Ausgabe 
12.8.1877
 
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Sonntag, den 12. August

1825.

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AnMe- «ni> Amtsblatt für bra Kreis Gießen.

Preis vierteljährlich 2 Marl 20 Pf. mit BringerlohL Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS MontogS Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

Deutschland.

Dresden, 9. August. DasDresdener Journal" meldet: Auf einem Kartoffelselde bei Schildau im Kreise Torgau nahe der sächsischen Grenze ist gestern das Auftreten des Colorado-Käfers amtlich constatirt worden. Dies­seits wurden sofort alle Vorsichtsmaßregeln getroffen.

Tübingen, 9. August. Die Feier des 400jährigen Bestehens der Universität wurde gestern Nachmittag durch ein allgemeines Bankett in der Platanen-Allee eröffnet, wo Stadt-Schultheiß Goes im Namen der Stadt be­grüßende Worte sprach. Ein Dclegirter aus der Schweiz überreichte hier einen Pokal für die Stadt Tübingen. Am Abend sanden Festlichkeiten der einzelnen Verbindungen statt. Im Museum ging die Begrüßung der Ehrengäste vor sich. Der Zuzug ehemaliger Tübinger Studenten ist ganz ungemein groß. Heute früh wurde der König durch berittene Corps-Studenten aus Bebenhausen ein­geholt. Um 9 Uhr begann der Fest-Act im Universitäts-Hause, der vom König eröffnet wurde; in längerer Rede gedachte der Monarch seiner Vorfahren, welche die Universität gestiftet und gefördert, sowie der berühmten Männer, welche in Tübingen gelehrt und gelernt, namentlich Kepler's, Schelling's, Hegens und Uhland's. Seiner eignen Studienzeit in Tübingen sich erinnernd, schätze er sich glücklich, die Universität über die Schwelle des fünften Jahrhunderts zu geleiten und wünsche ihr den Segen von oben, auf daß sie bis in die fernsten Zeiten wachse und gedeihe. Nachdem der Rector der Universität Weizsäcker auf die Ansprache des Königs erwidert hatte, folgte die Begrüßung seitens der fremden Universitäten und zwar sprach Zeller (Berlin) im Namen der Hoch­schulen des deutschen Reiches, Zimmermann (Wien) im Auftrage der übrigen deutschen Hochschulen, van Geer (Leyden) Namens der niederländischen, Ran (Hohenheim) für die sonstigen academischen Anstalten, Biron (Zürich) für die Schweiz. Rector Weizsäcker erwiderte für Tübingen. Hierauf begab sich die Versammlung im festlichen Zuge zur Stiftskirche.

Tübingen, 9. August. Nach Ankunft des festlichen Zuges in der Stiftskirche hielt der Rector der Universität, Profeffor Weizsäcker, in Anwesen­heit der königlichen Herrschaften und der die Kirche Kopf an Kopf füllenden Versammlung die Festrede, welche eine Stunde dauerte. Die heutige Feier war vom herrlichsten Wetter begünstigt.

Hesteneich.

Wien, 9. August. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest: Be­richten aus Persien zufolge hätte Schir Ali, der Emir von Afghanistan, dem Drucke der Volksstimmung nachgebend, den heiligen Krieg gegen England proclamirt. ^rirr _

Wie», 10. August. DasFremdenblatt" meldet aus Ischl: Kaiser Wilhelm hat dem Kronprinzen Rudolph vor der Abreise ein preußisches Ulanen- Regiment verliehen.

tereffen und die Ehre Englands zu gefährden und ohne den Frieden des Landes zu stören. Nicht ohne Bedeutung ist die plötzliche Rückkehr des bisherigen Militär-Bevollmächtigten im russischen Hauptquartier, Obersten Wellesley, nach London.

