Wo. 159. Freitag, den 13. Juli 1899.
Kichener Mnzeiger
Ail?cigk- ni Amlsblstt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn.
Ek^tditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hßeit.
B e k a n n t m a eh n n g.
In Folge des Baues der Brücke über die Wieseck in der Reichensand-Bahnhofsstraße ist es noihwendig geworden, den Verkehr über den dort befindlichen Steg einzustellen. Es ist daher der Weg zu dem Letzteren bis auf Weiteres gesperrt und der Steg an der Main-Weser-Bahn am Fuße des Felsen- k.llers ausschließlich zu benutzen.
Gießen, am 11. Juli 1877.
Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.
Aokitischer HheiL
Deutschland.
Darmstadt, 10. Juli. Se. Königs. Hoheit der Großherzog haben heute Vormittag um 11 Uhr Se. Durchl. den Fürsten zu Lynar, König!. Preuß. außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am hiesigen Hose, in Audienz zu empfangen geruht, um dessen Beglaubigungsschreiben entgegen zu nehmen. Vorher empfingen Se. König!. Hoheit den Präsidenten des Ober- Consistoriums, Geheimerath Dr. Goldmann, und den Dekan des Dekanats Darmstadt, Ewald.
Darmstadt, 11. Juli. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:
Am 4. Juli den Professor Dr. Theodor Schäffer zum Director der polytechnischen Schule für die Zeit vom 1. September 1877 bis 31. August 1878 aus Vorschlag des Lehrer-Collegiums zu ernennen.
Darmstadt, 11. Juli. Kaiser Wilhelm ist, von dem Großherzog und der Großherzogin am Bahnhofe empfangen, um halb 11 Uhr hier angekommen und reiste um halb 12 Uhr wieder ab. Das Aussehen des Monarchen ist vortresflich. Das so zahlreich versammelte Publikum brachte ihm lebhafte Ovationen.
Mainz, 9. Juli. Bischof Ketteler scheint nach den letzten Nachrichten des „Mainzer Journ." aus Burghausen in Lebensgefahr zu schweben. Jedenfalls hat sich sein Zustand in den letzten Tagen verschlimmert. Das Münchener „Vaterland" bezeichnet seine Krankheit als hochgradigen Typhus.
Berlin, 10. Juli. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" hat der Cardinal-Staatssecretär im Vatican die apostolischen Nuncien in einer Note ersucht, „für die Gesundheit des Papstes zu beten", und hervorgehoben, daß die Lage von Gefahren umgeben sei und es wünschenswerth mache, über die Stellung der Mächte zu dem künftigen Couclave in's Reine zu kommen. Gleichzeitig durchläuft eine Pariser telegraphische Meldung die Welt, nach welcher der augenblickliche Zustand Pius' IX. das Schlimmste befürchten läßt. Die Nachricht hat für die deutsche Politik im gegenwärtigen Augenblick, bei der Spannung auf den Ausfall des zum Herbst nahenden französischen Plebis- cits und bei der verschärften Aufmerksamkeit auf die Beziehungen zwischen dem Vatican und dem Elis6e, ein erhöhtes Jntereffe. Die „Tribüne" meint: „Die praktische Frage, aus die Monsignore Simeoni hinaus will, spitzt sich doch schließlich einfach dahin zu: „Werden Oesterreich, Frankreich und Spanien in der Lage sein, das Veto, das ihnen bisher zustand, auch bei der nächsten Papstwahl auszuüben?" Im Budget-Ausschusse der ungarischen Reichsraths-Delega- tion wurde Graf Andrassy im Jahre 1873 bereits über diese Frage interpellirt. Er erwiderte damals, daß er nähere Mittheilungen über die Sache nicht für inopportun halte, indessen was das Veto betreffe, im Allgemeinen doch bemerken wolle, daß er die Absicht hege, dem Kaiser nie zu rathen, auf irgend ein Recht, das er besitze, zu verzichten; daß aber das Vorgehen in solchem Falle etwas sei, was mit vielen anderen Fragen zusammenhänge und worüber ihm weitere Aufschlüsse wohl erlaffen würden. Von Wichtigkeit in dieser Erklärung war immerhin der bestimmte Entschluß, daß Oesterreich auf das ihm zustehende Recht, im nächsten Conclave mitzusprechen, keinenfalls verzichten werde. Dasselbe wird auch wohl von den beiden anderen katholischen Mächten anzunehmen sein, deren Verhältniß zur Sache dem mitbetheiligten deutschen Interesse freilich sehr viel ferner steht." Ohne Zweifel wird diese Austastung in den weitesten deutschen Kreisen auf Zustimmung rechnen dürfen.
Berlin, 10. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Die durch Cabinets-Ordre vom 3. Juli dem Präsidenten des Ober-Kirchenrathes Herrmann verliehene Rangerhöhung ist erfolgt, um demselben für feine unausgesetzten , mit voller Hingebung geleisteten ersprießlichen Dienste einen erneuten Beweis des königlichen Vertrauens und der königlichen Anerkennung zu geben." — Dem „Reichs-Anz." zufolge ist laut Mittheilung der Pforte an die Botschafter der Mächte das Einlaufen der Schiffe bei Nacht in den Hafen von Smyrna verboten.
