Ausgabe 
9.6.1877
 
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JVo. 180. Samstag, den 9. Juni 18V7.

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Anstigk- iii Amtsblatt für ten Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags Expedition: Schul st rahe, Lit. B. Ar. 18.

PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqrrlol.n.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, den 6. Juni 1877.

14 Tagen entgegen.

v. Röder.

Betreffend: Die Feuervisitation pro 1877. ,

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzogl. Dürgermeiftereien.

Wir sehen der Einsendung der noch rückständigen Feuervisitationsproiocolle, mit Bescheinigung über geschehene Bedeutung der Interessenten, binnen

Gießen, den 7. Juni 1877.

Lehrer-Conferenz

des Conferenz-Bezirkes Großen-Buseck.

Donnerstag den !& Juni, Anfang 10 Uhr, in Großen-Buseck.

Büchner, Kreisschulinfpector.

politisch

Deutschland.

Darmstadt, 7. Juni. Der Zustand Sr. König!. Hoheit des Groß­herzogs war bis nach Mitternacht befriedigend. Von da an erfolgte bedenk­lichere Schwäche mit Unruhe, stark aussetzendem Puls und Beklemmung auf der Brust.

Seeheim, 7. Juni 1877.

Professor Seitz. Dr. Göring.

Die heute Nacht bei Sr. König!. Hoheit dem Großherzog hervorge- tretenen bedenklichen Symptome haben sich im Laufe des Vormittags um etwas mmmbert. Der Kräftezustand hat sich bis jetzt noch nicht wesentlich gehoben.

Seeheim, 7. Juni 1877.

Dr. Göring.

Berlin. Eine Verfügung des General-Postamts vom 23. Mai Kün­digte an, daß im Vereinsverkehr, d. h. im Verkehr zwischen verschiedenen, zum Allgemeinen Postverein gehörigen Ländern, für den Druck bestimmte Manu­skripte, gleichviel, ob mit Drucksachen verbunden oder nicht, unter Kreuzband gegen die ermäßigte Taxe versandt werden dürfe. Diese Verfügung wurde in mehreren Blättern in dem Sinne erwähnt, als ob danach die Versendung von Manuskripten in der gedachten Weise allgemein nachgegeben worden sei. Das General-Postamt macht daher neuerdings darauf aufmerksam,daß im inner« Verkehr Deutschlands Manuscripte nach wie vor nur in Gemeinschaft mit den Drucksachen zur Beförderung unter Band gegen die Drucksachen-Taxe zuge­lassen sind."

Köln, 5. Juni. DieKöln. Ztg." meldet aus Konstantinopel von heute: Die Pforte hat an ihre Vertreter bei den fremden Negierungen ein Rui ^schreiben versendet, welches heute den letzteren mitgetheilt werden foIL In demfelben erhebt die Pforte Einspruch gegen die Unabhängigkeits-Erklärung Rumäniens und erklärt ferner: sie selbst habe jederzeit die Verträge, welche Rumäniens Stellung zur Türkei regelten, anerkannt, Rumäniens Rechte und Privilegien geachtet, sowie mit dem Fürsten und der Regierung im besten Ein­vernehmen gestanden. Selbst noch nach dem Beginn des jetzigen Krieges habe Fürst Karl erklärt, er gedenke das Verhältniß zur Pforte, bei welchem Rumä­nien sich wohl befinde, nicht zu ändern und werde seine Vasallen-Pflicht gegen die Psorte nach wie vor erfüllen. Der Fürst habe jedoch sein Wort nicht ge­holte«. Von Rußland seien sämmtliche Provinzen und Vasallen-Staaten der Pforte aufgewiegelt und auch Rumänien zu dem Schritte der Lossagung von dem suzeränen Staat getrieben worden, gegen welche jetzt die Pforte auf Grund der bestehenden Verträge bei den Mächten auf das Entschiedenste protestire.

Hesterreich.

Wien, 6. Juni. DiePresse" meldet aus Jassy: Der Czar passirte gestern 9 Uhr 40 Min. Jassy. Das nämliche Blatt meldet aus Petersburg: Fürst Gortschakoff tritt von Plojesti aus eine sechswöchcntliche Urlaubsrcese nach Deutschland an.

Oesterreich sendet zur Begrüßung des Czaren einen General nach Rumänien. _ ,

DiePolit. Corresp." meldet aus Petersburg vorn gestrigen Tage: Schuwaloff kehrt nach London zurück. Oubril geht heute nach Berlin, Nowi- koff nach Moskau und von dort nach Wien. Cattaro, 5. Juni. Der montenegrinische Anführer Petrovic schlug die Türken am Maljathügel in Alba­nien. Viele Hundert abgeschnittene Türkenköpfe bezeichnen diesen montenegrini­schen Sieg. DiePolit. Corresp." meldet ferner: Epirus und Thessalien drohen gegen die Türkei aufzustehen. Montenegros Hoffnungen werden von Petersburg aus sehr gedämpft.

