Kugkauö
London, 10. October. Die Blätter publiciren ein authentisches „Sim gesandt", welches die Behauptung Cnspi's, daß er auf seinen jüngsten Reisen mit diplomatischen Missionen betraut gewesen wäre, für unbegründet erklärt.
Spanien.
Madrid, 10. October. Die Zeitungen melden: Der Bürgermeister und der Pfarrer des Dorfes Jnatorate in Andalusien nahmen ein neugeborenes Kind eines protestantischen Ehepaais gewaltsam an sich und ließen dasielbe in der katholischen Kirche taufen. Die Regierung hat die Einleitung der Untersuchung und die gerichtliche Verfolgung des Schuldigen angeordnet.
Madrid, 11. October. Das deutsche Geschwader ist in Gibraltar angekommen.
Ausland.
Petersburg, 10. October. Die „Agence Russe" schreibt: Da gewisie Journale, auch türkische, fortdauernd von einer Mediation und von bereits geschehenen einleitenden Schritten Englands und Oesterreichs sprechen, so erklären wir wiederholt, daß eine Mediation nicht beabsichtigt ist und daß bisher kein bezüglicher Versuch gemacht wurde. — Dasielbe Organ dementirt die Behauptung, Serbien habe von Rußland die Annexion Bosniens und die Garantie für seine Unabhängigkeit verlangt.
Türkei.
Konstantinopel, 10. October. Aus Veranlassung des Beiram- Festes richtete der Sultan an die Truppen-Commandanten Glückwunsch-Schreiben, in welchem er die Hoffnung ausspricht, daß der Krieg bald zum Vortheil der
Türkei beendet sein möge, damit die Soldaten zurückkehren könnten, um durch Arbeit die durch die Vertheidigung des Landes hervorgerufenen außerordentlich großen Verluste zu ersetzen.
Konstantinopel, 10. October. Wie verlautet, beabsichtigt die Pforte, dem serbischen Vertreter Christtc die Päsie zuzustellen.
Serbien.
Loknl'Srotiz.
Gießen, 13. Okt. Wir lassen nachstehend das Protocoll der Stadtoerordncten» rtzung vom 27. Seplember folgen:
1 In Betreff der Reorganisatisn der höheren Mädchenschule und der Eir ch- tung von Mittelschulen dahier ist definitive Beschlußfassung bis zur Fertigstellung deS ür die höhere Mädchenschule projecllrten Neubaues ausgesetzt worden, weil bit der Stadt eben zu Gebote stehenden Schulräumltchketten diese Einrichtung zur Zeit absolut unmöglich macht.
2. Die von der Armendeputation beschlossene Bewilligung von 100 für die Kleinkinderschule wurde genehmigt.
3. Zur Erweiterung des Spielplatzes bei der alten Realschule «ar Herr G g. Kretzmetzmüller vsn Gambach bei der Vergebung der nöthigen Erdauffüllung und Planirarbest der Geringstfordernde mit 690 je Es soll demselben die Arden für den geforderten Betrag genehmigt werden, obwohl der Voranschlag nur 660 Jt beträgt.
4 Auf Nachsuchen wurde einem hiesigen Einwohner das Schulgeld für feine Kinder erlassen.
5. Großherzogliches Kreisbauamt theilte mit, daß zur Pflasterung des Selters- dergs noch 10 Kubikmeter Pflastersteine und 80 Kubikmeter Sand erforderlich feien. Zu deren alsbaldigen Anschaffung ist Genehmigung ertheilt worden.
6. Dem gestellten Anträge, die Trottoirs in den neuen Straßen möglichst auf iy2 Meter Breite anzulegen, wurde beigestimmt.
7. An Kosten der Feier des 2. September d. I. blieb nach dem Abschluß der Festrechnung noch ein Deficit, zu dessen Deckung dem Comitö der Betrag mit 343 JL 40 H aus der Stadtkasse bewilligt wurde.
8. Als Bürger der Stadt Gießen ist Herr Bäckermeister Hermann Vogt ausgenommen worden. . m , r
9. Herr Schretnermeister Hermann Werner beabsichtigt ern Wohnhaus an die Ludwtgsstraße und Herr Jacob Wießner ein solches an die Glünbeiger Straße zu erbauen. Die Gesuche sollen aus Grund der oorgelegten und nicht beanstandeten Pläne befürwortet werden. , „ vI . ..