— Die Nachricht von der Remotion des Privatdocenten Dr. Dühring wird der „Post" mit der Beifügung bestätigt, daß die bezügliche Entscheidung des Cultus-Ministers nebst Motiven demnächst zur Veröffentlichung gelangen werde.
Oesterreich.
Wien, 10. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad von heute: In der gestrigen Sitzung der Skupschtina, die einen stürmischen Verlauf nahm, kündigten 31 oppositionelle Abgeordnete von der conservativen Partei und der äußersten Linken unter Beschuldigungen gegen die Versammlung und die Minister ihren Austritt wegen der Haltung der Majorität an. Die Versammlung, welche ungeachtet des Abganges der 31 beschlußfähig bleibt, nahm jenen Act zur Kemttrüß, indem sie zugleich deffen Begründung zurückwies. Die erforderlichen Neuwahlen sind bereits auf den 12., 14. und 17. Juli anberaumt. — Ein Schreiben derselben Correspondenz aus Cettinje constatirt den türkischen Angaben gegenüber, daß der Rückzug Suleiman Pascha's nicht einer diplomatischen Intervention, sondern lediglich den ungeheuren Verlusten der türkischen Armee und dem Donau - Uebergange der Russen zuzuschreiben sei. Alle regulären Truppen der Pforte aus Bosnien und der Herzegowina, selbst die Garnison der Blockhäuser seien nach Bulgarien beordert, in Albanien nur die Garnisonen von Podgoritza und Spuz zurückgeblieben.
Wien, 10. Juli. Osficiös verlautet, die österreichische Occupation Bosniens und der Herzegowina sei diplomatisch geebnet; gegebenen Falls sei derselben allseitige Gutheißung gesichert.
Arankreich.
Paris, 9. Juli. Der von den republikanischen Senatoren organisirte Rechtsgelehrten-Ausschuß veröffentlicht heute sein Gutachten über die Colportage- Frage. Der Schluß deffelben lautet: „Aus Obigem nmß man schließen, daß ein Präfekt eine offene Ungesetzlichkeit, einen wahren Mißbrauch der Amtsgewalt begeht, wenn er einem Verbreiter oder Verkäufer von Zeitungen den Verkauf gewisser Blätter untersagt, und der Verpflichtung, dieses Verbot zu beachten, die Bewilligung oder Aufrechterhaltung der „Ermächligung" unterordnet. Das von einer solchen Maßregel betroffene Blatt kann den Präfekten wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt vor den Verwaltungsgerichten und wegen Schadensersatzes vor den gewöhnlichen Gerichten belangen. Das nämliche Recht steht den Verkäufern und Verbreitern zu, welche in der Ausübung ihres Gewerbes mißbräuchlich beschränkt werden, oder denen man die „Ermächtigung" auf ungesetzliche Weise entzogen hat." Dieses Gutachten, das alle Maßregeln, welche die Präfekten gegen den Zeitungsverkauf in der Provinz ergriffen haben, für ungesetzlich erklärt, hat das Ministerium im höchsten Grade erregt, und es soll eine konservative „contre- consultation“ veröffentlicht werden. Da es ihm jedoch an namhaften Rechtsgelehrten fehlt, so wird dieses Gegengutachten wohl ohne Wirkung bleiben und nickt verhindern, daß zahllose Proceffe gegen die Präfekten eingeleitet werden. Die Lage der neuen Regierung wird täglich eine unbequemere. Die Zwietracht unter ihren eigenen Anhängern prägt sich jetzt, da die Aufstellung der Candidaten-Listen, welche der Marschall Mac Mahon unter seine Obhut nehmen soll, in den Vordergrund tritt, immer schärfer aus, und es ist fast mehr als wahrscheinlich, daß unter den sog. „Conservativen" eine Einigung nicht erzielt wird. Der „Franeais", das Organ Broglie's, stößt schon eine Art von Angstruf aus, fordert zur Eintracht auf und betont, daß die Regierung die natürliche Schiedsrichterin zwischen den verschiedenen conservativen Gruppen sei. — Der Gouverneur von Paris, General Admirault, hat an alle Aerzte und Directoren der militärischen Hospitäler folgende Verfügung richten lassen: „Ich habe die Ehre, dem Oberarzt des Hospitals von . . . . bekannt zu geben, daß laut Weisung des Gouvernements von Paris kein politisches Blatt in die Militär-Hospitäler, namentlich in die Säle der Kranken eingeführt werden darf. Die Herren Officiere, die ärztlich behandelt werden, können allein durch den Rechnungsbeamten Blätter conservativer Meinung, deren Titel sie angegeben haben, empfangen.
Paris, 4. Juli 1877. Der Militär-Unter-Jntendant.
Guerwiller."
England
London, 10. Juli. Im Unterhause theiltk der Secretär der Admiralität Egerton auf Veranlaffung Witworth's mit, daß der Ingenieur Smilee angewiesen sei, den türkischen Dienst zu verlaffen, andernfalls würde derselbe


