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Der orientalische Krieg.

Kirchliche Anzeige»

der evangelischen Gemeinde zn Gießen.

Gottesdienst.

Sonntag, den 13. Mai.

Morgens: Schulinspector Vigelius. Nachmittags: Pfarrverwalter Schlosser. (Prüfung der Confirmanden).

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 13. bis 19. Mai besorgt Pfarrverwalter Schlosser.

Der Vormittagsgottesdienst beginnt mit diesem Sonntage wieder um 9 Uhr

Fr 11 d) b ä dt er ?u Gießen.

Sonntag den 13. Mai. Ludwig Kroneberg in der Neustadt. Her­mann Vogt auf dem Seltersweg. Gustav Eger auf dem Lindenplatz.

vertheidigte die Regierung: Rußland trage die Verantwortung dafür, daß tie einheitliche Äction Europas aufgehört habe. Euglaitd jei bemüht, den Krieg iU lokaMren und die Neutralität zu bewahren. Wenn der Kaiser von Ruß- ] land feinem Worte treu bleibe, daß er Konstantinopel nicht angreifen werde, so ; komme ein Conflict mit britischen Interessen überhaupt nicht in Frage. Hierauf wurde die Fortsetzung der Berathung auf morgen vertagt.

London, 9. Mai. Im Oberhause griff Ruthland die Regierung wegen der Antwort Derby's aus das russische Ctrcular-schreiben an. Derby bestritt, daß seine Depesche große Unruhe in Europa erzeugt habe, und vertheidigt deren Inhalt. England konnte dem Berliner Memorandum nicht zustimmen, weil es dadurch mit Rußland zusammen in den Krieg gegen die Türkei hineingezogen worden wäre. Er zweifle auch nicht an der Aufrichtigkeit der Erklärung, die seiner Zeit Lord Loftus durch den Kaiser von Rußland ertheilt worden sei, aber man dürfe nicht aus dem Auge verlieren, daß damals die russische bereits für den Krieg vorbereitet war und die Erklärung des Kaisers in Mos- kau aller Welt offen vorlag. Schließlich erklärte sich Lord Derby noch gegen die fortgesetzten Anfragen über delicate Fragen des Völkerrechts. Granville erklärte, er könne Derby's Antwort auf Gorlschakvff's Circular weder billigen noch tadeln. Seiner Ansicht nach sei dieselbe mehr für England selbst bestimmt. Cairns trat für die Derby'sche Depesche ein; dieselbe habe die Ansichten der Regierung und, wie er glaube, auch die Ansichten des Landes über die in dem Rundschreiben Gortschakoff's behandelte Frage wiedergegeben.

DieMorning Post" meldet: Das Kriegs-Amt design,rte den General Simmons zum Befehlshaber der Armee, die eventuell nach dem Orient ab- gehen würde.

erwartet. t

Wien, 9. Mai. DerPesther Lloyd" bringt dustere Nachrichten über die türkische Armee bei Kars. Die Pforte wolle im Nothfalle die Moscheen- Güter zu Kriegszwecken verwenden. Die Priesterschaft sei damit einverstanden. Aus Bukarest wird berichtet, daß die Abmachungen .betreffs der Cooperation der rumänischen Armee mit Rußland perfect sei. Die Proclamirung der Unab­hängigkeit sei bevorstehend. Die Ruffen besetzten Ginrgewo. Die türkischen Donaii-Monitors hatten mit den russischen Batterien vor Statunowo einen Geschützkamps. Bei Widdin wollten die Türken den Donau-Uebergang forciren.

Bukarest, 9. Mai. Gestern Abend 5 Uhr nahm das Feuer der tür­kischen Batterien ab. Die türkischen Kugeln erreichten Kalafat nicht; die rumä­nischen erreichten blos die Schiffe vor Widdin. Geheime Vorberathungen von Senatoren und Deputaten beriethen über die Frage wegen Thcilnahme am Kriege. Die Majorität der Deputirten scheint bei Theilnahme am Kriege geneigt, die Majorität des Senats noch zweifelhaft zu sein.

Lokal-Srotiz.

