Ausgabe 
8.4.1877 Zweites Blatt
 
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1S77.

Sonntag, den 8. April

Zweites Blatt

Io. SO

AMP- M Amtsblatt fit ben Kreis Gieße«

Erscheint täglich mit Ausnahme be5 Montags.

Expeditionr Schulstraß», Lit. B. Nr. 18.

. Hinterbliebene - Irsmrv, ermeister-

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

und die Geschicke der großen Nation, für deren Einigung er mehr als irgend Jemand gethan, auch ferner leiten. Das Blatt erblickt ferner in dem Um­stande, daß Bismarck den gegenwärtigen Augenblick für seinen Erholungs- Urlaub gewählt habe, eine günstige Vorbedeutung für die Erhaltung des Friedens.

Die Tageblatter bezweifeln, daß Bismarck zurücktreten werde, sie glauben allesammt an einen blos zeitweiligen Abschied von den Geschäften, bis etwaige Ereignisie auswärtiger Politik seine Wiederkunft erheischen würden. Die Prinzessin von Wales reist heute über Paris und Brindisi nach Athen. Der Prinz dürfte am nächsten Dienstag nach Süd-Frankreich reisen, daselbst später seine zurückkehrende Gemahlin erwarten und mit ihr eine vierwöchentliche Nachtfahrt im Mittelmeer unternehmen.

London, 4. April. In einer bei einem Banket zu Gloucester gehalte­nen Rede wurde Seitens des Geheim - Siegelbewahrers für England, Sir M. Hicks-Beack, die Politik einer militärischen Intervention, welche einen Racen- und ReligionS-Krieg herbeiführen könne, mißbilligt. Redner sprach die Ansicht aus, das Protokoll werde, wenn es erst hinlänglich erläutert sei, die vollstän­dige Billigung des Landes finden- Das Protokoll sei ein neuer Beweis für das Einvernehmen der sechs Großmächte in einer Frage, welche gefahrdrohend werden könne, wenn die Entscheidung einer Macht alletu überlasten werde. Dasselbe sei ferner ein Pfand für die Aufrechterhaltung des Friedens; dieser Friede begründe nicht nur die Hoffnung auf Annahme, sondern auch auf Aus­führung der Reformen Seitens der Pforte.

London, 5. April. DieMorning Post" will erfahren haben, daß die Pforte ihre Bereitwilligkeit bekunden werde, unter Betonung der Autorität des Sultan- die Reformen bei Ausdehnung derselben auf das ganze Reich aus­zuführen ; auch werde dieselbe einen Gesandten nach Petersburg senden behufs Vereinbarung des Modus der gleichzeitigen Abrüstung. Die türkische Regierung sei ferner geneigt, den Forderungen Montenegros halbwegs entgegenzukommen, wolle hierbei aber in Uebereinstimmung mit den ursprünglich von Midhat Pascha gestellten Bedingungen auf der Unverletzlichkeit des Art. 9 des Pariser Vertrages bestehen. Endlich werde Seitens der Pforte die Erwartung ausge­sprochen werden, daß, wenn sie sich auch jetzt der von der Situation gebotenen Nothwendigkeit füge, daraus nicht der Schluß gezogen werde, daß sie irgend­welche Einmischung im Widerspruch mit den Prärogativen des Sultans oder der Constitution des Landes gestatte.

Dänemark.

Kopenhagen, 4. April. Heute Nachmittag wurde der Reichstag auf Grund eines königlichen Rescriptes geschloffen.

WrKei.

Konstantinopel, 5. April. Von dem Protokoll ist gestern Savfet Pascha Mittheilung gemacht worden; dieser erklärte, er werde die Entschließung des Sultans einholen.

Gr mordn ng

eines unbekannten Frauenzimmers.

Vor 1112 Jahren verlor ein unbekanntes Frauenzimmer in dem Rheingau bei der Eisenbahnstation Oestrich-Winckel eine Tasche mit Geld.

Das Frauenzimmer wird beschrieben als frisch, blühend, schön, nicht sehr groß, kräftig gebaut, zwischen 2436 Jahre alt, dunkelblondes Haar ge­flochten, in ein Netz zusammengelegt, es trug kleines rundes Hütchen mit schwarzem Schleier, schwarz seidenes Kleid mit Garnirungen, schwarz seidene mit Spitzen besetzte Mantille, auf dem Arm eine gewirkte Doppel-Shwal.

Die verlorene Tasche wird beschrieben als ein wunderschönes Perlentäschchen mit vergoldetem Schlößchen.

In demselben soll sich eine sehr große Geldsumme, Papiergeld, große Scheine, in verschiedene mit rothen Bändchen umbundene Päcke geordnet, sowie auch Gold, vielleicht auch eine goldene Damenuhr mit Kette befunden haben.

Es wird auch angegeben, dieses Perlentäschchen hätte wieder in einer Ledertasche gesteckt, an welcher sich ein Stahlkettchen zum Tragen befand, und der Verlust der Tasche sei dadurch verursacht worden, daß dieses Kettchen sich unbemerkt ausgehängt habe.