Frankreich bietet noch immer das traurige Bild eines durch Partei­kämpfe zerriffenen Landes. Zu dem Kampf der Monarchisten mit den Republi­kanern ist neuerdings auch noch eine Spaltung der Bonapartisten in zwei Parteien unter der Führung Rouher's und Caffagnac's hinzugekommen. An einen Wahlsieg der Regierung glaubt unter den gegenwärtigen Verhältniffen Niemand mehr. Nach unparteiischen Berechnungen kann dieselbe trotz aller Gewaltmaßregeln aus höchstens 150, die Republikaner dagegen aus mindestens 380 Sitze in der neuen Kammer rechnen. Die wahre Gesinnung des französi­schen Volkes scheint in den enthusiastischen Empfang, der dem greisen Expräsi­denten Thiers bei seinem Besuch in Störs zu Theil wurde, zum Vorschein gekommen zu sein. Uebrigens läßt man sich jenseits der Vogesen durch alle Vorbereitungen zu den Neuwahlen nicht abhalten, die Agitationen gegen Deutsch­land fortzusetzen: am 30. Juli wurde u. A. wieder einmal eine Wallfahrt von angeblich 2500 Elsaß-Lothringern nach demheiligen Herzen" auf dem Mont­martre in Scene gesetzt und dabei das Revanchelied:Rette Rom und Frank­reich" gesungen!

In Rom dauert der Scandalproceß über die Erbschaft des Cardinals Antonelli fort. Nach den Aussagen, welche die Hebamme Gervasi, der Erz­priester Vendiri und der Haushofmeister Antonelli's, Tamburlani, gemacht haben, läßt sich nicht wohl mehr daran zweifeln, daß die Gräfin Lambertini die natürliche Tochter des Cardinals ist. Die italienische Negierung läßt es sich angelegen sein, ihre vortrefflichen Beziehungen zu Oesterreich zu rühmen und alle Annexions-Gedanken in Abrede zu stellen. Allerdings scheint die habgierige Politik Englands den Italienern neuestens verdächtiger und unangenehmer zu werden, als -di^^Keuügsamkeit Oesterreichs.

In Spanien haben die Jesuiten am 31. Juli, als am Namenstage ihres Gründers, 44 Mann hoch, wieder ihren Einzug in das Kloster von Loyola, aus dem sie im vorigen Jahre verwiesen worden waren, gehalten.

Kaiser Wilhelm hat, nachdem er seine Kur in Gastein beendet, am 7. d. in bestem Wohlsein die Heimreise angetreten und an dem folgenden Tage mit dem siaiser Franz Joseph in Ischl eine Zusammenkunft gehabt, welche unter den gegenwärtigen Verhältniffen ohne Zweifel von besonderer Bedeutung ist.

Fürst Bismarck, der noch immer in Varzin weilt, hat in der vorigen Woche den Geh. Rath Tiedemann aus dem Ministerium des Innern bei sich gesehen, sich also wohl vorwiegend mit Fragen der innern Politik beschäftigt. Sein persönlicher Gegner, Gras Arnim, traf unterdeß, nachdem er in Wien auf der Durchreise mit dem österreichischen Jesuiten-Provinzial Bülow conferirt, zur Wiederherstellung seiner Gesundheit in Karlsbad ein.

Die deutschen Commissare zum Abschluß eines Handelsvertrages mit Oesterreich sind nunmehr wirklich nach Wien abgegangen. Da man dort gegenwärtig den lebhaften Wunsch zu hegen scheint, die schwebenden Ver­handlungen zu einem Abschluß zu bringen, so steht zu hoffen, daß das erwünschte Ziel endlich erreicht werde. Das deutsche Panzergeschwader ist am 5. d. in Syra eingetroffen, von dort aber wieder nach Port Tino weiter gegangen. Wie hoch das Ansehen des Deutschen Reiches im fernen Auslande gestiegen ijt geht aus dem Umstande hervor, daß auch China sich jetzt entschloffen hat, eine ständige Gesandtschaft in Berlin zu errichten.