Gießen, 11. Mai. Mit militärischer Pünktlichkeit traf am Mittwoch Abmd der Kaiserliche Extrazug Punkt 7 Uhr ein. Frisch und munter betrat unser olloerehrter Heldenkaiscr den Perron und verfügte sich in den Salon um das Diner dasblbst em- runehmen Eine ungeheure Menschcnmasse hatte sich zur Begr'üßung Semer Maj tt auf dem Bahnhofe eingefunden und hatte die Polizei alle Hande voll zu thun, um bi Passage nach den Wartesälen frei zu halten und die Verblndung zwischen dem Wrgen Seiner Majestät des Kaisers und Seiner Kaiser!. Hoheit des Kronprinzen beizustellen. Nach Ablauf vop 50 Minuten dampfte der Extrazug begleitet von tausendstimmigem Jubelrufe nach Kaffel weiter.

Gießen, H-Mai. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag verübten mebrerc Scklinael vor dem Neuenwegerthor noch dem Schiffenberg wieder einen Akt der Noh- hcit an Gartenthüren, -Spalieren rc wie er lange nicht dagewesen. Das schone Mm- aehen dürfte den Bmsckchen jedenfalls theuer zu stehen kommen. Am Ludwigs- brunncn wmde das Himmelfahrtfest mit einer solennen Holzerei elngelettet. wurde ein Biauer durch einen Steinwurf am Kopfe sehr verletzt. Auch die bewaff­nete Macht bethetligte sich dabet und büßte ein Krieger bei dem Kampse sem Seilen- gewbhh^>m Wal. Auf dem am 8. u. 9. Mai d. Js. dahier stattgehabten Vieh­markte waren aufgetrieben: 1310 Stück Rindvieh -und 2453 Schweine

Bukarest, 7. Mai. Fürst Karl nahm heute die Adreffe des Senats entgegen. In seiner Erwiderung an die Deputation zählte der Fürst die von den Türken begangenen feindseligen Acte gegen rumänische Häsen, Schiffe, offene ' Städte und friedliche Einwohner aus und fügte hinzu: Gegenüber der aggresst- i ven Haltung wird die rumänische Regierung nicht ihre Vorsicht, aber auch nicht die Energie verleuguen, welche beide Kammern ihr vorgeschrieben haben. Ick sehe jedoch mit Kummer voraus, daß all' unsere Mäßigung nichts nutzen wird. In diesem Falle werden wir Gewalt mit Gewalt zurückweisen, denn wir haben die Pflicht, unser Land zu vertheidigen.

Wien, 8. Mai. Aus Serbien sind ungünstige Nachrichten eingelaufen. Die Bildung von Jnsurgenten-Banden wird schwungvoll betrieben.

Wien, 8. Mai. DerPolit. Corresp." wird aus Bukarest von heute gemeldet: Im Hinblick auf die Eventualität einer nahen militärischen Action der rumänischen Armee werden von der Regierung finanzielle Maßnahmen zur Vorlegung an die Kammer vorbereitet. Aus Rustschuk wird gemeldet: Das türkische Armee-Commando hat angeordnet, daß alle ttn Bereiche der türkischen Donau-Flottille befindlichen Schiffe nebst Ladungen ohne Rücksicht auf ihre Staats-Zugehörigkeit unter Vorbehalt des später seitens der Elgenthumer zu nehmenden Regresses mit Beschlag belegt werden sollen. Es soll dadurch ver­hütet werden, daß die Ruffen Schiffe zum Brückenschlägen vorfinden.

_ Der deutsche Botschafter Prinz Reuß ist heute hier emgetoffen. Er besuchte den den abwesenden Grafen Andraffy vertretenden Sectwns-Chef Orczr. Am Freitag wird der Prinz die Reise nach Konstantinopel fortsetzen und durfte, der Polit. Corresp." zufolge, mit dem ebenfalls nach Konstantinopel zuruckkeh- renden österreichischen Botschafter, Grafen Zichy, in Triest zusammcntreffen.

Bukarest, 8. Mai. Die Türken bombardiren von Wwdm aus Ka­lafat. Die rumänischen Batterien erwidern das Feuer.