10. Gestattet wurde dem Herrn Joh. Jung II. von Wieseck die nachgesuchte Anlegung einer Ueberbrückung nach seinem Grundstück am Wtesecker Weg.
Gie ßen, 13. Oct. Während der von dem SchwurgertchtShof tu dieser Woche abgehaltenen Sitzungen wurde in den nachoerzeichneten Anklagesachen erkannt:
Am 10.October, gegen Georg Schutt, 24Jahre alt, von Dorheim und gegen Karoline Bopp, 19 Jahre alt, von Melbach, wegen Ermordung durch Gift, die Todesstrafe. .
Am 11. October, gegen Heinrich Fich von Staden, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, Zuchthausstrafe von 3 Jahren unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von 3 Jahren.
Denselben, gegen Johannes Köhler III. von Wallenrod, «egen Urkundenfälschung, Gefängntßstrafe von 1 Jahr 6 Monaten.
Am 12. October, gegen Heinrich Imhof III. und Karl Imhof von Wolf, wegen Brandstiftung, Gefängntßslrafe von je 2 Jahren.
Belgrad, 11. October. Die angekündigte Pforten-Note wegen der Rüstungen ist bereits eingetroffen. Sie verlangt energisch Aufklärungen, jedoch ohne Termin, daher wird sie nicht als Sommation betrachtet. Die Regierung wird ausweichend antworten.
Amerika.
Bahia, 7. October. Der Dampfer „Parana" ist gestrandet und als total verloren zu betrachten; Passagiere und Post sind gerettet.
Der orientalische Krieg.
Wien, 10. October. Die „Presse" meldet aus Sistowa: Am 7. und 8. d. versuchten die Türken bei Radischewo Ausfälle, wurden jedoch mit schweren Verlusten zurückgewiesen; die Zahl der Tobten beläuft sich aus ungefähr 400 Mann.
Petersburg, 10. October. Officielle Meldung aus Gorni-Studen vom 9. d.: Bei der Colonne von Rustschuk griff ein kleineres türkisches Detachement am 7. d. das Dorf Koschewa an, wurde aber zurückgeschlagen. Am 8. d. überfielen die Türken unsere Vorposten gegenüber Kadikiöi. Sie wurden mit Hülse der herbeigeeilten Reserven mit großen Verlusten zurückgewiesen. Auf unserer Seite wurden 4 Mann verwundet. — Bei Kadikiöi werden größere Streitkräfte concentrirt. — Die Türken räumten Constanza und Sadina. — In der Nacht vom 7. auf den 8. d. eröffneten die Türken bei Silistria das Feuer von den Batterien und Dampfern.
Bukarest, 11. October. Die rumänische Armee wird baldigst Winterquartier in der kleinen Walachei beziehen, indem sie sich auf die strikteste Defensive beschränkt. Die Brücke bei Sistowa ist noch unterbrochen.
— Capitän Hauchmann, der sich für einen Preußen ausgab und dadurch Zutritt zu der russischen Armee erhielt, wurde überführt, der Wiener „Neuen Fr. Pr." für Rußland beleidigende Correspondenzcn und Enthüllungen über Militär-Verhältnisie gesendet zu haben, und von den rumänischen Behörden über die Grenze gewiesen.
Wien, H. October. Die „Polit. Corresp." meldet aus Bukarest vom 11. d.: Der gegenwärtig noch in Petersburg weilende Großfürst Konstantin, Bruder des Kaisers, soll daS Commando eines größeren Truppencorps bei Kalarasch (gegenüber Silistria) übernehmen. Nachdem die Armee des Großfürsten-Thronfolgers genügend verstärkt worden ist, soll nunmehr auch das Corps des Generals Zimmermann in der Dobrudscha beträchtliche Verstärkungen erhalten. — Aus Belgrad vom 11. d. meldet dasielbe Organ, daß die Frage der Kriegssubsidien zwischen Serbien und Rußland geregelt sei; Rußland verpflichte sich demnach, der serbischen Regierung von dem Tage deS Aufmarsches der serbischen Armee an der Grenze bis zum Friedensschluß jeden Monat eine Million Rubel zur Verfügung zu stellen.