Das Frauenzimmer sprach gut deutsch und wird nach einem allgemeinen Gerücht alsGouvernante oder Kammerjunger" einer englischen Familie be­zeichnet, welcher das Geld von ihrer Herrschaft anvertraut gewesen sei.

Es ist auch angegeben, aber bis jetzt nicht bestätigt, sie habe Jenny v. Wolff geheißen, eine Stelle bei einer gräflichen Herrschaft gehabt und ser von dieser allein von London aus nach Frankfurt a. M. geschickt worden um dort bei einer Bank Geld zu holen, mit dem empfangenen (Selbe habe sie die Rückreise durch das Rheingau gemacht, sei zu Hattenheim aus dem Eisenbahnzuge ausgestiegen und zu Fuß, um sich die Gegend anzusehen, bis an den jetzigen Bahnhof von Oestrich-Winckel gegangen. Auch alsEngländerin" und alsDame von Frankfurt" wird sie bezeichnet.

Dieses unbekannte Frauenzimmer verschwand damals spurlos und es ging das Gerücht, sie habe sich im Rheine ertränkt.

Auch ist einmal behauptet worden, ein Graf sei wegen ihres Verschwindens zu Coblenz oder einem anderen mehr rheinabwärts gelegenen Orte in T* ^Am 10. Mai 1876^ wurde aber zu Oestrich das Scelett einer weiblichen Leiche aufgefunden und sind nach ärztlichem Gutachten mindestens 10 Jahre seit dem Tode der Person verflossen. Dieselbe ist durch einen Schuß in den Kopf getödtet und die Untersuchung ergiebt den dringenden Verdacht, daß die Leiche diejenige des erwähnten Frauenzimmers und daß dieses von dem Finder des Geldes ermordet worden sei.

Wir ersuchen um gefällige Nachricht, falls Jemand über die Person der Verschwundenen oder überhaupt in dieser Sache Auskunft zu geben vermag. Gießen, am 5. April 1877.

Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

ige.

unten statt besonderer ser guter, innigst ge- ossvater

Branmi

NachmittagA2 tbr

burtstage sanft"

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Deutschland.

Darmstadt, 5. April. Der Reichstags - Abgeordnete Most hielt am Dienstag in einer stark besuchten Volks-Versammlung einen Vortrag überdie Lösung der socialen Frage." Das Zustandekommen schien Anfangs fraglich, indem dieselbe ursprünglich aus Vormittags festgesetzt war, wogegen indessen auf Anordnung des Kreisamts das Polizeiamt Einsprache erhob, da nach dem hessischen Polizei-Strafgesetz eine derartige Versammlung vor Beendigung des Nachmittags-Gottesdienstes nicht zulässig erscheine. Dieselbe wurde schließlich aus den Nachmittag anberaumt. (N. H. V.-Bl.)

Darmstadt, 5. April. Die Nr. 15 des Großherzoglichen Regierungs­blatts hat folgenden Inhalt:

1. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial - Directwn Starkenburg, den Steuerausschlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudenschafts-Kasse zu Darmstadt für 1877 betreffend.

2. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1877 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Oppenheim.

3. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1877 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Büdingen.

4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, die Besoldung des Rabbinen zu Alzey für 1877 betreffend.

5. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.

6. Namensveränderüngen.

(Schluß folgt.)

Offenbach, 5. April. Bekanntlich werden aus Anregung des Reichs- kanzler-Amtes an den größeren Handelsplätzen Deutschlands dermalen Ermitt­lungen darüber angestellt, welche Nachtheile im Geschäfts-Verkehre durch die sog. Wander-Lager oder Waaren-Auctionen entstehen, da die Reichs-Regierung beabsichtigt, den Mißständen durch Erlaß eines Gesetzes entgegenzuwirken. Die hessische Regierung ist bereits im vorigen Jahre durch Vorlage eines von der Geschäftswelt sehr günstig aufgenommenen Entwurfes über die Besteuerung der Wander-Lager vorgegangen, und in den letzten Wochen hat hier eine Besprechung Sachverständiger stattgefunden, die eine Ordnung der Besteuerungs-Frage durch das Reich im Interesse der Beseitigung der vielfach hervortretenden Uebelstände für nöthig erachtete. Thatsache ist, daß jene Wander-Lager meistens unter marktschreierischem Aushänge-Schilde mißrathene Waaren oder sog.Ladenhüter" zu anscheinend billigen Preisen verkaufen, wobei der unerfahrene Theil des Publikums übervortheilt wird.

England

London, 4. April. Die meisten Morgenblätter enthalten Besprechun­gen über die Beurlaubung des Fürsten Bismarck und äußern sich mit lebhafter Anerkennung der großen Thaten des Reichskanzlers.Standard" gibt der Hoffnung Ausdruck, der Fürst werde Deutschland noch lange erhalten bleiben

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Tie verfallenen Pfänder der Pfichl YMalt des Unterzeichneten iiiüfin t diesctz Monats eingelöst oiifi t »erden, grgenfalltz deren k«r- ; erfolgt.

, den 6. April 1877.

___A. Henrich

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