurig aus. Auch hier finden noch immer Einschränkungen der Production statt. — Wir sind überzeugt, daß, wäre der politische Horizont völlig klar» unsere industriellen und wirthschaftlichen Zustände heute bereits in der Besserung wären. Die Aussicht auf den Krieg hat die bereits sichtbaren Keime der Heilung wieder gestört und die Krankheit verschlimmert.
Berlin, 13. Februar. Man schreibt der „Köln. Ztg." : In Wim und in Konstantinopel herrscht noch immer die Besorgniß vor, daß der Krieg unvermeidlich fei, d. h. daß Rußland den Krieg eröffnen werde, sobald die Jahreszeit es zuläßt. Andererseits bemerkt man dagegen, daß die beste Jahreszeit für einen Donaufeldzug der strenge Winter sei, denn nur dann sind die Gegenden der unteren Donau wegsam. Im Frühjahr setzen das Wasser und die Ueberschwemmungen, im Sommer die Sümpfe und die Krankheiten dem Vordringen eines Heeres die größten Schwierigkeiten entgegen. Die Türket wird nicht Rußland zur Abrüstung auffordern, sondern ruhig abwarten und höchstens, wenn die Russen über den Pruth gehen, ihrerseits in Rumänien ein» marschiren, zu dessen Schutz ja die Pforte verpflichtet ist. Inzwischen mögen die Anstrengungen, sowohl mit Rimiänien als mit Serbien und Montenegro, zu einem raschen Ausgleiche kommen. Trotz der ungünstigen militärischen Sachlage, schreibt man der „Voss. Ztg." aus Wim, steht der Einmarsch der Russen in Rumänien unter allen Verhältnissen baldigst bevor. Die Motive zu dieser' Vorwärtsbewegung, mit welcher der tatsächliche Ausbruch des Krieges noch keineswegs erfolgt ist, Hegen einestheils in der üblen Stimmung der Armee, die zu entscheidenden Schrittm drängt, andererseits aber in militärischen Rücksichten, weil man den Truppen ein größeres Terrain anweisen möchte, um die


