Ausgabe 
13.5.1877
 
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Crf^eirtt mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn.

Expeditionr Schulstraße, Lit. s. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

politischer H h e i l.

Woche nübersicht.

D. V. C. Das wichtigste Ereigniß der vergangenen Woche ist die Reise, welche der Kaiser in Begleitung des Kronprinzen, des General-Feldmarschalls Moltke und des Kriegs-Ministers v. Kamecke durch die neuen Reichslande ge­macht hat. Der Enthusiasmus, nut dem er dort besonders Seitens der elsässi- jchen Landbevölkerung empfangen wurde, überstieg alle Erwartungen und legte ein erfreuliches Zeugniß ab von dem gewaltigen Umschwung, der sich im Laufe der Jahre in der Stimmung der Bewohner der Reichslande vollzogen hat. Selbst in Lothringen, wo doch das französische Element vorherrscht, ließ der Empfang des Kaisers nichts zu wünschen übrig. Was von spröder Zurückhal­tung noch vorhanden war, das wurde durch die leutselige Erscheinung des Kai­sers überwunden. DieKaiserwoche" ist daher für die Reichslande die Epoche der moralischen Eroberung geworden. Unter ihren Eindrücken ist der vom elsässischen Reichstags-Abgeordneten Dollfus in einem Schreiben an seine Colle- gen gemachte Vorschlag einer freiwilligen Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frank' reich und einer allgemeinen Entwaffnung spurlos vorübergegangen. Der Kaiser selbst hat übrigens bei verschiedenen Gelegenheiten die Nothwendigkeit eines engeren Anschlusses an das deutsche Vaterland heroorgehoben. Auch in Frank­reich wird man daher von dieser Kaiserreise den Eindruck empfangen haben, daß Deutschland fest entschlossen ist, das Gewonnene für immer zu behalten. Die in Aussicht genommene Verstärkung der reichsländischen Garnisonen, über welche wahrend der Anwesenheit des Kaisers eine definitive Entscheidung ge­troffen worden sein soll, beweist zugleich, daß man sich in Deutschland zu einem neuen Waffengange bereit hält, falls die Franzosen cs versuchen sollten, das Verlorene durch die Gewalt der Waffen wieder zu gewinnen.

Fürst Bismarck hat dem Grasen Moltke, wie nachträglich bekannt gewor­den ist, gleich nach deffen Aeußerungen im Reichstage über das Verhältniß Deutschlands zu Frankreich seine volle Uebereinstimmung mit denselben kundge­geben. Unser zukünftiger Botschafter in Konstantinopel, Prinz Reuß, ist, nach­dem die Pforte ihre Absicht, die russischen Unterthanen aus der Türkei auszu­weisen, aufgegeben und sich damit einverstanden erklärt, daß dieselben unter den Schutz der deutschen Agenten gestellt werden, über Wien nach seinem neuen Bestimmungsort abgereist. Gleichzeitig ist ein Panzergeschwader unter dem Commando des Coixtre-Admuals Bätsch in Dienst gestellt worden. Der General-Feldmarschalt v. Manteuffel erhielt aus Anlaß seines 50jährigen Dienst- jubrläums ein überaus gnädiges Handschreiben des Kaisers.

Der Reichstag hat sich mit der Berathung der letzten ihm vorliegenden Gegenstände so sehr beeilt, daß er schon am 3. d. Mts., noch eher als man es crwanete, geschlossen werden konnte. Das See Unfallsgesetz, das Patentgesetz, die Vorlage über die Verwendung des Reingewinns aus dem Generalstabswerk über den deutsch-französischen Krieg und der Gesetz-Entwurf über den Bau einer Eisenbahn von Teterchen bis nach Bous fanden eine rasche Erledigung. Der Etat für Elsaß-Lothringen wurde mit der Resolution genehmigt, den Reichs­kanzler aufzufordern, für das allgemeine Collegienhaus der Straßburger Uni­versität 2,500.000 Mk. aus Reichsmitteln bereit zu stellen. Die Vorlage über die Erwerbung zweier Grundstücke für das Reich wurde mit dem Zusatzantrage angenommen, daß die endgültige Bestimmung über deren Verwendung Vorbehal­ten bleiben solle, bis über die Baustelle für das Reichstagsgebäude entschieden sei. Der Antrag Becker-Lasker's betreffs des Zeugnißzwangs fand zwar 21n nähme, hat aber keine Aussicht auf Genehmigung Seitens des Bundesrathes. Der Antrag Rittinghausen^s endlich betreffs Ueberlassung der Kölner Festungs­wälle an die Stadt wurde abgelehnt. Im Ganzen und Großen ist man auf liberaler Seite mit dem Verlauf der diesmaligen Session zufrieden.