Konstantinopel, 8. Mai. Die Polen-Emigration bat zum Zweck der Bildung eines 40,000 Mann starken Freicorps eine Proclamativn erlassen. Die Pforte wird die nöthigen Gewehre und Kanonen stellen.

Jaffy, 8. Mai. Tschernajcff ist zum General-Major m der russischen Armee ernannt und beaiiftragt, eine Bulgaren - Brigade zu formiren. Die Rilssen traciren eine Bahnlinie von Maracesli nach Buses.

chRustschuk, 8. Mai. Abdul Kerim und Achmed Ejub halten hier fort­während Kriegsrath. Die Dampf-Flottille macht Jagd lediglich auf Schiffe, welche den Ruffen Lebensmittel zusühren. Die Ruffen werden in Giurgewo

Vermischtes.

(M-ßoerständn.sse.) Einem in Berlin tu Garnison stehenven höheren Stabs­offizier hatte kürzlich ein Unteroffizier eines anderen Regiments verschiedene Ordres zur Unterschrift vorzulegen und begab sich zu diesem Behufe in die in der Potsdamerstratze befindliche Wohnung des Vorgesetzten. Auf sein Läuten wurde ihm denn von einem hübscken jungen Wesen geöffnet, das ein Kind auf dem Arme trug.Ist der Herr- Oberst zu Hause, mein Sckätzcken", fragte der galante Unteroffizier und kniff das Schätzchm recht tüchtig in die Wangen!Was unterstehen L>ie sich", rief ärgerlich die mit solcher Zärtlichkeit Bedachte und zeigte ihm dann die ^bür, welche zum Dienstzimmer des Obersten führt; sie selbst aber begab sich in ein Nebenzimmer und rief von da ihrem Gatten, dem Herrn Oberst zu:Ach, sei so gut, nur auf eine Minute hier hereinzukominen ich will Dir etwas mittheilen."Bitte, warte einen Augenblick, bis ich den Unteroffizier da abgefertigt habe"Nein, nein, ich möchte Dich eben sprechen, so lange der Unteroffizier noch da ist." Der Oberst begab sich in's Nebenzimmer, der Unteroffizier, der seinerzeit im Kugelregen gestanden, ohne zu zucken schwitzte Tropfen der Angst; schon sah er sich in epanbau, denn daß es die Frau Oberst und nicht ein Kindermädchen war, die er gekniffen, das sah er nur zu deutlich! Ich möchte Dick bitten," wandte sich die Dame zu ihrem Gemahl,dem Unter? osfifirr zu sagen, er möchte, wenn er wieder einmal kommt, unsere Mädchen draußen in N-.'he lassen, ich kam gerade dazu wie er eine recht tüchtig in die Wange kniff." Wenn Du's wünschest, will ich's ihm verbieten," erwiderte der Oberst lachend, aber eigentlich, was ist denn da viel dabei. Na, ich will'S ihm Vorhalten. Damit be­gab er sich wieder in fern Dienstzimmer, wo der Unteroffizier, voll banger Ahnungen ihn erwartete.Hören Sie, Unteroffizier, diese Kneifereien im Vorzimmer lassen Sie künftig bleiben!" -Entschuldigen Herr Oberst, aber ich wußte nicht, daß es die Frau Oberst"Ja, daß es die Frau Oberst gesehen hat," ergänzte der Oberst, einerlei, es schickt sich unter keinen Umständen, hauptsächlich nicht, wenn Sie sich im Dienste befinden. Rechtsum, Marsch! Erstaunt Über das unbegreifliche Pflegma seines hohen Vorgesetzten, verließ der Unteroffizier das Haus und dankte seinem Schöpfer, so billig davon gekommen zu sein. Die Frau Oberst aber hat die kleine Geschichte zur großen Erheiterung ihrer Gäste kürzlich gelegentlich einer Soiröe zum Besten gegeben, nachdem der Gatte ihr versprochen, es bei der dem Unteroffizier ge- gebenen einmaligen Lektion bewenden zu lassen.

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