Petersburg, 11. October. Amtlich wird aus Gorni-Studen vom 10. b. gemeldet: Die Türken haben die Brücke, welche sie bei Silistria zu bauen begonnen hatten, wieder abgebrochen. Am 3. d. sendete der Comman- dirende der Truppen in Lowtscha eine Sotnie Kosaken unter Führung Tarasoff's zur Recognoscirung gegen den von den Türken besetzten Ort Jsvor. Tarasoff bemächtigte sich des letzteren an demselben Tage durch plötzlichen Angriff und vertrieb die aus verschiedenen Waffen zusammengesetzte 400 Mann starke türkische Besatzungs-Abtheilung. Nach Vernichtung der in Jsvor vorgefundenen Korn- und Fourage-Vorräthe kehrten die Rusien nach Mikre zurück. Am 5. d. erneuerte Tarasoff den Ueberfall auf Jsvor und vertrieb wiederum die Türken aus dem Ort. Am 6. d. cernirte er das Dors Galata und vertrieb 300 Bascbi-Bozuks, welche bis Teteben verfolgt wurden. Es stellte sich heraus, daß der Teteben-Paß durch 400 Tscherkesien mit 3 Gebirgs-Geschützen besetzt war. Tarasoff's Abtheilunz nächtigte bei Soport und kehrte am andern Morgen nach Mikre zurück. Als die Türken am 8. d., Abends, bei Plewna ihre Trancheewache aufzulösen im Begriffe waren, wurde rumänischerseits das Feuer eröffnet; die Türken zogen hierauf Verstärkungen herbei und griffen die rumänischen Trancheen an, wurden jedoch mit großen Verlusten zurückgeschlagen.
Vermischtes.
Mainz, 9. Oct. Bei dem hiesigen Gericht schwebt gegenwärtig ein eigenlhüm- licher Ehescheidungsproceß. Die Eheleute gehören der arbeitenden Classe an. Die Frau, die klagbar geworden, führt unter den Gründen, die sie veranlaßten eine Ehescheidung einzuletten, auch folgenden an: Im Laufe deS verflossenen Jahres saß ihr Mann in einer Wirthschaft in der Pfaffengasse inmitten einer Anzahl Kollegen. Der Durst muß bedeutend größer gewesen sein, als sein Gelb in der Tasche, denn er bot seine Frau öffentlich in Auction aus. Der Meistbietende sollte gegen sofortige Baarzahlung in alle Rechte des Mannes eintreten. Man kann es der Frau wahrlich nicht verargen, wenn sie sich von einem Manne trennen will, der sie wie eine Waare öffentlich zur Versteigerung bringt. . k. r*
Berlin. Zum Kapitel der Bierverfälschung. Ein hiesiger Agent bewirbt sich um die Vertretung einer Kulmbacher Brauerei, die in Berlin noch nicht emgeführt ist und empfängt von diesem Hause eine ablehnende Antwort. Dieselbe ist so überaus bezeichnend für die Berliner Bierverhältnisse und namentlich für das Treiben des größten Thetles der sogenannten Bieroerleger, daß wir das diesbezügliche Schreiben nachstehend im Wortlaut wiedergeben wollen: „3u unserem Bedauern können wir vor dec Hand auf einen Absatz unseres Gebräus in Berlin nicht rechnen, da wir del der nolorisch betriebenen Fälschung des Kulmbacher Bieres in Berlin, welches in Flaschen dort billiger verkauft wird, als wir dasselbe hier in Gebinden abgeben, und unser Bier nur gern rein verkauft wissen, lieber auf einen Umsatz dort verzichten. Erst wenn diese Bierverfälschung ihre Endschaft erreicht hat, wollen wir gern unser Gebräu dort an den Markt bringen." — Den Vers zu dieser Geschichte werden sich unsere Leser wohl selbst machen können. (Es gibt unseres Wissens außer Berlin auch noch andere Städte, in welchen sog. Kulmbacher oder Erlanger Bier verzapft wird, welches man ,Imitations-Schmiere" laufen sollte. D. R)