Auf dem Gebiete des Culturkampfes verschärfen sich die Gegensätze zwi scheu Staat und Hierarchie immer mehr. Die Cardinals-Congregation, welche vom Papst mit dem Studium der Frage betraut war, ob der päpstliche Stuhl seine Haltung in Bezug auf die zwischen ihm und gewiffen Negierungen obwal­tenden Streitfragen ändern solle, hat erklärt, er müsse die Politik des Wider­standes fortsetzen, und der Exbischof Martin von Paderborn, der sich augen­blicklich in Rom aufhält und vom Papsteunaussprechlich liebevoll" empfangen worden sein soll, wird auch gewiß Nichts dazu beitragen, daß man im Vaticau versöhnlicheren Gesinnungen Raum gibt. So setzt man denn auf ultramontaner Seite die gewohnten Manöver mit ungeschwächtem Eifer fort.

Oesterreich-Ungarn hat in Folge des zwischen Rußland und der Türkei ausgebrochenen Krieges noch mehr als bisher mit den widersprechenden Ten­denzen der verschiedenen im Kaiserstaate vereinigten Nationalitäten zu kämpfen. Während sich in Ungarn ans Anlaß der Anwesenheit der Softas-Deputation in Pesth der Enthusiasmus für die Türken bis zum Uebermaß steigert, wächst in den südslavischen Provinzen Oesterreichs die Begeisterung für Rußland. Die Regierung sucht sich zwischen beiden Extremen, soviel als möglich, in der Milte zv halten. Die in den beiden Parlamenten zu Wien und Pesth gestellten In terpellationen über ihre Orient-Politik hat sie dahin beantwortet: sie halte es fÜT ihre Aufgabe, Alles aufzubieten, daß der Krieg keine europäischen Compli- cationen herbeisühre, für die definitive Gestaltung des Orients aber fich den­

jenigen Einfluß zu sichern, welcher Oesterreichs Lage und Jntereffen entspreche; sie behalte sich daher auch nach ihrer Neutralitäts-Erklärung volle Actionssrei- heit wor, werde aber nur im äußersten Nothfall die Armee mobilisiren. Die allgemeine österreichische Katholiken-Versammlung, welche in Wien unter dem Vorsitz des Grafen Belcredi abgehallen wurde, war von circa 121500 Mit­gliedern besucht und befaßte sich vorzugsweise mit Schulangelegenheiten.

Der Papst thut Alles, was in seinen Kräften steht, um die Völker und Regierungen aufeinander zu Hetzen und einen allgemeinen Weltbrand zu entzün­den, aus dem er die Wiederherstellung seiner weltlichen Herrschaft hervorgehen zu sehen hofft. Gegen dasschismatische" Rußland hat er öffentlich die Hand der göttlichen Gerechtigkeit angernfen, weil dasselbe angeblich seit Jahren un­menschliche Verfolgungen gegen die Katholiken betreibe. Andererseits radelt er gewisse katholische Regierungen, wie die von Frankreich und Belgien, daß sie vor den Kundgebungen ihrer Völker, welche die Freiheit des Oberhauptes der Kirche verlangten, zu zittern schienen, und weigert sich, die Bischöfe zur Ein­stellung ihrer Agitationen auszufordern. Wie wenig er überhaupt dazu geeignet ist, den gegenwärtigen Stand der Dinge anzuerkennen, geht aus der Thatsache hervor, daß er das Anerbieten einer Regierung, feine Freiheit unter den Schutz der Mächte'zu stellen und darüber mit der Regierung des Königreichs Italien ans Giundlage der gegenwärtigen Situation zu unterhandeln, entschieden zu­rückgewiesen hat, weil dies einem Verzicht auf die Rechte der weltlichen Macht gleichkäme! Uebrigens hat er neuestens die große Genugthuung gehabt, daß der italienische Senat den Gesetz-Entwurf über den Mißbrauch des geistlichen Amtes mit 105 gegen 92 Stimmen verworfen hat.