Wien, 6. Juni. DiePolit. Corresp." meldet aus Galatz vom 6.

er Hßei

d. Mts.: Der Kaiser von Rußland, der Großsürst-Thronfolger und die Groß­fürsten Wladimir und Sergei nebst dem Fürsten Gortschakoff, den Staatsräthen v. Hamburger und Jomini sind mit großem Gefolge heute Mittag in Barbosch eingetroffen und haben nach achtstündigem Aufenthalte ihre Reise in der Rich­tung auf Braila fortgesetzt. Dieselbe Correspondenz meldet aus Cattaro von heute: Ein gestern bei Maljat stattgehabtes Gefecht endigte mit dem vollstän­dige- Rückzüge der Türken; letztere hatten 700 Mann Verlust, die Monte­negriner mir 80. Seit gestern wird in der Gegend von Krstac gekämpft. Von türkischer Seite verlautet, Ali Saib Pascha, der mit 40,000 Mann in Alba­nien operire, habe die Montenegriner, vollständig geschlagen und die Anhöhe von Danilograd besetzt.

Prag, 6. Juni. Die städtische Vertretung von Wamberg ist wegen Ueberschreitnng ihres gesetzlichen Wirkungkreises aufgelöst; weitere ähnliche Maß­regeln stehen demPrager Abendblatt" nach noch bevor.

Frankreich.

Paris, 5. Juni. Der deutsche Gesandte in Madrid, Graf Hatzfeld, ist hier eingetroffen. Das hier verbreitete Gerücht, Gambetta sei nach Bel­gien gereist, um sich einer gerichtlichen Verfolgung wegen seiner Rede vom 2. Juni an die Studenten-Deputation zu entziehen, entbehrt der Begründung. Es heißt, Gambetta werde auf Thiers' Anrathen die von ihm beabsichtigte Agitationsreise unterlassen.

Paris, 6. Juni. Marschall- Mac Mahon hat sich mit seiner Gemah­lin nach dem Schlosse La göret begeben. Die für den 17. Juni beabsichtigte Revue der Pariser Garnison soll verschoben werden, da durch das Zusammen­treffen derselben mit der Wieder-Eröffnung der Kammern die Befürchtung ver­anlaßt wurde, daß Demonstrationen vorkommen könnten.

General - Versammlung der Actionäre des Suez-Canals. Herr v. Lesseps bemerkt, daß die Haltung und kategorische Erklärung Englands über die Notwendigkeit, die Passage des Canals für die Schiffe aller Nationen frei zu halten, jedenfalls dem Plane in Betreff einer internationalen Verstän­digung, den er selbst dem Lord Derby vorgeschlagen, vorzuziehen sei. Die Bemerkung fand einstimmigen Beifall. Die Dividende wurde auf 3 Frcs. 55 Cts. festgesetzt.

Paris, 6. Juni. Von Seiten der türkischen Botschaft wurde die Nach­richt von der Einschließung von Kars und der Vernichtung der türkischen Ka­vallerie unter Muffa Pascha dementirt.

tzngland

London, 6. Juni.Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel: Der Khedwe hat den Sultan benachrichtigt, daß, wenn die Pforte, Angesichts der Erklärung Lord Derby's in seiner die Schifffahrt auf dem Suez-Canal betreffenden Depesche vom 16. Mai, russischen Schiffen die Durchfahrt durch den Suez-Canal verweigern sollte, es nothwendig wäre, türkische Kriegsschiffe nach dem Canal zu senden, um die Annäherung russischer Schiffe zu verhindern.

Belgien.

Brüssel, 5. Juni. In der heutigen Sitzung der Deputirten-Kanuner kam die Interpellation Frere - Orban's bezüglich der Ansprache des päpstlichen Nuntius an frühere päpstliche Zuaven-Officiere zur Berathung. Der Interpellant machte geltend, daß die Feier des päpstlichen Jubiläums in eine Kundgebung zu Gunsten des Papst-Königs ausarte, und unterzog die Artikel der klerikalen Journale, sowie die Adresse der Studenten der Universität Löwen und die er­wähnte Ansprache des päpstlichen Nuntius einer scharfen Kritik. Von Seiten der Regierung wurde hierauf erklärt: Der Nuntius habe die ihm zugeschrie­bene Rede desavouirt. Ebenso muffe die Regierung alle erwähnten Kundgebun- . gen, wie überhaupt alle Acte, durch welche die belgischen Institutionen compro-