Hoch-Weisel, 6. Oct. Heute früh hatte ein Mann aus Groß-Linden, welcher in unserer Gemarkung mit Birnenabmachen beschäftigt war, das Unglück, von einem Baume zu stürzen und sich dadurch sehr erheblich innere Verletzungen zuzuziehen. Die dadurch verursachte Schmerzen sollen den Mann zur Verzweifelung gebracht haben, so, daß derselbe entschlossen war, um seinen Qualen ein Ende zu machen, sich mit seinem Taschenmesser den Hals zu durchschneiden. Rasch hinzugekommene Leute konnten sein Vorhaben insofern noch verhindern, als derselbe sich bereits schon eine tiefe Schnittwunde am Halse beigebracht hatte. Wie wir erfahren, ist der Zustand desselben ein
$ ( Wohlthat des starken Schnürens.) Ein Doktor der Philosophie beweist die
Wohlthat des starken Schnürens dadurch, daß er sagt: „Es nimmt alle albernen Frauenzimmer von der Erde und läßt nur die vernünftigen zurück, damit diese gute rauenjonben ^ommc Grand-Jury in Philadelphia, welche vor Kurzem ein Weltkind wegen Fluchens in Anklagestand versetzte, nahm die Gelegenheit wahr, nicht nur sich gegen den Verkauf geistiger Getränke am Sonntag zu erklären, sondern auch gegen die Verabreichung von Altarwein beim Abendmahl zu remonstriren, weil dadurch die Trunksucht befördert werde. Ob das wohl dieselben Geschworenen sind, die vor einigen Jahren den Gebrauch der Kirchenglocken abschaffen wollten, weil das Glockengelavte bte Sonntagsrrch^store^ 9?fl6mb(Ibung gibt Wahrheiten im Leben, die der dabei interessirten Menge hundertmal gesagt werden müssen, aber wenn es tausendmal gesagt wird, daß die noch allgemein gebräuchlichen hohen Milchtöpfe als Gefäße zur Rabm- bildung weniger gut sind, als die flachen, so werden sie dennoch beibehalten. In Nassau hat man in niedrigen Gussanderschen Gefäßen auf das Maß Milch /< Itr. Butter mehr gewonnen, als in hohen Töpfen, ähnliche Versuche in Gussanderschen Milchschüsseln und thonernen Milchtöpfen von 12" Höhe wurden im Winter 1862 in Rheinhessen ausgeführt, indem man 3 Maß Milch in zwei solcher Milchtopfe und ebenso viel in eine Gussandersche Mtlchschüffel schüttete. Dabei ergab Morgenmilch nach 3tägigern Stehen, nachdem sich der Rahm in sehr erwärmter Temper-atur vollständig gebildet hatte, in den 2 Milchtöpfen 1 Pfd. 5 Loth tn der Gussanderschen Milchschüssel 1 Pfd. 28 Loth Rahm. Abcndmilch lieferte nach tägigem Stehen in erwärmter Temperatur und nach vollständiger Rahmbildung in 2 Milchtöpfen 1 Pfd 25Jn Gussanderschen Milchschüssel 2 Pfd 16 Loth Rahm. Jene ergaben sonach 75 Procent
O ** Unserer, btefer Tage gebrachten, dem Bremer Handelsblatte entlehnten Notiz über den verstcherungsbeftand der größten deutschen LebenSversicberungs-Gesell- schaften, zu denen wir übrigens auch die alte Berlinische mH 83,629,811 Bersiche- rungs Bestand zählen, lassen wir heute eine solche aus der nämlichen Quelle über die so wichtigen Prämten-R eserv en folgen, wie sich dieselben im Prozentsätze zum Ber-
sicherungs-Bestande verhalten.
Hiernach hatten Ende 1876:
Berlinische (von 1836) 18,80 Procent
Gotba ( , 1827) 18,58 „
Lübeck ( „ 1828) 14,96 „
Concordia ( • 1853) 13 67 „
Stuttgart ( * 1854 t 13,15 „
Leipzig ( . 1830) 13,10 „
Germania ( „ 1857) 11,96 „