In Frankreich hat gleich, nachdem die Kammern wieder zusammengetreten waren, ein heftiger Kampf zwischen der klerikalen und republikanischen Partei stattgefunden. Veranlaßt wurde derselbe durch eine Interpellation des Depn- tirten Leblond über die ultramontanen Umtriebe. Der Minister-Präsident Jules Simon suchte am ersten Tage des Kampfes zwischen beiden Parteien zu laviren. Als Gambetta indeß am zweiten Tage die Schwäche der Regierung in einer fulminanten Rede tadelte, den Klerikalismus als den gefährlichsten Feind Frankreichs bezeichnete und strenge Ausführung der Gesetze forderte, er­klärte sich der Minister mit der von den Republikanern unterstützten Tages­ordnung einverstanden, welche in Erwägung, daß das Wiederaufleben der Kundgebungen des Ultramontanismus eine Gefahr für den innern und äußern Frieden sei, die Regierung aufforderte, alle gesetzlichen Mittel, über welche sie verfüge, gegen dieselben zur Anwendung zu bringen. Indem die Kammer diese Resolution mit der großen Majorität von 361 gegen 121 Stimmen annahm, hat sie freilich die Agitationen der klerikalen Partei für die nächste Zeit zurück- gedrängt, aber den Eifer derselben nur um so mehr angesacht; dieselbe sinnt von nun an natürlich auf Nichts mehr als darauf die Regierung zu stürzen.

In England nimmt natürlich der russisch-türkische Krieg das öffentliche Interesse ausschließlich in Anspruch. Die Regierung ist durch ihre Neutralitäts- Erklärung zwar den Wünschen der Opposition bedeutend entgegengekommen, trotzdem setzt Gladstone seine Angriffe aus das Ministerium fort. Charakteri­stisch ist übngens für die Haltung der Regierung, daß sie in demselben Augen­blick, wo sie gegen die angeblichen Annexionsgelüste Rußlands nicht energisch genug protestiren zu können glaubt, das Gebiet der Transvaal-Republik in Südafrika, aller Proteste des dortigen Präsidenten ungeachtet, in aller Stille in die englischen Besitzungen einverleibt hat.

Der Kaiser von Rußland ist von seiner Reise zur Armee nach Peters­burg zurückgekehrt und dort ebenso wie in Moskau und allen übrigen Städten des Landes mit großer Begeisterung empfangen worden.

Vermischtes.

München. Ein Graf wegen Lebensmitteloerfälschung angeklagt unb oerurtheilt, ist auch nicht ganz ohne. Dies passirte dem Grafen Styssel d'Aix. welcher in Geisel- pullach für Vie guten Münchener Kühe füttert und seinen Dienstboten Befehl gab, deren Milch tüchtig zu verpantschen, weil sie sonst den Münchenern zu stark sei! Diese zärt­liche Fürsorge des edlen Herrn für das Publikum fand keineswegs den Beifall des ge­strengen Stadtrichters, der so inhuman war, dem Grafen außer einem derben Rüffel noch eine Anweisung auf 120 zahlbar an den Herrn Staat, zu ertheilen.

Eine Journalistenwette. Bekanntlich wird auf der Pariser Weltausstellung ein eigener Pavillon errichtet, mit der Bestimmung, den Berichterstattern aller Zeitungen der Welt zu dienen. Um die Priorität der diesbezüglichen Anregung stritten die Re­dakteure desGaulois" und desFigaro". Der Erstere proponirte eine Wette von 10,000 Frcs-, welche Summe der Armen- und der Scbul-Kosse der Stadt Paris zu­fallen sollte. Die Wette wurde angenommen. Schiedsrichter waren E. Ferry, Maire des IX. Arrondissements von Paris und Herr Cnssagnac Vater. Der Redakteur des Gaulois^' wies Nach, daß sein Vorschlag vom 14. Januar 1877 datire; der Redakteur desFigaro" wies jedoch nach, daß e seinen Vorschlag am 18. Oktober 1876 gemacht bare. Somit hatte der Redakteur desGaulots" verloren und wurde zur Zahlung der Summe von 10,000 Francs verurtheilt.

Stuttgart, 7. Mai. In der Sitzung des königlichen Stadtgerichts vom 3. d. M- wurde der hiesige Holzhändler (5t abgeurtyeilt. Derselbe hatte einer unbemittelten Familie auf Bestellung 1 Cotner Holz zu liefern, brachte aber statt dieses Quantums nur etwa 68 Pfund u.-d versicheite auf Befragen der an der Vollständigkeit zweifeln­den Ehe,rau i- Käufers, die Richtigkeit des Gewichts, worauf er die Bezahlung für den ganzen Cel-tner erhielt. Bet sofortiger Nachwägung des Holzes stellte sich der Ab- inangel heraus und die eingeleitete Untersuchung ergab, daß der Verkäufer wissentlich zu wenig geliefert hatte. Der zugefügte Schaden war zwar ein geringer (nicht ganz