Aus dem Gebiet der inneren Reichsangelegenheiten herrscht zwar augen­blicklich, zumal nachdem die Präsidenten des Reichskanzler- und des Reichsjustiz Amtes Urlaubsreisen angetreten haben, eine gewiffe Stille; der Zusammentritt der Commission von Sachverständigen zur Vorbereitung eines Gesetz-Entwurfs zur Einführung einer Reichsstempel- und Erbschaftssteuer beweist in- deß, daß die Frage der Steuerreform an entscheidender Stelle fortwährend im Auge behalten wird. Der Generalpostmeifter Stephan hat das Gesuch eines Vereins für innere Mission um Bewilligung einer ausgedehnteren Sonntagsruhe für die Postbeamten abschlägig beschieden. Während der commandirende Gene­ral v. Blumenthal, der berühmte Generalstabschef des Kronprinzen in den Jahren 1866 und 1870/71, sein 50jähriges Dienstjubiläum gefeiert hat, ist der unter dem Namen desLöwen von Skalitz" bekannte General-Feldmarschall v. Steinmetz plötzlich an einem Herzschlage gestorben.

In Preußen bildete eine Rede des Reichstags-Präsidenten vZForcken- beck, in welcher er es als Aufgabe der liberalen Partei bezeichnete, einen Augenblick in der Gesetzgebung still zu halten, um das Errungene zu vertheidi- gen und dem Volke Zeit zu lassen, sich in die neuen Verhältniffe einzuleben, vielfach den Gegenstand der Besprechung. Der bisherige Ministerial-Director Homeyer ist zum Unter-Staatssecretär im Staats-Ministerium ernannt wor­den. Die Universität Marburg hat die Feier ihres 350jährigen Bestehens unter regster Theilnahme begangen.

Aus Pillnitz kam die Meldung von dem Tode des Prinzen Gustav v. Wasa, des Vaters der Königin von Sachsen; mit ihm ist der letzte männ­liche Sproß des alten schwedischen Königsgeschlechtes geschieden.

Auch die Schweiz hat jetzt tatsächlich ein Pserdeaussuhr-Verbot er- laffen, indem sie den Zoll der auszuführenden Pferde von 3 auf 800 (!) Franken erhöht hat.

Der österreichische Kaiserstaat hat wieder entgegengesetzte Kundgebun­gen der in ihm vereinigten Nationalitäten über die orientalischen Ereignisse erlebt. Da die Ungarn trotz der Ablehnung der Forderungen der Pesther Volksversammlung durch den Minister-Präsidenten Tisza mehr als 200 türken­freundliche Meetings abhielten, so ließen es sich begreiflicher Weise die Kroaten nicht nehmen, auf Volksversammlungen in Agram und an anderen Orten ihre Sympathieen für Rußland auszusprechen, sowie die Vernichtung des türkischen Reiches und eine Besetzung Bosniens durch Oesterreich zu verlangen. Glück­licher Weise war die Regierung durch die jüngsten russischen Niederlagen in den Stand gesetzt, mit ihrer Entscheidung für die eine oder die andere krieg­führende Macht noch zu warten und so zwischen den Tendenzen der verschiede­nen Nationalitäten weiter zu laviren. Von Mobilisirung der Armee ist augen­blicklich keine Rede mehr.

In England war eine durch die Manöver der ultramontanen Homeruler veranlaßte 26stündige Sitzung des Unterhauses das bemerkenswerteste Ereigniß der Woche. Auch die orientalische Frage führte wieder zu mehr oder minder erregten Meetings. So wurde in Southampton eine Versammlung abgehalten, welche gegen jede militärische Occupation Gallipolis, Kretas oder Aegyptens ohne vorhergehendes Einverständniß mit den übrigen Mächten, überhaupt gegen alle Maßregeln, welche England in einen Krieg mit Rußland verwickeln könnten, protestirte, dagegen die Eröffnung der Dardanellen und des Bosporus für die Flotten aller Nationnen befürwortete. Uebrigens ging aus den Aeußerungen einzelner Minister genugsam hervor, daß die Regierung nicht die Absicht hat, sich in den Krieg der Russen und Türken actio einzumischen: so erklärte der Schatzkanzler, es sei jetzt nicht mehr nöthig, einen Special-Credit zur Bestrei­tung der zu Truppensendungen und Flottenverstärkungen erforderlichen Kosten zu beantragen, und der Marquis Salisbury sprach sich geradezu dahin aus, die Regierung hoffe, die Schwierigkeiten der Lage zu überwinden, ohne die In.